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Osterode - ein Name verschwindet von der Straße

Kreisfusion Osterode - ein Name verschwindet von der Straße

Nach 131 Jahren fusioniert in wenigen Tagen der Landkreis Osterode mit Göttingen. Die auffälligste Erneuerung ist besonders gut für Autofahrer erkennbar: Etliche Ortsschilder verlieren den Zusatz „Landkreis Osterode am Harz“. Ein Name verschwindet.

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Quelle: gm

Osterode. Verschwunden sind bereits auch etliche Schilder, die auf den baldigen Ex-Landkreis hinweisen. In den vergangenen Wochen nahmen die Diebstähle von Ortsschildern zu. In Badenhausen, Gittelde und Willershausen hängten dann die Mitarbeiter der Straßenmeisterei Osterode-Katzenstein vorsichtshalber Tempo-50-Schilder in die leeren Rahmen der Ortsschilder. Nötig wäre das nicht, erklärt Thomas Schrader von der Osteröder Verkehrsbehörde: „Innerorts beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit 50 Stundenkilometer – ferner muss mit Tempo 30-Zonen stets gerechnet werden. Die Ortstafel weist nur auf die Ortschaft hin.“

Verschiedene Kostenträger

Das Aufstellen von Verkehrsschildern beinhalte eine verkehrsbehördliche Anordnung, so Schrader. Oder auf Amtsdeutsch: „Allgemein betrachtet ist vor der Anordnung von Verkehrszeichen seitens der Straßenverkehrsbehörde der Straßenbaulastträger als Kostenträger, also die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, der Kreisstraßenbauhof sowie die Stadt-, Samtgemeinde- und Gemeindeverwaltungen anzuhören.“  44 neue Ortseingangsschilder, die künftig Göttingen statt Osterode am Harz als Landkreis ausweisen, bestellt der Kreisstraßenbauhof, 29 die Straßenmeisterei in Herzberg für die dortigen Bundes- und Landesstraßen sowie 18 die Straßenmeisterei Braunlage. Dazu noch 39 weitere für Gemeinde- und Stadtstraßen sowie kommunale Verbindungswege. „Wir landen so bei 130 neuen Schildern“, zählt Schrader auf.  Doch nicht für jeden Ort ändert sich etwas, etwa für die bisherige Kreisstadt Osterode und seine Ortsteile selbst, denn auf diesen war der Landkreis Osterode nie auf dem Schild verzeichnet. Auf den Schildern werde der Ortsname und die zuständige Verwaltungsbehörde geschrieben; bei Namensgleichheit verzichte man jedoch darauf. Zu viel Text wiederum lenkt ab. Zwei Zeilen gibt es -  maximal.

Auch andere Orte, wie beispielsweise Atzenhausen bei Göttingen, das norddeutsche Wacken oder der Ort Otze bei Burgdorf werden immer wieder Opfer von Ortsschilder-Dieben. 310 Euro je gestohlenem Ortsschild gab Otzes Ortsbürgermeister Carl Hunze (CDU) als Kosten für Beschaffung und Montage an, Bad Grunds Bürgermeister Harald Dietzmann (parteilos) rechnet für die Schilder in Badenhausen mit rund 250 Euro. Schrader will das nicht weiter kommentieren.

Ab November jedenfallss tauschen die Mitarbeiter der Straßenbehörden nach und nach alle Ortsschilder aus. Neue Schilder für einen neuen Landkreis statt Flickschusterei alter Schilder mit einem „Landkreis Göttingen“-Aufkleber. Bereits vor einigen Wochen montierten die Mitarbeiter der Straßenmeistereien die – noch vorhandenen – Wappen des Landkreises an dessen Außengrenzen ab. Diese sollten, so Schrader, Archiven, Heimat- und Geschichtsvereinen zur Verfügung gestellt werden. Viele der Schilder aber sind ebenfalls bereits von Sammlern heimlich entfernt worden. Der Ortseingang Badenhausen bleibt indes fast unverändert. Demnächst begrüßt die Autofahrer dort ein bekanntes Schild: „Badenhausen, Gemeinde Bad Grund (Harz)“. gm

