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Kostümiert und klassisch

Gästeführer in der Region Kostümiert und klassisch

„Es geht nichts über das persönliche Erleben mit einem ortskundigen Gästeführer.“ Damit spricht Christian Zöpfgen, Fachbereichsleiter Tourismus in Duderstadt, aus, worin sich alle einig sind, die mit geführten Rundgängen zu tun haben. Von Einbeck bis Hann. Münden, von Osterode bis Göttingen, in Northeim und in Duderstadt.

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Hann. Mündens Stadtschwärmer schwärmen für ihre Stadt.

Quelle: Erlebnisregion Hann. Münden

140 Stadtführer sind zurzeit in den südniedersächsischen Städten im Einsatz. Sie sind Repräsentanten jener Städte, deren Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten sie Gästen aus nah und fern zeigen. In verschiedenen Sprachen und auf sehr unterschiedliche Art und Weise – je nach Thema im historischen Kostüm oder ganz klassisch, mal im Jogging-Tempo oder flott auf dem Segway.

Enno Grebe, Gästeführer in Göttingen,
 hier als Student 
Georg August Tennstedt: „Man merkt, dass Geschichte nur kleine Geschichten sind.“

Enno Grebe, Gästeführer in Göttingen,
 hier als Student 
Georg August Tennstedt: „Man merkt, dass Geschichte nur kleine Geschichten sind.“

Quelle: Erlebnisregion Hann. Münden

Wer als Stadtführer tätig sein möchte, muss bestimmte Qualifikationen mitbringen. Grundvoraussetzung seien „sehr gute Kenntnisse der Stadtgeschichte“, sagt etwa Angelika Daamen, Geschäftsführerin von Göttingen Tourismus. Bei der Vermittlung werde Wert darauf gelegt, „dass sich die Gästeführer mit Göttingen identifizieren und sich auch für das aktuelle Stadtgeschehen interessieren“.

Zahl des Tages

35.262 Menschen haben im ersten Halbjahr 2016 an Stadt- und Themenführungen in Einbeck, Northeim, Hann. Münden, Göttingen und Osterode teilgenommen. Genannte Städte haben zusammen 127 Gästeführer.

Florian Geldmacher, Geschäftsführer von Einbeck-Marketing, hält spezielle Geschichtskenntnisse für nicht erforderlich, „aber eine gewisse Offenheit für historische Zusammenhänge“ seien wünschenswert. „Fundierte Kenntnisse über die geschichtlichen Hintergründe Northeims, die öffentlichen Gebäude und das Fachwerk“ nennt Beate Bergmann von Northeim Touristik als Voraussetzung.

Ergänzend führt Heike Fricke von der Tourist-Info in Osterode Sprachgewandtheit, Flexibilität, Souveränität und Teamgeist als erforderliche Qualifikation auf.

Thorsten Schmook, Gästeführer in der Erlebnisregion Hann. Münden, 
hier als Bursche Heinrich: „Ich erzähle gerne etwas vor Menschen und liebe meine Stadt.“

Thorsten Schmook, Gästeführer in der Erlebnisregion Hann. Münden, 
hier als Bursche Heinrich: „Ich erzähle gerne etwas vor Menschen und liebe meine Stadt.“

Quelle: Erlebnisregion Hann. Münden

„Ich erzähle gerne etwas vor Menschen und liebe meine Stadt“, meint Gästeführer Thorsten Schmook aus Hann. Münden. Er hat vor drei Jahren den Gästeführer-Lehrgang bei der Ländlichen Erwachsenenbildung absolviert. Die Ausbildung vermittelt den Teilnehmern in sechs Monaten nicht nur Fachwissen oder rechtliche Grundlagen. Hier gehe es auch darum, wie man mit einer Gruppe umgeht, sagt der Göttinger Enno Grebe, der seit 2009 als Stadtführer im Einsatz ist. „Man sollte keine Scheu haben, vor einer Gruppe zu sprechen“, ergänzt der Lichtenberg- und Sprichwörter-Fan. Und auch Schmook glaubt, dass ein Gästeführer auch ein bisschen Selbstdarsteller sein müsse. „Geschichtsunterricht hatten wir früher genug“, meint der 47-jährige Mündener. Geschichtsdaten und Fakten würden zwar bei der Prüfung verlangt, bei einer Stadtführung sei heute aber auch der Unterhaltungscharakter sehr gefragt, so Schmook. Das sieht der 41 Jahre alte Grebe ähnlich. „Man merkt, dass Geschichte nur kleine Geschichten sind“, sagt der Göttinger, der die Stadtgeschichte und Informationen über ihre berühmten Bewohner gerne in Anekdoten verpackt.
Schmook und Grebe halten Weiterbildung für unabdingbar, etwa durch die Mitgliedschaft in einem Geschichtsverein oder aber durch das Lesen entsprechender Lektüre, denn „nicht alles ist bei Wikipedia zu finden“, sagt Grebe.

