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Warum studieren Sie ein zweites Mal?

Im Porträt: Landratskandidatin Felicitas Oldenburg (FDP) Warum studieren Sie ein zweites Mal?

Freiheit, das ist ein Wort, das Felicitas Oldenburg häufig benutzt. Die 49-jährige Göttingerin ist Landratskandidatin der FDP, der Freien Demokratischen Partei, auch die Liberalen genannt. Sie ist die einzige Frau, die sich um das Amt bewirbt.

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Felicitas Oldenburg am Gänseliesel-Brunnen.

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. „Dreams“, ein blauer Schriftzug aus Holz hängt gleich im Eingang ihres Hauses. Eine Träumerin ist sie dennoch nicht. Die Bücher, die bei der Politikerin auf dem Nachttisch liegen, sprechen Bände: „Unser Jahrhundert“ von SPD-Legende Helmut Schmidt und Titel wie „Überall ist Mittelalter“ von Horst Fuhrmann sowie „Das Grüne Gewissen“ von Andreas Möller. „Manchmal liegt da auch ein Roman, ein englischer Krimi oder einer von Jane Austen“, sagt Oldenburg. Der Rest ist Politik.

Die heutige Juristin  wurde in Berlin geboren. „Als ich zwei Jahre alt war, sind meine Eltern mit mir und meiner Schwester in die Pfalz gezogen“, erzählt die 49-Jährige. Ihr Alter sieht man der zierlichen blonden Frau nicht an. Mit ihren beiden fast erwachsenen Kindern – einer 15-jährige Tochter und einem 19-jährigen Sohn –  lebt sie in einem Haus aus den 30er-Jahren  am Stadtrand.

Bevor die FDP-Frau die Tür öffnet, steht Bobby schon vor der Scheibe und freut sich. Der freundliche, weißgelockte Hirtenhund der Familie ist noch ein wenig quirliger als seine Besitzerin.

Es ist ein warmer Sommernachmittag, Oldenburg bittet in den Garten. Bobby sprintet voraus, landet nach einem begeisterten Hechtsprung von der Terrasse auf dem Rasen und dreht erst einmal ein paar Runden. Apfelbäume, ein kleiner Teich – gerne als Hundebadestelle genutz – und viel Grün.  Zwischen den Bäumen baumelt eine Hängematte. „Dort wird viel gelernt“, sagt Oldenburg. Englischer Rasen? Fehlanzeige. Ein idyllisches Fleckchen Erde am Stadtrand ist ihr Garten. „Die Nähe zu den Schillerwiesen und zum Göttinger Wald genießt Oldenburg außerdem. „Wir leben hier ja wie im Paradies, die Natur ist herrlich, man kann den Wald benutzen und ich kann direkt von zu Hause aus  losjoggen“, sagt die begeisterte Sportlerin.

"Jetzt sind wir fast Kommilitonen"

Das alte Haus mit den blauen Fensterläden bietet viel Platz. Drei Studenten wohnen dort zur Miete, nutzen die Küche und andere Räume der Familie mit. „Wir sind quasi eine WG mit fünf Studenten“, erzählt die Hausherrin. „Das läuft absolut super.“ Oldenburgs  Sohn studiert Physik in Göttingen und die Juristin, die auch als Mediatorin arbeitet, studiert seit zwei Jahren Französisch und Englisch auf Lehramt. „Ich bin gerne Juristin, finde aber das Zweitstudium sehr interessant und möchte mir alle Möglichkeiten offen halten“, sagt sie. Und: „Ich habe das Studium noch kurz vor meinem Sohn begonnen, jetzt sind wir fast Kommilitonen“, sagt sie lachend. Das erste Studium war es, das die Pfälzerin nach dem Abitur  aus dem Süden der Republik nach Göttingen trieb. Ihre Kindheit und Jugend hat sie in Annweiler am Trifels verbracht. Eine Gegend, von der sich auch heute noch schwärmt. Damals habe sie  Göttingen richtig als Norddeutschland empfunden.

