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Gefördert Richtung Zukunft rollen

Elektroautos: Angebote werden nur wenig genutzt Gefördert Richtung Zukunft rollen

Zu teuer, zu wenig Reichweite – das sind oft die Hautpargumente, weshalb Kunden kein Elektroauto kaufen. Mit einer staatlichen Prämie für den Kauf von E-Autos mit einem Listenpreis von maximal 60000 Euro will die Bundesregierung die Nachfrage ankurbeln. Bisher wird das Angebot aber eher schleppend angenommen.

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Karl Emde und sein Mitarbeiter Helmut Niemeyer (von links) fahren nur noch mit Elektroautos.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. Bei den Autohändlern in der Region und in den Zulassungszahlen der Stadt Göttingen schlägt sich die Prämie allerdings noch nicht nieder.

„Die Nachfrage ist schon stärker, es ist ein guter Anreiz“, ist Horst Schöberl vom VW-Zentrum Göttingen überzeugt. Interessenten würden sich seit Einführung der Prämie stärker mit dem Thema Elektromobiliät auseinandersetzen. „Die Kunden sind gut informiert und haben teils sehr spezielle technische Fragen“, beobachtet auch Timo Marschall, Verkäufer bei VW. Auch Julia Wildhagen vom Verkaufsteam der BMW-i-Modelle stellt deutschlandweit einen positiven Effekt der Prämie fest: „Der Juni ist der stärkste Monat seit Einführung des i3.“ Die Prämie sei ein guter Anreiz und verhelfen dem Thema Elektromobilität zu mehr Normalität.

Die Hauptsorge der Kunden sei immer noch die aus ihrer Sicht zu geringe Reichweite der Fahrzeuge, berichtet Schöberl. Auch der im Vergleich zu ähnlichen Pkw mit Verbrennungsmotor hohe Anschaffungspreis sei für einige ein Hemmnis. Obwohl Studien zeigten, das rund 85 Prozent der Privathaushalte unter 80 Kilometer am Tag zurücklegten, sagt Schöberl. Ein Wert, der mit den meisten aktuellen Elektroautos am Markt problemlos zu meistern sei.

Trotzdem bedeute es aber für vielen Kunden eine Einschränkung, keine längeren Fahrten antreten zu können. „Die meisten nehmen dann lieber gleich einen Diesel“, so Schöberl. Auch Hybrid-Modelle seien wegen des höheren Anschaffungspreises oft keine Option. Allerdings haben die Hersteller das Problem erkannt und kommen den Kunden entgegen. VW etwa bietet Käufern eines Elektroautos die Möglichkeit für Urlaubsfahrten ein Alternativfahrzeug zu leihen.

In gestiegenen Verkaufszahlen schlägt sich die Prämie in Göttingen aber noch nicht nieder. Markus Esseln, Betriebsleiter beim Autohaus Hermann, und Guido Hunneshagen vom Autohaus Rolf beobachten noch keine entscheidende Veränderung im Kaufverhalten. Die meisten Händler bieten ihren Kunden auch für zu Hause die Möglichkeit, per Starkstrom zu laden. So genannte „Wallboxen“, können direkt beim Kauf eines Fahrzeugs mitbestellt und an einem passenden Ort in Reichweite zum Stellplatz installiert werden.

Die Wallbox wandelt den Hausstrom direkt in für die Ladung nötigen Gleichstrom um, was schnellere Ladezeiten ermöglicht. „Die Wallboxen werden von den meisten Kunden mitbestellt“, so Schöberls Erfahrung. Zudem sollen Garantien auf die Akkus den Kunden Ängste nehmen, im Fall von VW sind es zum Beispiel acht Jahre oder 160000 Kilometer.

An die Erreichbarkeit von Steckdosen denken

Bei der Frage nach dem Kauf eines Elektroautos sollten Kunden aber nicht nur auf die Anschaffung des Fahrzeugs selbst schauen, rät Verkäufer Marschall. Zum Beispiel müsse der Stromtarif des Kunden beachtet und unter Umständen angepasst werden. Auch Dinge wie die Erreichbarkeit von Steckdosen und das Alter der verlegten Leitungen müsse man berücksichtigen. „Das gehört zur Beratung dazu“, sagt Marschall. „In den nächsten Jahren wird die Elektromobilität zunehmen“, ist Schöberl überzeugt. Wenn die Förderung erst richtig angerollt sei, würden sicher auch noch mehr darauf zurückgreifen.