Infos über Stadtführungen

Über Angebote an geführten Rundgängen und Themenführungen gibt es hier nähere Informationen:

  • Göttingen : Tourist-Information im Alten Rathaus, Markt 9, Telefon 05 51 / 49 98 0-0, goettingen-tourismus.de
  • Duderstadt : Gästeinformation, Marktstraße 66, Telefon 0 55 27 / 84 12 00, duderstadt.de
  • Osterode am Harz : Tourist-Information, Eisensteinstraße 1, Telefon 0 55 22 / 31 83 33, osterode.de/tourismus
  • Einbeck : Tourist-Information, Eickesches Haus, Marktstraße 13, Telefon 0 55 61 / 3 13 19 10, einbeck-marketing.de
  • Hann. Münden : Tourist-Information im historischen Rathaus, Lotzestraße 2, Telefon 0 55 41 / 7 53 13, hann.muenden-erlebnisregion.de
  • Northeim : Tourist-Information im Reddersen-Haus, Am Münster 6, Telefon 0 55 51 / 91 30 66, northeim-touristik.de

Spezialgebiet: Folter

Als Scharfrichter in Duderstadt im Einsatz: Claus Ludwikowski.

Als Scharfrichter in Duderstadt im Einsatz: Claus Ludwikowski.

Quelle: Niklas Richter

Sieht man Claus Ludwikowski in seiner Henkersmontur in der Rolle des Scharfrichters Hans Zinke durch die Stadt ziehen, möchte man meinen, ein Mittelalterfan habe die Rolle des Stadtführers übernommen. Tatsächlich rührt das Interesse Ludwikowskis an mittelalterlicher Justiz aus einem tiefen Eindruck beim Besuch einer KZ-Gedenkstätte her. Seitdem, sagt der Duderstädter, habe ihn eine Frage nicht mehr losgelassen: Wie können Menschen andere foltern? Gepaart mit historischem Interesse und der Frage, wie sich dieses Wissen anderen vermitteln lasse, habe er den Entschluss gefasst, Stadtführungen anzubieten.
Als „Gästeführer mit Stern“, so lautet der Name der Ausbildung, die der 55-Jährige vor rund einem Jahr abgeschlossen hat, entführt Ludwikowski Besucher der Stadt, aber auch Einheimische, in das Mittelalter und die frühe Neuzeit – und damit in eine Zeit, die ganz anders funktionierte als die heutige. Und auch anders als Ludwikowskis hauptberuflicher Alltag, in dem er viel am Schreibtisch sitzt. Als Ausgleich dazu, um Menschen kennenzulernen und aus Spaß an der Rolle, sei er nun unterwegs und vermittle Wissen über die mittelalterliche Justiz in Duderstadt. Gerade hat er seine 100. Führung absolviert – jede sei ein wenig anders gewesen, sagt er. Dass „Meister Hans“ trotz der Scharfrichterrolle mit all ihren düsteren und manchmal brutalen Facetten Spaß hat, erfahren die Gäste, wenn er Anekdoten erzählt, Sprüche klopft oder die Gäste einbindet.  ne

Hann. Münden

Für die Erlebnisregion Hann. Münden sind derzeit 42 Gästeführer, zwischen 40 und 79 Jahre alt, im Einsatz. In diesem Jahr neu konzipiert wurden die „Stadtschwärmer“-Führungen, bei denen die Stadtführer genau das auf unterhaltsame Weise tun, nämlich von ihrer Stadt und der Region zu schwärmen. Und das auch auf Englisch, Französisch, Spanisch, Chinesich oder Russisch. Im ersten Halbjahr 2016 haben an 510 bestellten und öffentlichen Führungen 7851 Personen teilgenommen. be

Osterode

In Osterode bietet Uwe Lowin einen Historischen Abendspaziergang an.

