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Ein Haus mit „Kraft“

Interview mit Sebastian Thaut Ein Haus mit „Kraft“

Das Architekten-Team Silvia Schellenberg-Thaut und Sebastian Thaut hat das neue Galeriegebäude für das Kunstquartier (Kuqua) Göttingen entworfen. Ihr Architekturbüro „ Atelier-ST“ mit Sitz in Leipzig hat den Zuschlag bekommen. Warum das Gebäude so aussieht, wie es aussieht und welches Konzept darin steckt, erklärt Sebastian Thaut.

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Silvia Schellenberg-Thaut und Sebastian Thaut haben das Galeriegebäude für das Göttinger Kuqa entworten.

Quelle: R

Göttingen. Es gibt einen Entwurf in Schwarz-Weiß. Welche Farbe wird das Gebäude Düstere Straße einmal haben?
Das steht noch nicht fest. Sicher ist, dass es eine Ziegelfassade in einem unregelmäßigen Verband wird, es stehen aber verschiedene Backsteine zur Auswahl. Vermutlich wird es ein dunkelbrauner bis grauer, natürlicher Farbton werden. Wir werden anhand von Musterflächen schauen, was besser in die Umgebung passt.
 
Ihr Entwurf stand ja zunächst auf Platz zwei, das auf Platz eins gesetzte Kassler Architekturbüro hat abgesagt - der Zeit- und Finanzplan passte nicht. Bauende bis 2018 und 3,2 Millionen Euro Budget - passen Ihnen diese Vorgaben?
Der Entwurf der Kollegen basierte auf einem sehr speziellen Konstruktionsverfahren, das mehr Zeit und Geld in Anspruch nimmt. Unser Entwurf baut auf einer Stahlbetonkonstruktion auf, das ist ein gängiges, erprobtes Verfahren. Außerdem speichern die Wände, die aus 25 Zentimetern Beton, zwölf Zentimeter Dämmung und zwölf Zentimetern Ziegelstein bestehen, die Wärme, sie sorgen für ein gutes Klima und günstige Nebenkosten.
 
Ihr Entwurf soll ja an ein altes Speicherhaus erinnern. Warum sieht das Haus aus, wie es aussieht?
Wir haben uns vor Ort umgeschaut. Wenn man in die Stadt hinein fährt, kommt man erst an gesichtslosen Gewerbegebäuden vorbei, dann landet man in einer fast schon puppenstubenartigen Fachwerkstadt. Viele der historischen Häuser haben diese typischen Versprünge in der Fassade. Diese Gliederung haben wir in unseren aktuellen Entwurf übersetzt.

Der alte Entwurf: Der Schriftzug wird geändert.

Quelle: R

 
Dennoch wirkt das Haus modern?
Wir wollen unterschiedliche Ansprüche unter einen Hut bringen. Das Gebäude steht in einer der ältesten Straßen der Stadt umgeben von historischen Häusern. Auf der anderen Seite gibt es die Vorstellung von einem Kunstmuseum mit internationaler Strahlkraft.

Wie schaffen Sie diesen Spagat?
Wir binden das Haus städtebaulich ein. Maßstab, Geschosse, Dach - die so genannte Körnigkeit des Baus passt in das Stadtbild. Dennoch strahlt das Gebäude durch die Formen und Proportionen aus, dass es Kraft hat. Es signalisiert ganz klar, dass es etwas besonderes und kein normales Wohnhaus ist. Es fügt sich gut in die Umgebung ein, dennoch umgibt es durch den geschlossenen Baukörper eine Aura des Geheimnisvollen.
 
Gibt es denn gegenüber dem Ursprungsentwurf bereits Änderungen?
Ja, den Schriftzug als integriertes Ziegelrelief  beispielsweise wird es so wie im ersten Entwurf nicht geben. Noch steht ja nicht fest, wie das Galeriegebäude einmal heißen soll. Als Arbeitstitel wird zur Zeit „Kunsthaus Göttingen“ benutzt, das passt als großformatiges Relief aber nicht auf die Fassade. Auch der Eingangsbereich wird größer und zusammen mit dem Notausgang zu einer Einheit gefasst, im zweiten Stock kommt ein Fenster hinzu. Eingang, Fenster und Schriftzug heben sich dabei in ihrer metallisch-schimmernden Oberfläche  bewusst vom Backstein ab.
 
