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„Kostbares Südniedersachsen“

Produkte aus der Region „Kostbares Südniedersachsen“

„Kostbares Südniedersachsen“ heißt das Label, das für regionale Lebensmittel steht. Der Initiator, der Erzeugerverband Südniedersachsen, besteht aus 80 Mitgliedern, die sich bislang vielfach einzeln um die Vermarktung ihres Unternehmens gekümmert haben. Der Plan: „Zusammen sind wir stärker“, sagt Christiane Teerling vom Vorstand des Verbandes.

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Traditionsmarke: Senf aus Einbeck.

Quelle: r

Einbeck/Göttingen. Wurst, Käse, Senf, Gebäck, Getränke und vieles mehr: In Südniedersachsen gibt es zahlreiche kleine und größere Betriebe, die hochwertige Lebensmittel herstellen. Oft sind es kleine Familienunternehmen, wie das Mühlengut Voldagsen, das Teerling gemeinsam mit ihrem Mann betreibt. Ihr Bio-Wildfleisch ist bislang nur im Hofladen und in einem einzigen Göttinger Rewe-Markt im Angebot. Ein klassisches Beispiel für eines der Kleinunternehmen im Verband. Unter den Mitgliedern sind rund 40 zertifizierte Lebensmittelproduzenten und darunter wiederum Kleinunternehmer und größere Betriebe wie die Einbecker Brauhaus oder Beckers Bester. Auch Gastonomen, Hoteliers, Dienstleister und Hofläden zählen zum Verband.

„Der Verband erstellt zurzeit einen Katalog mit allen Produkten, die unsere Mitglieder herstellen“, sagt Teerling. Damit wolle man dann gezielt auf den Einzelhandel in der Region zugehen. Das Ziel sei, dort die Produktpalette an einem Ort, in einem Regal, zu präsentieren. Die Botschaft ist: „Wir haben die wirklich regionalen Produkte im Angebot“, sagt sie. „Regional“, das könne in Deutschland ja alles Mögliche bedeuten, es sei nicht festgelegt, was unter dem Begriff angeboten werden darf. Wer etwas kaufe, auf dem das Prädikat „Kostbares Südniedersachsen“ steht, könne sich sicher sein, dass auch Südniedersachsen drin ist.

Unter der neuen Dachmarke „Kostbares Südniedersachsen“ bieten dann Betriebe aus den Landkreisen Göttingen, Northeim, Holzminden und einige aus dem Kreis Goslar ihre Waren an. „Transparenz ist uns wichtig. Unsere Kunden können die Mitglieder besuchen, sich dort informieren“, erklärt die Vorstandsfrau. „Wir haben so tolle Produkte direkt vor der Haustür, davon könnten wir uns vollwertig ernähren.“ Ein weiterer wichtiger Punkt des Marketings sei die „Identität mit der Kulturlandschaft“. Die Region habe einen Geschmack, den wolle man gemeinsam in die Hofläden und Geschäfte bringen.

Der Erzeugerverband Südniedersachsen ist am 1. März 2016 als Verein gegründet worden, der Vorstand arbeitet ehrenamtlich. In den ersten Monaten, so Teerling weiter, habe man vor allem die Strukturen aufgebaut, eine erste Mitarbeiterin wurde vor Kurzem eingestellt, aus den anfangs 24 Firmen sind 80 geworden. „Es läuft wirklich gut an“, sagt Teerling. Das Thema Glaubwürdigkeit liegt ihr am Herzen. In ihrem eigenen Betrieb können Kunden die Tiere auf der Weide sehen, in Ställe schauen, sich über die Produktionsbedingungen direkt vor Ort informieren. Ein wichtiges Aufnahmekriterium sei nämlich die Frage: „Lebt der Hersteller das, was er tut?“, sagt sie. Zudem müssen die Produkte, die das Label tragen wollen, zertifiziert sein; entweder, wie ihr Damwild-Fleisch, Bio-zertifiziert oder nach anderen Qualitätsstandards.

