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Drei Säulen bilden das Göttinger Forum Wissen

Thema des Tages Drei Säulen bilden das Göttinger Forum Wissen

In 13 Wissensräumen wird die Universität Göttingen im Forum Wissen eine Ausstellung zeigen, die Wissen-Schaffung und Wissenschaftsgeschichte vermittelt. Das Universitätsgebäude am Groner Tor wird auch ein Veranstaltungshaus werden für Forschung, Lehre und Fachabteilungen.

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Der kleine Hörsaal wird zum Objektlabor: Marie Luisa Allemeyer, Direktorin der Zentralen Kustodie, zeigt eine Zeichnung der geplante Riesenvitrine.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Ein Haus für alle soll es werden. Und eines mit vielen Funktionen. Das 1877 als Naturhistorisches Museum der Universität Göttingen erbaute Haus zwischen Bahnhof und Groner-Tor-Kreuzung erhält seine ursprüngliche Aufgabe zurück: Als „Forum Wissen“ wird es voraussichtlich ab 2018 präsentieren, was die Georgia Augusta an bedeutenden und nützlichen Objekten in ihren 36 Sammlungen zu bieten hat. Eine Ausstellung, die in 13 Wissensräume unterteilt ist, soll im Obergeschoss den Mittelpunkt bilden. Dazu kommen für die Öffentlichkeit zwei weitere Räume und ein Objektlabor im Untergeschoss.

„Das Haus wird aber mehr Komponenten haben, als nur Ausstellungsgebäude zu sein“, erklärt Dr. Marie Luisa Allemeyer. Seit Juni 2013 ist die Historikerin Direktorin der Zentralen Kustodie. Diese hat den Auftrag, die Sammlungen zu erhalten, die Bestände mit den Kuratoren aufzuarbeiten und das Konzept für das Haus des Wissens zu erarbeiten. Seit Frühjahr 2015 heißt das Projekt „Forum Wissen“.

„Für das Forum Wissen bilden drei Bereiche gleichermaßen wichtige Säulen: das Sammeln und Bewahren, das Forschen und Lehren sowie das Ausstellen und Vermitteln“, heißt es in dem 70-seitigen Gesamtkonzept, das am Mittwoch dem Senat der Universität Göttingen vorgestellt wurde. „Das Forum Wissen wird somit nicht nur ein neuer Ort des Wissens und der Auseinandersetzung mit Wissenschaft werden, sondern auch ein neuer Treffpunkt und ein kulturelles Highlight der Stadt Göttingen, im besten Sinne: Ein Haus für alle!“

Dafür aber muss sich baulich einiges verändern in dem noch von der Biologischen Fakultät genutzten und als Zoologisches Institut bekannten Gebäude. Der Eingangsbereich wird zum Entrée mit Verteilfunktion: Von dort sind die kostenlos zugänglichen Ausstellungsbereiche im Erdgeschoss ebenso erreichbar wie die Zentrale Kustodie und die Forschungsstelle Wissensforschung oder das Café und der Buchshop. Dafür wird das Foyer entkernt, vielleicht wird es eine Blickachse geben zum Objektlabor.

Foto: Hinzmann

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Das entsteht, wo jetzt noch der kleine Hörsaal untergebracht ist. Damit die Besonderheit des Raumes Platz hat, wird die Zwischendecke entfernt. Platz für eine raumhohe Vitrine, die wiederum Platz bietet für ausgewählte Objekte aus den 36 Sammlungen. „Das wird ein Aufgalopp der Sammlungen, deren Schaufenster“, meint Allemeyer. Die Vitrine in Kubusform wird innen ein Seminarraum sein, außen ein großer Guckkasten mit zahlreichen Sammlungsstücken.

