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„Intelligenter“ als „Stochern im Dunkeln“

Thema des Tages „Intelligenter“ als „Stochern im Dunkeln“

Hochwasserschutz statt teure Einzelmaßnahmen in einzelnen Ortschaften – so reagiert die Gemeinde Friedland auf das Unwetter vom August, das vor allem in Groß Schneen große Schäden angerichtet hat.

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Folgen des letzten Hochwassers in Groß Schneen.

Quelle: Pförtner

Groß Schneen. Für ein Hochwassergutachten hat der Gemeinderat inzwischen 180 000 Euro bereitstellt. Es soll die Ist-Situation analysieren, Gefahren aufzeigen und eine Prioritätenliste aufstellen. Erste Maßnahmen sollen 2017 umgesetzt werden, 100 000 Euro stehen bereit.

Zuständig für alle Ortschaften

Schäden in Millionenhöhe

Hochwasser im August: Sintflutartige Regenfälle haben in der Nacht vom 16. auf dem 17. August 2015 teils immense Schäden angerichtet. Neben Sieboldshausen und Obernjesa in der Gemeinde Rosdorf waren in der Gemeinde Friedland hauptsächlich Groß Schneen, Reiffenhausen und Reckershausen betroffen.

Bis zu 40 bis 50 Zentimeter habe das Wasser in Groß Schneen in den Straßen gestanden. 200 Flüchtlinge mussten aus der Turnhalle in Groß Schneen evakuiert werden. In mehr als 70 Wohnungen und Häuser gab es Schäden durch Hochwasser. Die Schäden der Unwetternacht in Friedland werden auf zehn Millionen Euro geschätzt, für acht Millionen Euro muss die Sporthalle neugebaut werden.

Für Aufräumarbeiten hat die Gemeinde 130000 Euro bereitgestellt. Auf zwei Millionen Euro werden die Schäden in privaten Haushalten geschätzt. Viele Groß Schneener geben auch dem aus ihrer Sicht maroden, veralteten und unterdimensionierten Kanalsystem die Schuld an dem hohen Ausmaß der Schäden.  mib

So ein Gesamtkonzept sei „intelligenter, förderfähiger und effizienter als ein bloßes Stochern im Dunkeln“, sagt Andreas Friedrichs (SPD), Gemeindebürgermeister und Vorsitzender des Wasserverbandes Leine-Süd. Friedrichs spielt damit auf die Forderungen von Bürgern aus Groß Schneen an, die nach dem Unwetter, wie schon in den Jahren zuvor, Verbesserungen an dem Kanalnetz in Groß Schneen gefordert hatten.

Er sei schließlich zuständig für alle 14 Ortschaften in der Gemeinde und nicht nur für Groß Schneen. „Alle haben den gleichen Schutzanspruch. Wir müssen sehen, mit welchen Mitteln wir das höchste Schutzziel für die Gemeinde erreichen“, sagt Friedrichs. Bedenken und Ängste der Anwohner aus Groß Schneen nehme er aber durchaus ernst.

Auswirkungen des Hochwassers vom 17. August in der Turnhalle Groß Schneen.

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Das Umdenken kam mit dem Unwetter: Bis dahin, so Friedrichs, war geplant, nachdem zwei weitere Alternativen verworfen wurden, das Kanalnetz in Groß Schneen mit einem zusätzlichen Regenwasserkanal Richtung Westen zu entlasten. Kosten: 500 000 Euro. „Mit 500 000 Euro kann ich aber viel mehr erreichen, als nur Regenwasser zu entsorgen“, meint Friedrichs heute und verweist auf den Hochwasserschutz.

Zum Teil selbst verantwortlich

Hochwasser sei ein grundsätzliches Problem, das sich nicht allein durch mehr Kanäle lösen lasse, sondern durch zusätzliche Maßnahmen. Grundstückseigentümer, der Wasserverband und die Gemeinde müssten gemeinsam arbeiten. Ralph Wagener vom Ingenieurbüro Rinne macht deutlich, dass die Bürger für den Schutz ihrer Häuser zum Teil selbst verantwortlich seien.

Nach dem Unwetter hatten mehr als 300 Bürger aus Groß Schneen die Verbesserung des aus ihrer Sicht unterdimensioneten Kanalnetzes gefordert. Vor allem, dass ab 2017 ein zusätzliches Baugebiet, das die Kommunale Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft am östlichen Ortsrand entwickeln will, an die bestehende Kanalisation angeschlossen werden soll, bereitet den Anwohnern Kopfschmerzen. Rund 40 neue Häuser sollen dort entstehen.

Christoph Kraaibeek, Geschäftsführer des Wasserverbandes, meint dass die bestehende Kanalisation damit fertig wird. Zumal Regen- und Schmutzwasser in Neubaugebieten getrennt entsorgt werden. Im Altbestand in Groß Schneen sei das durch Fehlanschlüsse aus der Vergangenheit nicht immer gegeben. Das belaste nun das Kanalsystem. Konsequenterweise müssten die Hausanschlüsse darauf kontrolliert und gegebenenfalls saniert werden. In dieser Frage werde man an die Hauseigentümer herantreten, sagte Friedrichs.

