Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Ein Ort für die Schätze der Uni

Forum Wissen: Finanzierung steht Ein Ort für die Schätze der Uni

Millionen von Objekten - von der Bernsteinsammlung bis hin zur Sammlung Käpt‘n Cooks - sind im Besitz der Göttinger Universität. Bislang lagern sie in 36 Sammlungen an unterschiedlichen Orten.

Voriger Artikel
Faire Spiele und ein voller Erfolg
Nächster Artikel
Wer holt den Titel?

Das Objektlabor: So soll es einmal aussehen.

Quelle: r

Göttingen. Im Forum Wissen, in der alten Zoologie am Bahnhof, soll ein Haus entstehen, das eine Auswahl dieser Schätze zeigt. Und noch mehr. Dort soll geforscht, bewahrt, gelehrt, vermittelt und restauriert werden.

Die Gesamtkosten des Projektes Forum Wissen belaufen sich auf 18,5 Millionen Euro. 90 Prozent der Finanzierung ist gesichert, für 1,85 Millionen Euro sucht die Universität noch Sponsoren (für eine Million Euro) und Spender (0,25 Millionen Euro). Nach Angaben der Uni verteilen sich bereits eingeworbenen Gelder auf fünf Millionen Euro Bundesmittel aus dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“, fünf Millionen aus dem Haushalt der Staatsministerin für Kultur und 3,7 Millionen aus Eigenmitteln der Universität. Beim Land Niedersachsen beantragt sind weitere 2,95 Millionen.

Mit dem Forum Wissen entsteht in Göttingen ein einzigartiges Haus der Wissenschaftsgeschichte. Denn: Dort wird es nicht nur Ausstellungsstücke von internationaler Bedeutung geben. „Neu an dem Konzept ist, dass die Kernaufgaben einer Universität, nämlich Forschung und Lehre, ebenfalls dort Platz finden“, sagt Dr. Marie Luisa Allemeyer, Zentrale Kustodin der Uni. Sie ist zuständig für all die seltenen Stücke, die in den Sammlungen der Institute über die Stadt verteilt aufbewahrt werden. Welche Stücke dort wann gezeigt werden, ist noch offen. Aber: Etwa 300 Objekte, so sagt sie, sollen im Forum Wissen im „Objektlabor“ ausgestellt werden. Das ist eine Art raumgroße Vitrine, die Platz für die Ausstellungsstücke bietet - von Medizin über Physik und Kunst bis hin zur Völkerkunde. Im Inneren soll ein Lehrraum entstehen.

Die alte Zoologie wird aber weit mehr als ein Museum sein. Der alte Hörsaal, der seit 1920 Platz für 240 Zuhörer bietet, soll laut Universität renoviert werden und beispielsweise Platz für Tagungen, Physik-Shows oder Konzerte bieten. Das Forum wird von der Universität als ein „Knoten im Netzwerk der dezentralen Sammlungen“ bezeichnet. „Sammeln, Forschen, Lehren und Vermitteln“ ist ebenso Konzept der Universität wie „Wissen schaffen sichtbar machen“. Vorgesehen sind zudem eine Basisausstellung auf 1200 Quadratmetern mit Stücken aus den Sammlungen und wechselnden Sonderausstellungen auf 500 Quadratmetern.

Ein Parcours führt durch 13 Räume des Wissens - die Titel sind „Freiraum“, „Auf Reisen“, „Im Labor“ oder „Auf dem Holzweg“. Ein Weg führt auf den Spuren Göttinger Nobelpreisträger von Robert Koch (1905) bis Stefan Hell (2014). Außer dem Objektlabor und der Ausstellung sind auch Seminarräume, Werkstätten, der große Hörsaal, ein Shop und ein Café geplant.

