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Gemeinsam arbeiten, lernen und leben

Zweites Göttinger Inklusionforum entwickelt Fahrplan Gemeinsam arbeiten, lernen und leben

Seit etwas mehr als einem Jahr setzen sich Akteure des interkommunalen Modellprojektes „Inklusion bewegen“ für ein inklusives Gemeinwesen in der Stadt und im Landkreis Göttingen ein. Ziel der Bemühungen: Barrieren in allen Bereichen der Gesellschaft zu minimieren oder abzubauen und so eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aller Menschen – mit und ohne Behinderung – zu ermöglichen.

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Gebärdensprachliche Übersetzung von Redebeiträgen während des Inklusionsforums.

Quelle: Alciro Theodoro da Silva

Göttingen. Dabei soll sich jeder Interessierte einbringen können, um an der Umsetzung des „Fahrplans für ein inklusives Gemeinwesen“ mitzuwirken. Nicht über, sondern mit Menschen mit Behinderung reden: Das ist für Klaus Baethge von den Göttinger Werkstätten ganz selbstverständlich. Er leitet die Geschäftsstelle des Projektes „Inklusion bewegen“, das vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung gefördert wird.

Um das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung zu fördern und neue Ideen zur Umsetzung der Inklusion in Stadt und Landkreis hervorzubringen, fanden sich Ende Februar im Rahmen des Projektes knapp 200 Interessierte zum zweiten Göttinger Inklusionsforum zusammen. Hier entwickelten sie einen „Fahrplan“, der ganz konkrete Inklusionsziele formuliert.

Bereits beim ersten Inklusionsforum wurden hierzu Arbeitsgruppen gebildet, in denen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam festhielten, an welchen Stellen es Handlungsbedarfe gibt. Die AGs Arbeit, Freizeit, (Lebenslanges) Lernen / Kita und Schule, Wohnen und Mobilität treffen sich in regelmäßigen Abständen, um das Fortschreiten einzelner Maßnahmen weiter voranzutreiben. Zum Beispiel wurde im Rahmen des Projektes „Inklusion bewegen“ die „Stadtrampe“ entwickelt, eine mobile Rampe aus Aluminium, die Rollstuhlfahrern helfen soll, kleine Stufen und Treppen, beispielsweise in Geschäften in der Göttinger Innenstadt, zu überwinden.

Die Erhöhung der Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung ist eines der Ziele der AG Arbeit. Dass gemeinsames Arbeiten gelingen kann, zeigen Koch Christian Leisner und Praktikantin Selma Spicher im Restaurant Knochenmühle.

Quelle: Wenzel

Doch: „Inklusion muss auf ganz vielen Ebenen stattfinden. Denn die Barrieren bestehen ja nicht nur im baulichen Bereich“, erklärt Baethge. Deshalb sei die Arbeit der einzelnen Arbeitsgruppen so wichtig.

Damit Ideen aus den Arbeitsgruppen auch umgesetzt werden können, werden sie an die sogenannte Steuerungsgruppe weitergeleitet, in der Akteure aus Politik und Verwaltung sowie Behindertenbeiräte und Behindertenbeauftragte aus Stadt und Landkreis zusammenkommen. Hier werden die Anliegen auf Umsetzbarkeit geprüft und im Falle eines Beschlusses an den Rat der Stadt beziehungsweise den Kreistag Göttingen weitergeleitet. Die zielgerichtete Zusammenarbeit von Betroffenen und Angehörigen, interessierten Laien und Experten sei ein wesentliches Merkmal des Projektes „Inklusion bewegen“, so Baethge. Hemmschwellen zu senken und so auch etwaige vorurteilsbasierte Barrieren abzubauen, sei ein weiterer positiver Nebeneffekt auf dem Weg zur inklusiven Gesellschaft.

Um das Thema Teilhabe weiter ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, soll zudem noch in diesem Jahr ein „Inklusionspreis“ ausgeschrieben werden, der in den Kategorien der einzelnen AGs vergeben werden soll.

Wer sich für den „Fahrplan für ein inklusives Gemeinwesen“ interessiert und in einer AG mitarbeiten möchte, kann sich mit Klaus Baethge von der Geschäftsstelle „Inklusion bewegen“ in Verbindung setzen, Telefon: 0551 / 384 200 850.

