Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Die Rückkehr des Swing

Montags werden Lindy Hop und Charleston getanzt Die Rückkehr des Swing

Swing erlebt in Deutschland derzeit eine Riesen-Renaissance. In Großstädten werden bereits seit einigen Jahren Partys mit der Musik der 20er- bis 40-er-Jahre organisiert. Auch in Göttingen gibt es eine gar nicht mal so kleine, feine Szene, die den Lindy  Hop, Charleston und Boogie  feiern.

Voriger Artikel
Von Bauarbeiten und Büchertagen
Nächster Artikel
200 Euro Verlust jeden Tag

Die Göttinger Swing-Szene wächst.

Quelle: HW

Göttingen. Es ist mehr als nur die Leidenschaft fürs Tanzen. Swing ist ein Lebensgefühl. Das jedenfalls strahlen die Freunde der Tänze wie Lindy Hop und Charleston aus, die montags zur schwarzen Musik aus vergangenen Zeiten in der Kantine im Jungen  schwofen. „Swing-a-round“ heißt diese Veranstaltung. Organisiert wird sie von den “Swinging  Six“, sechs jungen Leuten aus Göttingen – sie sind die Keimzelle der Bewegung. Die Swinging Six, das sind  Nina und Steffen, Hanna und Jan-Niklas, Helen und Jan-David. Und sie sind längst nicht mehr unter sich. Im JT tanzen rund 50 Göttinger aller Altersklassen, vom Anfänger bis zum Halb-Profi. Ob Paar oder alleine, ob jung oder älter, die Freunde der gepflegten Nostalgie haben sichtlich Spaß. Keine Spur von steifer Standardtanz-Atmosphäre. Jeder, der Interesse daran hat, kann vorbeischauen, ein Getränk nehmen, zuschauen oder mittanzen.

Zunächst steht heute der Lindy-Hop-Workshop auf dem Programm.  Philipp, der den Unterricht im Wechsel mit Moonika gestaltet, trägt cremefarbene Hosen und Strohhut. Swing ist eben mehr als nur Musik, auch die passende Kleidung spielt bei den echten Fans eine  Rolle. „Rock-step, kick und rock-step down“, sagt der Tänzer und zeigt den etwa 30 Schülern die ersten Schritte. Etwa 15 Frauen stehen auf der einen Seite, 15 Männer gegenüber. „Und rock-step, kick-step“, geht es weiter. „Ist jemand zum ersten Mal dabei?“, einige Hände gehen in die Höhe. Pärchen sind heute nur einige gekommen. „Das schöne am Lindy Hop ist ja auch, dass häufig die Partner gewechselt werden“, erklärt Steffen von den Swinging Six.

Auch deshalb kommen wohl viele Göttinger im Anschluss an den Workshop einfach zum Tanzen, Klönen oder auf ein Getränk bei Swingmusik ins JT. „Duke Ellington, Luis Armstrong, Count Basie, Glenn Miller oder Benny Goodman sind die wohl bekanntesten Interpreten, die den Soundtrack für die Party liefern. Es tanzen Studenten, Mediziner, 20-Jährige und 50-Jährige. Die Freude am Swing kennt kein Alter, und so ist die Truppe bunt gemischt.

Beim Workshop geht es kräftig voran, immer mehr Schritte, Hüftschwünge oder auch erste Drehungen kommen hinzu. Erste Schweißperlen sind zu sehen. Philipp und Tanzpartnerin Sarah machen es vor. „Und sechs, und sieben, und acht. Rock, step, kick, cross, rock, step down“. Zunächst werden die Schritte ohne, dann mit Musik geübt. Auch wenn sich der eine oder andere mal verhaspelt, ein breites Lächeln habe fast alle im Gesicht. „Und Partnerwechsel“, heißt es wieder. „Es ist ein wenig eng“, findet einer der Teilnehmer, als noch ein Wiegeschritt hinzu kommt. Das Interesse am Swing ist halt groß. „Macht einfach kleinere Schritte“, sagt Philipp. „Der Impuls kommt vom Körper“.

