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Göttingen kämpft gegen die Schlaglöcher

Wo der Asphalt bröckelt Göttingen kämpft gegen die Schlaglöcher

Frühlingszeit – Schlaglochzeit. Täglich nehmen sich die Mitarbeiter des Göttinger Bauhofs 20 bis 30 vor. Unterwegs mit dem Asphaltmobil.

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Schlagloch-Beseitigung

Quelle: Wenzel

Göttingen. Von wegen einfach nur eine Schaufel Teer drauf kippen: Um ein Schlagloch in der Straße ordentlich zu flicken, braucht es ein paar mehr Arbeitsschritte. Tag für Tag ist Jürgen Karnebogen mit seinem orangefarbenen Einsatzfahrzeug auf den Straßen Göttingens unterwegs. Jetzt ist Hochsaison. Auch wenn der Winter eher mild ausgefallen ist, gibt es etliche Schlaglöcher zu reparieren. 20 bis 30 sind es pro Tag.

Wenn das Einsatzfahrzeug des städtischen Bauhofs mitten auf dem Maschmühlenweg steht, fahren die meisten Autofahrer vorsichtig vorbei. „Das ist aber leider nicht immer so“, sagt Karnebogen. Er hat heute Bruno Barwicki an Bord – „Bruno der Bär“, sagt Karnebogen. Der Kollege wechselt, die Arbeitsschritte sind bei den meisten Schlaglöchern gleich.

Kaum dass das Auto steht, wuchtet Karnebogen auch schon eine Flex von der Ladefläche. Eine Riesenflex, motorbetrieben. Karnebogen startet das Gerät wie einen Bootsmotor – mit einem Seilzug. Dann lässt die Flex den Asphalt jaulen. Die bröckeligen Kanten des Schlaglochs werden unter Produktion einer kräftigen Staubwolke abgeflext. Schön rechteckig ist das Loch danach. Barwicki räumt die Brocken beiseite. Mit einem Puster, natürlich von Stihl, wird das Bohrloch gesäubert. Dann kommt Bruno der Bär mit „Haftkleber“ um die Ecke. Damit, so  erklärt Karnebogen, wird das Schlagloch ausgespritzt. Diesem Arbeitsschritt folgt eine weitere klebrige schwarze Masse, die Barwicki in einem Eimer heran trägt. „Nahtkleber“, so der Mann vom Straßenbau. Die bitumenartige Masse sorgt für Elastizität an den Nahtstellen. „Damit dort später kein Wasser eindringen kann“, sagt Karnebogen.

Der Geruch von heißem Teer zieht in die Nase. „Das ist Asphalt, kein Teer“, sagt der Mann vom Bauhof. Ok. Dann riecht es halt nach Asphalt.

Von der Ladefläche steigen kleine Wolken auf. 180 Grad heiß ist das schwarze Granulat, das Barwicki abfüllt und schön säuberlich per Schubkarre in das ausgeflexte, klebrige Loch kippt. Karnebogen richtet das Granulat mit dem Schieber noch einmal akkurat im rechten Winkel an – schon ist die Rüttelplatte dran. Noch einmal wird es laut und das kleine aber schwere Gerät stampft den Asphalt unter Getöse ins Loch. „Früher mussten wir die Rüttelplatte auf die Ladefläche wuchten“, sagt Karnebogen. „Aber dieses Fahrzeug hat eine Spezialanfertigung für mich.“ Ein ausschwenkbares Stahlgestell seitlich unter der Ladefläche erleichtert es den Männern, das schwere Gerät zu verstauen.

Der letzte Arbeitsschritt: Gruß auf das frisch asphaltierte Loch streuen, „damit es nicht klebt, wenn jemand darüber fährt“. Auf gehts zum nächsten Schlagloch. Das ist aber gar kein Schlagloch sondern eine bröcklige Abrisskante der Martin-Luther-Straße. Die Arbeit ist die gleiche.

