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Der Sport war schneller, viel schneller. Lange vor der für November geplanten Fusion der Landkreise Göttingen und Osterode haben sich die Sportbünde zusammengeschlossen. Einige von ihnen blicken schon auf mehr als zehn Jahre Erfahrung zurück, fast alle gehörten in Niedersachsen zu den Vorreitern in ihren Sportarten.

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Sie gehören zu den besten Spielern der fusionierten Fachverbände: Hier im Bild Handballer Marlon Krebs bei einem Spiel gegen den MTV Braunschweig.

Göttingen. Den Anfang haben die Tennisspieler am 17. April 2004 gemacht. Eine damals neue Jugend-Förderrichtlinie des Landesverbandes machte den Zusammenschluss notwendig. Die Kreise Göttingen (41 Vereine) und Osterode (13) hätten mit einer Fusion allein noch nicht den Vorgaben entsprochen, Northeim-Einbeck (28) schloss sich auf Anfrage sofort an. Die drei Kreise wurden zur Region Südniedersachsen – und waren Vorreiter für eine Umstrukturierung landesweit.

Marie-Sophie Wiegand

Quelle: r

„Kern unseres Konzepts war das regionale Jugendtraining in vier dezentralen Stützpunkten mit Hallenanbindung“, erinnert sich der damalige Regions-Vorsitzende Till Reschke. Alle drei Vorsitzenden der damaligen Kreisvorstände bildeten zunächst einen gemeinsamen Vorstand. „Es sollten keine Informationen verloren gehen, wir waren in allen Ämtern mehrfach besetzt, das hat der Arbeit in der Anfangsphase sehr gut getan“, sagt Reschke. Heute hat Steffen Rauch das Sagen in der Region. „Probleme gibt es natürlich. Wenn ich bedenke, dass sich zum Meldeschluss für die Regionsmeisterschaften der Erwachsenen am kommenden Wochenende nicht mal 30 Spieler für alle Konkurrenzen bei den Damen und Herren gemeldet haben...“

Mit den Handballern zog Ende März 2006 eine Teamsportart nach. Schon lange vor dem Zusammenschluss der Handballkreise Göttingen, Osterode und Northeim hatte es einen gemeinsam organisierten Spielbetrieb gegeben. „Im Tagesgeschäft ist längst nichts mehr von drei Kreisen spürbar“, berichtet Holger Lapschies, der Vorsitzende der Handball Region Süd Niedersachsen (HRSN). Die Handballgemeinde sei eng zusammengerückt, die Fusion damals ein logischer Schritt gewesen. „Hätten wir nicht fusioniert, wäre der Spielbetrieb schlechter geworden.

Zwei Anlaufstellen

Mit der Landkreis-Fusion waren auch die beiden Kreissportbünde (KSB) gezwungen, gemeinsame Sache zu machen. Am Ende waren sie schneller als die Politik, sind seit 7. März 2016 der KSB Göttingen-Osterode. Die Delegierten beider Gremien hatten im Vorfeld des außerordentlichen, konstituierenden Kreissporttages – ohne Gegenstimmen – für eine Verschmelzung gestimmt, bei der der KSB Göttingen die aufnehmende Organisation war.

Die Vorstandsämter haben übernommen: Renate Wagner (MTV Förste/Sportpolitik und Kooperation), Matthias Beushausen (TSC Dorste/Finanzen und Organisation), Hans-Werner Lüther (TSV Diemarden/Sport und Vereinsentwicklung), Wolfram Marx (Viktoria Bad Grund/Öffentlichkeitsarbeit), Bernd Gellert (VfB Sattenhausen/Förderung des Ehrenamtes). Geschäftsstellen gibt es in Göttingen und Osterode, die Mitarbeiter wurden übernommen. kal

Weil wir uns rechtzeitig gekümmert haben, wurden aber auch Probleme kaschiert.“ Die Einsatzbereitschaft habe massiv nachgelassen, hinzu komme der demografische Wandel und seine Folgen. „Und wir haben zu spät mit der Trainerfortbildung begonnen, um dem Nachwuchs, den es ja noch immer gibt und der immer noch Sport treiben möchte, vernünftige Perspektiven zu bieten“, übt Lapschies auch Selbstkritik. Insgesamt ist er aber damit, wie die Region landesweit dasteht, zufrieden: „Als eher kleinerer Regionsverband ist die Leistungsdichte nach oben sehr groß. Wir haben jeweils vier Herren- und Damenteams in der Oberliga und drei Herren-Verbandsligisten unter unseren 200 Mannschaften.“

Auch vor dem Krösus unter den Sportfachverbänden – den Fußballern – hat die Fusionsbewegung nicht Halt gemacht. Zum 30. Juni 2013 waren die eigenständigen Fußballkreise Göttingen und Osterode Geschichte, zur Saison 2013/14 lief der gesamte Spielbetrieb unter der Regie des NFV-Kreises Göttingen-Osterode. Damit sind die beiden Kreisverbände einer DFB-Richtlinie zuvorgekommen, die zukünftig für eine Bezuschussung eines Kreises 600 spielende Teams vorschreibt.

