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Wahlkampf mit Wirtschaftsförderung

Kritik von Landratskandidat Ludwig Theuvsen (CDU) Wahlkampf mit Wirtschaftsförderung

Wirtschaftsförderung wieder zur Chefsache machen – unter dem Motto kritisiert der Landratskandidat der CDU Ludwig Theuvsen im Rahmen seines Wahlkampfes die Wirtschaftsförderungen von Stadt und Landkreis Göttingen und machte Vorschläge zu ihrer Verbesserung. Was sagen die Kritisierten?

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Räumlich ganz eng beisammen: die Wirtschaftsförderungen von Stadt und Landkreis.

Quelle: Wenzel

Göttingen. ❱ Kritik: Landrat Bernhard Reuter (SPD) habe keine Initiative in Sachen Wirtschaftsförderung angestoßen, zudem ohne Etaterhöhung etwa die Aufgabe des Breitbandausbaus an die Wirtschaftsförderung Region Göttingen (WRG) abgegeben.

Landrat Bernhard Reuter sagt dazu, dass für ihn zu einer Wirtschaftsförderung ein gutes Standortmarketing, gezielte Arbeitsmarktprojekte sowie eine strategische Strukturpolitik gehören – also insbesondere ein langfristiges Handeln, das gute Rahmenbedingungen schafft. Der Landkreis baue den Investitionsstau der vergangenen Jahre ab und das Jobcenter sei sehr erfolgreich bei Vermittlung und Arbeitgeberberatung. Beim WRG-Etat verweist Reuter darauf, dass 2011 seitens der Gesellschafter 413 000 Euro zur Verfügung gestellt wurden. 2016 sind es insgesamt 681 000 Euro.

Kritik: Keine nennenswerten Neuansiedlungen von Unternehmen.

Unternehmensansiedlungen, so der Landrat, seien in erster Linie Sache der Gemeinden, da sie die Flächen zur Verfügung stellen. Als Beispiel für eine große Ansiedlung verweist er auf das Logistikzentrum des Fahrzeugteile-Großhändlers Wessels + Müller in Hedemünden. Er verweist aber auch darauf, dass „die harte Währung der Wirtschaftsförderung nicht die Neuansiedlung“ sei, sondern die Bestandspflege. Diese sei ein Arbeitsschwerpunkt der WRG.

Kritik: Rolf-Georg Köhler (SPD) habe als Göttinger Oberbürgermeister im Vorfeld zu wenig für ansässige Unternehmen wie SAP, Bosch oder Zeiss getan, um den aktuellen Stellenabbau zu verhindern.

Köhler weist darauf hin, dass die Möglichkeiten der Stadt „sehr begrenzt“ seien, wenn die Konzernentscheidungen wirtschaftliche Hintergründe haben, wie etwa Umstrukturierungsnotwendigkeiten oder ein sich verändernder Markt. Dies seien aber Hintergründe des Stellenabbaus der genannten Firmen. Die Entwicklung von Zeiss werde beispielsweise schon seit rund zwölf Jahren durch die städtische Wirtschaftsförderung GWG und Landesförderung begleitet. „Wenn aber strategische Weichenstellungen der Konzernleitung in eine andere Richtung gehen, verliert jede örtliche Wirtschaftsförderung an Einfluss“, so Köhler.

Vorschlag: Die Wirtschaftsförderungen von Stadt und Großkreis Göttingen zusammenzulegen, da die bisherige Kooperation nicht ausreiche. „Wir müssen die Grenzen von Kommunen und Kreisen in Fragen der Wirtschaftsförderung endlich überwinden“, so Theuvsen. Die Standortqualität sei insgesamt in den Blick zu nehmen, dies gelinge nur mit einer stärkeren Bündelung der Kräfte als bislang.

Reuter verweist hingegen auf die „völlig anderen Aufgaben“ von WRG und GWG. Während die WRG vor allem als Netzwerkerin im Landkreis unterwegs sei und Entwicklungen anrege, vermarktet die städtische GWG Gewerbeflächen, baut und betreibt Gewerbeimmobilien und macht das Veranstaltungsmanagement von Lokhalle und Stadthalle. „Sie ergänzen sich gegenseitig“, eine gemeinsame Wirtschaftsförderung gebe es daher bereits im engen Austausch von WRG und GWG. In einer fusionierten Wirtschaftsförderung sieht Reuter hingegen die Gefahr, dass Mittelzentren und der ländlichen Raum vernachlässigt würden. Köhler sieht zudem in der zukünftigen Kooperation im Rahmen des Südniedersachsen InnovationsCampus eine noch engere Zusammenarbeit.

Bunte Wirtschaftsförderungslandschaft

Wirtschaftsförderung hat viele Facetten. Im Kern stehen die Pflege bestehender und die Gewinnung neuer Unternehmen. Eine herausgehobene Rolle dafür wiederum spielen die Gewerbe- und Industriegebiete. Für deren Infrastruktur und Vermarktung sind die Kommunen zuständig. Daher sind sie die maßgeblichen Akteure der Wirtschaftsförderung.

In Duderstadt, Osterode, Northeim und Einbeck sind jeweils ein bis zwei Mitarbeiter in der Verwaltung als Ansprechpartner und Wirtschaftsförderer tätig. Ausnahme ist Hann. Münden. Mit der Weserumschlagstelle Hann. Münden Wirtschaftsförderungs- und Stadtmarketing (WWS) wurde eine GmbH gegründet, die viele wirtschaftsrelevante Aufgaben bündelt und größere gestalterische Freiheit hat. Die zwei Mitarbeiter kümmern sich aber beispielsweise auch um die Wiederbelebung der Mündener Hafenanlage oder die Entwicklung der Mündener Innenstadt.

