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Hochzeitspläne der Sparkassen

Hochzeitspläne der Sparkassen

Im November fusionieren die Kreise Göttingen und Osterode zu einem großen Landkreis Göttingen. Das nährt Überlegungen zu weiteren Fusionen. Im Fokus stehen dabei zurzeit die sieben südniedersächsischen Sparkassen in den Kreisen Göttingen, Osterode und Northeim, in deren Chefetagen 16 Vorstände sitzen. Ihre Träger sind Städte, Landkreise oder kommunale Zweckverbände. Was sagen die Vorstände und Verwaltungsräte? Ein Überblick.

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Göttingen. Seit vergangener Woche konkrete Pläne für den Bau einer neuen Zentrale der Sparkasse Göttingen am Groner Tor bekannt wurden, hat die Debatte um Sparkassenfusionen neuen Zündstoff bekommen.

Hintergrund: In den Plänen sind fünf Vorstandsbüros vorgesehen - derzeit hat die Sparkasse in Göttingen drei Vorstände. Gegenüber dem Tageblatt hatte der Göttinger Sparkassen-Chef Rainer Hald ausgeschlossen, dass die fünf Vorstandsbüros mit einer möglichen Fusion der Göttinger Sparkasse mit weiteren Häusern zu tun haben.

Solche Überlegungen seien ausschließlich Aufgabe der Träger von Sparkassen. In Göttingen ist das der Sparkassenzweckverband, an dem Stadt und Landkreis zu gleichen Teilen beteiligt sind. Dort aber gebe es zurzeit keinerlei Gespräche und Ambitionen in Richtung einer Fusionen, hatte die Sparkasse bereits auf Anfrage erklärt.

„Auskömmliches Nebeneinander“

Ganz anders sieht Osterodes Erster Kreisrat Gero Geißlreiter das Thema: „Eine Sparkassenfusion ist selbstverständlich ein Thema“, so der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Sparkasse Osterode. Bei der kommenden Kreisfusion stelle sich schon die Frage: „Braucht ein neuer Landkreis Göttingen-Osterode sechs unterschiedliche Sparkassen?“ Tendenziell gehe die Antwort in Richtung „Nein“.

Mitte des Jahres werde der Osteroder Sparkassenchef (Vorstand), Uwe Hacke, die Nachfolge des Vorstandes der Sparkasse Duderstadt, Alfons Wüstefeld, übernehmen. Der Vertrag von Hackes Nachfolger wiederum sei bereits so gestaltet worden, dass er im Falle einer Sparkassenfusion wieder ins „zweite Glied“ zurückkehren werde. Geißlereiter geht aber davon aus, dass konkrete Fusionsgespräche erst nach der Kommunalwahl im Herbst geführt werden. Die Vorteile einer Fusion lägen aber auf der Hand: Nutzung von Synergien, weniger Personal und besseres Agieren am Markt.

Vorsichtiger formulierte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Osterode, Thomas Toebe. Noch habe es „keine weitergehenden Gespräche“ gegeben. Bisher hätten die Sparkassen in der Region ein „auskömmliches Nebeneinander“ gehabt. Die Sparkasse Osterode stehe „wirtschaftlich gut da, und wir tun das Beste, um eigenständig zu bleiben“.

„Bleibt eigenständig“

Auch die Sparkasse in Duderstadt „bleibt eigenständig“, sagte ihr Vorstand, Alfons Wüstefeld. Sie sei „durch und durch gesund“. Eine Fusion würde in den ersten drei bis fünf Jahren eher Geld kosten als einsparen. Bereits im vergangenen Sommer habe sein bereits benannter  Nachfolger Hacke und der Verwaltungsrat betont, dass durch die Neubesetzung des Postens ein klares Zeichen gegen eine Fusion gesetzt worden sei.

Das unterstrich am Dienstag auch der Duderstädter Bürgermeister und Verwaltungsratsvorsitzende Wolfgang Nolte (CDU). Die Sparkasse Duderstadt habe sich als leistungsstarke und erfolgreiche Sparkasse entwickelt. Oberstes Ziel sei es, diese Position im Sinne der Bürger und Wirtschaft im Untereichsfeld zu erhalten. Das schließe „natürlich engste Kooperationen mit anderen Sparkassen“ nicht aus – Projektbezogen und offen für alle Nachbarn.

