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Ein Eichsfelder erfindet die Kaffeemaschine

Thema des Tages Ein Eichsfelder erfindet die Kaffeemaschine

Ein Eichsfelder hat die Kaffeemaschine erfunden:  Unternehmer Hermann Eicke, der 1837 im thüringischen Weißenborn – 20 Autominuten von Duderstadt entfernt – zur Welt kam, ließ sich 1878 beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin seine Kippdampfdruckkanne schützen.

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„Wahnsinniger Erfolg“: Eickes Kippdampfdruckkanne mit Spiritusbrenner, Wasserbehälter und Filter.

Quelle: r

Weißenborn. „Hermann Eicke hatte mit seiner Kaffeemaschine wahnsinnigen Erfolg“, berichtet Thomas Leeb. Der Münchner Gastronom besitzt eine der weltweit größten Sammlungen an Kaffeemaschinen. Sie umfasst mehr als 1000 Exemplare, darunter Eickes Kippdampfdruckkannen. „Die Maschinen sich schön gemacht“, sagt Leeb. Eicke habe es mit seiner kostspieligen Maschine zu Wohlstand gebracht.
„Das Vermögen, das der verheiratete, aber kinderlose Unternehmer nach seinem Tod 1897 hinterließ, stiftete er gemäß seinem Testament größtenteils für soziale Zwecke“, berichtet Torsten Müller, der Leiter des Eichsfelder Heimatmuseums in Heiligenstadt. Eicke unterstützte ein Waisenhaus in Berlin-Moabit. Als katholischer Eichsfelder vermachte er einen Teil der St.-Hedwigs-Kathedrale, Berlins erstem katholischen Gotteshaus nach der Reformation. Das 1773 geweihte Gebäude ist seit 1930 Hauskirche des Berliner Bischofs. Der Unternehmer bedachte zudem seine Heimatgemeinde. Dort kam das Geld Armen zu Gute, die weder Trinker noch Spieler sein durften.
Der Ort Weißenborn hält die Erinnerung an den großen Sohn wach. „In unserer Heimatstube informieren wir über den Erfinder“, sagt Ortsbürgermeister Peter Polle (CDU). Eickes Geburtshaus, eine alte Mühle, Am Gärtling 11 steht noch. Die Immobilie Mühle gehört heute Hermann Redemann. „Eine Gedenktafel gibt es nicht“, sagt der Eigentümer.
Nicht vergessen sind in Weißenborn zudem Eickes Brüder, die in Wien Karriere machten. „Professor Karl-Josef Eicke war Hofdolmetscher und Berater im diplomatischen Dienst, Ernst-Heinrich Eicke Architekt“, berichtet der Weißenborner Heimatforscher Hermann Zinke.
Auch eine Kippdampfdruckkanne gibt es im Ort. Sie befindet sich im Privatbesitz von Georg Lier, der als Fotograf in Leinefelde tätig ist. Er hat sie sich über das Internet besorgt. Dem Eichsfelder Heimatmuseum in Heiligenstadt stellte er sie einmal für eine Ausstellung zur Verfügung. Lier weiß von einem weiteren Exemplar, das den Besitzern allerdings in den 70er-Jahren von Westverwandten „abgeschwatzt“ worden sei, so der Ostdeutsche.
Wer sich Eickes Erfindung ansehen will, konnte in den vergangenen Jahren in den Harzort Stolberg, das in der Nähe von Nordhausen liegt, fahren. Dort hat Hotelier Jörk Beutel bis vor kurzem im Chalet Waldfrieden ein Kaffeemaschinen-Museum betrieben. „Den Grundstock habe ich 2003 von einem Fremdenlegionär übernommen“, erzählt er. Er verdoppelte den Bestand seither auf nun 450 Exemplare. Ende Mai zieht er sich aus persönlichen Gründen aus dem Hotelgeschäft zurück. Für seine Sammlung sucht er noch einen Käufer (Telefon: 0176/23321939).
„Wir haben kein Exemplar“, teilt die Kuratorin des Städtischen Museum in Göttingen, Andrea Rechenberg, mit. Geld für den Ankauf hätte die städische Einrichtung nicht, sie würde aber eine Maschine geschenkt nehmen.
„Eickes Erfindung wird heute im Internet für 80 bis 300 Euro angeboten“, berichtet Björn Schröbel. Der Blogger aus dem hessischen Fischbachtal, der die Kippdampfdruckkanne auf seiner Seite alltagserinnerungen.de beschreibt, ist fasziniert von dem Gerät. Er besitzt fünf Stück.

