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Wenn Städter Imker werden

Thema des Tages Wenn Städter Imker werden

Imkern liegt als Hobby voll im Trend. Mit den Grundlagen der Bienenzucht machen sich einige Anfänger während eines Kurses in Reinhausen vertraut. Beim Thema Schwarmkontrolle haben vieles über die Bienenhaltung erfahren.

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Kurs zum Imkern: Auch  Mutter Patricia (r.) und Sohn Niklas Klentschar sind dabei.

Quelle: Harald Wenzel

Reinhausen. Die 15 Kursteilnehmer beobachten Kursleiter Hubertus Rölleke wie gebannt beim Öffnen des Bienenstocks: Tausende Bienen schwirren und krabbeln um sie herum – aber obwohl die meisten keine Schutzkleidung tragen, scheint die Angst vor Stichen schnell verflogen: Nach kürzester Zeit werden Waben herumgereicht, auf denen noch hunderte Drohnen krabbeln. „Mich interessieren Bienen“, erklärt Niklas, während er akribisch die Waben auf Brutzellen untersucht.
Er ist mit elf Jahren der jüngste Teilnehmer des Imkerkurses, der ausgebucht ist. „Damit hatten wir nicht gerechnet“, erzählt Doris Warnecke, die für die Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) den Kurs mitorganisiert. Die LEB hat deshalb kurzerhand das Kursangebot aufgestockt. Beim ersten Termin hat Rölleke den Teilnehmern noch die Grundlagen des Imkerns beigebracht. Diesmal geht es um die sogenannte Schwarmkontrolle: Wenn im Bienenstock alles voll ist, verlasse die Hälfte des Schwarms seine Heimat auf der Suche nach einer neuen, erklärt Rölleke.

Hubertus Rölleke

Hubertus Rölleke

Quelle: Harald Wenzel

Das Niklas nur wenige verschlossene Brutzellen gefunden hat, ist für Rölleke ein gutes Zeichen: „Keine Schwarmstimmung, aber es wird eng“, sagt er.  Als Imker will er das Schwärmen verhindern, denn die ausgeschwärmten Bienen fehlen später bei der Honigproduktion. Weil die Bienen ohne Bienenstock im deutschen Klima zum Tode verurteilt seien, spricht er außerdem „von einem Bienensterben, das nicht in der Zeitung steht“.

Imkern mit Rauch.

Imkern mit Rauch.

Quelle: Harald Wenzel

Um das zu verhindern, zeigt Röllcke den Kursteilnehmern, wie man einen Teil des Schwarms gezielt umsiedelt. In seinem sogenannten Smoker kokelt Gras vor sich hin: „Pfft, Pfft“ - der versprühte Rauch soll die Bienen ruhigstellen, bevor er eine der vollbesiedelten Waben aus der alten Zarge herauszieht. Diese wird dann einfach in einen neuen Bienenstock gesteckt. „Die Aufzucht einer neuen Königin erledigen die Bienen ganz von selbst“, erklärt er. Das lautstarke Gesurre im neuen Bienenstock klingt trotzdem irgendwie empört. Röllecke hat sicherheitshalber das Einflugloch verstopft.

Rölleke zeigt, wie es geht.

Rölleke zeigt, wie es geht.

Quelle: Harald Wenzel

Später, der Geruch nach verräucherter Grasnarbe liegt immer noch in der Luft, geht es um die Fragen an der angehenden Imker. Viele von ihnen leben in der Stadt, aber dort Honig zu erzeugen ist Rölleke zufolge kein Problem: „Bienen sammeln alles, was in der Umgebung zu finden ist“, erklärt er. Wegen des drei Kilometer großen Sammelradius‘ der Bienen sei es aber schwierig, reinen Sortenhonig in der Stadt herzustellen – zu gemischt ist das Angebot an Blüten.
Niklas Mutter stört das nicht: „Es ist doch richtig schön, dass das Kind in der Natur ist“, kommentiert sie sein Hobby. Im Garten stehe deshalb der erste Bienenstock. Weil aber nicht alle so entspannt im Umgang mit Bienen seien, hat sie den Nachbarn davon bislang erstmal nichts erzählt. hö

Imkerkurse

Der Kreisimkerverein Göttingen bietet gemeinsam mit dem Waldpädagogikzent- rum Göttingen - RUZ Reinhausen - und der Kreisarbeitsgemeinschaft der Ländlichen Er- wachsenenbildung (LEB) Imkerkurse für Anfänger und Fortgeschrittene an. Informationen: LEB-KAG Göttingen, Telefon: 0551/82079-18. Email: goettingen@leb.de Kursort: Seminargebäude des RUZ Reinhausen auf dem Kirchberg (Domäne) in Reinhausen. bib

Bienen in der City

Auch im Stadtgebiet haben Bewohner das Imkern für sich entdeckt. Für die Bienen ist das durchaus positiv, Nachbarn bereitet es aber manchmal Kopfzerbrechen.Weil sich Nachbarn beschwert haben, musste Jürgen Schumann einen Teil seiner Bienenvölker in Göttingen umsiedeln. Und auch Hubertus Rölleke kennt die Sorgen der Nachbarn in seiner Göttinger Kleingartenanlage: Weil er aber nie einen Schutzanzug trage, hätten diese mittlerweile Vertrauen gefasst. Er ist sich sicher: „eine friedliche Koexistenz mit den Nachbarn ist möglich“. Schumann stimmt dem zu, schließlich seien es in Wirklichkeit nur Wespen, die beispielsweise an Grillgut herangehen. Völker, die „ein bisschen kitzeliger“ sind, würden beide trotzdem nicht in der Stadt ansiedeln.

Konzentriert: Sibylle Grandt.

Konzentriert: Sibylle Grandt.

Quelle: Harald Wenzel

Den Bienen selber schadet das dortige Umfeld allerdings nicht: „In der Stadt werden nicht flächendeckend Pestizide versprüht“, sagt Rölleke. „Den Bienen  geht es dort besser“, glaubt Schumann. Denn wegen der Pflanzenvielfalt im Stadtgebiet gebe es „ein durchgehendes Angebot an Nektar“ im ganzen Sommer. Wegen der Pflanzenvielfalt schmecke allerdings jeder Honig anders. Als Hobby-Imker geht es ihm aber ohnehin weniger um den Ertrag als um „eine entspannte Zeit“. Dabei hat ihn sein Hobby so sehr begeistert, dass er mittlerweile 20 Völker besitzt. Ein Problem gibt es aber doch in der Stadt: Wenn ein Volk ausschwärmt, könne es passieren, dass an einem Ast Tausende Bienen herumkrabbeln. „Viele Menschen kriegen dann Angst“, so Schumann. Die dann verständigte Feuerwehr ziehe aber meist einen Imker hinzu, der das Volk einfach wieder einfange. hö

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