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Kritik an Informationspolitik der Bahn

Sperrung ICE-Bahnstrecke Kritik an Informationspolitik der Bahn

Ende April soll die Bahnstrecke zwischen Kassel und Hannover saniert werden – Sperrungen drohen. Wie und wann genau das Schotterbett ausgetauscht wird, sei aber noch offen, sagte eine Bahnsprecherin am Donnerstag. „Es werden derzeit verschiedene Varianten untersucht.“

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. Die Schäden seien bei Kontrollen aufgefallen. Die Bahn will „in Kürze“ über den Ablauf der Arbeiten informieren. Göttinger Politiker kritisieren die Informationspolitik und das Vorgehen der Bahn.

Denn: Viele Messebesucher übernachten in Göttingen und pendeln nach Hannover. „Eine Streckensperrung würde Göttingen abhängen“, so Andretta.  Zudem könne es doch nicht angehen, dass der Verkehrsminister von diesen Plänen über soziale Medien erfahre.

Ein „Desaster“ befürchtet der Chef des Göttinger Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Olaf Feuerstein. Denn: Die Sperrung ist genau zu der Zeit geplant, während der die Hannover-Messe läuft. Zu dieser Zeit seien auch die Hotelzimmer in Göttingen gut gebucht. „Noch gibt es keine Kundenreaktionen“, so Feuerstein. „Aber die Reaktionen werden kommen“.

Der Göttinger Bundestagsabgeordnete der Grünen, Jürgen Trittin, kritisiert die Investitionspolitik der Bahn: „Jetzt rächt es sich. Jahrelang hat die Bahn lieber in Übersee investiert und sich in Deutschland auf sinnlose Prestigeprojekte kapriziert“, so der Politiker.  Das sei zu Lasten des Kerngeschäfts – nämlich Züge pünktlich fahren zu lassen  – gegangen. „Nun muss auf der wichtigsten Nord-Süd-Strecke nicht nur im Juli umgeleitet werden.

Weil dringend geschottert werden muss, wird sie sogar während der Hannover-Messe für vier Wochen gesperrt. Gut, dass Barrack Obama nicht mit dem Zug anreist“, so Trittin.  Göttingen werde so über Wochen abgehängt. Er fragt sich außerdem, wann die Bahn „uns Göttinger“ wohl informiert hätte? Die DB AG sollte sich wieder stärker auf Streckensanierung, pünktliche Taktfahrpläne und Angebote konzentrieren – und  rechtzeitig informieren.

Fritz Güntzler, Bundestagsabgeordneter der CDU, geht davon aus, „dass Eile geboten ist“. Sonst hätte die Bahn vermutlich früher informiert. „Sicherheit geht vor“, sagt er. Wenn die Bahn keine guten Grüne habe, so kurzfristig zu agieren, sei das ein „Affrond“.

"Eine Unverschämtheit"

„Ein Unverschämtheit“ nennt der Göttinger SPD-Landtagsabgeordnete Ronald Schminke die Informationspolitik der Bahn. Die will bereits ab dem 23. April die ICE-Strecke Göttingen-Hannover sperren.

Nach Angaben der Bahn sei dort eine umfangreiche Streckensanierung geplant, teilte das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) am Donnerstag mit. Schminke kritisiert, dass die Abgeordneten im niedersächsischen Landtag über diesen massiven Eingriff nicht informiert seien. „Es kann doch nicht angehen, dass wir aus den Medien davon erfahren“, sagt er. Solch eine wichtige Strecke  – es ist einer der am stärksten befahrenen Streckenabschnitte Deutschlands - zu sperren, ohne die Bauarbeiten mit dem Landtag abzustimmen, „geht gar nicht“.

Keine Informationen

Auch das private Bahn-Unternehmen Metronom, das auf der alten Strecke zischen Göttingen und Hannover verkehrt, wurde nicht über die Sperrung informiert. „Wir haben bislang keinerlei Informationen ob und wie uns das betrifft“, sagt Metronom-Sprecher Björn Pamperin. Wenn man mehr Informationen habe, könne man gegebenenfalls auch reagieren.

Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hofft, dass die Reparaturen möglichst schnell über die Bühne gehen. „Wenn konkrete Gefahrenstellen im Hochgeschwindigkeitsverkehr identifiziert werden, muss die Bahn auch unverzüglich handeln und Reparaturen vornehmen. Das ist völlig unbestritten“, sagt er. Für die Bahnkunden sei das aber „eine ganz bittere Pille“, weil sich dadurch die Fahrtzeiten deutlich verlängern werden. Und weiter: „Von besonderem Interesse ist allerdings die Frage, warum die Schäden nicht früher erkannt wurden.“ Wenzel pendelt selbst mit der Bahn von Göttingen in den Landtag nach Hannover.

Hinweis bei online-Buchung

Die Bahn will sich im Laufe des Tages zu den Plänen äußern. Einen Zusammenhang mit dem am Karfreitag liegen gebliebenen ICE bei Jühnde aber schließt eine Konzernsprecherin in Hamburg aus. Bei dem Zwischenfall habe es sich um einen Oberleitungsschaden gehandelt, der nichts mit den aktuellen Bauarbeiten zu tun habe.

„Ein Unverschämtheit“ nennt der Göttinger SPD-Landtagsabgeordnete Ronald Schminke die Informationspolitik der Bahn. Die will ab dem 23. April möglicherweise die ICE-Strecke Göttingen-Hannover sperren. Nach Angaben der Bahn ist dort eine umfangreiche Streckensanierung, eine Erneuerung des Gleisbettes, geplant.

Schminke kritisiert, dass die Abgeordneten im niedersächsischen Landtag über diesen massiven Eingriff nicht informiert seien. „Es kann doch nicht angehen, dass wir aus den Medien davon erfahren“, sagt er. Solch eine wichtige Strecke – es ist eine der am stärksten befahrenen Deutschlands – zu sperren, ohne das abzustimmen, „geht gar nicht“.
Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hofft, dass die Reparaturen möglichst schnell über die Bühne gehen.

„Wenn konkrete Gefahrenstellen im Hochgeschwindigkeitsverkehr identifiziert werden, muss die Bahn auch unverzüglich handeln und Reparaturen vornehmen. Das ist völlig unbestritten“, sagt er. Für die Bahnkunden sei das aber „eine ganz bittere Pille“, weil sich dadurch die Fahrtzeiten verlängert werden. Und weiter: „Von besonderem Interesse ist allerdings die Frage, warum die Schäden nicht früher erkannt wurden.“ Wenzel pendelt selbst mit der Bahn von Göttingen in den Landtag nach Hannover.

Ähnlich sieht das der CDU-Landtagsabgeordnete Lothar Koch. „Eine Sperrung der ICE-Strecke wäre schlimm für viele Pendler. Die Strecke ist für die Region unverzichtbar.  Zweifelsohne wird es bei einer längerfristigen Sperrung zu einer Belastung auch für die Autostrecken kommen.“ Bisher sei es kein Wort darüber im Landtag gefallen. Mit Sicherheit werde es  aber zum Thema.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta hat sich das Thema am Donnerstag sofort vorgenommen. „Ich bin seit heute Morgen im Gespräch mit Verkehrsminister Olaf Lies“, sagte sie. „Die Pläne der Bahn müssen gestoppt werden. Es muss doch möglich sein, die Arbeiten am Gleis um eine Woche zu verschieben“.
Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte am Mittwoch  aus einem internen Bahn-Papier zitiert, dass der Streckenabschnitt Kassel-Hannover vom 23. April bis zum 8. Mai gesperrt werden soll.

