Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Würstchen und Weihnachtsmusik auf Station 6.2

Göttinger, die an Weihnachten arbeiten Würstchen und Weihnachtsmusik auf Station 6.2

Nicht jeder hat die Möglichkeit, Weihnachten? bei seiner Familie zu verbringen: Ein Besuch ?bei Menschen, die das Weihnachtsfest allein oder bei der Arbeit verbringen.

Voriger Artikel
Unsere Bücher
Nächster Artikel
„Nicht mal mehr ein Keller frei“

Brigitte Gwisdorf-Menanteau nimmt sich nicht nur an Weihnachten Zeit für einen Plausch mit den Patienten.

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. Der Chefarzt spielt auf dem Saxofon für seine Patienten.

Göttingen. 25 Patienten werden auf Station 6.2 im Evangelischen Krankenhaus Weende (EKW) versorgt. Eine geriatrische Station. Auch Weihnachten sind dort fast alle Zimmer belegt. Brigitte Gwisdorf-Menanteau, Krankenschwester und Stationsleitung, feiert Weihnachten, wie viele andere Pflegekräfte auch, auf Station. Sie hat Dienst. „Ich arbeite lieber Weihnachten als Silvester“, sagt Gwisdorf-Menanteau. Weihnachten, da seien die Patienten ausgeglichener. Auf der geriatrischen Station werden ältere Patienten gepflegt, darunter auch einige demente Menschen, die Silvester nicht mehr richtig wahrnehmen. „Das ist mir am frühen Neujahrsmorgen dann manchmal ein bisschen zu anstrengend“, sagt „Schwester Brigitte“ lachend. Seit 15 Jahren übernimmt sie lieber die eine oder andere Weihnachts-Schicht. Der Frühdienst beginnt an jedem der Feiertage, wie auch an jedem anderen Tag, um 6 Uhr, der Spätdienst endet um 21 Uhr. Zwei examinierte Pflegekräfte arbeiten dann auf der Station, im Nachtdienst ist es eine. Seit 1997 arbeitet Gwisdorf-Menanteau im EKW, seit 15 Jahren in der Geriatrie. Weihnachten, da herrsche schon eine gewisse Routine. „Die Patienten, die noch füßig sind, können nachmittags in die Kapelle auf unserem Gelände gehen“, sagt sie. Schon an den Tagen vor dem Fest sind Patienten und Personal auf Weihachtskurs, ein Chor kommt auf den Stationen vorbei und singt, es läuft Weihnachtsmusik aus dem Radio, die Weihnachtsgeschichte wird vorgelesen, ein Baum gemeinsam geschmückt. Gwisdorf-Menanteau ist auch - oder gerade - an Weihnachten gerne für ihre Patienten da. „Meine Familie ist ja daran gewöhnt, dass ich arbeiten gehe“, sagt sie. Zudem bleibe zwischen Dienst und Dienst auch immer ein Tag, an dem sie mit ihrer Familie ganz gemütlich gemeinsam Weihnachten feiern kann. „Einen eigenen Weihnachtbaum habe ich gar nicht, der steht traditionell bei meinen Eltern und dort treffen wir uns dann alle“. Zudem sei ihr Mann ein „Weihnachtsmuffel“. Nicht nur Zuhause, auch auf der 6.2 wird Weihnachten ein wenig gefeiert. Es sei kein Dienst wie jeder andere, sagt die Stationsleiterin. „Es gibt keine Visiten, die Besucher waren bereits am Nachmittag da, irgendwie herrscht Heiligabend immer eine entspannte Weihnachtsstimmung“, sagt sie. Dazu trägt auch der Besuch des Chefarztes, Roland Nau, bei. „Er kommt jedes Jahr am Heiligen Abend vorbei und spielt den Patienten auf seinem Saxofon etwas vor“, sagt Gwisdorf-Menanteau. Auch wenn die alltäglichen Pflege-Arbeiten natürlich trotzdem anfallen, ein wenig Zeit für eine Tradition versuchen sich die Pflegekräfte abzuknapsen. „Es gibt immer Würstchen mit Kartoffelsalat“ - auch wenn selten länger als eine viertel Stunde für das gemeinsame Mahl bleibt. Denn auch an Feiertagen geht es auf der Station so ähnlich zu wie an jedem normalen Tag. „Bei uns weiß man nie, wie der Dienst wird.“

Im EKW arbeiten rund 500 Pflegekräfte an den drei Standorten Weende (360), Neu-Mariahilf (90) und Lenglern (50). Über Weihnachten arbeiten auf 20 Normalstationen je zwei Pflegekräfte im Früh- und Spätdienst sowie eine Pflegekraft im Nachtdienst. Auf der Intensivstation sind rund um die Uhr sieben Pflegekräfte vor Ort, auf der Intermediate-Care-Station (IMC) drei. In der Universitätsmedizin sind rund 2100 Pflegekräfte beschäftigt. Am Heiligen Abend sind dort 633, am ersten Feiertag 618 und am zweiten Weihnachtstag 790 Pfleger und Schwestern für die Patienten im Einsatz. Im Krankenhaus Neu Bethlehem arbeiten 107 Pflegekräfte, 30 davon sind auch an den Feiertagen im Dienst.

