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Ein Hühnerhaufen tritt auf

Schülerlesetage Ein Hühnerhaufen tritt auf

Bei den Schülerlesetagen vom 7. bis 17. Mai dreht sich in Göttingen und in der Region 
alles um das Thema Lesen. Neben Autoren-Lesungen stehen Schulprojekte 
auf dem Programm – wie die „bewegte Literatur“ der Montessori-Schule. Ein Probenbesuch.

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Göttingen. Ein Wartezimmer voller Hühner, eine Kuh auf dem Baum und ein Hund, der zu viele Würstchen gegessen hat: Das gibt‘s doch nur in Büchern? Könnte man denken. Doch ein Blick in einen Klassenraum der Montessori-Schule Göttingen zeigt etwas anderes. Etwa 20 Schüler üben dort für die Schülerlesetage vom 7. bis 17. Mai ein szenisches Stück zu dem Buch „Hier kommt Doktor Do“ von Katja Reider ein.

Und wer eine wuselige Kindergruppe gern mal als Hühnerhaufen bezeichnet, hat diesen Hühnerhaufen noch nicht kennengelernt. Verkleidet mit gelben Gummihandschuhen als Hühnerfüße laufen sie durch den Raum, gackern durcheinander und haben sichtlich Spaß an ihrer Rolle. Bis Doktor Do alias Lotte Betke für Ordnung sorgt.

„Was ist denn hier los?“, fragt die 11-Jährige. Autorität schwingt in der Mädchenstimme mit, eine Mütze mit Schwimmbrille darüber trägt sie auf dem Kopf, sie ist gekleidet in einen Arztkittel. „Ich sollte doch alle Patienten mit Hühneraugen einladen“, sagt ihre Assistentin Ziege Lisbeth entschuldigend, gespielt von Sechstklässlerin Frederike Sommer. Die Hühner verschwinden, im Wartezimmer - einfach dargestellt mit drei Stühlen - sitzen nur noch ein Hase mit Ohrenschmerzen und ein Hund mit Bauchschmerzen. Und dazwischen Lehrerin Karin Eilers, die zwischendurch eine Passage aus dem Buch vorliest.

Die Autorin selbst wird in die Aufführung einbezogen

Sie ist nur ein Platzhalter: Bei den zwei Aufführungen der Erst- bis Sechstklässler während der Schülerlesetage wird es die Autorin Katja Reider selbst sein, die dort sitzt und in die „bewegte Literatur“, wie die Gruppe ihre Aufführung zur Bilderbuchgeschichte „Hier kommt Doktor Do“ nennt, einbezogen wird. „Wir haben jedes Jahr in irgendeiner Form bei den Schülerlesetagen mitgemacht“, erzählt Lehrerin Eilers und verspricht auch für dieses Jahr noch eine Überraschung zusätzlich zu den Aufführungen.

Bei der Vorbereitung für die Auftritte hilft den Schülern die freie Theaterregisseurin Lia A. Eastwood, die mit den Kindern das Drehbuch für das Stück geschrieben hat. „Im Backstageraum bitte Ruhe“, sagt sie, als die nächste Szene beginnt. Kuh Matilde sitzt auf einem Baum - eigentlich auf einer Leiter, vor der ein gemalter Baum hängt - und muht ganz klagend. Da kommt Bauer Hinnerk alias Tristan Fahrendorff dazu. „Du kommst da sofort runter“, schreit der 10-Jährige mit dem Strohhut die Kuh an, die sich keinen Zentimeter bewegt.

„Orientiert euch an der Lautstärke von Tristan“, wirft Eastwood ein, als Doktor Do und Lisbeth eintreffen. Kein Wunder, dass Tristan so routiniert als wütender Bauer herumschreit: „Ich bin seit zwei Jahren in der Theater-AG und spiele seit fünf Jahren im Krippenspiel mit“, erzählt der Viertklässler. Wenn er gerade nicht schauspielere, schreibe er gern selbst Fantasygeschichten.