Handwerkliche Produktion, Transparenz, Zusammenarbeit

Die Marke „Kostbares Südniedersachsen“ dürfen nur Betriebe führen, deren Produkte tatsächlich in der Region produziert werden. Die zertifizierten Betriebe stehen laut Verband für handwerkliche Produktion, Transparenz und den Willen zur Zusammenarbeit. Ein unabhängiger Qualitätsausschuss prüfe das. Ihm gehören Verbraucherschützer und Lebensmittelkontrolleure an. „In drei Jahren soll sich der Verband soweit etabliert haben, dass er mit dem Handel auf Augenhöhe reden kann“, kündigte Siegfried Kappey vom Vorstand bei der Gründung des Verbandes an. Ihm schwebten „Verkaufsinseln“ mit regionalen Produkten in Supermärkten vor. Daran wird nun kräftig gearbeitet. Zudem organisiert der Verein Workshops, beispielsweise zu Marketingfragen, wo sich Kleinanbieter wie die Teerlings mit den großen Unternehmen wie Beckers Bester austauschen. „Es geht auch darum, dass wir voneinander lernen und profitieren können“, sagt Teerling

Das Logo der neuen Marke, so erläutert sie, habe die Form einer Raute. Das erinnere an einen Diamanten. Farben deuteten die Flüsse und Berge der Region zwischen Weser, Harz und Solling an. Goldgelb strahle im Hintergrund die Sonne.

Mitarbeiterin Christin Drescher verrät bereits, dass im November in Einbeck ein Grünkohlfest organisiert werden soll, Schüler der Berufsschule in Einbeck seien bereits fleißig dabei, Kartoffeln dafür anzubauen.

Das sagen Mitglieder des Verbandes

Weinhandlung Bremer, Göttingen: Die Göttinger Weinhandlung Bremer ist seit einigen Wochen Mitglied im Verband. „Es gibt tolle Produkte und Betriebe in Göttingen und in der Umgebung“, sagt Johann Kruse, Prokurist der Weinhandlung. Hier fehle es manchmal an Selbstbewusstsein, „es gibt doch nicht nur Hamburg und München“, sagt er. Bei der Vermarktung der Region könne man von den Franzosen lernen, die schon lange mit ihren Produkten aus bestimmten Regionen werben. „Die Deutschen legen mehr und mehr Wert auf Genuss“, sagt Kruse. Deshalb unterstütze die Weinhandlung die Idee des „Kostbaren Südniedersachsen“ gerne. Einige der Produkte wie der Einbecker Senf, werden bereits seit Längerem im Geschäft angeboten. „Es ist doch schön, dass man regional so etwas hat“, sagt Kruse.

Käserei Schneider, Bodenfelde: Schon länger im regionalen Supermarktregal mit ihren Produkten vertreten, aber neu im Verein, ist auch die Käserei Scheider aus Bodenfelde. In dem Familienbetrieb wird Sauermilchkäse aus Magerquark produziert – bekannt als Harzer Käse. Aber auch Kochkäse und Schmelzkäse stellen die Schneiders und ihre vier Mitarbeiter her. „Bei uns wird der Hartkäse allerdings nach einem alten Pfälzer Rezept, mit weniger Salz hergestellt“, sagt Maria Schneider. Die Käserei Schneider wurde 1984 von Hermann Schneider, dem Vater des jetzigen Inhabers Ralph-Stefan Schneider übernommen. „Wir beliefern bereits die regionalen Supermärkte im Umkreis von 150 Kilometern“, sagt Schneider. Ein gemeinsamer Auftritt unter dem Logo „Kostbares Südniedersachsen“ passe gut zu ihrem Betrieb. Deshalb sei auch die Käserei seit einigen Wochen Mitglied im Verein.

Fleischerei Koithahn: Auch die Fleischerei Koithahn mit Sitz in Hattorf ist seit einigen Wochen Mitglied im Erzeugerverband. Inhaber ist Karl-Heinz Koithahn, der den Betrieb heute mit zwei Söhnen in vierter Generation führt. Die 1959 von Karl-Heinz Koithahns Eltern gegründete Fleischerei hat heute acht Filialen in Südniedersachsen – von Goslar bis Northeim. Auf den Erzeugerverband sei er bei einem Besuch der Einbecker Senfmühle aufmerksam geworden, erklärt Karl-Heinz Koithahn. Dort habe er dessen Inhaber, Siegfried Kappey kennengelernt. Kappey, als Vorstand des Verbandes, habe ihn sofort von der Idee des Vereins überzeugt. „Ich habe ja schon die Marke ‚Typisch Harz‘ mitgegründet“, sagt Koithahn. Der Regionalgedanke sei bei ihm fest verankert. Aber: „In der Gemeinschaft können wir viel mehr erreichen“, sagt er. Ein gemeinsamer Auftritt auf dem Markt sei eindrucksvoller, man könne „Seriosität besser rüberbringen“.