Neues Wappen und neue Beschriftungen

Der Schriftzug „Landkreis Osterode am Harz“ wird vom neuen „Landkreis Göttingen“ abgelöst. „Der neue Landkreis übernimmt das Corporate Design des bisherigen Landkreises Göttingen, deshalb fallen dort keine Kosten an“, sagt Ulrich Lottmann, Sprecher des Landkreises. Grundsätzlich gelte die dezentrale Kostenverantwortung der Fachbereiche, so der Sprecher. „Darauf, dass keine großen Restposten und Lagerbestände bestehen, wurde schon im Vorfeld bei Beschaffungen geachtet“, erklärt Gero Geißlreiter, Erster Kreisrat des Landkreises Osterode. Insgesamt 19 Einrichtungen, etwa die Berufsbildenen Schulen in Osterode, tragen noch die alte Landkreis-Bezeichnung, zählt Geißlreiter auf. „Die Umrüstung wird sukzessive bei anstehenden Arbeiten oder Gelegenheit vorgenommen“, ergänzt Lottmann. Ein Zeitplan dafür stehe noch nicht. Das liege – zum Teil – auch daran, dass das Wappen des neuen Landkreises erst vom Kreistag beschlossen werden müsse. Dies geschehe allerderdings nicht vor Anfang 2017. „Für die Beratung im Kreisausschuss werden derzeit Entwürfe für ein Wappen des neuen Landkreises erstellt“, erklärt Kreissprecher Lottmann. Ob dann neue Kreiswappen an den Außengrenzen angebracht würden, sei noch nicht abschließend geklärt. Von der Wappenentscheidung wiederum sind auch neun Fahrzeuge des Landkreises Osterode betroffen, die noch dessen Wappen tragen. Ab November werden schließlich auch die Osteröder Stempel ungültig. Nicht aber etwa die Einträge in Fahrzeugunterlagen: „Der Landkreis Göttingen ist der Rechtsnachfolger des Landkreises Osterode. Es kommt also nur dann ein neues Siegel drauf, wenn Sie ein neues Fahrzeug zulassen oder Gebrauchtes neuzulassen“, erklärt Thomas Schrader. gm

130 Ortsschilder

Insgesamt sind 130 Ortstafeln neu aufzustellen:

  • Kreisstraßenbauhof: 44,
  • Straßenmeisterei Herzberg: 29,
  • Straßenmeisterei Braunlage: 18 und
  • Stadt- Gemeindestraßen, Kommunalverbindungswege: 39.

Region mit Vorerfahrung

Vor genau 15 Jahren fusionierte die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover mit dem Landkreis Hannover zur „Region Hannover“, einem Kommunalverband besonderer Art mit mehr als einer Million Einwohner.
„Bei den Ortsschildern wurde der Schriftzug „Landkreis Hannover“ lediglich mit dem Schriftzug „Region Hannover“ überklebt, die Schilder wurden nicht eigens ausgetauscht,“ erklärt Christina Kreutz, Leiterin des Teams Kommunikation bei der Region Hannover. An den Kreisgrenzen wurden nach und nach die bisherigen Wappen mit einem neu gestalteten ausgetauscht. „Die Region Hannover ist Trägerin von 14 Berufsbildenden Schulen, die zuvor in der Trägerschaft des Landkreises oder der Stadt Hannover waren. Die Beschilderung wurde – sofern der Träger genannt war – sukzessive ausgetauscht“, so Kreutz. Auch sonst hielten es die Hannoveraner ähnlich, wie nun Göttinger und Osteroder. Bereits im Vorfeld der Fusion wurden keine größere Mengen Material mit alten Logos mehr bestellt. Immerhin, so Kreutz: „Die Umstellung hat reibungslos funktioniert.“

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