Wasserverband Leine-Süd

Der Wasserverband Leine-Süd: ist seit 2007 Nachfolger der Verbände Wasserverband Tiefenbrunn, Abwasserverband Leine-Süd, der Wasserverbände Steinberg und Ballenhausen. Aufgabe sind unter anderem die Wasserversorgung und die Schmutz- und Regenwasserentsorgung für die Gemeinde Friedland und Rosdorf. Beschlüsse des Rat der Gemeinde Friedland haben nur empfehlenden Charakter.

Geschäftsführer sind Thomas Gotthard und Christoph Kraaibeek. Das Trio der derzeit drei SPD-Gemeindebürgermeister Andreas Friedrichs (Friedland), Sören Steinberg (Rosdorf) und Ilona Rohde-Erfurt (Neu-Eichenberg) bilden den Vorstand.

Oberstes Gremium ist der Verbandsausschuss, der ausschließlich aus Mitgliedern der drei Gemeinderäte besteht - sieben aus Rosdorf, sechs aus Friedland und zwei aus Neu-Eichenberg. Die Friedländer Vertreter sind Ute Haferburg (Grüne), Wilfried Henze (CDU), Herbert Mecke (CDU), Jürgen Rozeck (SPD), Dietrich Sahlbach (SPD) und Peter Utermöhlen (SPD).  mib

Bereits 2013 hatte eine vom Rat auf SPD-Antrag in Auftrag gegebene Prüfung der Kanalisation in Groß Schneen ergeben, dass das Netz zu weiten Teilen der vorgeschriebenen DIN-Norm entspreche. Allerdings haben sich dabei Schwachpunkte in drei Straßen ergeben, in denen die Kanäle zu klein bemessen sind, wo bei Starkregen das Wasser dort aus den Schächten sprudelt und die Straßen überschwemmt. Hier soll nun 2017 Abhilfe geschaffen werden. 300000 Euro stünden bereit, sagt Friedrichs.

Zwei Forderungen an Gemeindebürgermeister Friedrichs

Groß Schneen. „Wir fühlen uns nicht ernst genommen“, sagt Hartwig Giebel angesichts eines aus seiner Sicht untätigen Gemeindebürgermeisters und Wasserverbandsvorsitzenden Andreas Friedrichs (SPD). Nach dem verheerenden Hochwasser im August vergangenen Jahres hat Giebel, ehemaliger SPD-Ortsbürgermeister von Groß Schneen, mehr als 300 Unterschriften aus mehr als der Hälfte der Haushalte im Dorf gesammelt und im November an die Gemeindeverwaltung übergeben.

Andreas Friedrichs

Quelle: r

Eine zentrale Forderungen haben die Unterzeichner an Friedrichs formuliert: Das knapp vier Hektar große Neubaugebiet an der Ludolfshäuser Straße, in dem knapp 40 neue Häuser geplant sind, könne es nur nach Fertigstellung von „mindestens zwei neuen Kanälen“ – ein weiterer großer Regenwasserkanal und ein zusätzlicher Schmutzwasserkanal – und einer Grundsanierung der alten Kanäle geben. Das sei auch wirtschaftlich darstellbar, sagt Giebel.

„Wir sind nicht gegen das Baugebiet.“ Ganz im Gegenteil. „Aber es muss eine qualifizierte Entwässerung geben“, sagt Giebel. „Zwei neue Kanäle für das Grundzentrum, das seit 1959 nur gewachsen und an die bestehende, ungenügende Infrastruktur angeschlossen wurde, muss der Politik und dem Wasserverband Leine Süd zur Sicherung von Gesundheit und Existenz ihrer Bürger wert sein“, appellieren Giebel und seine Mitstreiter Jürgen Ahrens, Heinrich Harriehausen und Karl Roßbach bei ihrer Unterschriftensammlung am Friedrichs. mib

Kommunale Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft

Die Gesellschaft wurde 2002 gegründet: Ihr Ziel ist es, Land für Baugebiete zu anzukaufen, dort eine Bebauung zu planen, zu erschließen und die erschlossenen Grundstücke an private Interessenten zu verkaufen. Weiteres Geschäftsfeld ist der Ankauf, die Sanierung und der Weiterverkauf von bebauten Grundstücken.

Die gleichberechtigten Geschäftsführer sind Thomas Gotthard vom Wasserverband Leine-Süd und Stefan Keveloh von der Sparkasse Göttingen, die den Posten nebenberuflich ausführen. Zu den Gesellschaftern gehören die Gemeinde Friedland (61,9 Prozent), die Sparkasse Göttingen (23,8 Prozent), die Projektprüfung und Ingenieurgesellschaft mbH – Dipl.- Ing. Rinne und Dipl.- Ing. Zech (9,5  Prozent) und die Firma L. Baumbach Baugesellschaft mbH (4,8 Prozent). Der Aufsichtsratsvorsitzende ist der Bürgermeister der Gemeinde Friedland, Andreas Friedrichs (SPD).

Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender ist Henning Schaper von der Sparkasse Göttingen. Weitere Mitglieder sind der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Göttingen,  Rainer Hald, Joachim Rinne und Michael Zech (Projektprüfung und Ingenieurgesellschaft mbH), Rainer Nothdurfth (Geschäftsführer L. Baumbach Baugesellschaft mbH). Aus dem Rat der Gemeinde Friedland Hermann Capelle (CDU), Anton Limburg (Grüne), Jürgen Rozeck (SPD) und Frank Holzapfel (SPD).

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