In Osterode bietet Uwe Lowin einen Historischen Abendspaziergang an.

Quelle: r

Die 14 Stadtführer, die derzeit in Osterode im Einsatz sind, sind zwischen 40 und 75 Jahre alt. Sie bieten reguläre Stadtrundgänge und Sonderführungen wie zum Beispiel das GPS-Stadtspiel „Die Jagd nach dem verschollenen Siegel“ an. Gästeführungen gibt es auch in englischer und französischer Sprache. Im ersten Halbjahr 2016 (seit Mai) gab es 20 öffentliche Führungen mit 179 und 31 gebuchte Gruppenführungen mit 532 Teilnehmern. be

Northeim

Elf Männer und Frauen zwischen 30 und 75 Jahren sind in Northeim als Stadt- und Waldführer sowie als Naturscout und als Gästeführerin für Botanik aktiv. Neben normalen Touren durch die Stadt sind auch Rundfahrten mit der Kutsche oder dem Segway im Angebot. Stadtführungen sind auf Englisch, Französisch und mit Einschränkungen auch auf Spanisch möglich. Im ersten Halbjahr wurden etwa 800 Teilnehmer bei 54 Stadtführungen gezählt. be

Einbeck

Aktuell kann Einbeck-Marketing 22 Gästeführer im Altersdurchschnitt von 55 Jahren vermitteln. Führungen gibt es in den Sprachen Deutsch, Polnisch, Englisch, Französisch und Spanisch. Eine der Themenführungen widmet sich der Geschichte des Einbecker Biers. Im ersten halben Jahr 2016 hatte Einbeck etwa 544 Gruppen mit insgesamt 8469 Teilnehmern bei 17 Stadt- und Spezialführungen, dazu gab es sieben Erlebnisprogramme zum Thema Bier mit 65 Gruppen und 1065 Teilnehmern. be

Göttingen

Die Göttinger Tourist-Info vermittelt 41 Stadtführer zwischen 25 und 75 Jahren. Im ersten Halbjahr 2016 fanden 897 Führungen mit 16 366 Teilnehmern statt. Führungen sind in Englisch, Französisch, Italienisch, Chinesisch, Spanisch, Polnisch, Russisch, Schwedisch, Niederländisch und sogar Latein möglich. Neben den öffentlichen Stadtführungen gibt es rund 40 Themenführungen, und alle zwei Jahre wird ein Stadtführungsfestival mit Blicken hinter die Kulissen organisiert. Die Stadtführer bieten auch Rundgänge zu besonderen Anlässen an. So ist in diesem Jahr die Führung „Die Preußen kommen“ Göttingen im ,Schicksalsjahr‘ 1866“ derart gefragt, dass weitere Termine angeboten werden. be

Duderstadt

Die Stadt Duderstadt hat aktuell 13 Stadtführer im Alter von etwa 40 bis 70 Jahren. Führungen werden in englischer und französischer Sprache angeboten. Neben verschiedenen rein touristischen Stadtrundgängen sind spezielle Themenführungen möglich, so zum Beispiel „Auf ein Stündchen mit dem Scharfrichter“ oder „Laterne, Horn und Hellebarde“. Für das kommende Jahr werden neue Themenführungen zu „500 Jahre Reformation“ geplant. be

Stadtführer-Test

Göttingens Stadtführer Enno Grebe hat für die Tageblatt-Leser drei Fragen ausgewählt, die jeder Göttinger Stadtführer beantworten können sollte:
1. Wofür stehen die mehr als 50 Stadtwappen in der Halle des Alten Rathauses?
2. Was stand bis 1820 auf dem heutigen Wilhelmsplatz?
3. Was erfand der berühmte Mathematiker Carl Friedrich Gauß zusammen mit seinem Physikerkollegen Wilhelm Weber 1833?

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