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Sparer oder Ausgeber?

Warum Taschengeld wichtig ist Sparer oder Ausgeber?

Freiheit, Verantwortung und Selbstbestimmung – eigenes Taschengeld ist für viele Kinder die einzige Möglichkeit, sich materielle Wünsche erfüllen zu können. Gleichzeitig müssen sich Eltern fragen, inwieweit sie diese Freiheit lenken und welchen Betrag sie ihren Sprösslingen dafür zur Verfügung stellen.

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Sparschwein oder Sparbuch? Bei Isabella, Caroline und Sophia Gippert ist Taschengeld erst seit einigen Wochen ein Thema.

Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. Ob Sparer oder Ausgeber, Spontankäufer oder Planer –  oft zeigt sich früh, was für ein Taschengeld-Typ das Kind ist, sagen Experten. Der siebenjährige Maxi Wedrins würde sein Taschengeld am liebsten gleich nach Erhalt in Lego investieren. „Ich möchte am liebsten am nächsten Tag zum Toys“, sagt er grinsend. Zwei Euro bekommt er pro Woche.
Sein Bruder Arne ist zwölf Jahre alt und plant seine Ausgaben. Einen Euro gibt es pro Klasse und Woche, was dem Siebtklässler monatlich 28 Euro einbringt. Er spart gerade auf ein neues HSV-Trikot.

Melanie Wedrins ist regelmäßiges Taschengeld für ihre Jungs wichtig: „Damit die Kinder lernen, mit Geld umzugehen und auch mal auf etwas zu verzichten.“
Das findet auch Sandra Brand-Heuer: „Mir ist es wichtig, dass Kinder lernen, sich Geld einzuteilen“, sagt die dreifache Mutter. Ihre Tochter Jill ist 16 Jahre alt und bekommt monatlich 60 Euro. Und die reichen der Elftklässlerin. „Ich bin ein Sparer“, sagt die Schülerin, die ihr Geld gerade für eine Uhr zusammenhält und sich mit Babysitten noch etwas dazuverdient.

Planen größere Ausgaben: Sandra Brand-Heuer und Tochter Jill.

Quelle: Wenzel

Caroline Gippert steht bei ihren beiden Töchtern vor einem kleinen Dilemma in Sachen Taschengeld: „Sie fordern es noch nicht ein und sie geben noch nichts aus.“ Doch weil die siebenjährige Isabella gerade das Thema Geld im Schulunterricht hatte, bekommt sie jetzt auch ihr eigenes. Ebenso Isabellas kleine Schwester Sophia, die jetzt in die erste Klasse geht.

„Erwachsene sind ja oft von Geld getrieben und Kinder haben erst noch keinen Bezug“, findet Gippert. Doch es gehöre zum Leben und Kinder müssten einen vernünftigen Umgang mit Geld lernen.

Bei Christoph Ellrott erhöht sich das Taschengeld mit jedem Geburtstag. Aktuell bekommt der 14-Jährige monatlich 17 Euro. Das investiert er „natürlich in Süßigkeiten, Kleinigkeiten zum Essen oder in Modellbausachen“, erklärt der Neuntklässler. Seiner Mutter Birgit geht es beim Taschengeld vor allem um den Bezug zu Geld: „Die Kinder sollen den Wert von einem Gegenstand verstehen, und das lernen sie nur mit eigenem Geld.“

Maxi Wedrins versteckt sein Taschengeld im Teddy.

Quelle: Wenzel

Und Anja Hesse findet: „Kinder müssen lernen, dass man nicht sofort alles kaufen kann.“ Ihre Kinder müssten auch mal sparen, um sich einen Wunsch zu erfüllen. Außerdem hat die dreifache Mutter die Erfahrung gemacht, dass ihre Sprösslinge ganz anders abwägen, wenn sie etwas aus eigener Tasche zahlen müssen.
Ihr achtjähriger Sohn Lenn bekommt sechs Euro im Monat, und Theda, die in die siebte Klasse geht, zehn Euro. „Ich spare eigentlich und manchmal kaufe ich mir Süßigkeiten“, sagt Lenn. Theda ist auch sparsam, nur bei Zeitschriften könne sie nicht „nein“ sagen. Doch einige Sparziele der Geschwister stehen bei ihrer Mutter außer Diskussion: Lenn will für ein Tablet sparen und für Theda für einen Hund.

Experten-Tipps zum Thema Taschengeld

Das Thema Taschengeld wirft bei vielen Eltern Fragen auf. Detlef Jansen arbeitet bei der Erziehungsberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Göttingen. Für das Tageblatt gibt der Diplom-Pädagoge Tipps und Empfehlungen.

Detlef Jansen arbeitet bei der Erziehungsberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt in Göttingen.

Quelle: R

Ist es ratsam, Kindern und Jugendlichen regelmäßig Taschengeld zukommen zu lassen und wenn ja, warum?
Eltern können ihre Kinder auf vielfältige Weise unterstützen, selbständig zu werden und ihrem Alter entsprechend immer mehr Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört der Umgang mit Geld. Indem sie regelmäßig eine bestimmte Summe Taschengeld zur Verfügung haben, lernen sie nach und nach, mit dieser vorausschauend umzugehen und den Wert von Dingen einzuschätzen.

Taschengeld kann oder sollte dann gegeben werden, wenn die Kinder mit diesen Summen rechnen können. Dabei kommen Kinder bis zum Ende des Grundschulalters mit dem Zeitraum bis zu einer Woche zurecht. Danach kann das Taschengeld in der Regel einmal monatlich ausbezahlt werden. Auch vor dem Hintergrund, dass etwa zehn Prozent der 21- bis 24-Jährigen heutzutage schon verschuldet sind, wird deutlich, wie wichtig es ist, diese Alltagskompetenz frühzeitig zu lernen.

Wofür sollte das Taschengeld genutzt werden?
Auch das sollte mit den Kindern und Jugendlichen besprochen werden. In der Regel sollten Kinder das damit kaufen können, was sie möchten. Und Eltern sollten akzeptieren, wenn ihre Kinder damit auch Sticker, Süßigkeiten und anderes kaufen, das sie nicht gerade als pädagogisch wertvoll empfinden. Von den genannten Summen sollten die Kinder aber nicht Dinge des alltäglichen Bedarfs wie Schulhefte kaufen müssen.

Allerdings kann das anders aussehen, wenn das besprochen und das Taschengeld entsprechend aufgestockt ist. So kann vereinbart werden, dass Jugendliche in dem Fall auch etwa Shirts, Hosen oder Unterwäsche selbst kaufen müssen. Bei manchen Familien, die so verfahren, reduziert sich nicht selten der Streit um den Kauf von Markenklamotten.

 Interview: Katrin Westphal

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