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Die Akademie der Wissenschaften

Thema des Tages Die Akademie der Wissenschaften

Die Zukunftsstrategie der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen sieht die Gelehrtengesellschaft künftig noch mehr als Forschungsinstitution.

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Weiteres Zeichen der Neuerung: Das neue Gebäude der Akademie in der Geiststraße. Dort werden Forschungsvorhaben untergebracht, die bisher in verschiedenen Gebäuden in der Stadt waren. Der Umzug sei ein ganz großer Schritt für die Akademie, so Tangermann. Dort und im Lagarde-Haus am Friedländer Weg werden die Göttinger Arbeitsstellen der 26 Langzeitprojekte untergebracht wie die Papsturkunden, das Blumenbach-Online-Projekt, die Deutschen Inschriften oder das Mittelhochdeutsch-Wörterbuch. Das sin

Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. Dafür sind verschiedene Ziele formuliert worden. Pro­motions­programm: Datenaufwendige Projekte sollen in Promotionsstellen ausgewertet werden. Daraus ergibt sich für die 26 Forschungsvorhaben der Akademie eine engere Zusammenarbeit mit Universitäten, die das Promotionsrecht haben.

In dieser Form neu

Vizepräsident Kaufmann sieht zwei Vorteile dieser Ausrichtung: Nachwuchswissenschaftler werden mit den Projekten der Akademie vertraut und die Doktorarbeiten führen dazu, dass durch Promotionsthemen die Aspekte von Projekten wie die Deutschen Inschriften des Mittelalters oder die Gelehrten Journale besser analysiert werden. Ein Projekt dieser Form, so Kaufmann, ist in der bisherigen Wissenschaftslandschaft neu.

Akademieprofessuren: Forscher in den Akademieprojekten sollen mit einem halben Lehr­deputat an Universitäten tätig werden. Dort könnten von ihnen Fächer vertreten werden, die an den Universitäten kaum noch angeboten werden wie Lexikographie, diplomatischer Apparat oder historische Hilfswissenschaften. Hierin, so Tangermann, gebe es in den Akademievorhaben außerordentliche Expertise, die oftmals an den Hochschulen nicht mehr in kleinen Fächern vorhanden sei. Für die Akademiemitarbeiter wiederum, so die Strategie, sind Karrieremöglichkeiten an Hochschulen aussichtsreicher.

Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Albrecht von Haller (1708-1777) war der erste Präsident der 1751 gegründeten Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Ihr Leitgedanke lautet: „Fecundat et ornat“ - sie befruchtet und ziert. Das erreicht sie mit dem Zusammenbringen von Wissenschaftlern über Fach- und Ländergrenzen hinweg: 400 ordentliche und korrespondierende Mitglieder hat die Akademie.

Im von Bund und Ländern finanzierten Akademienprogramm betreut sie aktuell 27 Forschungsprojekte. Neben wissenschaftlichen Veranstaltungen richtet die Akademie öffentliche aus wie Ringvorlesungen, die Akademiewoche und Vortragsabende im Niedersächsischen Landtag und in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin. Nachwuchswissenschaftler und renommierte Forscher werden mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Die höchste Auszeichnung der Akademie ist die Lichtenberg-Medaille.

Forschungsvorhaben: Die Arbeitsgruppen sollen ein eigenes Budget erhalten, um unabhängiger als bisher arbeiten und selbst Drittmittel einwerben zu können. Sie werden bisher aus dem Etat der Akademie finanziert.Vizepräsident Schönhammer weist darauf hin, dass die Akademie die Möglichkeit zu interdisziplinären Kooperationen bietet. Die Plenarsitzungen seien ein Treffpunkt von Vertretern aller Disziplinen. Als Mitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft will die Akademie für diese Projekte Fördermittel beantragen.

Denn, auch das ein dringend zu lösendes Problem, die „Finanzierungsdefizite der Akademie sind gewaltig“, so Vizepräsident Kaufmann. Insofern sei die Institution dringend darauf angewiesen, neue Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen - in der Forschung sei die Förderung über Drittmittel ein Weg.

Zwei Klassen seit 1893

Die 1751 gegründete Akademie der Wissenschaften zu Göttingen teilt ihre Mitglieder seit 1893 nach Professionen in zwei Klassen auf. Nun wurde aus der mathematisch-physikalischen Klasse die mathematisch-naturwissenschaftliche, aus der philologisch-historischen Klasse ging die geistes- und gesellschaftswissenschaftliche hervor.