AG Arbeit

Die AG Arbeit hat das Ziel die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderungen durch verschiedene Ansätze zu erhöhen, sowie die im Fahrplan Inklusion benannten Haltestellen weiter zu entwickeln. Göttingen braucht dringend mehr Inklusionsbetriebe und ein Haus der Beratung für alle Angebote. In den nächsten Monaten möchten wir erreichen, dass mehr Transparenz bei den Fördermöglichkeiten entsteht und dass Arbeitgeber/innen und Bewerber/innen besser zueinander finden. Christiane Schwiedernoch und Dietmar Linne

AG Freizeit

Die AG Freizeit hat das Ziel: Die Initiierung einer Koordinierungsstelle für Inklusion, Sport und Kultur, um inklusive und behinderungsspezifische Sport- und Freizeitangebote zu initiieren, koordinieren, in der Göttinger Sportlandschaft zu etablieren und die Nachhaltigkeit und die Etablierung inklusiver Strukturen sicherzustellen. Jede Person soll aus einem vielfältigen Angebot in seiner Umgebung schöpfen können und das Sport-, Freizeit- oder Kulturangebot finden, welches ihr liegt und bei dem sie Teilhabe und Wertschätzung erfährt.

Göttingen braucht dringend eine Koordinierungsstelle für Inklusion, Sport und Kultur um die Vernetzung, Steuerung und Begleitung inklusiver Angebote sicherzustellen. Generell sollte die Koordinierungsstelle für Inklusion, Sport und Kultur folgende grundlegende Kernaufgaben enthalten: Individuelle Vermittlung / Beratung; Initiierung und Begleitung von Sport- und Kulturangebote in Kooperation mit Vereinen und Schulen und Einrichtungen; Steuerung/Koordination; Partizipation / Einbeziehung; Netzwerkarbeit

Schulung von Übungsleitern / Anbietern von Angeboten

In den nächsten Monaten möchten wir erreichen, dass in der Politik die Notwendigkeit für die Initiierung der Koordinierungsstelle erkannt wird und die Rahmenbedingungen zur Initiierung geschaffen werden. Stefan Kurth

AG Wohnen

Die AG Wohnen hat das Ziel, dass Stadt und Landkreis Göttingen zu einem inklusiven Gemeinwesen werden, an dem alle Menschen mit Behinderung im Handlungsfeld Wohnen unabhängig von ihrem Unterstützungsbedarf und Alter selbstbestimmt teilhaben können. Inklusion kann so einem weiteren Auseinanderdriften der Gesellschaft entgegenwirken.

Göttingen braucht dringend mehr bezahlbare und barrierefreie/-arme Wohnungen: Göttingen – Stadt, die weiß, wie man Wohnungen schafft!

Und dazu eine inklusive Sozialplanung, die die individuellen Bedarfe von Menschen mit Behinderung -als Bürger dieser Stadt- als Chance zur Entwicklung und nicht als Kostenfaktor sieht.

In den nächsten Monaten möchten wir erreichen, dass die von der AG erarbeiteten Maßnahmen zu den Zielen „Mehr bezahlbare Wohnungen“ und „Inklusives Wohnen“ weiter konkretisiert und mit Leben gefüllt werden. Interessierte sind herzlich willkommen – noch können inklusiv(e) Weichen gestellt werden! Andreas Südbeck-Bujara

AG Mobilität

Die AG Mobilität hat das Ziel, dass sich alle Menschen in Stadt und Landkreis Göttingen selbstständig und barrierefrei bewegen können. Denn barrierefreie Mobilität ist eine Grundbedingung für die gesellschaftliche Teilhabe.

Göttingen braucht dringend ein nachhaltiges und langfristig angelegtes Konzept zur Barrierefreiheit und barrierefreien Mobilität sowohl in Hinblick auf den ÖPNV als auch die Zugänglichkeit öffentlicher Einrichtungen (Verwaltungen, Arztpraxen, Geschäfte, Cafés, …).

In den nächsten Monaten möchten wir erreichen, dass die (Mobilitäts-)Barrieren erfasst sind und erste Schritte in Richtung Abbau der Barrieren umgesetzt sind, damit nicht nach wie vor Einzelne in Zugang und Nutzung der Angebote in Stadt und Landkreis Göttingen behindert werden. Jochen Krohn

Von Maren Iben

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