Morgen um 7 Uhr gehts zum Asphaltmischwerk

Göttingen. Frost ist der Feind der Straße: Bestehen Risse in der Asphaltdecke, kann dort Wasser eindringen. Friert das Wasser im Winter zu Eis, platzt der Straßenbelag, Schlaglöcher entstehen. Deshalb haben die Straßenbauer von Stefan Fiege vom Städtischen Baubetriebshof zur Zeit viel zu tun. „Die Schäden sind aber nicht so groß wie nach kälteren Wintern“, so Fiege. Der Start in die Reparatursaison hänge davon ab, wann das Asphaltmischwerk in Dransfeld seinen Betrieb aufnimmt. „In diesem Jahr war das Mitte Februar“, sagt er. In der Regel gehe der Betrieb zu Weihnachten in die Winterpause, je nach Wetter, beginnt die Produktion dann meist im Februar. „Bei Minus zehn Grad fangen die aber nicht an“, sagt Fiege.

Den Asphalt – eine Tonne passt auf das Fahrzeug – holt sein Schlaglochteam jeden Morgen gegen 7 Uhr ab, dann geht es auf Tour. Die Schlaglöcher, die es zu reparieren gilt, werden meist vom Straßenläufer der Göttinger Verwaltung gemeldet. „Natürlich reparieren wir auch im Winter, wenn es nötig ist“, sagt Fiege. Aber: Der Asphalt, den die Bauhof-Mitatrbeiter dann selbst mit Lösungsmitteln anrühren müssen, sei ungleich teurer als der, der aus den umliegenden Asphalt-Mischwerken kommt. Die Stadt Göttingen kaufe dort die feinste Körnung. Eine Tonne dieses Materials sei genauo so teuer wir 50 Kilo des selbstgemischten Asphalts.

Interview mit Stadtsprecher Detlef Johannson

Hat der vergangene Winter durch Asphaltaufbrüche oder ähnliches zu neuen Schlaglöchern geführt?

Wegen der geringen Anzahl von Frosttagen haben sich die Frostaufbrüche nach Einschätzung unserer Fachverwaltung Tiefbau in diesem Winter in Grenzen gehalten.
Welche Straßen im Stadtgebiet sind besonders von Schlaglöchern betroffen?

Betroffen sind vor allem die Straßen, die noch keinen regelkonformen Aufbau nach heutigem Stand der Technik aufweisen. Hier sind besonders die Bereiche der Altdörfer von Grone, Geismar, Weende und die Anliegerstraßen in den Vororten zu nennen.
In welchem Zeitraum sollen diese ausgebessert werden?

Unfallgefahren werden sofort und kontinuierlich durch die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs beseitigt. Großflächige Deckenarbeiten werden in den Sommermonaten durchgeführt.
Was kostet die Stadt Göttingen diese Ausbesserung in etwa?

Die Kosten für die Beseitigung von Frostaufbrüchen werden nicht gesondert ausgewiesen, da eine Unterscheidung nach Alterungsschäden und Frostschäden nicht getroffen werden kann. Alle Arbeiten werden aus einem Straßenbauunterhaltungstitel finanziert.
Wie viele Mitarbeiter sind mit der Beseitigung von Schlaglöchern beschäftigt?

Zur Zeit ist ein Fahrzeug mit zwei Mitarbeitern im Einsatz, um Frostaufbrüche in Asphaltfahrbahnen zu beseitigen. Bei Bedarf stehen zusätzlich vier Mitarbeiter mit zwei Fahrzeugen für diese Arbeiten zur Verfügung.

Melden beim Mängelmelder

Stadt Göttingen

Wem Schlagöcher auffallen, der kann diese bei der Göttinger Verwaltung melden. Im deren Auftrag ist auch ein Mitarbeiter, der Straßenläufer, unterwegs. Er meldet und kontrolliert Schäden. „Die  Einwohner können das natürlich auch“, sagt Göttingens Verwaltungssprecher Detlef Johannson. Dafür gibt es auf der Homepage goettingen.de den Mängelmelder und die Servicenummer 0551/ 400-4000. 368 Göttinger haben laut Johannson im vergangenen Jahr davon Gebrauch gemacht. „Eine wirkliche Unterstützung für unsere Arbeit“, so Johannson.    

Landkreis Göttingen

„Auf den Kreisstraßen des Landkreises Göttingen sind nur vereinzelte Frostschäden festzustellen“, sagt der Pressesprecher der Kreisverwaltung, Ulrich Lottmann. Der Landkreis unterhalte 286 Kilometer Kreisstraßen. „Kleinere Schlaglöcher werden sofort ausgebessert.“ Im Landkreis gibt es ebenfalls einen Mängelmelder unter landkreisgoettingen.de. Zuständig ist die Kreisstraßenmeisterei in Groß Scheen, Telefon 05504 / 7120.     bib

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