„Wir sind völlig offen“

„Erste Überlegungen“ für eine Fusion gibt es hingegen bei der Stadtsparkasse Bad Sachsa im Kreis Osterode – der kleinsten Sparkasse in Deutschland. „Wir wissen, dass sich die Sparkassenlandschaft verändern und auch die politische Neuorientierung darauf Einfluss haben wird“, sagte der Bürgermeister der Stadt und Verwaltungsratsvorsitzende, Axel Hartmann (CDU). Allerdings gebe es dazu noch keine Festlegung.

Und er fügte an: „Wir sind da völlig offen, warten aber  erst einmal die Kreistagswahlen ab. Dann werden wir alle Optionen durchspielen.“ Er gehe davon aus, dass die Häuser zusammenfinden, „die im großen Konzert der südniedersächsischen Sparkassen einen harmonischen Einklang bilden“.

Die Entscheidung obliege alleine dem Träger, betont der Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Bad Sachsa, Bernd Gottschalk. Aus seiner Sicht aber werde man nach der Fusion der Kreise Göttingen und Osterode „ nicht um eine Fusion der Sparkassen herum kommen“. Für kleine Häuser werde es immer schwerer, die zunehmenden „Regulationen zu meistern – sie stoßen an Grenzen“. Bisher gebe es noch keine Gespräche, auch nicht mit Göttingen. „Aber wir sind dann in einem Landkreis vereint, wo soll man sonst hingehen?“, fragte Gottschalk.

„Keine Pläne“

Für den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Münden, Thomas Scheffler, steht das Thema Fusion nicht zur Diskussion. Das sei zudem Sache des Zweckverbandes als Träger, an dem die Stadt Münden und der Landkreis zu je 50 Prozent beteiligt sind. In der Stadt Münden gebe es allerdings „keine Pläne hinsichtlich einer Fusion“, versichert der Bürgermeister und Verwaltungsratsvorsitzende Harald Wegener (WG), weder im Rat noch in den Fraktionen.

„Schnell beiseitegeschoben“

Zu den kleineren Häusern gehört auch die Sparkasse Einbeck. Laut ihres Vorstandes Stefan Beumer gibt es „keinerlei Fusionsbestrebungen“. Dort werde nur am Rande der Versammlungen „immer mal wieder über das Thema gesprochen“, ergänzte die Bürgermeisterin und Verwaltungsratsvorsitzende Sabine Michalek – „aber dann schnell wieder beiseitegeschoben“. Für einen Zusammenschluss mit einer anderen Sparkasse „gibt es keine Notwendigkeit.“

Eine Fusion käme nur in Betracht, wenn sich eine Sparkasse „alleine wirtschaftlich nicht mehr darstellen lässt“. Das aber sei in Einbeck nicht der Fall. Grundsätzliche lege die Stadt Wert auf eine leistungsstarke, eigenständige Sparkasse, die die Menschen im Altkreis unterstützt und ihnen zur Seite steht. Und wenn es doch einmal zu einer Fusion kommt? „Dann sicher nicht mit Göttingen“, sagte Michalek, „das wäre eine Hausnummer zu groß und passt nicht zu uns“.

„Eigenständigkeit behalten“

Auch die Kreissparkasse Northeim führe keine Fusionsgespräche“, sagte ihr Vorstand Guido Mönneke, es gebe auch keine Überlegungen dazu. Ob sich ein Zusammenschluss lohne, sei eine offene Frage. „Die Leistungskraft einer Sparkasse lässt sich nicht über ihre Größe definieren, sie ist eher abhängig von ihrem wirtschaftlichen Umfeld.“

Sowohl die Sparkasse Einbeck als auch die Kreissparkasse würden relativ gut dastehen „und sind stark“, ergänzt der Erste Kreisrat des Landkreises Northeim, Hartmut Heuer. Der Kreis ist an beiden als Träger beteiligt, „und beide sollten ihre Eigenständigkeit behalten“. Er persönlich glaube auch nicht, dass ein Zusammenschluss einen positiven Effekt haben werde.

Rechtliche Fusion

Die Fusion von Sparkassen regelt das niedersächsische Sparkassengesetz. Dort heißt es in Paragraf 2, dass Sparkassen nach Anhörung der Verwaltungsräte durch Beschlüsse der Träger zusammengelegt werden können. In einer schriftlichen Vereinbarung zur Fusion sei der Zeitpunkt der „Gesamtrechtsnachfolge“ festzulegen. Die Sparkassenaufsichtsbehörde muss die Fusion genehmigen. mib

Von Ulrich Schubert und Michael Brakemeier

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