Neue Ausstellung

Einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie das Forum Wissen vielleicht einmal ausgestaltet werden könnte, gibt es bereits ab Sonntag zu sehen: Dann eröffnet die Ausstellung „OBJEKT/AN/ORDNUNG“ der Zentralen Kustodie der Uni. „Wissenschaft basiert auf Ordnungen, folgt ihnen und schafft sie. Von diesen Ordnungen, ihrem Entstehen und ihren Entwicklungen und Anpassungen erzählen die Dinge und Sammlungen“, erklärt Sebastian Bollmann von der Kustodie (Foto). In der „kleinen Kabinett-Ausstellung“ sind Dinge aus  vielen Sammlungen in sechs Themenbereichen wie beispielsweise „Sache und Serie“ oder „Fragment und Ganzes“ zu sehen.

Mit der Ausstellung soll auf die „einzigartige Vielfalt an wertvollen Objekten der Göttinger Universitätssammlungen“ aufmerksam gemacht werden. Die Stücke stammen aus einer Vielzahl von Sammlungen. Geöffnet ist sonntags von 13 bis 15 Uhr im Alten Auditorium,  Weender Landstraße 2.

„Ein Leuchtturm für die Stadt“

„Mit dem Forum Wissen entsteht mitten in Göttingen ein innovativer Ort, der Wissenschaft für ein breites Publikum sichtbar und erlebbar macht“, sagt der Göttinger SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann.  Das Zusammenspiel von Sammeln und Forschen sowie Lehren und Zeigen der kulturellen Schätze der Universität unter einem Dach sei einzigartig. „Das Forum Wissen wird viele Menschen nach Göttingen locken. Es ist hochattraktiv und ein Leuchtturm für die Stadt – die Wissen schafft“, sagt er. 

Göttingen könne sich dort von seiner besten Seite zeigen und in Wechselausstellungen spannende Zukunftsfragen thematisieren.“ Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler sagt: „Das Forum Wissen wird für Göttingen eine Bereicherung sein.“ Aus dieser Überzeugung heraus habe er sich gemeinsam mit Oppermann dafür eingesetzt, dass der Bund das Projekt fördert. Es sei eine tolle Idee, einen Ort zu schaffen, an dem die vielen Sammlungen zusammengetragen und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Forum werde Hochschuleinrichtungen miteinander verbinden und ein Ort sein, an dem Bürgern die Wissenschaft in Göttingen erleben und ihre Geschichte nachverfolgen können.

Einige Schätze sind ...

❱Der Vizeheliotrop von Carl-Friedrich Gauss gehört zur physikalischen Sammlung und wurde kürzlich offiziell als national wertvolles Kulturgut eingestuft: Neben der Göttinger Gutenberg-Bibel von 1454 wurde der
Vizeheliotrop in das niedersächsische Verzeichnis aufgenommen. Der berühmte Göttinger Wissenschaftler vermaß damit einst das Königreich Hannover.

❱ Die Cook-Forster-Sammlung des Ethnologischen Instituts beinhaltet Südseebestände aus drei Jahrhunderten, die einzigartig sind. Exponate wie den Federkopf des hawaiianischen Königs Ku‘  erwarb Weltumsegler James Cook und die ihn begleitenden Naturforscher. Die Sammlung gilt als weltweit einmalig. 500 Gegenstände aus diesem atemberaubenden Kulturschatz sind im Besitz der Uni.

❱ Seit 1958 verwahrt und betreut das Museum des Geowissenschaftlichen Zentrums die geretteten Teile der Königsberger Bernsteinsammlung treuhänderisch für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Knapp 20 000 Bernsteinobjekte, darunter wertvolle Kunst- und Kulturgegenstände aus Steinzeit, Antike, Mittelalter und Neuzeit zählen dazu.

❱ Zwei der Mumien der Anthropologischen Sammlung sind zur Zeit im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum zu sehen – eine aus Teneriffa und eine aus Peru. Die Sammlung umfasst neben Mumien (darunter südamerikanische als Dauerleihgabe des Museums für Völkerkunde Hamburg) unter anderem Skelettserien und Schädel.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Vor 25 Jahren erhielt der Göttinger Wissenschaftler Erwin Neher den Nobelpreis