Julia Marzoll

Quelle: r

Mit 730 Mannschaften in allen Altersstufen lag der neue Fußballkreis bei seiner Gründung deutlich über dieser Forderung. „Wir haben die Notwendigkeit erkannt und uns freiwillig zusammengeschlossen. In Zukunft kann das auch unter Zwang geschehen“, erläutert Hans-Jürgen Lotz, der seinen Vorsitz erst am vergangenen Sonnabend beim Kreisfußballtag abgegeben hat. „Problemlos“ sei die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren gelaufen. „Wir hatten uns ja auch vor der Fusion schon in Nachwuchsbereich zusammengetan, weil der Bereich Osterode viel zu wenige Jugendmannschaften hatte.“

Was eindeutig weiter geworden ist, ist die Entfernung zu den Versammlungsorten. Jetzt treffe man sich meistens in der Mitte in Wulften oder Gieboldehausen. „Das Kreisgebiet zieht sich einfach. Was für uns allerdings weit ist, kennen die Nachwuchsmannschaften oft gar nicht mehr anders. Meine Enkelin fährt ohne zu murren von Hann. Münden bis Bad Grund für ein Fußballspiel.“

Erst im Januar 2014 haben sich die Kreise Göttingen (59 Vereine), Northeim/Einbeck (78) und Osterode (22) zum Tischtennis Regionsverband (TTRV) Südniedersachsen zusammengeschlossen – und waren damit auch Vorreiter. „Die Regionsbildung hat sich gelohnt, das war der richtige Schritt“, fasst Matthias Harre, Vorstandsmitglied für Öffentlichkeitsarbeit, die zurückliegenden zweieinhalb Jahre zusammen. In den Bereichen Leistungsförderung, Trainerausbildung und Vereinsservice sei die Effektivität erheblich gesteigert worden. Obwohl sich die Spielklasseneinteilung noch immer an den Kreisgrenzen orientiert, ist diese nicht so starr, dass es keine Ausnahmen gibt.

„Für Fuhrbach oder die SG Rhume ist Herzberg als Spielort einfach näher als Waake oder Ebergötzen“, erläutert Harre. Bei allen Zusammenkünften im Vorfeld habe immer die Sache im Vordergrund gestanden. „Personalien waren das Letzte, was auf der Agenda stand. Es hat aber auf der Vorstandsebene auch kein Kleben an Posten gegeben.“ Heute sei es schon eher so, dass bei der Neubesetzung gezielt Aktive aus einem bestimmten Spielbereich angesprochen werden, um das Gleichgewicht der Regionen innerhalb des Vorstandes zu wahren.

Volkshochschule: Fusion läuft besser als gedacht

Göttingen. Etwa ein Jahr ist es her, dass die Volkshochschule (VHS) Göttingen sowohl  mit der VHS-Osterode als auch mit der Kreisvolkshochschule  fusioniert ist. Aus drei mach eins: Welche Erfahrungen gewinnt man daraus?

„Die Fusions läuft besser als gedacht – aber er macht Arbeit“, sagt sagt Thomas Eberwien, Geschäftsführer der neuen Gesamt-VHS. „Ein Vorteil ist, wir können jetzt ganz neue Konzepte umsetzten“. Als eines der jüngsten Beispiele nennt der das Programm „Adelante“, mit dem junge Spanier fit für eine Ausbildungsplatz im Handwerk in der Region  gemacht werden. Das Programm läuft in Göttingen bereits seit längerem erfolgreich, jetzt ist es auch im Landkreis Osterode an den Start gegangen. „Wir wollen die Erfahrungen, die an unseren Standorten gemacht wurden, nutzen und auf die anderen Standorte übertragen“, erklärt er. Das sehr erfolgreiche Format der Alphabetisierungskurse könne man so beispielsweise an den verschiedenen Standorten der Göttinger VHS anbieten.

Ein weiterer Vorteil dieser großen VHS sei, dass das Einwerben von Projekten, die mit Drittmitteln  wie EU-, Bundes- oder Landesgeldern finanziert werden, erfolgversprechender ist. „Der Regions-Gedanke, der für uns steht, ist auch interessant für Geldgeber“, so Eberwien.

Thomas Eberwien

Quelle: r

Für die Kunden der VHS gelte, dass sie nun auf ein wesentlich breiteres Angebot zugreifen können und eine größere Verlässlichkeit vorfinden. „Die Kurse, die wir anbieten, finden sicher statt“, sagt er. Gerade in der Fläche habe man das in Vergangenheit nicht immer einhalten können.

„Alles aus einer Hand“ fasst Eberwien die Vorteile für die Kursteilnehmer zusammen. Egal ob in Osterode, Adelebsen oder Hann. Münden,  Zugriff auf sämtliche 1200 Angebote sei für alle Südniedersachsen problemlos möglich. In der Fläche werde beispielsweise bei Sprachkursen eher das Grundspektrum angeboten, hoch spezialisierte Kurse in der Stadt.

"Estaunlich wenig Schwierigkeiten"

Eine Herausforderung im Fusionsprozess sei es gewesen, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie die anderen beiden VHS zuvor gearbeitet hätten. „Eine KVHS funktioniert anders, als eine VHS in der Stadt“. Bei der Fusion von KVHS und VHS musste der Geschäftsführer eine „Amtsstruktur in eine Unternehmensstruktur“ überführen.  Nicht ganz leicht.

Aber: „Es hat erstaunlich wenig Schwierigkeiten gegeben“, sagt der VHS-Chef. Vor allem das Zusammenwachsen der Mitarbeiter sei weniger kompliziert gewesen, als erwartet. Bis auf zwei seien alle der 70 festangestellten Mitarbeiter den Weg mitgegangen. Die beiden hätten bereits im Vorfeld in einen anderen Job gewechselt.

Auch wenn es einige administrativen Hürden gegeben habe, „wir sind jetzt schon deutlich weiter, als wir erwartet haben“. Die Verwaltungsangelgenheiten seien bis nächstes Jahr geschafft. „Dann können wir in die inhaltliche Entwicklung gehen und Kurse, die gezielt zum Standort passen, definieren“. Auch eine neue Homepage sei bereits „im Werden“. Und: „Wir wollen unsere räumlichen Ressourcen ausbauen – auch am Standort Rosdorf“. bib

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