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In Erbsen machen die Landwirte mit

Göttinger Imker kämpft gegen Bienensterben In Erbsen machen die Landwirte mit

Vielen Bienen im Leinetal geht es schlecht: Manche Imker beklagen Verluste von bis zu 50 Prozent. Das sagt Uwe Dzeia, Vorsitzender des Imkervereins Göttingen. In Erbsen zeigt ein Hobbyimker, dass man Bienensterben - zumindest regional - verhindern kann.

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Imker Andreas Rode kämpft gegen das Bienensterben.

Quelle: Jan Vetter

Göttingen/Erbsen. Der Reinhäuser Dzeia hatte 16 Bienenvölker mit jeweils 5 000 bis 8 000 Tieren eingewintert.  Er habe ähnlich hohe Verluste verzeichnet wie seine Imker-Kollegen, sagt er. Die hohe Sterberate der Bienen, die ein weltweites Problem ist, führt Dzeia auf zwei Hauptursachen zurück: das Einsetzen von Pestiziden im ländlichen Raum und die Varroamilbe. Dass es im dörflichen Bereich anders gehen kann, zeigt ein Beispiel aus Erbsen. Dort hält Andreas Rode 15 Bienen-Völker mit etwa 15 000 bis 20 000 Tieren. Seine Völker kamen ohne große Verluste durch den Winter.

Besonders gefährlich für Bienen sind laut Dzeia sogenannte Neonicotinoide, die zu den am meisten eingesetzten Schädlingsbekämpfungsmitteln gehören. Sie stören die Kommunikationsfähigkeit und den Orientierungssinn der Bienen. Diese finden nicht mehr in den heimischen Stock zurück und sterben. Auch aus Sicht von Rode ist dies ein großes Problem, und er ergänzt, dass die Honigbienen in der Region hauptsächlich mit Spritzmitteln im Obstanbau und im Raps in Berührung kommen. Deshalb geht Rode gezielt auf die Landwirte in seiner Heimat Erbsen zu.

Vortrag über Imkerei

Einen Vortrag über "Imkerei - gestern und heute" bietet der Imkerverein Duderstadt an. Naturliebhabern und Interessenten, die  mit der Imkerei beginnen möchten,  sollen  Einblicke in die moderne Imkerei vermittelt werden.Beginn ist am Sonnabend, 17. Juni,  um 14 Uhr in der Gartenalage des Vereinsvorsitzenden Markus Freckmann, Kurmainzer Straße 61 in Duderstadt.

"Ich spreche die Bauern im Dorf an und bringe ihnen Empfehlugen der Landwirtschaftskammer zu Spritzmitteln mit", sagt Rode. Denn zum einen sei es die Zusammensetzung der Spritzmittel, zum anderen aber sei auch die Zeit der Ausbringung für das Wohl der Bienen entscheidend. "Erlaubt ist es, tagsüber den Raps zu spritzen", so Rode. Er aber bittet die Erbsener Landwirte, erst gegen Abend die Chemikalien auszubringen. "Dann, wenn die Bienen nicht mehr fliegen". Dadurch werde der direkte Kontakt der Spitzmittel mit den Tieren verhindert. "Die Flügel verkleben nicht und die Gesundheit der Bienen wird massiv geschont", sagt der Imker. "In Erbsen machen die Landwirte mit", so Rode. Auch sie proftitieren von Bienen. Die Tiere bestäuben 80 Protent aller Pflanzen, und sichern so das Überleben von Bäumen, Blumen und Büschen - und somit auch von Obst und Gemüse.

Bei Imker Andreas Rode

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Zudem legt Rode selber Blühstreifen an. "Einige Landwirte haben mir 500 bis 1000 Quadratmeter große Streifen oder Ecken ihrer Flächen zur Verfügung gestellt, dort sähe ich Blühstreifen-Mischungen aus", sagt er. Gerade jetzt sei es wichtig, dass die Bienen ausreichend Nahrungen finden. Im Frühling sorgen die Raps- und Obstblüte für ausreichend Futter, im Sommer die Blüten der Linden. Zur Zeit aber darben viele Bienen, wenn sie keine passenden Blüten finden. "Nächste Woche blühen diese Blumen-Streifen", sagt Rode. Passende, insektenfreundliche Saatmischungen gebe es im Handel.

Wenn Hobby-Imker Rode seinen Honig verkauft, spricht er zudem seine Kunden an. "Viele haben ja einen Garten", sagt er. Auch dort könne man Blüstreifen statt Rasen kultivieren. 

Von Britta Bielefeld, Alisa Altrock, Vera Wölk

Insektenschonend: Schädlingsbekämpfung am Abend

Ein Miteinander von Landwirten und Imkern kann den Bienen helfen: Das sagt auch Markus Gerhardy vom Landvolk Göttingen. Der Gieboldhäuser Landwirt zählt zu denen, die auf Grundlage der bienenfreundlichen Empfehlungen der Landwirtschaftskammer seinen Raps spritzt. "Auch wir fahren Abends, nach dem Bienenflug zum Spritzen raus", sagt er. Allerdings hätten ihn bereits Bürger angesprochen, warum er denn erst am Abend auf dem Feld sei und ob dort wohl etwas nicht legales vorgehe, sagt er.

