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„Gut fliegen sollen sie alle“

Über die Faszination, einen Drachen zu bauen „Gut fliegen sollen sie alle“

Es gibt sie in verschiedensten Formen und nahezu allen Materialien. Sie dienten früher als Seenotsignale, Wettermessinstrumente, als Kriegsgerät oder zur Götterbeschwörung. Wenn der Wind mitspielte.

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Erlaubt ist, was Spaß macht und fliegt: Ein Eddy in Großformat und ein Stern warten auf den passenden Wind.

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Göttingen. Die Faszination für Flugdrachen ist alt. Bereits im 5. Jahrhundert vor Christus sollen Fluggeräte aus Bambus und Seide den Himmel über China bevölkert haben. Im 16. Jahrhundert brachten ihn angeblich Kaufleute aus Asien nach Europa.  Heute ist der Drachen vor allem Spielzeug oder Sportgerät. Der wohl bekannteste seiner Art ist Eddy. Den klassischen Rautendrachen hatte sich der New Yorker William A. Eddy Ende des 19. Jahrhunderts patentieren lassen. Das besondere an seiner Schöpfung war, dass die Querstrebe leicht gebogen war und der Drache so einen Bauch bekam. Während seine Vorgänger einen Schwanz brauchten, um stabil in der Luft zu liegen, fliegt ein gut gebauter Eddy auch ohne zuverlässig.

„Wichtig ist nur die Symmetrie“, sagt der Drachenexperte Thomas Fischer vom Göttinger Drachenclub. Er hat in seinem Leben schon tausende Fluggeräte in die Luft gebracht und ebenso oft erklärt, worauf es beim Drachenbau ankommt: „Alle Drachen müssen einen Bauch bilden können.“ Denn egal ob Eddy, Sled (Viereck) oder Rokkaku (Sechseck), ob stablose Windspiele oder dreidimensionale Kastendrachen, ob Ein-, Zwei- oder Vierleiner, eines gelte für alle: „Gut fliegen sollen sie doch alle“, sagt Fischer und ergänzt: „Da steckt dann schon einige aerodynamische Denkarbeit dahinter.“

Er selber sei durch einen Freund zum Drachen gekommen. Schon beim ersten Besuch auf der Göttinger Drachenwiese habe ihn die Begeisterung gepackt. „Mich fasziniert die Kraft, die dahinter steckt.“ Und daher empfielt er auch jedem, der einen Drachen steigen lässt, „Demut vor dem Wind“. Wer einmal von einer Boe über die Wiese gezogen wurde, habe eine Vorstellung davon bekommen.

Einige Sportarten machen sich diese Kraft zunutze. Das Prinzip brachte 1826 bereits der Engländer George Pocock auf die Straße. Er spannte einen Drachen vor seine Kutsche und erreichte damit Geschwindigkeiten von bis zu 30 Stundenkilometer. Seine Erfindung geriet allerdings in Vergessenheit und tauchte erst 1990 in Neuseeland wieder auf. Dort betrieb Peter Lynn mit seiner Frau Elwyn ein Geschäft für Kinderdrachen. Er experimentierte mit Drachen für Boote, Buggys und Schneeschlitten und gilt heute als Erfinder des Kitebuggys.

Mit den dreirädrigen Gefährten sind auch Fischer und seine Kollegen vom Drachenclub gelegentlich unterwegs. Wenn der Wind mitspielt.

Das Göttinger Drachenfest

Ein Fest rund um den Drachen wird am Sonnabend, 22. Oktober, von 11 bis 17 Uhr auf der Drachenwiese an der Reinhäuser Landstraße veranstaltet. Vom selbstgebastelten Kinderdrachen bis hin zum sportlichen Lenkdrachen: Jeder kann mitmachen und seinen Drachen – bei gutem Wetter – mit hunderten weiteren aufsteigen lassen.Geplant ist eine Drachen-Fähre voller Bonbons aufsteigen zu lassen. Die Bonbons fallen dann aus 20 bis 40 Metern als süßer Regen vom Himmel. Informationen, Rat und Tat bieten die Experten vom Göttinger Drachenclub und vom Drachenladen. Im so genannten Drachendorf können Besucher Bumerangs basteln, es findet ein Luftballon-Weitflug-Contest statt, die Kinder können Stockbrot am offenen Feuer backen und eine Hüpfburg lädt zum Toben ein.  Es gibt Bratwurst und Getränke und für Kinder Kuchen –  spendiert von der Bäckerei Ruch, und Kakao vom Naturmilchhof Leinetal. 

Drachenbau für Anfänger

Wer sich einen Drachen basteln möchte, sollte zunächst das erhoffte Ergebnis den Fähigkeiten und der Geduld der Mitarbeiter anpassen. Wir wählen den Sled, einen perfekten Einsteigerdrachen. Er bietet größte Freiheit bei der Gestaltung und verzeiht kleinere Konstruktionmängel.
Als Materialien stehen uns Transparentpapier, Strohhalme und Schnur für den Rohbau, Krepppapier, Klebepunkte und Farben für die Dekoration zur Verfügung. Außerdem sollten Stift, Schere, Locher Klebstoff und Lineal sowie Papier für die Schablone in Griffweite liegen.

1. Man falte aus einem A-4-Papier ein Quadrat und übertragen dies mit Bleistift auf das Transparentpapier. Zwei Dreiecke an der Seite geben dem Drachen seine sechseckige Grundform.

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2. Mit ruhiger Hand und Schere wird die Form ausgeschnitten. Kommt das Transparentpapier, wie in unserem Fall, von der Rolle, empfielt es sich, das Material zu glätten.

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3. An den Kanten des Quadrats werden anschließend die beiden auf Länge geschnittenen Strohhalme auf das Papier geklebt. Achtung! Viel Kleber hilft viel, bedeutet aber auch eine entsprechende Trocknungszeit. Warten lohnt sich, denn hier geht es um die Stabilität unseres späteren Drachens.

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4. Zwei Löcher an den beiden Ecken der Drachenseiten dienen zur Befestigung der sogenannten Waage. So werden die Schnüre bezeichnet, die die Drachenteile mit der Leine verbinden. Sie bestimmt das Flugverhalten des Drachens. Achtung! Löcher nicht zu weit am Rand machen.

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5. Der Schwanz aus Krepppapier ist nicht nur Schmuck. Er sorgt dafür, dass der Sled im Wind kein Zappeldrache wird.

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5. Die Gestaltung des Fluggeräts ist vor allem vom Geschmack der Drachenbauer abhängig. In unserem Fall fiel die gemeinsame Wahl auf blaue Klebepunkte für die Augen, schwarze Pappe für Mund und Augenbrauen und weißes Papier für die Zähne. Achtung! Viel Dekoration erhöht das Gewicht. Und Drachen müssen zwar einen Bauch haben, aber schwer sein dürfen sie nicht.

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