Anders als der kleine Hörsaal wird der große Hörsaal, der sich im 1920 angebauten Flügel über drei Geschosse erstreckt, erhalten bleiben. Das alte Hörsaalmobiliar wird restauriert, neue Technik wird kommen – und die zwölf beweglichen Wandtafeln, je drei in vier Segmenten, werden bleiben. „Solche Tafeln hat moderne Hörsaalinfrastruktur nicht mehr zu bieten“, sagt Allemeyer. Der Saal mit 240 Plätzen ist optimal geeignet für Vorlesungen und Tagungen, die im Forum Wissen stattfinden sollen.

Völlig neu konzipiert wird der Praktikumsraum für Biologiestudenten. Als einer der 13 Wissensräume geht es in diesem dann um das Thema „Auf dem Holzweg. Irren – Scheitern – Neu Beginnen“ . Ideen aus der Wissenschaft, die keine guten waren, weil sie verworfen wurden oder zum Scheitern verurteilt. „Wir wollen auch zeigen, dass Wissenschaft etwas Mäanderndes haben kann, das nicht nur Umweg, sondern auch Sackgasse sein kann“, beschreibt Allemeyer das Konzept für diesen Raum. Noch sind die Plätze belegt, hängen an große Lehrprospekte an den den Wänden. Einerseits sind diese Wandkarten des Wissens Uralttechnik der Lehre, aber auch die beste für vergleichende Lehre. Wenn diese Lehrmittel nicht mehr benötigt werden, kommen sie sicher nicht auf den Müll. „Auch solche Lehrmittel sind Zeitdokumente der wissenschaftlichen Lehre. Was davon erhalten bleibt, ist nicht mehr nur Sache des zuständigen Lehrstuhls, sondern auch der Zentralen Kustodie“, erklärt Allemeyer. Die Kustodie als „Institution des längeren Atems“ beurteilt, was erhaltenswert ist, nach Kriterien der Wissenschaftsgeschichte und der Wissenschaftsmuseen.

Dazu gehören auf jeden Fall die Nasssammlungen der Biologischen Fakultät. Die zoologische Nasssammlung lagert seit Langem im Keller des Hauses, die botanische seit Kurzem. Der Zaunleguan aus dem Jahr 1814 gehört dazu, aber auch die hundertjährige Ananas. Sie in Alkohol zu konservieren, um die kostbare Südfrucht den Studenten zeigen zu können, war vor 100 Jahren notwendig. „Heute kann so eine Frucht in jedem Supermarkt gekauft werden, Informationen dazu bietet das Internet. Wozu also noch für die Lehre aufbewahren?“, fragt Allemeyer. Und doch wird der Glaszylinder mit der exotischen Feldfrucht archiviert. Im Haus an der Berliner Straße werden im zentralen Sammlungsdepot die Objekte Platz finden, die in ihren Ursprungssammlungen aussortiert wurden oder dort nicht in konservatorisch notwendiger Art und Weise aufbewahrt werden können.

Und nicht nur das wird hinter den Kulissen zu finden sein. Im Forum Wissen werden die Zentrale Restaurierungswerkstatt und ein Digitalisierungsraum untergebracht. Im Dachgeschoss sollen die Räume für die Professur Materialiät des Wissen, das Promotionsprogramm mit voraussichtlich 15 Doktorandenstellen und die Forschungsstelle Wissensforschung Räume erhalten.

Allemeyer ist davon überzeugt, dass mit dem Forum Wissen „viel Bewegung in die Sachen und Sammlungen kommen wird“. Das 18-Millionen-Euro-Projekt, für das bereits zehn Millionen vom Bund bewilligt worden sind, soll mit seinen 13 Wissensräumen den Prozess des Wissen-Schaffens aufzeigen. Und zwar so, dass die Öffentlichkeit ebenso wie Studenten und Wissenschaftler einen spannenden Blick auf Sammlungen und ihren Nutzen erhält. Das Haus für alle soll entsprechend der Selbstverpflichtung der Georg-August-Universität in ihrem Motto sein: „In Publica commoda – zum Wohle aller“.

Text am 22. Dezember geändert.

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