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Körperkunst in Kasseler Kunsthalle

Tattoomenta-Messe Körperkunst in Kasseler Kunsthalle

Farbenfrohe Körperkunst, so weit das Auge reicht, hat es am vergangenen Sonnabend und Sonntag während der Tattoo-und Piercing-Messe „Tattoomenta“ in Kassel zu sehen gegeben. Mehr als 100 nationale und internationale Tattoo-Künstler präsentierten ihr Können in der Documenta-Halle.

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Tattoo-Fans sammeln Eindrücke an den Ständen oder gleich neue Hautbilder und schauen den Tätowierern bei der Arbeit zu. fotos: r

Kassel. Tausende Besucher strömten am vergangenen Wochenende in die Documenta-Halle, um sich das Bildmaterial der Tätowierer anzusehen. Die Tattoo-Künstler zeigten Motive aus vielen unterschiedlichen Stilrichtungen wie Watercolor, Oldschool, Maori, Dotwork und Trash Polka. Viele Gäste ließen sich auch vor Ort ein Tattoo oder Piercing stechen. Ein permanentes Surren von Tätowiermaschinen war zu hören.

Dennoch waren die Tattoo-Künstler und Besucher entspannt und gut gelaunt. Zwei Göttinger Tattoo-Studios waren auf der Convention vertreten: „Jenny B‘s“ und „Bold N Solid“. An beiden Tagen repräsentierten Sarah Schulz, Oleg Shpagin und Luso das Göttinger Studio „Jenny B‘s“. Für Schulz und Luso war es nicht die erste „Tattoomenta“. Sie waren sich einig, dass die Arbeit dort Spaß macht und entspannt ist. Als „sehr angenehm“ empfand auch Robert Mauermann von „Bold N Solid“ das Arbeiten während der Tattoo-Messe. „Hier hat man die Möglichkeit, seinen regionalen Wirkungskreis zu erweitern“, sagte Mauermann und fügte an: „Es ist familiär und gemütlich hier.“

Leni Lange aus Göttingen besuchte zum dritten Mal die „Tattoomenta“. Besonders gut findet sie die Vielfalt der Tattoo-Stile und das „durchmischte Publikum“. „Hier findet jeder, worauf er Lust hat“, so die 27-Jährige. Bereits zum neunten Mal organisierte die Tätowiererin Jennifer Franke, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Jenny B, die „Tattoomenta“. Franke betreibt drei Studios in Kassel, Paderborn und Göttingen. Sie habe in diesem Jahr bei der Organisation der Convention besonders viel Wert auf „Hochwertigkeit“ gelegt, betonte sie. „Wir bieten den Besuchern ein Café mit Säften und Smoothies, einen Foodtruck, Musik, einen Graffiti-Workshop und natürlich ganz viele tolle Tätowierer, die ich persönlich ausgesucht habe“, erklärte Jenny B.

Die Tätowierer kommen aus ganz Deutschland, aber auch aus Ländern wie Brasilien, Italien und Neuseeland. Außerdem gab es eine Händlermeile, auf der beispielsweise Mützen, Taschen und Schmuck angeboten wurden. Zusätzlich umfasste das Programm Interviews, Vorträge und einen Tätowier-Nachwuchs-Contest der Fachzeitschrift Tätowiermagazin. aa

Tattoo-Mode

Anfang des 20. Jahrhunderts waren Tätowierungen in Deutschland vor allem unter Matrosen, Sträflingen und Mitgliedern der Unterwelt verbreitet. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts verloren Tattoos ihr Stigma und erlebten Ende der 1980er-Jahre einen regelrechten Boom. In den 1980er-Jahren seien Delfine ein besonders beliebtes Motiv gewesen, sagt die Kasseler Tätowiererin Jenny B. „Aber auch Einhörner und kleine Teufel waren zu dieser Zeit sehr verbreitet“, erinnert sie sich und fügt an: „Das war auch die Zeit, in der es mit den Tribals losging.“ Tribal-Tattoos sind Ornamente, die sich besonders in den 90er-Jahren besonderer Beliebtheit erfreuten.