Weihnachten ganz ohne Baum

Für Michael K. ist Weihnachten kein Fest der Freude. Denn Geselligkeit wird schnell zu einem Problem. So bleibt er lieber allein. „Die Vergangenheit holt einen irgendwie immer ein“, sagt Michael K. bei einem Treffen in der Straßensozialarbeit in der Tilsiter Straße. Der 51-jährige Michael K. hat viel erlebt und ist dabei gleich mehrfach in seinem Leben gestolpert. „Da war viel Pech dabei, aber vieles lag auch an mir“, gesteht Michael ein. Heute gibt es Erbsensuppe mit einem Brötchen und Pudding zum Nachtisch. Viele Menschen kommen hierher, um einmal am Tag etwas Warmes zu essen. Viele von ihnen haben keine Wohnung und leben auf der Straße. Viel Pech, Krankheiten waren dabei sowie zahlreiche Arbeitsunfälle. Einmal fiel er bei der Arbeit vom Dach eines Hauses. Von den Verletzungen hat sich sein Körper bis heute nicht wieder erholt. Und dann waren da noch viel zu viele Drogen, die ihn immer wieder aus der Bahn geworfen haben. Nach vielen Schicksalsschlägen arbeitet Michael K. heute wieder in der Tischlerei, in der Brockensammlung in Grone. Dort bereitet er alte Möbel auf und ist im Außendienst tätig. Das klappt gut. Er arbeitet pünktlich, zuverlässig und sauber. Beim Chef hat er deswegen bereits einen Stein im Brett. „Jetzt habe ich endlich einmal in meinem Leben eine gute Phase“, sagt er mit einem Funkeln in den Augen. Was er an Heiligabend macht, weiß Michael noch nicht genau. Einen Baum hat er jedenfalls nicht. Davon gäbe es im Fernsehen ja genug. „Ich schließe mich Weihnachten wahrscheinlich am besten in meine Wohnung ein“, sagt er. Denn viele seiner Bekannten wollen zwar mit ihm zusammen feiern, doch dann wird meistens viel Alkohol getrunken. Und genau das will Michael auf keinen Fall. „Ich muss aufpassen, dass ich jetzt mein Leben im Griff behalte“, sagt er. Kontakt zu seiner Familie hat er nur äußerst selten. Ab und zu kommt mal ein Päckchen von seinen Eltern. Das ist alles. „Vielleicht besucht mich eine Freundin“, sagt Michael und lächelt dabei verschmitzt. bm

Verbringt Teile des Heiligabends in der Star-Tankstelle: Martin Post.

Ausschlafen, abschalten und viele Stunden mit der Familie verbringen: Das ist für Martin Post an diesem langen Wochenende nur begrenzt möglich. Als Betreiber der Duderstädter Star-Tankstelle verbringt er dort einen Teil der festlichen Zeit. Und das nicht nur an Heiligabend, bis er die Tankstelle in den Nachmittagsstunden schließt. „Ich arbeite seit 28 Jahren am zweiten Weihnachtstag von 6 bis 12 Uhr“, berichtet Post. Nur am ersten Weihnachtstag könne er abschalten. Diesen Feiertag verbringe er traditionell mit Ehefrau, seinen zwei Kindern, den Geschwistern und ihren Familien bei seiner Mutter. Spätestens auf dem Rückweg wird er allerdings wieder an den Alltag erinnert: Seine Mutter wohnt direkt neben der Tankstelle am Schützenring. „Ich bin schon froh, wenn ich am nächsten Morgen wieder früh aufstehen kann“, sagt Post und fügt hinzu: „Ich bin es einfach gewohnt, immer zu arbeiten, das ist Normalität für mich“. Die Kunden, die am zweiten Weihnachtstag kämen, seien in aller Regel „relaxter, ruhiger, aber nicht redseliger“, schildert der 50-Jährige seine langjährige Erfahrung. Zu den ersten Besuchern im Verkaufsraum zählten Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen und Eichsfelder, die Brötchen für das gemeinsame Frühstück mit der Familie holten. Wer auf dem Weg zu Verwandtenbesuchen sei, verbinde den Tankstopp auch mit dem Kauf eines Last-Minute-Geschenks. „Tankgutscheine gehen sehr gut“, so Post. Zigarettenstangen und Spirituosen seien als Präsente ebenfalls gefragt. Bei allem Spaß an der Arbeit hinter der Verkaufstheke freut sich Post auf den Heiligabend. „Wenn ich nachmittags nach Hause komme, trinken wir Kaffee und Tee, spielen noch etwas, essen gemütlich Abendbrot und dann ist Bescherung. Mit einem Glas Wein und Spielen lassen wir den Abend ausklingen“, sagt der gebürtige Duderstädter. art

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Bilder der Woche vom 16. bis 22. September 2017