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Die Malteser: „Ohne Ehrenamt geht gar nichts“

Hilfe in Serie Die Malteser: „Ohne Ehrenamt geht gar nichts“

In einer Serie stellt das Göttinger Tageblatt Menschen vor, die sich ehrenamtlich in einer Hilfsorganisation engagieren. Heute: Eva-Maria Hilgers-Canisius von den Maltesern.

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Arbeitet ehrenamtlich bei den Maltesern: Eva-Maria Hilgers-Canisius.

Quelle: Lieske

Als Kreisbeauftragte für Friedland, Duderstadt und Göttingen ist Eva-Maria Hilgers-Canisius viel gefragt. „Es ist eine sehr umfangreiche Arbeitsbelastung“, sagt die 53-Jährige. Ihre Devise: „Ich mache nicht gern halbe Sachen“. Eines ihrer ersten Vorhaben als Kreisbeauftragte war daher der Umzug der Dienststelle der Malteser in die Benzstraße in Göttingen. „Ich wollte alles unter einem Dach haben“, sagt sie. Zudem sei es ihr Ziel gewesen, eine transparente Dienststelle mit viel Offenheit – auch in der Struktur des Gebäudes – zu schaffen.

Ein weiteres Vorhaben, das sie unbedingt umsetzen wollte, war ein Besuchshundeservice für Senioren. Das sei zu dem Zeitpunkt noch relativ neu für die Malteser gewesen. „Es gab viel emotionalere Reaktionen, als ich es mir vorgestellt habe“, sagt die 53-Jährige über ihre ersten Erfahrungen bei der Arbeit mit Besuchshunden und dementen Senioren. Das sei ein Schlüsselerlebnis für sie gewesen.

In ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei den Maltesern müsse sie ihre selbstständige Arbeit als Medientrainerin integrieren. Sie gebe deshalb Blockseminare an den Wochenenden, während der Ferien und arbeite viel in den Abendstunden. „Meine Tochter ist davon oft nicht begeistert“, so Hilgers-Canisius zu den Schattenseiten ihres Engagements. Zu den Maltesern kam sie zunächst als förderndes Mitglied. „Die Hospitzarbeit hat mich aber fasziniert“, sagt Hilgers-Canisius und fasste den Entschluss, sich stärker zu engagieren.

Auch die weltweite Tätigkeit fasziniere sie an der Organisation der Malteser. So unterstützten die Malteser etwa Projekte im Libanon und in Bosnien. Sie selbst sei ein paar mal in Italien gewesen, etwa bei der Seeligsprechung des Großmeisters des Malteserordens. Vor allem die Emotionalität bei solchen Ereignissen bringe zusammen, sagt Hilgers-Canisius.

Die Arbeit mit Senioren und speziell mit an Demenz erkrankten sei ihr ein besonderes Anliegen. Im Umgang mit dementen Menschen sei Respekt besonders wichtig. „Die Menschen tauen regelrecht auf, wenn man darauf reagiert, was sie mitzuteilen haben“, berichtet die Kreisbeauftragte. Besonders die Besuchshunde weckten oft Erinnerungen in den Menschen. Die Ausbildung sei indes recht aufwändig. Die Hunde müssten zunächst ausgiebig durch eine Hundepsychologin getestet und beurteilt werden, bevor sie für den Einsatz in Frage kommen. Auch die Halter müssten eine Ausbildung durchlaufen.

Im vergangenen Jahr habe die Flüchtlingsarbeit die gesamte Tätigkeit der Organisation dominiert. Die Malteser organisierten dabei unter anderem einen Fahrradkurs für die Geflüchteten. „Das war sicher mit das emotionalste“, sagt Hilgers-Canisius. Dieses Angebot sei für sie ein Bestandteil für eine bessere Integration. „Ich möchte einen Beitrag leisten, dass es beim nächsten Mal wirklich klappt“, beschreibt sie ihr Ziel, Flüchtlinge besser zu integrieren als in der Vergangenheit. Mobilität sei für sie dabei entscheidend. Zudem seien langfristige Projekte wichtig für die Zukunft: „Ich will nicht diese klein klein Geschichten“, stellt die 53-Jährige bestimmt fest. Gleichzeitig ist sie überzeugt: „Ohne Ehrenamt geht gar nichts“. Ehrenamtliche Helfer gebe es nie genug.

Von Finn Lieske

Steckbrief: Malteser
Organisation: Die Malteser sind eine katholische Hilfsorganisation und ein eingetragener Verein, sie wurden 1953 von Malteserorden und deutschem Caritasverband gegründet. Es gibt hauptamtliche und ehrenamtliche Helfer, außerdem eine Jugendorganisation. Träger ist der Malteserorden.
Ziel und Zweck: Die Helfer engagieren sich in Katastrophenschutz, Sanitätsdienst, Erste-Hilfe-Ausbildung oder in den ehrenamtlichen Sozialdiensten. Die Hilfe für in Not geratene Menschen im Allgemeinen steht im Mittelpunkt. Leitwort: Bezeugung des Glaubens und Dienst an den Armen und Kranken.
Standorte: Bundesweit sind die Malteser an mehr als 700 Orten vertreten. Zuständig für die Landkreise Göttingen, Duderstadt und Northeim ist die Diözese Hildesheim. Standorte gibt es mit den Dienststellen Duderstadt und Göttingen. Zudem unterhält die Malteser GmbH Rettungsschulen im Landkreis. Dort arbeiten allerdings hauptamtliche Angestellte.
Wichtige Einsätze & Aufgaben: Beherrschend war im Jahr 2015 die Flüchtlingsarbeit. Dort gaben die Malteser zum Beispiel Fahrrad- und Erste-Hilfe-Kurse. Außerdem bauten sie die Flüchtlingsunterkunft in Wollershausen mit auf. 2015 startete der Besuchs- und Begleithundedienst in Göttingen und Duderstadt. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Umstrukturierung des Katastrophenschutzes mit einer Beauftragung durch den Landkreis und Ausstattung mit neuen Fahrzeugen. Die Ausbildung in der Ersten Hilfe ist zudem eine dauerhafte Aufgabe der Organisation.
Mitmachen? So geht es
So werde ich Mitglied bei den Maltesern:
Zuständig für Anfragen ist die Dienststelle in Göttingen. Besondere Kenntnisse sind nicht erforderlich. Ehrenamtliche absolvieren auf Kosten der Malteser Aus- oder Weiterbildungen, wenn dies nötig ist. Die grundlegenden Ausbildungen sind die Erste-Hilfe-Ausbildung und eine Helfergrundausbildung. Zudem kann auch der Bundesfreiwilligendienst bei den Maltesern abgeleistet werden. Interessierte müssen im Übrigen nicht katholisch sein. Eine Altersgrenze gibt es nicht.
Adressen: Ortsverband Göttingen: Telefon: 0551/48182, E-Mail: eva.canisius@malteser-goettingen.de, malteser-goettingen.de
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Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016