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Potis, Peking Pavillon, Rimini

Die dienstältesten internationalen Restaurants in Göttingen Potis, Peking Pavillon, Rimini

Mit der großen Gastarbeiterwelle in den 60er-Jahren kamen auch die ersten internationalen Restaurants nach Göttingen. In einigen dieser Küchen der ersten Stunde wird auch heute noch gekocht. Eine Übersicht über die dienstältesten Restaurants in Göttingen.

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"Mister Pok" war es , der am 11. März 1971 den "Peking Pavillon" in Göttingen eröffnet hat. Heute führt sein Enkel Zhen-Yong Pau das älteste Chinarestaurant der Stadt.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Der Lieblingsgrieche von Gerhard Schröder

 "Ach, Sie kommen aus Göttingen? Gibt es das Potis noch?" Diese Frage werde vielen seiner Stammgäste gestellt - ob in Braunschweig vor Gericht oder in einer Eckkneipe in Köln. Ferruccio Meola hört solche Geschichten häufig, und er ist natürlich auch ein wenig stolz darauf. 70 Jahre alt ist der Chef des Restaurants am Kreuzbergring, das in diesem Jahr 50 Jahre alt wird.

Seit 1972 arbeitet Meola im Potis, zunächst als Kellner, seit 1997 als Chef. Noch heute steht er jeden Abend hinter der Theke. Meola ist Italiener, kam in den 60er Jahren nach Göttingen und lernte den Griechen Panagiotis Tsolkas, genannt "Potis" in dessen erstem Restaurant kennen. "Damals betrieb Potis noch sein erstes Restaurant, das Amphora in der Nikolaistraße", so Meola. "Das Lokal war ein Treffpunkt für Studenten und für  uns junge Ausländer, egal ob Griechen, Italiener oder Türken", erinnert er sich. 

Vor 50 Jahren eröffnete Tsolkas dann das heutige Potis am Kreuzbergring. Potis, das Wort stehe im griechischen auch für Gastfreundschaft, sagt Meola. Der Wirt lebte seinen Namen. 2001 starb er im Alter von 69 Jahren. Schon vier Jahre zuvor hatte sein langjähriger Freund und Kellner Meola  das Restaurant übernommen. Das habe Potis immer gewollt, so der heutige Chef. "Ich mache alles genauso so weiter, wie er es gemacht hätte".

So wie Potis und sein Bruder Theodoro - ein Philosoph und Physiker - die Räume eingerichtet haben,  sieht es dort auch heute noch aus. Das große Retsina-Fass als Eingangstür, die Zeichnungen an der Wand. Besonders stolz sind Meola und Potis' Schwiegersohn Konstantions Sitoudis auf die vielen Kunstwerke, die Henry Hinsch für Potis angefertigt hat. Die Brüder Tsolkas waren es auch, die als erstes in Deutschland Gyros-Drehspieße produzierten, sagt Meola.

Den Betrieb im Göttinger Industriegebiet führen heute Potis Tochter Anna und ihr Mann. Meola, der Italiener, der 1956 nach Göttingen kam, übernahm das Restaurant. In all den Jahren, die er dort arbeitet, hat er viel erlebt. "Es wurden viele, viele Feste gefeiert", sagt er und lächelt. Gerhard Schröder, der das Potis in einem Interview im Tageblatt einst als sein Lieblingsrestaurant nannte, aber auch Rita Süssmuth und Nobelreisträger Manfred Eigen zählten zu seinen Stammgästen. "Eigen hat hier im ersten Stock in privater Runde nach der Verleihung des Nobelpreises gefeiert", erinnert sich Meola.

Sitoudis bewahrt ein paar Mäppchen voller Zeitungsausschnitte und Erinnerungen auf, die Theodoro Tsolkas gesammelt hat. Darunter auch eine Speisekarte aus dem Amphora, Nikolaistraße 23, wo er bereits das beliebte Gyros angeboten hatte. In all den Jahren, so Meola, sei Gyros nach Potis Originalrezept das beliebteste Gericht auf der Karte. Auf einer Karte aus den Anfangstagen des Potis am Kreuzbergring kostete es 5,20 Mark, Oliven waren für 70 Pfennige zu haben.

