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Filigrane Arbeiten auf nackter Haut

Harzer Tattoo-Convention Filigrane Arbeiten auf nackter Haut

 Einige tausend Tattoo-Fans, 42 Tätowierer und Piercer hat am Wochenende die erste Harzer Tattoo-Convention in die Mensa der Technischen Universität Clausthal gelockt. Aus dem Göttinger Raum betrieben Marion Röhmermann und Astrid Schaaf gemeinsam einen Stand.

Auch am Sonntag ist die Harzer Tattoo-Convention noch geöffnet. 

Quelle: GM

Clausthal-Zellerfeld. Aus dem Göttinger Raum betreiben Marion Röhmermann (Tätowierungen-mit-Hand-und-Herz) und Astrid Schaaf (Pink-Pearl-Tattoo) gemeinsam einen Stand. Von Totenkopf bis Comic-Zeichnungen:

„The Butcher“ – der „Schlachter“, „Blood Lion“ oder „Panorama Pain“: Einige Studionamen der 42 Tätowierer, die auf der Tattoo-Convention ihre Arbeit vorstellten, wirkten Angst einflößend. Andere hießen „Lucky Heads“ oder „Tätowierungen mit Hand und Herz“. An ihren Ständen zeigten sie ein breites Potpourri von Möglichkeiten, die Haut zu verschönern.

Neben Tattoos und Infos zu Techniken und Ausrüstungen, wird den Besuchern auch ein musikalisches Rahmenprogramm geboten.

„Tattoos“, sagte Mitorganisator Florian Altenhövel, „sind mitten in der Gesellschaft angekommen.“ Neben den Kuttenträgern mit überwiegend  schwarzen, martialisch anmutenden  Zeichnungen, zwängten sich auch zahlreiche Neugierige durch die drei Etagen der Mensa. „Na klar haben wir auch die Rocker hier“, so Carsten Spötter, der zweite Organisator. Mittlerweile stellten sie aber nur einen Teil der Tätowierten dar.

Vor rund 20 Jahren waren vor allem Seefahrer, Rocker oder auch Gefängnisinsassen tätowiert – das Herzchen oder der Anker auf dem Oberarm. Dann hielt ein neuer Modetrend Einzug und das Tattoo rutschte ans Steißbein vieler junger Frauen. „Ein schönes Arschgeweih ist ein gutes Tattoo“, so Spötter. Und für viele erst der Einstieg: „Wenn man ein Tattoo hat, braucht man immer mehr“, sagte Tanja Welligehausen. Die Seesenerin begleitete ihren Bruder Stefan, der sich bei der Convention vom Hamburger Tätowierer Jörn Grotwinkel sein erstes stechen ließ – nach eigenem Motiv.

„Dir muss vorher klar sein, was du mit dem Tattoo verbinden möchtest“, riet die Seesenerin. Vier hat sie bislang: Unter anderem trägt sie den Namen ihres Sohnes, und den ihrer Mutter auf der Haut. „Die wollte das erst überhaupt nicht“, so Welligehausen, sei aber dann gerührt gewesen. Auch Kristina Kuhn ließ sich einen Namen stechen: Ihr Bruder absolviert als Soldat Auslandseinsätze. Um ihn immer bei sich zu haben, ziert nun sein Name ihren Körper.

Biografische Bezüge können, müssen aber nicht zwangsläufig eine Rolle spielen: Ein Trend der Tattoo-Convention stellt Rockabilly dar. In Faltenröcken und Petticoats versuchen vor allem weibliche Rockabilly-Fans auszusehen wie ein Pin-up-Girl der 50er-Jahre. Die Kleidung dieser „Bad Girls“ ist auffällig: mit großen Punkten oder Karos, mit Kirschen oder Totenköpfen, sexy und verrucht, ein bisschen Marilyn Monroes große Schwester. „Da gibt es mehrere Subkulturen“, erklärte Spötter.

Der Musikveranstalter selbst trägt am ganzen Körper seine Idole, von Ozzy Osbourne bis Iron Maiden. Maidens Song „Two Minutes to Midnight“ ließ sich Spötter gleich auf das Handgelenk tätowieren. „Das sind alles Künstler hier“, betonte Altenhövel.

Spezialisten für bestimmte Stilrichtungen, vom klassischen Old- und Newschool bis hin zum trendigen   Watercolor, zeigten ihr Können, berieten und erarbeiteten mit den Tattoo-Fans gemeinsam die gewünschten Motive. Nach dem Zuspruch der ersten Harzer Tattoo-Convention werde es eine Neuauflage geben, waren sich Spötter und Altenhövel sicher.

Zwischen der alten und neuen Welt

Die Göttinger Tätowiererin Marion Röhmermann und Astrid Schaaf aus Immenhausen haben bei der Tattoo-Convention gemeinsam einen Stand bezogen. „Ich kenne noch die alte Tattoo-Welt“, sagt Schaaf ein wenig wehmütig. In die neue Welt passe sie nicht so recht.

Und so bevorzugt sie immer noch klassische Symbole und Tierdarstellungen. „Mandalas gefallen mir aber auch gut“, erklärt Schaaf. Seit fast 20 Jahren zeichnet sie Tattoos auf die Haut ihrer Kunden, seit 2010 im Tattoo Studio Pink-Pearl in Immenhausen. Marion Röhmermann hat ihr Können auch bei Astrid Schaaf gelernt. „Ich mag realistische Darstellungen“, sagt die Göttingerin, „bin aber insgesamt nicht so festgelegt.“

Wie Schaaf nimmt sie sich auch bei der Convention viel Zeit, schickt Übereifrige zum Nachdenken noch einmal zurück. „Die meisten überlegen sich das aber sehr gut“, erklärt Röhmermann. Und wenn nicht, sticht die gelernte Arzthelferin auch „Cover-Tattoos“, die alte Jugendsünden geschickt überdecken.

„Als 19-Jährige ließ ich mir das erste Tattoo stechen“, erinnert sich Röhmermann. Danach habe ihr Berufsziel Tätowiererin festgestanden. Seit einem Jahr betreibt sie nun ihr eigenes Studio („Tätowierungen mit Hand und Herz“) an der Weender Landstraße in Göttingen.

Gänseliesel-Wahl