2000 Euro pro Fahrzeug

Der Anteil des Bundes an der Prämie beträgt 2000 Euro für ein rein elektrisch angetriebenes Fahrzeug und 1500 Euro für ein aufladbares Hybrid-Modell (Plug-In Hybrid). Der Zuschuss wird nur gewährt, wenn der Hersteller einen Anteil in mindestens gleicher Höhe nachlässt. Einige Hersteller gewähren sogar höhere Nachlässe, als das geforderte Minimum. Gefördert werden nur Fahrzeuge mit einem Listenpreis für das Basismodell von maximal 60000 Euro, die nach dem 18. Mai 2016 zugelassen wurden. Zudem muss das Modell auf der Liste der zu fördernden Fahrzeuge stehen. Grundsätzlich müssen die Fahrzeuge pro Kilometer weniger als 50 GrammCO2 ausstoßen.
Für die Prämie stehen 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung. Mindestens 300000 Fahrzeuge sollen so gefördert werden können. Die Prämie läuft, bis der Etat aufgebraucht ist. Bisher sind beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle 1791 Anträge für rein elektrische Fahrzeuge und Hybrid-Modelle eingegangen (Stand 4. August 2016).
Die Strategie zu mehr Elektrofahrzeugen sieht außerdem Investitionen in Höhe von 300 Millionen in das Ladenetz ab 2017 vor.

Mehr Batterien, mehr Reichweite

Zum Pendeln zur Arbeit oder auf kurzen Strecken nahezu perfekt, für lange Fahrten aber eher ungeeignet - das ist der Ruf von Elektroautos. Für viele Kunden ist besonders die eingeschränkte Reichweite abschreckend. Das zu ändern, daran arbeiten die Wissenschaftler vom Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (efzn) in Goslar.

Hans-Peter Beck, Leiter des efzn in Goslar.

Quelle: R

„Die Lithium-Technik der zweiten Generation in Serie bringen und Kosten reduzieren“, zeigt Hans-Peter Beck, Leiter des efzn, die Marschrichtung auf. Die Produktion leistungsfähiger Batterien in großer Stückzahl solle demnach die Elektroautos erschwinglicher machen. „Wir haben eine Lernkurve durchlaufen, jetzt steht Massenproduktion an“, sagt Beck. Auch das Problem der Reichweite könne so gelöst werden: Günstigere Batteriezellen könnten in größerer Anzahl im Fahrzeug verteilt werden, was die Reichweite zusätzlich erhöhen würde. Die Hersteller in Deutschland müssten sich deshalb überlegen, ob sie Batterien weiter von anderen Herstellern zukaufen oder sie selbst produzieren.

Mit der Erhöhung der Reichweite durch mehr Batteriezellen sei es aber noch nicht getan, vielmehr müssten auch die Ladezeiten kürzer werden. Neben der nötigen Infrastruktur sei dafür auch eine bessere Kühlung der Batteriezellen erforderlich. „Die Flüssigkeitskühlung ist die optimale Lösung“, ist Beck überzeugt. In der Mehrzahl herkömmlicher Verbrennungsmotoren werde dieses Prinzip angewendet. Durch eine effizientere Kühlung könnten zudem auch höhere Reichweiten erzielt werden.

Um die Elektromobilität attraktiver zu gestalten sei aber auch ein besser ausgebautes Ladenetz nötig. Stationäre E-Tankstellen, in denen Batterie-Module von einer Photovoltaikanlage gespeist werden, seien Beck zufolge eine umweltfreundliche Art das Netz auszubauen. Sogar die Verwendung ausrangierter Batterien aus Fahrzeugen sei in diesem Zusammenhang denkbar. Ein weiterer Vorteil wäre, dass der zum Laden sowieso benötigte Gleichstrom nicht umgewandelt werden müsste, denn die Batterie, über die geladen wird, funktioniere selbst mit Gleichstrom. Ein aktuelles Beispiel für eine solche Technik sei die Powerwall des amerikanischen Autobauers Tesla.

Schnellladesäulen, die mit Gleichstrom höhere Spannungen erzeugten, seien aus Sicht des Experten die Zukunft. Dabei müsse die Ladesäule aber Informationen über den Zustand der Batterie erhalten und verarbeiten. „Die Ladesäule muss so intelligent sein, dass sie die Ladung an die jeweilige Batterie anpasst“, stellt Beck klar. So könne auch eine für die Batterie schonendere Ladung erreicht werden. „Die Rückmeldung von der Batterie auf die Ladesäule muss erfolgen“, sagt Beck.fil

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