Diese Umbenennung gilt insofern als bedeutsam, weil sie das Zeichen dafür ist, dass sich die Akademie fachlich breiter aufstellt, um die Gesellschaftswissenschaften - Soziologie, Politologie, Wirtschaftswissenschaften - stärker einzubeziehen.

Zu den neuen Forschungsvorhaben zählt auch eines, das die Geschichte der Akademie während des Nationalsozialismus aufarbeiten soll. Umfassen soll der Untersuchungszeitraum auch die Zeit vor 1933 und die Zeit nach 1945; beispielsweise mit Blick auf Wiederaufnahme von ausgeschlossenen Mitgliedern.

Mittel von der Akademie für Hilfskräfte sollen die Emeritii erhalten. Aktive Seniorkollegen die wiederum als Mentoren für die in Akademieprojekten tätigen Nachwuchswissenschaftler und auch für die neu hinzukommenden Juniorfellows tätig werden. „Wir wollen bei der Wahl neuer Mitglieder gezielter die Kriterien Alter und Geschlecht berücksichtigen, jüngere und weibliche Wissenschaftler zu Mitgliedern machen“, so Tangermann.

Eine Million Euro Jahreszuschuss

Präsidium: Nicht mehr nebenbei, sondern im Hauptamt soll der Präsident die Akademie leiten. Weiterhin aber sollen nur Mitglieder der Akademie Vorsitzende oder Vorsitzender werden können. Ab April wird Andreas Gardt aus Kassel Präsident der Akademie werden. Ihm wird, so hofft das noch amtierende Präsidium, ein höherer Jahresetat zur Verfügung stehen: Seit Jahren erhält die für ganz Norddeutschland zuständige Akademie eine Million Euro Jahreszuschuss. Angemeldet sind nun im Ministerium für Wissenschaft und Kultur 100 000 Euro.

„Es ist einfach unumgänglich, dass der Haushalt der Akademie um diese Summe erhöht wird“, sagt Tangermann, der in dieser Angelegenheit kürzlich eine „Pilgerfahrt nach Hannover“ unternommen hat. Unter den acht deutschen Unionsakademien sei die Göttinger für die Aufgaben der Geschäftsführung mit 9,5 Stellen finanziell am schlechtesten ausgestattet. Andererseits habe die Göttinger Akademie die meisten Langzeitprojekte mit dem größten Fördervolumen. Für Tangermann ist die geringe Ausstattung, eine Million Euro pro Jahr im Vergleich beispielsweise zur Berlin-Brandenburgischen Akademie, die zehn Millionen Euro erhält, „ein völlig unhaltbarer Zustand“.

Amtsübergabe: In einer Feierstunde in der Aula der Universität wird das neue Präsidium der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen am Freitag, 22. April, vorgestellt. Präsident Andreas Gardt und die Vizepräsidenten Hans-Joachim Fritz und Jens Peter Laut erhalten dann ihre Ernennungsurkunden. Spachwissenschaftler Gardt (61) wird seine Antrittsrede mit dem Titel „Die Deutschen und ihre Sprache“ halten. Der Professor für Sprachwissenschaft lehrt an der Universität Kassel am Institut für Germanistik, teilte die Akademie am Montag mit.

„Mir liegt daran, die Arbeit der Akademie in die Gesellschaft zu vermitteln durch neue Formate und das Aufgreifen von Fragen, die die Gesellschaft beschäftigen“, sagte Gardt nach seiner Wahl im Januar. Der gebürtige Mainzer ist seit 2001 Inhaber der Professur für Germanistische Sprachwissenschaft und Sprachgeschichte an der Universität Kassel. Der Akademie gehört er seit 2009 an.

Seit 1999 ist Fritz, geboren 1945 in Stuttgart, Mitglied der Akademie. Der Professor der Molekularen Genetik war bis zu seiner Emeritierung 2010 an der Göttinger Universität und tritt im Akademie-Präsidium die Nachfolge von Schönhammer an. Laut, geboren 1954 in Hannover, lehrt seit 2008 als Professor für Turkologie und Zentralasienkunde an der Universität Göttingen und ist seit 2010 Akademie-Mitglied. Der Nachfolger von Kaufmann im Akademie-Präsidium gilt als Experte für die vorislamische (buddhistische, manichäische, christliche) und frühislamische türkische Sprache und Kultur in Zentralasien, Kemalismus, Sprachreform in der Türkei und moderne türkische Literatur.

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