Die Kuh ist auf dem Baum, weil der Bauer sie anschreit

Die Kuh kriegt er als Bauer Hinnerk trotzdem nicht vom Baum, da muss schon Doktor Do helfen. Und so sicher, wie dieser einen Kompromiss zwischen Kuh Matilde und Bauer Hinnerk aushandelt - die Kuh ist nämlich nur auf den Baum geklettert, weil Hinnerk sie immer so anschreit -, so sicher spielt Lotte auch die Hauptrolle in dem Stück. „Am Anfang, als wir noch kein Skript hatten, haben wir viel improvisiert beim Üben“, sagt sie. Nun hätten sie das Drehbuch, müssten sich aber trotzdem nicht haargenau an jedes Wort halten. „Wir sind aufeinander abgestimmt“, sagt sie mit Blick auf Frederike, die ihre Assistentin spielt, „wenn einer was falsch sagt, können wir darauf eingehen“. Seit etwa zwei Wochen würden sie das Stück proben, zuvor hätten sie schon das Buch im Unterricht gelesen und die Rollen verteilt.

„Wir haben auch ein Sprachtraining mit Lia gemacht, wie man deutlich und laut spricht“, erzählt Lotte von den Vorbereitungen, „von ihr kann man viel lernen“. Dass sie das bereits getan haben, merkt man dem Hühnerhaufen an. Denn der ist zwar wuselig und laut, aber auf eine gute Art und Weise.

Schülerlesetage: Diesmal wird es „tierisch spannend“

Vier Autorinnen und ein Autor werden vom 7. bis 17. Mai während der sechsten Göttinger Schülerlesetage in Kindergärten, Schulen und Einrichtungen der Stadt und des Landkreises aus ihren abwechslungsreichen Büchern zum Thema „Tiere“ lesen.

Die Schülerlesetage, die vom gemeinnützigen Verein „Stadt der lesenden Kinder – Leseförderung Südniedersachsen“ veranstaltet werden, stehen daher diesmal unter dem Motto „Tierisch spannend“.

Ein Schwerpunkt der Veranstaltungsreihe sollen fantasievolle Projekte zum Thema „Tiere“ werden, mit denen Schülerinnen und Schüler selbst kreativ werden und ihren eigenen Zugang zu Büchern finden können.

Seit Wochen bereiten sich etliche Kinder und Jugendliche auf die Autorenwoche vor. So hat etwa der Kurs „Darstellendes Spiel“ des Göttinger Theodor-Heuss-Gymnasiums ein tänzerisches Theaterstück mit dem Titel „Wolfszeit“ erarbeitet.
So entwickelt zum Beispiel die Weidenklasse der Montessorischule zu dem Buch „Hier kommt Doktor Do“ von Katja Reider eine sogenannte „bewegte Literatur“. Aussschnitte aus diesem Projekt – und auch aus „Wolfszeit“ – werden bei der Eröffnungsveranstaltung der Schülerlesetage am Sonntag, 7. Mai, ab 17 Uhr in der Paulinerkirche zu sehen sein.

Um die Rolle von Tieren in unserer Gesellschaft soll es bei einer Diskussionsrunde am Donnerstag, 11. Mai, ab 14 Uhr im Gymnasium Uslar gehen.

Zu den Traditionen der Schülerlesetage gehört mittlerweile der „musikalische Leseabend“, den Schüler auch diesmal wieder mit selbstverfassten Texten und Musikstücken im Gebrauchtwarenladen „Kim“ (Angerstraße 1c, Göttingen) ebenfalls am 11. Mai gestalten werden. Los geht es hier um 19 Uhr.

Auf eine Suche nach Steinzeittieren hat sich die Sprachlernklasse der Grundschule am Wall in Hann. Münden begeben. Ein Film und selbst gemalte Bilder zu diesem Abenteuer werden am 8. Mai um 16.30 Uhr im Welfenschloss Hann. Münden zu sehen sein.

Organisatorin Cornelie Hildebrandt konnte für die Schülerlesetage 2017 interessante Autoren gewinnen. Dabei sind Antje Babendererde, Hans-Jürgen Feldhaus, Katja Reider, Angela Waidmann und Jutta Wilke. Weitere Infos online auf schuelerlesetage-goettingen.de. mr

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