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Kein Platz für Rassismus im Hotel

Wirbel um Kopftuchträgerin im Service und Hausverbote nach Diskriminierungen Kein Platz für Rassismus im Hotel

Olaf Feuerstein ist Chef von 268 Festangestellten und etwa 150 freien Mitarbeitern. Darunter Menschen aus 24 Nationen. Auch drei Frauen, die wegen ihres Glaubens ein Kopftuch tragen, arbeiten bei ihm im Hotel Freizeit In. In einem Tageblatt-Bericht hat Feuerstein kürzlich eindeutig Stellung gegen Diskriminierung bezogen. Zuvor hatte er einer Kundin, die sich nicht von einer muslimischen Servicekraft bedienen lassen wollte, Hausverbot erteilt.

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Tageblatt: Der Bericht hat ja einen großen Medienrummel ausgelöst. Ist wieder Ruhe eingekehrt?

Feuerstein: Ich bekomme immer noch E-Mails und Anfragen von Medien. NDR, RTL, türkisches Fernsehen und Zeitungen, sie alle waren schon hier.

Überrascht Sie das?

Ja, schon ein wenig. Ich hätte nicht gedacht, dass ich offenbar einer der wenigen Chefs bin, die einen Gast zur Rede stellen und Konsequenzen ziehen, wenn dieser sich diskriminierend gegenüber einer Mitarbeiterin äußert.

Was genau war geschehen?

Eine Gewerkschaftssekretärin hatte sich beschwert. Sie weigerte sich, am Tisch von unserer Auszubildenden, die ein Kopftuch trägt, bedient zu werden. Ein Kollege hat dann den Job übernommen. Ich habe die Frau im Anschluss zur Rede gestellt. Sie stand eins-zu-eins zu ihrer Haltung. Ich habe ihr dann für die Zukunft ein Hausverbot erteilt.

Geschieht so etwas denn häufig?

Seit etwa einem Jahr bemerken wir tatsächlich häufiger ähnliche Vorfälle. Wir haben zwei Mitarbeiterinnen, die mit Kopftuch auf Etage arbeiten – was niemanden stört –  und eine Auszubildende mit Tuch im Service. Übrigens eine ausgesprochen höfliche, aufmerksame und engagierte junge Frau mit einem ganz tollen Abitur. Menschen wie die  Gewerkschaftsekretärin, die sie diskriminiert hat,  möchte ich als Gäste nicht mehr bewirten.

Gibt es nur Probleme wegen des Kopftuches?

Nein. Sie glauben gar nicht, was sich unsere Mitarbeiter mit ausländischem Hintergrund im Service so alles anhören müssen. Ein Kollege, der aus Bulgarien stammt, spricht Deutsch mit Akzent. Der Mann hat schon in vielen internationalen Häusern und auf Kreuzfahrtschiffen wie der Aida im Service gearbeitet. Dort gab es derartige Anfeindungen nicht. Und hier pöbeln Gäste ihn plötzlich an. Das kann ich nicht akzeptieren.

Gibt es ein Muster, sind die Gäste alt oder jung?

Sie sind alt und jung, kommen aus allen Bildungsschichten, eher aber aus gehobenen.  Die Hälfte derer, die sich ausländerfeindlich äußert, gehört noch zur Nachkriegsgeneration. Wir hatten beispielsweise ein älteres Paar und eine Gruppe junger Männer, die meine Mitarbeiter während einer Abendveranstaltung beleidigt haben. Für die Männer hat sich deren Firmenleitung bei mir schriftlich entschuldigt, nachdem ich sie darüber informiert hatte. Auffällig ist, dass es aber ganz überwiegend unsere Gäste aus Göttingen sind, die sich an ausländischen Servicekräften stören. Von auswärtigen Gästen hören wir so etwas nur sehr selten.

Wie oft mussten Sie schon Hausverbote aussprechen?

Ich bin jetzt seit 24 Jahren für das Freizeit In verantwortlich. In dieser Zeit war das vielleicht zehnmal der Fall. Acht Verweise gingen an Göttinger. Das betrifft auch den Saunabereich in unserem Haus.

Sie verstehen Ihre internationale Mannschaft also als Chance und Bereicherung?

Sicher. Wir werben ganz offensiv um Mitarbeiter aus anderen Ländern. Wer mit internationalem Publikum arbeitet, ist gut beraten, auch internationale Mitarbeiter zu beschäftigen. Viele unserer Mitarbeiter mit Migrationshintergrund sind besser integriert als mache  Deutsche.

Ihre klare Haltung zu diesem Thema bringt Ihnen vermutlich nicht nur Freude?

Nein, aber 90 Prozent der mehr als 100 Rückmeldungen zum jüngsten Fall  sind positiv. Mich erreichen selbstgemalte Postkarten und Emails von großen Konzernchefs, die sich für diese Einstellung  bedanken. Es gibt natürlich auch die, die ein Kopftuch nicht akzeptieren wollen,  und fragen, ob wir demnächst Mitarbeiter mit Burka beschäftigen.

Was antworten Sie darauf?

Natürlich werden wir das nicht. Unser Personal arbeitet  in unserer Hausuniform. Sowohl im Service als auch auf Etage. Da gibt es gar keine Diskussion.

Gab es nach dem jüngsten Vorfall vor wenigen Wochen weitere Diskriminierungen?

Nein, glücklicherweise  nicht mehr. Eins ist und bleibt in unserem Haus klar: Rassismus hat im internationalen Geschäft keinen Platz.

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