Wie ist das Gebäude innen strukturiert?
Wir haben noch einmal alles optimiert, vor allem den Keller. Dort sind jetzt alle Nebenfunktionen wie technische Anlagen, Garderobe und Toiletten untergebracht. Im Erdgeschoss befinden sich der Kassenbereich, ein Durchgang zum Innenhof und Austellungsflächen. Auch im ersten und zweiten Oberschoss sind Ausstellungsflächen und dazu eine Werkstatt zu finden. Im Dachgeschoss wird dazu eine Terrasse geplant, mit Blick auf das Kunstquartier.
 
Wie groß ist die Ausstellungsfläche insgesamt?
Der Planung nach werden 551 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 143 Nebenfläche und 42 Quadratmeter für Technikflächen entstehen.
 
Steht die Ausstattung denn schon fest?
Nein, nicht konkret. Wir stehen ja noch ganz am Anfang.Es gibt Überlegungen und erste Vorstellungen, aber sowohl für die Außen- als auch für die Innenflächen werden die konkreten Materialien noch ausgewählt und zusammen mit dem Bauherren und Nutzer gemeinsam bemustert. Unser Ziel ist es ja, dass Göttingen dieses Haus ins Herz schließt. Es soll eins werden mit der Stadt.

Logo für das Stadtviertel wird präsentiert

Für das Viertel zwischen Nikolai- Düsterer- und Turmstraße soll es künftig auch ein eigenes Logo geben. Den Enturf für das Kuqua-Loge stellt Manuel Vicente Pereira von der Göttinger Agentur „amaretis“ am Montag, 14. November, vor. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, soll damit deutlich gemacht werden, dass „unter dem Begriff Kuqua mehr als ein Gebäude zu verstehen ist und das Kunstquartier alle, die dort leben, wohnen, arbeiten und Handel treiben, verbinden soll“. Vicente Pereira hat bei der Entwicklung des Logos mehrere Aspekte des Viertels berücksichtigt, „beispielsweise ist die Geschichte des Areals in den Entwurf mit eingeflossen“, so der Werbefachmann.

Laut der Ausschreibung für die Logo-Entwicklung  soll „die Wahrnehmung des Kuqua in der Öffentlichkeit durch einen einheitlichen grafischen Auftritt in positiver Weise verstärkt werden.“  Beabsichtigt sei eine „langfristige Implementierung als Dachmarke“, beispielsweise auch für einen Kuqua-Flohmarkt, Kuqua-Gastronome, Kuqua-Galerie oder das Grass-Haus. Das Logo soll Eindeutigkeit und Einzigartigkeit ausdrücken.
Die Veranstaltung am Montag ist der zweite so genannte „Kuqua-Treff“, bereits im Mai gab es eine ähnliche Veranstaltung.   Auf dem Programm stehen auch die Vorstellung des Entwurfs für das  Galeriegebäude von Atelier St-Geschäftsführer Sebastian Thaut, Erläuterungen zum Baustellenstart und dem damit verbundenen Umzug des Spielplatzes auf das Gelände des Kinderhauses an der Lohmühle. Auch die Möglichkeiten zur Förderung privater Baumaßnahmen im Sanierungsgebiet Kunstquartier sind Thema. Dabei geht es auch darum, unter welchen Voraussetzungen und in welcher Höhe Fördermittel zur energetischen Sanierung von Dächern und Fassaden bereitgestellt werden können. bib
Der Kuqua-Treff beginnt am Montag, 14. November, um 19.30 Uhr  im Veranstaltungsraum der Gaststätte Paulaner „Zur alten Brauerei“, Düstere Straße 20a.

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