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Drei Disziplinen ein Ziel: Triathlon

Thema des Tages Drei Disziplinen ein Ziel: Triathlon

Die Zahlen lügen nicht: Triathlon erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Jährlich werden bei Jedermann-Wettbewerben neue Teilnehmerrekorde erzielt, im Profibereich ist Deutschland eine der führenden Nationen. Auch in Göttingen gibt es Triathleten und Wettkämpfe für Einsteiger.

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Begeisterte Triathleten: Fritz Jähn und sein Sohn Julius.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Fritz Jähn ist gut gebräunt. Sein Sohn Julius wirkt austrainiert, keine 70 Kilogramm verteilen sich auf hagere 1,85 Meter. Sie sind gerade erst vom Trainingslager aus Fuerteventura zurückgekommen. Eine der renommiertesten Adressen für Europas beste Triathleten, um sich in Topform zu bringen. Und die Jähns sind Jahr für Jahr dabei.

Erfolge feiern

Dort schwitzen Fritz, Julius und Tochter Lina, die gerade für ein Jahr in Neuseeland ist, zwei Wochen lang bis zu sechs Stunden am Tag, während Mutter Anja unterstützend anfeuert. Triathlon ist die große Leidenschaft der Göttinger Familie. Wettkämpfe bestreitet das Trio häufig gemeinsam, Erfolge werden in der Familien-Staffel und auch einzeln gefeiert.

Triathlons in der Region

Schleierbach-Volkstriathlon
18. Juni, Reiffenhausen
Stadtwerke-Volkstriathlon
 28. August, Göttingen

Fußball, Basketball, Skifahren, Windsurfen – mit Triathlon hatte Fritz Jähn keine wirklichen Berührungspunkte. Erst als er Ende der Neunziger-Jahre aus Sankt Peter-Ording in seine Heimatstadt zurückkehrte, suchte der heute 57-Jährige einen Ausgleich und machte „zum Spaß“ bei einem Wettkampf in Uslar mit. Prompt hatte Jähn die Begeisterung gepackt.

„Es ist nicht so monoton, sondern herrlich abwechslungsreich“, schwärmt der Arzt für Anästhesie und Sportmedizin. Fortan nahm die Zahl der Wettkämpfe zu, und die Ansprüche wurden höher. „Das Schwimmen musste ich mir autodidaktisch beibringen“, erinnert sich Jähn, für den 15 Stunden Training pro Woche keine Seltenheit waren.

Schon früh dabei

Von Anfang an dabei: seine Kinder. „Beim Altstadtlauf musste ich einmal alle drei Distanzen laufen, weil Lina, Julius und meine älteste Tochter Anna alle mitlaufen wollten“, berichtet der stolze Vater. Da ist es wenig überraschend, dass der inzwischen 20-jährige Julius früh verlauten ließ: „Papa, ich mache jetzt auch Triathlon.“

Erfolgreiche Deutsche

Göttingen. Triathlon in Deutschland: Das ist mittlerweile eine echte Erfolgsgeschichte. Spätestens der Olympiasieg von Jan Frodeno 2008 in Peking hat die vielseitige Sportart auch ins Blickfeld der breiten Öffentlichkeit gerückt. Beim bekanntesten und ältesten Wettkampf über die Langdistanz, den Ironman auf Hawaii, mischen Deutsche seit einer Dekade ganz vorne mit.

Norman Stadler (2004 und 2006), Faris Al-Sultan (2005), Sebastian Kienle (2014) und Frodeno (2015) gewannen das Spektakel über 3,86 Kilometer im Wasser, 180 Kilometer auf dem Rad und 42,2 Kilometer auf der Laufstrecke.

Jan Frodeno

Quelle: r

„Die Deutsche Triathlon-Union leistet gute Arbeit“, sagt Fritz Jähn. Frodeno, 2015 zu Deutschlands Sportler des Jahres gewählt, ist ein Eigengewächs der DTU, der zunächst auf der Kurzstrecke begann. Viele der Ironman-Gewinner seien allerdings Einzelkämpfer. „Sie haben hervorragende Profitrainer und ordnen ihr Leben komplett dem Sport unter“, berichtet Jähn.