Seit 44 Jahren kümmert sich Johannis Kapriniotis um seine Gäste

Das Hellas: Nur wenig jünger als das Potis und vom ersten Tag bis heute in der Hand von Chef Joannis Kapriniotis ist das Hellas. Jeden Tag bringt er noch immer in seinem Traditionslokal an der Kurzen Geismarstraße den Gästen griechische Spezialitäten an den Tisch. Nur wenige Tage im Jahr ist "Yanni" nicht in seinem Restaurant anzutreffen - Urlaub macht er kaum, krank ist er nur selten einmal einen Tag.

Sein genaues Alter verrät er nicht. Abends helfen dem Senior manchmal die Söhne, er hat drei, die  längst erwachsen sind. Denn: "Ohne die Familie geht es nicht“, sagt der Gastwirt. Kapriniotis kam  1963 als junger Mann nach Deutschland , arbeitete zunächst in Uslar und bei Bosch in Göttingen.  1973 eröffnete er sein Hellas. Viele seiner Gäste sind Stammgäste der ersten Stunde, sie kommen heute mit ihren Kindern, mit ihren Enkeln. Viele Worte macht der beliebte Grieche nicht, er ist lieber von morgens bis abends, sieben Tage die Woche im Hellas im Einsatz.

Klassische Chinesische Küche in dritter Generation

"Mister Pok" war es , der am 11. März 1971 den "Peking Pavillon" in Göttingen eröffnet hat. Heute führt sein Enkel das älteste Chinarestaurant der Stadt. Eigentlich, so erzählt Zhen-Yong Pau, hieß sein Großvater ja Hoi Suen Pau, "Aber er nannte sich selber Mister Pok". Der Großvater habe sich 1962 alleine von Hongkong auf den Weg nach Hamburg gemacht, über Köln ging es nach Kassel, wo der Koch sein erstes Restaurant eröffnete.

Nach fünf Jahren war der Pachtvertrag abgelaufen und Mister Pok siedelt nach Göttingen um - an die Friedrichstraße. "Damals stand auf dem Gelände hier noch eine alte Villa", sagt Pau. Die Villa, in der der erste Peking Pavillon Einzug hielt, wurde 1980 abgerissen, das Restaurant ins Idunazentrum verlagert, 1983 eröffnete der Peking Pavillon im damals neuen Cheltenhamhaus, wo es auch heute noch zu finden ist. In dem Jahr wurde auch Zhen Pau geboren. Der Zweitbetreib im Idunazentrum wurde 2001 geschlossen. "Ich war schon als Kind jeden Tag hier im Restaurant", sagt der heutige Geschäftsführer, der das Restaurant von seinem Vater übernommen hat. Der Peking Pavillon ist ein Familienbetrieb. In der Küche stehen die Männer. "Es gibt genau drei Männer, die unsere Rezepte kochen können", sagt er. Nämlich, Vater, Onkel und er selbst. "Wenn wir mal alle drei krank sind, können wir die Küche schließen." Aber das sei noch nie vorgekommen.

Zhen Pau ist es wichtig, die Originalrezepte von Mister Pok zu bewahren. In seinem Restaurant wird stets frisch gekocht, ohne Glutamat, ohne Fertigprodukte. Den Geschmack haben die Köche im Kopf. "Man muss Phantasie haben", sagt Zhen. Seine Gäste wissen das zu schätzen. Die Karte stammt von Mister Pok, dessen Frau stets an ihrem Ecktisch vor den Theke saß und Sojabohnen puhlte. "Das ist heute außerhalb der Küche verboten", sagt Zhen Pau. Nummer 47 ist seit 48 Jahren die Nummer 47 - nämlich Hühnerbrust pikant. "Das war Omas Lieblingsessen." Das Essen ist strikt traditionell.

Bei den Getränken allerdings hat Zhen Pau ein "Zusatzangebot" geschaffen. Der Koch und Geschäftsführer ist seit 2011 auch staatlich geprüfter Sommelier. Zhen Pau und seine Frau Hannah haben drei Söhne. Ob einer von ihnen in die Gastronomie geht ist offen, der Älteste ist gerade elf Jahre alt. "Mein Opa hatte sieben Söhne, er wollte immer sieben Restaurants haben" sagt Zhen Pau. Vielleicht wird er ja in ein paar Jahren mit seinen Jungs drei Restaurants betreiben.

