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Bisschen staubig

Documenta in Kassel Bisschen staubig

Starke Worte sind es, die der Documenta-Chef Adam Szymczyk und seine Kuratoren bei der Pressekonferenz aussprechen. Gegen den Neoliberalismus will man sich stemmen, das gehe aber nur gemeinsam. Dem „Imperativ der Produktivität“ soll mit Aufsässigkeit begegnet werden. Peter Krüger-Lenz hat sich in Kassel umgesehen.

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Zeitgenössische Kunst aus Athen im Fridericianum

Quelle: pek

Kassel. Flüchtlinge sind ein Thema, die Frage, ob Afghanistan nun ein sicheres Land ist oder nicht. Über Nafris, also nordafrikanische Intensivtäter, wird gesprochen. Die Polizei hat diese Abkürzung eingeführt. Rassismus ist selbstverständlich ein Thema wie auch Gender. „Guten Morgen den Frauen und Männern und all jenen, die keines von beiden sind“, grüßt einer der Kuratoren. Kein Zweifel, die Documenta 14 versteht sich als politisch - und vergisst darüber immer wieder, dass es sich auch um eine Kunstausstellung handelt, vielleicht sogar in erster Linie.

Fridericianum

Nie war es in der Documenta-Jahren stiller um die Liste der ausstellenden Künstler. Die Documenta verstand sich bislang als eine Schau zeitgenössischer Kunst, doch rund 60 der mehr als 200 Künstler erleben ihre Teilnahme nicht mehr, denn sie sind bereits gestorben. Das Fridericianum, von Beginn an einer der zentralen Documenta-Orte, beherbergt 200 Werke aus der Sammlung des Nationalen Museums für Zeitgenössische Kunst in Athen. Das ist schön, aber weniger zeitgenössisch. Einiges, was dort jetzt zu sehen ist, war auch in anderen Großausstellungen bereits präsentiert. Etwas staubig riecht es in den Räumen.

Friedrichsplatz

Vor dem Fridericianum steht ein mächtiger Bau, dem Athener Parthenon auf der Akropolis in Originalgröße nachempfunden. Die argentinische Künstlerin Marta Minujin lässt ihn mit Büchern behängen, die einst verboten waren, oder es noch heute sind. Zehntausende werden es schließlich sein. Ein wuchtiges Werk, ein politisches und ein plakatives.

Neue neue Galerie

Von Szymczyk wurde eine ehemalige Posthalle zu einem der Hauptausstellungsorte ernannt, die „Neue neue Galerie“. Hier tobt das Kunstleben tatsächlich bunter. Künstler haben hier ihre Kojen, mal größere, mal kleinere. Ein Boxsack hängt im Weg, Skelletierte Tierschädel sind zu einem Vorhang aneinandergefügt. Stolz steht ein Mann auf einer Fotografie vor einem Berg von abgetrennten Kuhköpfen. Auf dem Boden liegt ein junger Mann, er bewegt sich selten und wenn, dann zeitlupenhaft. Später wird er von einer Kollegin abgelöst.

Spannend ist hier aber auch das Umfeld. Die Halle liegt in einem Viertel, das vor allem von Ausländern frequentiert wird. Dönerladen reiht sich an Dönerladen. Friseure bringen Männerbärte und Frisuren in akurate Form. Im Schaufenster eines Shisha-Ladens stehen diverse dieser Wasserpfeifen. Vor allem eine bringt einige junge Männer, die vorbeischlendern zu Staunen und Fotografieren. Sie hat die Form eines Gewehres.

Neue Galerie

Die Neue Galerie ist diesmal auch einbezogen in das Programm der Dokumenta, erstmals wird sie komplett bespielt. Hier wird Geschichte zum Thema; die Geschichte der Documenta, die Geschichte von Nationalstaaten, „Schlüsseldokumente des Imperialismus“ seien hier zu sehen, klären die Organisatoren auf. An einer Wand sind Porträts dicht an dicht gehängt: echte Nazis zeigt der Künstler. Gegenüber der Neuen Galerie steht das Palais Bellevue, auch hier dominiert das Thema Krieg und Trauma.

Promenadologie

Documenta-Kurator Hendrik Folkerts erinnerte bei der Pressekonferenz an den Schweizer Wissenschaftler Lucius Burckhardt. Der Soziologe und Nationalökonom lehrte Ende der 70er-Jahre in Kassel und entwickelte die sogenannte Promenadologie, was in etwa ein verändertes Denken beim Spazierengehen meint. Kurator Folkerts empfiehlt nun den Documenta-Besuchern, sich die Ausstellung zu erlaufen. „Beginnen Sie in der Nordstadt und folgen Sie den Achsen nach Süden.“ Eine Idee, die bei etwa 30 Ausstellungsorten nur der wird umsetzen können, der mindestens eine Woche damit zubringt.

Gestorben

Große Namen tauchen übrigens vor allem auf der Künstlerliste der Neuen Galerie auf. Werke von Ernst Barlach, Arnold Bode, Marcel Broodthaers, Gustave Courbet, Max Liebermann und Gerhard Richter sind hier zu sehen. Von denen lebt tatsächlich nur Richter noch.

Tickets und Öffnungszeiten

Die Documenta 14 in Kassel wird am Sonnabend, 10. Juni, eröffnet und läuft bis zum Sonntag, 17. September. In Athen ist sie noch bis Sonntag, 16. Juli, geöffnet. Die Ausstellungsorte in Kassel sind täglich zwischen 10 und 20 Uhr geöffnet, in Athen dienstags bis sonntags von 11 bis 21 Uhr.

Tickets für den Kasseler Documenta-Teil gibt es in den Documenta-Shops in unmittelbarer Nähe der Hauptausstellungsorte wie dem Fridericianum, der Neuen und der Neuen neuen Galerie und auf dem Friedrichsplatz. Sie können auch unter shop.documenta.de/eintrittskarten.html gekauft und ausgedruckt werden. E

ine Tageskarte kostet 22 Euro, ermäßigt 15 Euro. Die Abendkarte ist ab 17 Uhr gültig und kostet 10 Euro, ermäßigt 7 Euro. Mit einer Familienkarte kommen bis zu zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder durch die Einlasskontrollen. Sie kostet 50 Euro. Documenta-Dauerkarten gibt es zum Preis von 100 Euro, ermäßigt 70 Euro. Wer mit der Deutschen Bahn anreist, bekommt in Verbindung mit einem Documenta-Ticket eine Ermäßigung auf den Fahrpreis.

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