Sein Sohn Julius ergänzt, dass der Großteil erfolgreicher Langstrecken-Athleten ihre Karriere als Spezialisten in einer Disziplin begonnen haben, während vor gut 30 Jahren noch die Allrounder dominierten. „Viele kommen vom Schwimmen“, erklärt der 20-Jährige.

Dem Erscheinungsbild des Triathlons in Deutschland zuträglich sei laut Fritz Jähn zudem, dass die Spitzenathleten echte Sympathieträger seien. So signierte Kienle beispielsweise eine Postkarte, die er Jähns Tochter Lina persönlich nach Göttingen schickte. fab

Da Lina ihrem großen Bruder nacheiferte, stand 2009 in Cuxhaven der erste gemeinsame Wettkampf an. „Das war ganz emotional und für einen Vater wunderbar“, erzählt Fritz Jähn. Es sei etwas Besonderes, sich auf der Strecke zu grüßen oder gemeinsam ins Ziel einzulaufen – vor allem, wenn wie 2015 in Hamburg dabei der Hit „Cheerleader“ seines Neffen, dem bekannten DJ Felix Jaehn, gespielt wird.

Qualifkation um Minuten verpasst

Julius Jähn ist mittlerweile der schnellste Triathlet der Familie. „Mir gefällt es, richtig zu fit zu sein und mich an Zeiten zu orientieren“, beschreibt er seine Faszination. Wenngleich er in der Jugend-Kategorie mehrfacher Gewinner der Gö-Challenge ist, hat der Zahnmedizin-Student noch viel Arbeit vor sich, um an die Erfolge seines Vaters heranzureichen: Teilnahme an der Halbdistanz-WM im US-amerikanischen Clearwater, Altersklassensieg beim Halb-Ironman im 38 Grad heißen Malaysia, Mitglied der Altersklassen-Nationalmannschaft und Wettkämpfe auf jedem Kontinent der Erde. „Den in Australien habe ich mir zum 50. geschenkt. Wir waren mit der ganzen Familie dort“, sagt Fritz Jähn, der lediglich bedauert, die Qualifikation für den Ironman auf Hawaii um elf Minuten verpasst zu haben.

Am liebsten ist es der Triathlon-Familie aber doch daheim. Der Schleierbach-Triathlon in Reiffenhausen wird im Kalender rot markiert. Kein Wunder: Dort wird eine Familien-Staffel angeboten.

Fahrplan zum ersten Triathlon

Göttingen. Noch vier Monate bis zum Stadtwerke-Volkstriathlon in Göttingen. Aber wie werde ich als Hobbysportler bis dahin richtig fit? Triathlet und Sportmediziner Fritz Jähn gibt Tipps:
Das Grundlagentraining: Zunächst wird locker begonnen. Fünf bis sieben Stunden Sport pro Woche genügen, die Disziplinen sollten verteilt, nicht mehrere an einem Tag trainiert werden. Zwei- bis dreimal Joggen für 30 bis 60 Minuten (vier bis acht Kilometer) sind ein guter Auftakt, dazu zwei Radtouren. Beim Schwimmen genügen bereits ein bis zwei Einheiten.

„Um auf den 500 Metern im Becken eine Minute auf die Konkurrenz gut zu machen, wäre ein enormer Trainingsaufwand nötig. Daher das Ganze lieber locker angehen, Spaß haben und mehr auf die beiden anderen Disziplinen fokussieren“, rät Jähn und ergänzt: „Wer ein besserer Brustschwimmer ist, muss nicht auf Gedeih und Verderb kraulen, sonst vergeudet er nur unnötig Kraft.“ Wichtig: Zwei Ruhetage in der Woche, um dem Körper Zeit zur Regeneration und Adaption zu geben. Das Grundlagentraining sollte mindestens vier Wochen dauern.

Das Intervalltraining: Jetzt geht‘s zur Sache. Die Trainingsumfänge (Zeit, Kilometer, Intensität) werden langsam gesteigert. Vor allem durch Intervalltraining lassen sich gute Erfolge erzielen. Hierbei geht der Sportler eine gewisse Zeit nahe ans Leistungsmaximum, um dann wieder zu entspannen.

Eine Möglichkeit wären drei zügige Kilometer mit dem Rennrad, auf die zwei ruhigere folgen. Das mehrfach wiederholen. Oder zwischen fünf flott gelaufenen 1000 Metern fünf langsame zwischenschalten. In dieser Trainingsphase ist eine gute Periodisierung entscheidend. „Auf zwei Wochen mit ansteigender Belastung folgt eine Ruhewoche mit geringerer“, so Jähn.