Im Gegenteil: "Die Applikation am Abend ist insektenschonend und mir ein besonders Anliegen", sagt der Fachmann. Es sei zudem wichtig, dass der Bauer wisse, wo die Bienen  stehen und der Imker, wer die Flächen bewirtschaftet. Einen wichtigen Beitrag leiste  laut Gerhardy das Blühstreifenprogramm. Fördergelder gebe es nur, wenn der Imker den Nutzen der Streifen bestätigt. 

"Der Austausch zwischen Imkern und Landwirten ist wichtig", sagt auch Christoph Brandfaß von der Landwirtschaftskammer in Northeim. "Wir geben in der Saison fast wöchentlich aktuelle Spritzmittel-Empfehlungen für die Landwirte heraus", sagt er. Die Empfehlungen der Schädlingsbekämpfung basieren auf aktuellen Beobachtungen.

Futter für die Biene

Jeder kann etwas tun, um Bienen das Leben zu erleichtern. Wie das geht, beantwortet Agrarökologin Dr. Catrin Westphal von der Universität Göttingen.

Vielen Bienenvölkern geht es schlecht, einigen gut. Wie kommt das?

Ein Grund für das Bienensterben im Winter ist die Varoa-Milbe. Warum manche Bienenvölker daran sterben, andere, die in der Nähe unter gleichen Bedingungen gehalten werden nicht, ist noch ungeklärt. Damit beschäftigt die Wissenschaft zur Zeit. Es wird erforscht, ob die genetischen Unterschiede zwischen den Völkern, beispielsweise die Resistenz gegen die Varroa-Milbe und die von ihr übertragenen Krankheiten, eine Ursache sind. Weitere Faktoren sind die Witterung und die Völkerführung des Imkers. Dieses Jahr war auch für unsere Instituts-Bienen ein schlechtes Jahr, wir hatten einige Verluste und geschwächte Völker im Früjhar.

Dr. Catrin Westphal

Quelle: r

Es heißt ja häufig, die Bienen verhungern regelrecht. Stimmt das?

Ein Teil des Problems ist sicher auch die Ernährung. Jetzt, nach der Rapsblüte, ist es für viele Bienen schwierig, genügend Nahrung zu finden. Das heißt, die Imker müssen gegebenenfalls zufüttern. Der Nahrungsmangel zeigt sich, wenn im Wabenrahmen kein frisch eigelagerter Nektar mehr zu sehen ist.

Diese Pflanzen mag die Biene

Blumenbeet: Schafgarbe, Akelei, Lavendel, Lupine, Wilde Malve, Astern, ungefüllte Dahliensorten
Bäume und Sträucher: Schlehe, Pfaffenhütchen, Kornelkirsche, Weißdorn, Stachelbeere, Himbeere, Brombeere, Johannisbeere, Wilder Wein, Efeu, ungefüllte Kletterrosen
Gemüsebeet: Ackerbohnen, Kleearten, Borretsch, Ringelblumen, Kürbisgewächse, Zwiebeln, Kohl, Möhren, Gewürzkräuter
Balkon: Goldlack, Kapuzinerkresse, Verbene, Männertreu, Wandelröschen, Löwenmäulchen, Küchenkräuter (Salbei, Rosmarin, Lavendel, Pfefferminze, Thymian)

Können Blühstreifen dabei helfen, die futterarme Zeit bis zur Lindenblüte zu überbrücken?

Den Honigbienen helfen Blühstreifen sehr. Etwas anders sieht die Sache bei den Wildbienen aus, die brauchen ein deutlich differenzierteres Nahrungsangebot als es die herkömmlichen Blühstreifenmischungen bieten. Hilfreich für alle Bienen wäre es, die Blühstreifen noch diverser mit vielen unterschiedlichen Pflanzenarten zu gestalten.

Wie können Bürger den Bienen helfen?

Jeder, der einen Garten oder Balkon hat, kann einen wichtigen Beitrag gegen das Bienensterben leisten. Statt Kies, Steingarten oder Rasen können auch zu Haus Blühstreifen angelegt werden. Auch viele Staudengewächse und Balkonpflanzen bieten Futter für Bienen, Hummeln und andere Insekten.

Welche Sorten empfehlen Sie?

Geeignet sind beispielsweise Glockenblumen, Lippenblütler wie Lavendel, Schmetterlngsblütler wie Klee und Wicken, Mohn, Senf und Korbblütler wie Flockenblumen und Margeriten. Auch blühende Kräuter wie Salbei, Rosmarin und Thymian bieten Insekten Nahrung

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