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Jahrtausendalte Tradition

Brotfladen zu Ostern Jahrtausendalte Tradition

Ostergebäck hat eine lange Tradition. Egal ob Fladen, Zopf, Hase oder Kranz: Zum Fest sind gebackene Frühlingssymbole besonders beliebt. Extra lecker sind die natürlich, wenn sie selbstgebacken sind. Wie einfach das geht, zeigt Bäckerin Annette Rieck vom Brotmuseum in Ebergötzen.

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Quelle: NR

Ebergötzen. Fertig ist der Zopf.

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Der Duft von noch ofenwarmen Hefegebäck hat etwas heimeliges: Ein frischer Hefezopf, das ist das Gegenteil von Fast Food, niemand isst warmen Hefezopf zwischen zwei Terminen auf der Straße. Als Annette Rieck die Tür des Ofens in der Backstube des Brotmuseums öffnet, verbreitet sich der Geruch des frischen Backwerks, dem auch der siebenjährige Marlon nicht widerstehen kann. Er ist ein großer Mühlenfan. „Ich möchte einmal Müller werden“, sagt der kleine Besucher. Mehl, das ist natürlich der Hauptbestandteil des klassischen Osterbackwerks.

„Osterfladen sind ein sehr traditionelles Gebäck, es gab sie schon in vorchristlicher Zeit“, erklärt Rieck. „Die Menschen gingen früher gemeinsam zum Sonnenaufgang auf einen Berg, um dort den Frühlingsanfang zu begrüßen“, sagt Rieck. Der Osterfladen galt als Symbol für die Sonne. Für diesen speziellen Anlass wurden besonders feines Mehl und Eier für den Fladen-Teig verwendet, erklärt die Bäckerin des Brotmuseums. „Weißmehl war damals etwas für Festtage“, so die Fachfrau.

Das Brotmuseum Ebergötzen:

Es ist von Dienstag bis Sonnabend von 9.30 bis 16.30 Uhr, Sonn- und Feiertags bis 17.30 Uhr geöffnet. Am Ostermontag stehen um 11.30 und 14.30 Uhr Backaktionen mit Bäckerin Annette Rieck auf dem Programm.

Sie  zeigt, wie aus Mehl, Wasser und anderen Zutaten traditionelle Köstlichkeiten hergestellt werden. Den Hefeteig für Osterzopf und Osterfladen hat sie bereits vorbereitet.
Für die Verzierung der Fladen hat Museumsleiter Wilhelm Bruinjes spezielle Brotstempel bereitgestellt. Schon seit Jahrhunderten werden Brotfladen mit solchen hölzernen Stempeln, die am unteren Ende Nadeln oder Zacken in Motivformation haben, verziert. In der Osterzeit sind vor allem Motive mit Sonnen und andere Frühlingssymbole beliebt. Noch heute werden solche Brotstempel hergestellt, auch mit christlichen Symbolen. Die, die Bruinjes bereitstellt, stammen aus dem westchinesischen Kashgar. „Brotstempel sind schon aus der Bronzezeit bekannt“, so der Museumschef. 

Brote mit österlichen Motiven oder so genannte Gebildbrote gibt es im Museum in allen möglichen Formen zu sehen. Hasen, Küken, Lämmer, Kränze oder auch Gebäck mit ganzen gekochten Eiern  liegen in den Vitrinen. Seit Jahrhunderten wird zu Ostern Gebäck mit Frühlingsmotiven produziert.
Das älteste jemals dokumentierte Brot, so erklärt Bruinjes, sei 5400 Jahre alt. Es wurde bei Ausgrabungen in einer ägyptischen Pyramide gefunden. Unten in der Backstube hat Rieck den Zopf geflochten, Fladen gestempelt und die Teigteile gebacken. Die allerdings überleben diesen Tag nicht mehr.

Hefezopf: So wird´s gemacht:

30 Gramm frische Hefe zerbröseln und mit lauwarmer Milch und ein wenig Zucker „aufschlämmen“, wie es Bäckerin Rieck nennt. Die Hefe eine halbe Stunde arbeiten lassen, dann folgende Zutaten dazu geben:
500 Gramm Mehl
250 Milliliter Milch
100 Gramm Butter
60 Gramm Zucker
1 Ei
1 Prise Salz
Den Teig gut verrühren und eine halbe bis eine Stunde mit einem Tuch abgedeckt an einem warmen Platz gehen lassen. Anschließend mit der Hand fünf bis zehn Minuten richtig gut durchkneten. „Das ist wichtig“, sagt Rieck.
Für den Osterzopf teilt die Bäckerin drei gleichgroße Stücke Teig ab und rollt sie mit der Hand zu gleichlangen Strängen aus. Diese legt sie nebeneinander und beginnt in der Mitte damit, sie zu flechten. Wenn eine Hälfte fertig geflochten ist, die zweite fertigen. Das verquirlte Ei mit einem Pinsel aufstreichen. Dazu brechen Sie ein Ei zum Bestreichen.
Für die Brotfladen etwa brötchengroße Kugeln formen (der Teig geht beim Backen noch auf).  Rieck stempelt mit Brotstempeln ein Muster hinein – ein Sonnensymbol.  Fladen ebenfalls aufs Backblech legen.
Die Stücke im Ofen bei etwa 180 Grad 20 bis 30 Minuten backen. Die Oberfläche des Gebäcks sollte goldbraun sein. Das heiße Gebäck auf dem Ofen nehmen und noch einmal mit verquirltem Ei bestrichen. Nach Geschmack Mandelblätter oder Hagelzucker aufstreuen.
Rieck nimmt für ihren Zopf zwei Drittel Weizen- und ein Drittel Dinkelvollkorn-Mehl, nur weißes Mehl geht auch – das ist Geschmackssache. „Je höher der Vollkornanteil, desto mehr Milch sollte man zugeben“, sagt sie. Ihren Teig verfeinert sie mit gemörsertem Anis und abgeriebener Orangenschale. bib

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