Der Montag gehört fest in den Kalender der Swing-Freunde. Und das werden immer mehr. „Wir haben uns vor drei Jahren auf einem ersten Lindy-Hop-Workshop in der Musa kennengelernt“, sagt Helen. Danach wurde zunächst im Studentenwohnheim weiter getanzt, dann suchten die Sechs nach einem Raum – und wurden im Jungen Theater in der Kantine fündig.

In großen Städten zieht Swing bereits ein breites Publikum an, Formate wie „Bohème Sauvage“ in Berlin, Wien oder Hamburg sind oft lange im voraus ausverkauft. Auch die Göttinger Swingfreunde organisieren bereits größerere Veranstaltungen. Zum Tanz in den Mai kamen die Gäste nicht nur in festlicher 20-er-Jahre Garderobe, eine Bigband spielte live, mit Spiel-Reichsmark und einem Spieltisch schafften sie elegantes Casino-Flair. Serviert wurden zudem einige  Klassiker unter den Cocktails wie Manhattan oder Shirley Temple – als Reminiszenz an die Schauspielerin der frühen Kinojahre.

Auch Moonika lebt für den Swing. Sie unterrichtet nicht nur, sie tritt auch bei Konzerten auf und tritt bei Wettbewerben an. Im Alter von elf Jahren begann die geborene Estin mit dem Lindy-Hop. Die Haare eingedreht, Strickjacke und Marlene-Hose im Vintage-Stil, auch sie lebt den Stil der wilden 20er-Jahre. Die passionierte Lind-Hopperin gibt auch für das Studentenwerk. „Beim letzten Anfängerkurs waren 60 Teilnehmer dabei“, sagt sie. Die Swingbewegung in Göttingen wächst weiter.

Lindy Hop und Charleston

Lindy Hop? Nie gehört? „Der Name Lindy Hop ist 1927 entstanden, der Tanz wurde wohl nach dem Flieger Charles Lindbergh benannt“, sagt Nina von den Göttinger Swinging Six. „Charleston, den man ja auch zu Swing aber alleine tanzt, gab es schon vorher“.

Charleston, Lindy Hop und  Boogie  sind die Tänze, die zu schwarzer Swing-Musik getanzt wurden. „In den ersten  Jahren wurden sie auch nur von den Schwarzen in Amerika getanzt“, so Steffen von den Göttinger Swing-Tänzern. „Als Lindbergh über den Atlantik flog, entstand der name Lindy Hop“. Denn: „Lucky Lindy hops the Atlantic“, habe es damals geheißen.

Charleston ist der bekannteste der Tänze, er wird allein getanzt. Lindy Hop ist überwiegend ein Paartanz und gilt als Vorläufer der ebenfalls eher sportlichen Tänze Boogie, Jive und Rock‘n-Roll. Lindy Hop entstand Ende der 20er-Jahre in New York.

Tanztee auf dem Wochenmarkt

Wer Interesse an Swingmusik und -tanz hat, kann jeden Montag ab 20 Uhr in der Kantine des Jungen Theaters am Göttinger Wochenmarkt vorbeischauen. Dort gibt es einen Kurs für alle Level, das Thema ist jede Woche ein anderes. Im Anschluss an den Workshop wird zu original Swingmusik getanzt. „Jeder kann mitmachen, egal, ob alleine, zu zweit oder mit Freunden“, so Steffen Strauß von den Veranstaltern, den  Swinging Six.

Am Sonntag, 24. Juli, planen die Swinging Six eine Tanztee-Veranstaltung für alle Swingfreunde auf dem Göttinger Wochenmarkt. Los geht es ab 15 Uhr.

Zu sehen sind einige Tänzer auch am Sonnabend, 21. Mai, ab 20 Uhr im Alten Rathaus Göttingen. Dort steht ein Konzert der Swing Club Cats mit Hanna Carlson auf dem Programm. Dazu gibt es Tanzauftritte.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016