Wer in diesem Zeitraum beispielsweise eine Fahrkarte von Göttingen nach Hannover buchen will, bekommt schon heute bei einer online-Buchung die Nachricht: „Aktuelle Informationen zu Ihrer Verbindung: ICE 770: Göttingen - Hannover Hbf:  Bauarbeiten.  Es kommt zu deutlichen Fahrzeitverlängerungen und Umleitungen. Bitte überprüfen Sie Ihre Verbindung daher noch einmal kurz vor der Reise.“

"Das ist unzumutbar"

Der akut aufgetretene Sanierungsbedarf an der Schnellfahrstrecke Hannover-Göttingen-Kassel lasse darauf schließen, dass die Deutsche Bahn in den zurückliegenden Jahren zu wenig für die Unterhaltung getan habe. So der Göttinger und Ehrenvorsitzende  des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Gerd Aschoff. „Das rächt sich nun durch die hektisch anberaumten Baumaßnahmen, die noch vor den Sanierungsarbeiten ab Ende Mai erledigt werden müssen“, sagt er.

Da die Deutsche Bahn nicht in der Lage sei, die Fahrplandaten von jetzt auf gleich anzupassen, seien die Fahrgäste die Leidtragenden. Sie müssten ohne ausreichende Information buchen. „Das ist unzumutbar“, so Aschoff. Und weiter: „Die Deutsche Bahn muss sich klar äußern, wie sie ihre Probleme mit der Sanierung ihrer Strecken in den Griff bekommt und  wie die konkrete Abwicklung auflaufen soll“.

Wer derzeit beispielsweise am Mittwoch 27. April, gegen 17 Uhr  eine Fahrt von Göttingen nach Hannover buchen möchte, bekommt folgende Information auf der Homepage der Bahn: „Aktuelle Informationen zu Ihrer Verbindung: ICE 1156, ICE 536: Göttingen - Hannover Hbf:  Bauarbeiten.  Es kommt zu deutlichen Fahrzeitverlängerungen und Umleitungen. Bitte überprüfen Sie Ihre Verbindung daher noch einmal kurz vor der Reise.“ bib

Umfrage am Göttinger Bahnhof: Viele Reisende sind sauer, einige zeigen Verständnis

Für Pendler ist die vorübergehende Sperrung der ICE-Strecke besonders problematisch. Einige Zugreisende machten ihrem Unmut am Göttinger Bahnhof Luft. Es gibt aber auch Verständnis.

„Das ist die Krönung“, schimpft Amina Wotsch. Sie fahre regelmäßig auf Strecke zwischen Hannover und Kassel und will sich während der Sperrung nach einer Alternative umsehen. Das Problem dabei: „Die Autobahn nach Hannover ist voller Baustellen.“ Unerklärlich ist Wotsch zudem, wie die Bahn die Strecke in der Zeit der Hannover Messe sperren kann.

Thorsten Führding stellt resigniert fest: „Das passt doch ins Bild. Mit der Bahn bin ich sowieso nicht zufrieden, die ist viel zu teuer. Aber was will man machen? Vernünftige Busverbindungen zwischen Kassel und Göttingen gibt es nicht.“

Schwierig gestaltet sich das Reisen künftig für Joachim Meyer zu Wendischhoff. Der Bielefelder ist öfters auf der bald gesperrten Strecke unterwegs. „Um in den Süden zu gelangen, ist es aus Bielefeld am schnellsten, über Hannover zu fahren. Nun muss ich die Alternativroute durchs Ruhrgebiet nutzen, die wesentlich länger dauert“, bedauert er. Die Informationspolitik der Deutschen Bahn – der Bericht zur Sperrung kam von der „Süddeutschen Zeitung“, während die Bahn es vermied, in die Offensive zu gehen – bezeichnet Meyer zu Wendischhoff schlicht als „katastrophal“.

Anderer Meinung ist dagegen Karl Amme. „Ich halte die Maßnahme für richtig. Schließlich geht es um unsere Sicherheit“, sagt der Senior. fab

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Medienbericht

Das Eisenbahn-Bundesamt hat am Donnerstag bestätigt, dass die ICE-Strecke zwischen Hannover und Kassel ab Ende April für zwei Wochen gesperrt wird. Grund ist eine Baustelle, die "kurzfristig" eingerichtet werden müsse, wie die "Süddeutsche Zeitung" am Mittwoch berichtet hatte. 

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