Skizzen aus der Patentschrift von Eickes „Sicherheitskaffee­maschine“ aus dem Jahr 1878.

Skizzen aus der Patentschrift von Eickes „Sicherheitskaffee­maschine“ aus dem Jahr 1878.

Quelle: r

So funktioniert Eickes Sicherheitsgerät

In der „Patentschrift No. 3044“ von 1878 wird die Funktionsweise von Hermann Eickes Sicherheitskaffeemaschine erläutert. Petra Knüfermann vom Deutschen Patent- und Markenamt im München hat sie auf Bitte des Tageblatts herausgesucht. An einem Ständer mit breitem Porzellanfuß ist ein Wasserbehälter aufgehängt. Ein Spiritusbrenner darunter bringt die Flüssigkeit zum Kochen. Durch ein Rohr gelangt der Dampf zum Kaffeefilter auf der anderen Seite des Ständers. „Nach allen Richtungen hin“, so die Patentschrift, dringe das kochende Wasser in das Kaffeemehl.
Das anregende Getränk tropft unten in eine Porzellankanne. Je mehr sich das Wasserbehälter leert, um so stärkeres Übergewicht bekommt der Filter. Der Wasserbehälter bewegt sich langsam nach oben. Wenn der Wasserstand noch einen halben Zentimeter beträgt, schnappt der Deckel des Brenners, der durch den Wasserbehälter gehalten wird, zu. Er löscht die Flamme. So überhitzt sich nichts bei der Sicherheitskaffeemaschine.
„Wir haben das Schutzrecht 1889 gelöscht, weil Hermann Eicke die Gebühr für das zwölfte Jahr nicht gezahlt hat“, berichtet Knüfermann. Patente hätten eine Laufzeit von 20 Jahren, Von dritten Jahr an müsse der Erfinder jährlich steigende Gebühren bezahlen. Lohne sich das nicht mehr, stelle der Erfinder die Zahlung ein und lasse das Patent so verfallen.
Eicke produzierte seine Maschinen auch nach Verlöschen des Schutzes weiter. Seine Nachfolger brachten 1910 ein Elektromodell der Maschine auf den Markt.

Aktuelle Kaffeemaschine mit modernem Kapselsystem aus dem Jahr 2015.

Aktuelle Kaffeemaschine mit modernem Kapselsystem aus dem Jahr 2015.

Quelle: dpa

Vorläufer und neue Syteme

Eickes Kippdampfdruckkanne hatte halbautomatische Vorgänger. Kaffeemaschinen-Sammler Thorsten Leeb erinnert an ein halbautomatisiertes Gerät, den sogenannten Perkolator. Bei ihm steigt das erhitzte Wasser in einem Rohr auf und fällt auf das Mahlgut. Der fertige Kaffee tropft wieder zurück ins Wasser. Das Erhitzen wird solange fortgesetzt, bis das Getränk die gewünschte Stärke hat. Erfunden hat den Perkulator der amerikanische Offizier und Physiker Benjamin Thompson zwischen 1810 und 1814 in Paris.
Den Durchbruch auf dem Massenmarkt schaffte in den 1970er-Jahren weder Eickes noch Thompsons Gerät, sondern Filterkaffeemaschinen, die in der Tradition von Gottlob Widmanns 1954 erfundenem Wigomat stehen. 2001 brachten die Firmen Douwe Egberts und Philips das erste Pad-System auf den Markt. Bei ihnen wird das heiße Wasser unter Druck durch eine mit Kaffeepulver gefüllte Kapsel gepresst.

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