Koithahn versucht so regional wie möglich zu arbeiten. „75 Prozent des von uns verarbeiteten Fleisches stammen aus unseren landwirtschaftlichen Betrieben“, sagt er. Rindfleisch oder manche speziellen Fleischprodukte müsse man zukaufen. „Wurst ist ein Naturprodukt. Sind unsere Schweine zu mager, kaufen wir etwas fettiges Fleisch zu, sind unsere Schweine fett, dann mageres“, erklärt der Fachmann. Denn: „Die Wurst muss immer gleich schmecken.“ Koithahns Premiumprodukt ist Fleisch vom „Harzer Heuschwein“. Die Tiere werden auf seinem Hof in Ecklingerode aufgezogen. Gute Wurst brauche drei Dinge: Gutes Fleisch, die passenden Gewürze und die richtige Verarbeitung. „Südniedersachsen ist die Region mit den meisten Wurstsorten weltweit“, ist er sich sicher. In Sachen Fleisch und Wurst sei er häufig auf Reisen, eine solche Vielfalt gebe es nirgends. „Wir stellen übers Jahr rund 350 verschiedene Wurstsorten her“, sagt Koithahn. Die Rezepte dafür, die hat der Fleischer im Kopf.

Beerenmühle: Beim Mühlentag in Bilshausen war er erstmals zu haben: Essig aus Göttinger Bio-Obst. Jörg Ackermann und seine Frau betreiben zwei kleine Obstplantagen bei Weende und im Bratental bei Roringen. Äpfel, Zwetschen, Beeren: Daraus stellen die Göttinger Essige her, die in der Rhumemühle in Bilshausen produziert werden. „2013 haben wir damit begonnen“, sagt Ackermann. Etwa zwei bis drei Tonnen Obst ernten sie pro Jahr, darüber hinaus produzieren sie auch Honig. Da die Essige zwei bis drei Jahre lagern müssen, kommen in diesem Jahr die ersten in den Verkauf. „Apfelessig, Apfel-Quitte und Zwetsche“, so der Obstbauer. Kontakt zum Erzeugerverband hatte das Ehepaar bereits im vergangenen Jahr. „Unsere Biozertifizierung haben wir vor etwa einem halben Jahr erhalten“, sagt Ackermann. Mit der Vermarktung ihrer Produkte beginnen die Kleinunternehmen gerade erst. Erstmals waren die Essige beim Mühlentag in Bilshausen zu erhalten.

Beckers Bester: Der Saftproduzent Beckers Bester gehört nicht in die Kategorie Kleinunternehmer, dennoch ist die Firma ein Vereinsmitglied der ersten Stunde. Beckers Bester hat eine eigene Marktetingabteilung und produziert auch Säfte aus exotischen Früchten. Warum also ist ein solcher Betrieb im Erzeugerverband Südniedersachsen aktiv? „Weil wir uns vor Ort als lokales Unternehmen verstehen und engagieren“, sagt Geschäftsführer Sebastian Koeppel. Er habe von der Gründung des Verbandes im Tageblatt gelesen und sofort gedacht: „Warum sind wir nicht dabei?“, sagt er. Für ihn war gleich klar: „Wir gehören dazu.“ Für Koeppel ist es eine „spannende Diskussion“, welche Werte im Verband wichtig seien. Regional sei ja nicht automatisch gut. „Von unseren Werten her passen wir genau in den Verband“, sagt er. In seinem Unternehmen werden die Säfte abgefüllt, so viele Äpfel, wie der Betrieb braucht, wachsen laut Koeppel gar nicht in der Region. Für ihn steht der „Qualitätsbegriff“ im Mittelpunkt. Und: „Wir wollen uns vor Ort einbringen.“ Dabei gehe es ihm nicht darum, ob das wirtschaftlich sinnvoll ist. Bei einem Seminar des Verbandes kürzlich war Koeppel als Marketingexperte dabei. „Den Hofladen in die Stadt bringen“, das könne nur der Verband. Koeppel: „Es geht darum, dass wir uns gegenseitig helfen.“

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