Bevorzugte Stelle bei Männern dafür war der Oberarm. Besonders populär bei Frauen war das Steißbein-Tribal, das heutzutage scherzhaft „Arschgeweih“ genannt wird. „Aber auch chinesische Schriftzeichen waren sehr beliebt“, erklärt Jenny B. Ihr zufolge seien in den 2000er-Jahren Sterne trendig gewesen. Außerdem erlebten Oldschool-Tattoos ein Come-Back. Oldschool-Tätowierungen sind Motive, die Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Seefahrer-Tattoos galten. Typische Figuren sind Anker, Pin-Up-Girls und Schwalben. Heute sind fotorealistische Tattoos wie Porträts besonders beliebt, sagt Jenny B. Aber auch der Watercolor-Stil, bei dem die Motive aussehen, als wären sie mit Wasserfarben gemalt worden, liege voll im Trend. aa

Mit Haifischzähnen gestochen

Gundolf Krüger, langjähriger Kustos der Ethnologischen Sammlung an der Universität Göttingen

Gundolf Krüger, langjähriger Kustos der Ethnologischen Sammlung an der Universität Göttingen

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Gundolf Krüger, langjähriger Kustos der Ethnologischen Sammlung der Universität Göttingen, trägt ganz besondere traditionelle Tattoos. „Mein Oberschenkel-Tattoo ist aus Mikronesien“, sagt der Göttinger. 1993 ließ er das Motiv im nördlichen Pazifik „tatauieren“, dort wo das Tätowieren eine lange Tradition hat. Das Motiv: Zwei durch Zickzack-Linien verbundene stilisierte Delfine. „Es ist ein acht Zentimeter langes Freundschafts-Tattoo für mit dem Meer verbundene Menschen“, erklärt der Ethnologe.

Gestochen wurde mit Haifischzähnen. Das Pendant dazu trägt der Sprecher des kleinen Atolls Namorik. Über das Thema „Wiederbelebung traditionellen Bootsbaus“ forschte Krüger damals in Mikronesien und Polynesien. Krügers auf traditionelle Weise hergestellte Tätowierung, oder „Tatauierung“, wie es dort heißt, verkörpert die Verbundenheit zur Seefahrt und in diesem speziellen Fall zu den Marshall-Inseln sowie zu dem Träger des Pendants und dem Tatauierer Dennis Alessio. Das polynesische Wort Tatau übernahmen die Engländer bereits im 18. Jahrhundert- unter anderem Mitglieder der Mannschaft von James Cook ließen sich tatauieren. Das tahitische Wort „Tatau“ beschreibt, so Krüger, das Stechen und Verzieren der Haut. bib

Küchenchef mit Stern

Daniel Raub, Küchenchef im Landhaus Biewald

Daniel Raub, Küchenchef im Landhaus Biewald

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Daniel Raub, Küchenchef im Landhaus Biewald in Friedland, hat eine Tätowierung, die einen ganz persönlichen Bezug zu seinem Beruf hat: Er trägt einen Stern in der Haut. Raub ist der erste und einzige Koch in der Region, der vom Gastroführer Guide Michelin mit einem Stern ausgezeichnet wurde - das war 2014. Das Tattoo ist das Ergebnis einer Wette, die er mit sich selbst abgemacht hatte. Wenn er sich den Stern erkocht, dann soll er auch für immer auf seinem Körper prangen. Der Entwurf war ein schlichter, etwas windschiefer kleiner Stern. „Den Stern hat mein damals fünfjähriger Sohn Lukas gemalt“, so Raub. Wenige Wochen nach der Verleihung der begehrten Auszeichnung ließ er sich in Göttingen einen Stern stechen, der so schnell nicht verblassen wird. bib

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Vor 25 Jahren erhielt der Göttinger Wissenschaftler Erwin Neher den Nobelpreis