Der Italiener, der Dieter Bohlen und Matthias Reim bewirtete

1974 gab es in Göttingen bereits das Ristorante La Sicilia und die Pizzeria Roma, beide Restaurants sind heute längst Geschichte. 1974 eröffnete Carlo Zuin das Rimini an der Von-Ossietzky-Straße: heute der dienstälteste Italiener der Stadt.  Der Padrone, damals 33 Jahre alt, stammt aus der Nähe von Venedig. Schon als Teenager, im Alter von 14 Jahren  reiste er das erste Mal in den Ferien nach Deutschland. Mit 16 kam er zurück - und bleib.

Drei Kinder aus zwei Ehen hat der heute 77-Jährige, zwei arbeiten im Betrieb. Enrico hat das Rimini übernommen, Tochter Livia arbeitet mit. Und Enkel Lucca schaut nach der Schule auch im Restaurant vorbei. "Er ist der beste Schüler in seiner Klasse", sagt der stolze Opa. Das Rimini ist ein  italienischer Familienbetrieb. Zuin, der auch Eismacher und Konditor ist, arbeite ein paar Jahre in einer Eisdiele in Köln, später in Restaurants in Kassel, von wo aus er nach Göttingen kam.

Das markante Haus an der Ecke hat er dem späteren Ehrenbürger der Stadt, Hugo Donder, abgekauft. "ich hab hier alles neu gemacht, die Terrasse an- und das Restaurant umgebaut", erzählt Carlo Zuin. Carlo in der Küche,  Bruder Alessandro im Service, so startete das Rimini. Und auch das Personal gehört irgendwie zur italienischen Familie: Fast so lange wie die Familie Zuin ist auch "Beppo", Giuseppe Ragazzon an Bord. Der Kellner könnte zwar längst in Rente gehen, er will aber auch weiterhin für seine Gäste im Rimini da sein. "Immer perfekt angezogen", sagt sei Chef. In der Tat, der Gentleman hat keine Falte im weißen Hemd, Krawatte und Schnurrbart sitzen. Akkuratesse der alten Schule. Einige vom Stamm-Personal sind mit Carlo im Rimini gealtert, auch sein Pizzabäcker Enzo Borzi und seine Frau Anna Maria stehen seit 43 Jahren im Rimini am Ofen und hinter der Theke.

160 Plätze und 270 Gerichte auf der Karte: Carlo Zuin sagt: "Ich kann alles kochen, man muss es nur bestellen". Auch Gerichte, die nicht auf der Karte stehen, bereitet er für seine Kunden gerne zu. Daran fanden auch Matthias Reim und Dieter Bohlen schon Gefallen, die damals zu seinen Gästen zählten.

Früher, in den Anfangstagen, betrieb Zuin eine Diskothek, das "Oldtimer" im ersten Stock, später das Tanzcafé Alexander. 1998 war Schluss mt Tanzen über dem Lokal. Der umtriebige Zuin hatte zudem das spanische Restaurant "Don Quixote" an der Sternstraße, dort wo später einer seiner ehemaligen Kollegen das  "Da Mimmo" eröffnet. Die Pizzeria Capri und das Gasthaus Hainholzhof am Kehr waren weitere Projekte Zuins.

"Italia" : Seit 1977 am Greitweg

Knapp drei Jahre nach dem Rimini hat das "Italia" am Greitweg eröffnet. Romano Marin hat in seiner Pizzeria im Februar 1977 zum ersten Mal die Groner und Göttinger bewirtet. Der 71-jährige Gastronom  ist ihnen dort bis heute treu geblieben. Einige Jahre hat der Chef zudem eine Filiale am Steinsgraben betrieben - heute steht dort ein Rewe-Markt. Im Restaurant am Greitweg kümmert sich heute auch Romano Marins Neffe, Christian Marin, um Pizza, Pasta und die Gäste. "Der Inhaber aber ist noch immer noch mein Onkel Romano", sagt er.

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