Der erste Wettkampf: Um Wettkampf-Atmosphäre zu schnuppern, lohnt es sich, den Göttinger Frühjahrsvolkslauf ins Trainingsprogramm einzustreuen. „Auch der Schleierbach-Triathlon in Reiffenhausen ist wunderbar“, sagt Jähn. Unmittelbar danach sollte wieder für einige Zeit Ruhe gehalten werden. „Ein Buch lesen oder ins Kino zu gehen, um psychisch zu regenerieren“, empfiehlt Jähn.

Der Wechsel: Um die „vierte Disziplin“ zu verinnerlichen, ist Koppeltraining nötig. Viele Sportler kommen ins Straucheln, sobald sie von der Horizontalen in die Vertikale wechseln, also vom Schwimmen aufs Rad. „Beim Wechsel eine halbe Minute zu verlieren, tut richtig weh und ist völlig unnötig“, weiß Jähn.

Daher sollte sich jeder Triathlet im Vorfeld seine Wechselzone penibel einrichten. „Vorher den Weg einprägen, zum Beispiel mithilfe eines markanten Baums oder den Dixie-Klos.“ Dazu auf Socken verzichten, da es eine gefühlte Ewigkeit dauert, die über den nassen Fuß zu streifen. „Keine Sorge, bei einem Kurztriathlon holt man sich keine Blase“, gibt Jähn Entwarnung.

Die Gesundheit: Wiedereinsteigern, besonders den über 40-Jährigen, empfiehlt Sportmediziner Jähn einen ärztlichen Check. „Die Gefäße könnten sich während der langen Sportpause verengt haben.“ Bei einer leichten Erkältung sei eingeschränktes Training möglich, sobald die Erkrankung fieberhaft ist, gilt aber ein absolutes Sportverbot – mindestens zwei Wochen lang, selbst wenn dann die Teilnahme am Wettkampf abgesagt werden muss. „In der Zeit verliert man nichts vom Antrainierten“, betont Jähn. Sein Leben könne man hingegen schon verlieren. Zu Todesfällen beim Triathlon kommt es fast ausschließlich bei Athleten, die trotz schwerer Erkrankung aktiv waren.

Das Zeitmanagement: Familie, Beruf sowie Training unter einen Hut bekommen – und dazu noch abhängig sein vom Wetter. Gar nicht so einfach. Jähn rät, sich für jede Woche einen Plan zu erstellen. Der sollte aber nicht zwanghaft durchgeführt werden. „Wenn es regnet, tausche ich die Einheit auf dem Rennrad eben gegen eine im Schwimmbad.“

Die Ernährung: Gilt als die fünfte Disziplin. Vor Einheiten sollten viele Kohlenhydrate aufgenommen werden. Viele Sportler veranstalten am Abend vor Wettkämpfen sogenannte Pasta-Parties. Im Anschluss an ein intensives Training bietet sich eiweißreiche Kost wie ein Steak an.

„Das unterstützt die Muskelregeneration“, erklärt Jähn. Bei kurzen Triathlons genügt es, morgens etwas Leichtes zu essen und eine halbe Stunde vor dem Startschuss beispielsweise eine Banane zu verspeisen. „Die körpereigenen Kohlenhydrate reichen gut 90 Minuten aus“, sagt Jähn.

Dennoch schade es nichts, sich während des Wettkampfes noch einen Riegel oder ein Energiegel munden zu lassen. Wichtiger sei allerdings, ausreichend – wenngleich nicht zu viel – zu trinken. Wasser und Apfelschorle sind am geeignetsten. Wer sich auf längeren Distanzen vor Krämpfen fürchtet, sollte nicht auf Magnesium, sondern auf das beim Schwitzen vom Körper ausgeschiedene Natrium zurückgreifen.

Der erste Triathlon: Der Spaß steht eindeutig im Vordergrund. „Es gewinnt sowieso jemand anderes“, weiß Jähn, der dazu rät, das Rennen einfach zu genießen. Der Athlet solle lediglich darauf achten, nicht zu schnell anzugehen. „Anschließend einen Rhythmus finden.“ fab

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