Das Familienhaus, in dem sie heute lebt, hat Oldenburgs Großvater, der Verleger Karl Ruprecht bauen lassen. „Ich habe als Kind oft die Ferien bei meinen Großeltern in Göttingen verbracht“, erzählt sie. Das seien schöne Erinnerungen. Als sie das Jura-Studium beginnen möchte, nutzt sie die Gelegenheit, preiswert bei den Großeltern zu wohnen und zieht nach Göttingen. In Göttingen, Bonn und Lausanne studiert sie, das Referendariat absolviert sie wieder in Göttingen – und in Osterode. „Dort war ich in der Verwaltung tätig, das war eine sehr prägende Zeit“, erinnert sie sich. „Der Landkreis Osterode ist schön“, sagt sie. Dort sieht sie ein großes Potenzial,  es gebe „viele Einzelpositionen, die man vernetzen muss“, so die Landratskandidatin – jetzt ganz Politikerin. Als Pfälzerin liebt sie die Mittelgebirgslandschaft. „So ganz plattes Land, das kann ich nicht.“

Die Kommunalpolitik, die wurde ihr schon als Kind vorgelebt. „Mein Vater war in der alten Heimat viele Jahre für die FDP im Kreistag engagiert“, sagt Oldenburg. Und:  „Ich habe in meiner Jugend Hans-Dietrich Genscher miterlebt“, sagt sie. Die CDU  hätte stets signalisiert, dass alles so bleiben soll, wie es ist. Das Signal der SPD sei „wir geben Euch was“ gewesen. Die FDP aber habe gesagt, der Staat setzt nur den Rahmen für Freiheit und Entwicklungsmöglichkeiten. Werte, die Oldenburg auch heute wichtig sind.

Den Weg in die Göttinger FDP fand die Juristin einst über einen Schulkinderhort. Den nämlich wollten Eltern der Kinder der ersten Klasse der Höltyschule – so auch Oldenburg – durchsetzen. „Die Genehmigung gestaltete sich damals schwierig“, sagt die zweifache Mutter. Bei den Ratsfraktionen der FDP und der CDU fand sie Unterstützung, vor allem bei Gerda Fischer von der CDU und bei ihrem „Mentor“ Wolfgang Thielbörger.  „Er ist ein Ur-Liberaler“, sagt Oldenburg. Also dachte sie sich: „Wenn ich schon aktiv bin, dann gehe ich dahin, wo ich hingehöre, in die FDP.“ 2004 trat sie in die Partei ein, 2011 zog sie in den Göttinger Stadtrat ein. Im Jugendhilfeausschuss war sie bereits zuvor als beratendes Mitglied tätig.

„Jenseits der Brüsseler Bürokratie finde ich Europa fantastisch.“

Als wichtige Zukunftsthemen nennt sie „das Zusammenleben in der Gesellschaft und die Erhaltung wichtiger Freiheiten“. „Europa ist nicht statisch“, sagt sie. „Jenseits der Brüsseler Bürokratie finde ich Europa fantastisch.“ Kein Wunder also, dass sie als überzeugte Europäerin ihren Urlaub, wie kürzlich, gerne mal in Frankreich oder auch mal in Skandinavien verbringt. Mit ihrem Madzda-MX-5- Cabrio fährt sie nicht nur französische Straßen entlang. „Damit mache ich auch meinen Wahlkampf, die Plakate passen prima in das Auto hinein“, sagt sie. „Deutschland wird vor Ort entschieden“, steht in diesem Jahr auf den FDP-Plakten. Das lebt sie gerne. Sie kandidiert auch als Landrätin, „um die liberale Fahne hoch zu halten und die FDP bekannter zu machen“, sagt sie.

Eines hat sich die Pfälzerin trotz aller Liebe für  Göttingen erhalten, das Herz für die Weinbaugegend. Denn: „Niedersächsischer Spargel und Pfälzer Wein, das passt doch.“

Felicitas Oldenburg wurde in Berlin geboren. Als sie zwei Jahre alt war, zogen ihre Eltern in die Pfalz. Oldenburg hat eine jüngere Schwester, sie lebt in Mainz.

1985, das Abitur in der Tasche, zog Oldenburg nach Göttingen und nahm ihr Jurastudium auf. 1986 belegte sie ein Auslandssemester in Lausanne, 1988 studierte sie ein Semester an der Universität Bonn. Nach dem Referendariatsende 1998 legte sie im selben Jahr ihr zweites Staatsexamen ab. Seitdem arbeitet sie als Volljuristin.

Ihr eigenes Anwaltsbüro eröffnete sie 2001. Oldenburg arbeitet auch als Mediatorin. 2013 nahm sie zudem ein Zweitstudium auf.

Oldenburg ist verheiratet, hat zwei Kinder, eine 15-jährige Tochter und einen 19-Jährigen Sohn. In der Göttinger FDP ist seit dem Jahr 2004 aktiv. Im Stadtrat arbeitet sie seit 2011 für die CDU/FDP-Gruppe, unter anderem als Mitglied im Bauausschuss. Oldenburg tritt als einzige Frau zur Landratswahl an. Außerdem steht sie als Stadtratskandidatin auf der Liste der Freien Demokraten in Göttingen.

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