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Ehrenamt als Herausforderung

Arbeiter-Samariter-Bund Ehrenamt als Herausforderung

Sie sind da, wenn es nachts kracht. Sie helfen Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Während die Anderen am Wochenende auf dem Sofa sitzen, kümmern sie sich in ihrer Freizeit um die, die im Auto eingeklemmt sind, deren Keller unter Wasser steht, die neu in Deutschland sind, und die, die einfach im Alltag ein bisschen Unterstützung brauchen. In einer Serie stellen wir Menschen vor, die sich ehrenamtlich in einer Hilfsorganisation engagieren. Heute: Marco Woltermann vom ASB.

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Engagiert sich ehrenamtlich im ASB: Marco Woltermann ist Zugführer und koordiniert Katastrophenschutz-Einsätze.

Quelle: Lieske

Göttingen. „Ich bin seit 1993 dabei“, sagt Marco Woltermann. Im Alter von 15 Jahren hat der 38-Jährige mit seiner Tätigkeit beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) begonnen. Heute ist er Zugführer der Schnell-Einsatz-Gruppe des Katastrophenschutzes. „Mich hat schon immer interessiert, wie ich anderen Menschen helfen kann“, so Woltermann zu seiner Entscheidung, ehrenamtlich tätig zu sein.

Erste-Hilfe habe ihn zudem immer schon interessiert. Von seinem zehnten Lebensjahr an sei er Mitglied der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) gewesen, war dort vor allem im Bereich Rettungsschwimmen aktiv. „Das war aber irgendwie nicht so mein Ding“, sagt Woltermann. Auf der Suche nach Alternativen sei er dann zum ASB-Kreisverband Northeim/Osterode gekommen. „Dort habe ich eine sanitätsdienstliche Ausbildung absolviert.“

Als ausgebildeter Rettungssanitäter engagierte er sich dann auch im Rettungsdienst. Nach der Ausbildung zum Zugführer übernahm Woltermann die Einheit des Katastrophenschutzes in Göttingen. „Einer muss den Überblick haben“, beschreibt er diesen Aspekt seiner Position. Im Einsatz erkunde er zunächst die Lage nach der Devise: „Was ist hier eigentlich los?“ Anschließend verteile er die Aufgaben an seine Helfer.

Der so genannte Einsatzleitwagen sei dabei das „rollende Koordinationsbüro“, von dem aus der Einsatz organisiert werde. Zu seinen Aufgaben gehöre abseits der Einsätze vor allem die Organisation von Lehrgängen für Mitglieder und die Sicherstellung der Einsatzbereitschaft der Ausrüstung.

Auch in der Flüchtlingsbetreuung, hier in Adelebsen, sind die Mitglieder des ASB aktiv.

Quelle: EF

„Es gehört schon ein gewisses Pflichtbewusstsein dazu“, sagt Woltermann. Vor allem die Vereinbarkeit von Privatleben und Ehrenamt sei häufig eine Herausforderung – denn als Hauptverantwortlicher sei er im Grunde rund um die Uhr erreichbar. „Es gibt nur wenige Tage, an denen ich nicht für den ASB tätig bin“, sagt Woltermann.

Für viele Menschen sei seiner Ansicht nach das Ehrenamt kaum noch zu erfüllen. „Wann soll das noch passieren?“, fragt der 38-Jährige, mit Blick auf die Arbeitsbelastung, die in nahezu allen Berufen immer höher werde. Trotzdem erfülle der ASB mit seinen Ehrenamtlichen eine wichtige Aufgabe. Das falle besonders im Katastrophenschutz aber nur bei wenigen Gelegenheiten auf, denn große Katastrophen seien zum Glück ja selten.

„Das Ehrenamt ist immer dann präsent, wenn es gebraucht wird“, sagt Woltermann. Viele Einsätze, bei denen das der Fall war, sind ihm in Erinnerung geblieben. „Sehr bewegend sind immer die Einsätze, bei denen Menschen zu Tode gekommen sind“, erzählt der Zugführer.

Zum Beispiel ertrank in Hann. Münden ein Jugendlicher beim Schwimmen in der Fulda. Gemeinsam mit Notfallseelsorgern versorgten die Helfer des ASB dann die trauernden Jugendlichen der Reisegruppe, denen der Verunglückte angehört hatte.

„Die Bombenexplosion auf dem Schützenplatz ist mir ebenfalls im Gedächtnis geblieben.“ Dort sei der ASB vor allem für die Betreuung der Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) zuständig gewesen.

Besonders dieser Einsatz passe hervorragend zu dem Gründungsethos des ASB: Von Arbeitern gegründet, sollte er andere Arbeiter in Erster-Hilfe schulen, damit sie sich im Unglücksfall versorgen konnten. Die Ausbildung in Erster-Hilfe sei immer noch wichtiger Bestandteil der Tätigkeiten des ASB.

Steckbrief: ASB

- Organisation: Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) ist eine gemeinnützige und freiwillige Hilfsorganisation. Der jeweilige Landesverband ist ein eingetragener Verein, die übrigen Ortsverbände sind Teil von diesem. Gegründet wurde der ASB im Jahr 1884.
- Ziel und Zweck: Vielfältige Hilfsangebote für die Menschen, orientiert an Bedarf und Bedürfnissen. Auch die Unterstützung von Einsatzkräften wie etwa der Feuerwehr.
- Standorte: Auf Bundesebene betreut die Bundesgeschäftsstelle rund 1,2 Millionen Mitglieder. Im Landkreis Göttingen gibt es den Kreisverband Göttinger Land mit Sitz in Hann. Münden und rund 3500 Mitgliedern. Der Kreisverband verfügt über acht Standorte im Göttinger Land. Weiterhin gibt es den Ortsverband Göttingen Stadt mit rund 800 Mitgliedern und den Kreisverband Northeim/Osterode mit rund 2600 Mitgliedern und neun Standorten in den Landkreisen Northeim und Osterode (Nörten-Hardenberg, Bad Lauterberg, Bovenden, Dassel-Markoldendorf, Northeim, Osterode, Herzberg, Uslar, Wulffen)
- Gründung: Der Ortsverband Göttingen Stadt wurde 1923 gegründet und ab 1933 durch die Nationalsozialisten verboten; Neugründung erfolgte erst 1981
- Wichtige Einsätze 2015: Der ASB war maßgeblich am Aufbau einer Flüchtlingsunterkunft in Adelebsen beteiligt, die er auch kurze Zeit betrieb. Zudem versorgten Helfer des ASB eingeschneite Autofahrer auf der Autobahn. Als im Bahnhof in Göttingen zahlreiche Reisende auch über Nacht strandeten, weil durch Stürme der Verkehr lahm gelegt wurde, versorgten die Helfer die Gestrandeten. Außerdem bietet der ASV laufend Erste-Hilfe-Kurse an.

Mitmachen? So geht es

So werde ich Mitglied:
- Fördernde Mitgliedschaft ist für jeden über die Anträge auf der Internetseite möglich. Für die aktive Mitgliedschaft in den verschiedenen Bereichen (etwa Sanitätsdienst & Katastrophenschutz) sind spezielle Ausbildungen nötig, deren Kosten und Durchführung der ASB übernimmt. Jeder ist Vollmitglied und kann damit entweder nur fördern oder auch aktiv werden. Außerdem nimmt der ASB Spenden entgegen.
- Ansprechpartner in Göttingen ist Marco Woltermann, Zugführer Katastrophenschutz, unter Telefon 0551/ 6 66 55 oder per Mail an info(at)asb-goettingen.com
- Informationen außerdem über die Internetseite asb.de und asb-goettingen.de
- Allgemeines Wissen zum Verhalten im Katastrophenfall bietet außerdem der Ratgeber „Katastrophenalarm“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
- Mindestbeitrag: 12 Euro im Jahr

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Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016