Über den Kommunen haben die Landkreise Wirtschaftsförderungen aufgebaut, sozusagen als verbindende Klammer und übergeordnete Beratungsinstanz.

Im Landkreis Göttingen/Osterode nimmt die Wirtschaftsförderung Region Göttingen GmbH (WRG) bereits seit Januar 2015 die gemeinsame Wirtschaftsförderung wahr. Sieben Mitarbeiter sind derzeit bei der WRG beschäftigt, zwei davon sitzen in Osterode. Die WRG unterstützt Unternehmen bei der Standortsuche und Kommunen bei der Vermarktung von Gewerbeflächen, sie vergibt auch jährlich den Innovationspreis des Landkreises Göttingen. Ein Schwerpunkt der WRG stellt die Gründer-, Unternehmer- und Fördermittelberatung zu unterschiedlichen Themen dar sowie die Vernetzung von Unternehmen. Darüber hinaus organisiert die WRG Veranstaltungsreihen und bearbeitet verschiedene Themen, zuletzt ist die Breitbandversorgung im Kreisgebiet hinzugekommen.

In der Stabsstelle Wirtschaftsförderung des Landkreises Northeim sind fünf Mitarbeiter tätig. Drei befassen sich mit Wirtschaftsförderung ähnlich der WRG. Ein Mitarbeiter ist für regionale Entwicklung zuständig, ein weiterer für den Bereich der Mobilität und die Verbindung zum Projektbüro Südniedersachsen. Ein externer Teilzeitmitarbeiter unterstützt die Stabsstelle in Fragen des Klimaschutzes und Energie.

Eine Sonderstellung allein durch ihre Größe nimmt die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen mbH (GWG) ein. Sie hat derzeit 53 Mitarbeiter, davon 28 in Vollzeit, 15 in Teilzeit und ab August insgesamt zehn Auszubildende. Die GWG nimmt drei Kernaufgaben wahr: Wirtschaftsförderung inklusive der Betreuung verschiedener Netzwerkcluster, darüber hinaus aber auch Projektentwicklung durch den Bau eigener Gewerbeimmobilien und Vermarktung von Gewerbeflächen sowie das Veranstaltungsmanagement von Stadt- und Lokhalle.

Prof. Kilian Bizer,  Volkswirtschaftler und treibende Kraft hinter dem SNIC

Prof. Kilian Bizer, Volkswirtschaftler und treibende Kraft hinter dem SNIC

Quelle: r

"Ich glaube, die operative Zusammenarbeit zwischen Stadt und Kreis läuft sehr gut. Die grundsätzliche Diskussion ist, warum Göttingen zwar eine kreisangehörige Stadt ist, aber wie eine kreisfreie agiert. Ich sehe aber seitens des Oberbürgermeisters das Signal, dass sich Göttingen zunehmend als Teil der Region versteht und zusammen mit dem Landkreis handeln will. Man muss sich nicht mehr mit einer formalen Zusammenlegung aufhalten."

Matthias Wunderling-Weilbier, Landesbeauftragter für regionale ­Entwicklung Braunschweig

Matthias Wunderling-Weilbier, Landesbeauftragter für regionale ­Entwicklung Braunschweig

Quelle: r

"Die Wirtschaftsförderungen der Landkreise Holzminden, Goslar, Göttingen, Osterode und Northeim arbeiten mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Göttingen zusammen. Zusammenlegungen bedarf es dazu nicht. Nicht Größe ist wichtig, sondern die Bereitschaft, miteinander zu kooperieren und Wissen zum Wohl der Unternehmen zu teilen!"

Martin Rudolph, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Göttingen

Martin Rudolph, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Göttingen

Quelle: r

"Die regionale Zusammenarbeit hat sich in den letzten Jahren sehr verbessert. Aber das kann auch verwirren. „Wen soll ich denn in welcher Frage ansprechen?“ – das höre ich öfter. Insofern muss sich die Region, wenn sie im Standortwettbewerb künftig erfolgreicher sein will, schon überlegen, wie sie sich in vielen strategischen Fragen gemeinsam aufstellen will. Beispiele sind Gesamtvermarktung, Schaffung leistungsfähiger Infrastruktur, touristische Attraktivität. Ich sehe jedenfalls den Bedarf für eine stärkere Abstimmung. Das muss aber über Stadt und Landkreis hinausgehen und man muss es von den Begriffen WRG und GWG trennen. Das wäre zu kurz gegriffen."

Sören Steinberg, Bürgermeister der Gemeinde Rosdorf

Sören Steinberg, Bürgermeister der Gemeinde Rosdorf

Quelle: r

"Unsere Gewerbeflächen grenzen direkt an Göttingen. Daher macht es als einziges Sinn, die Flächen gemeinsam mit GWG und WRG zu vermarkten. Das funktioniert wunderbar. Ich kann aber die Sorgen von Gemeinden wie Duderstadt und Hann. Münden verstehen, dass eine Fusion von GWG und WRG zu einer Vernachlässigung der Mittelzentren führt. Wir merken, dass alle an einem Strang ziehen und auch über Gemeindegrenzen hinaus in regionalen Kontexten gedacht wird."

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Der Wochenrückblick vom 3. bis 9. Dezember 2016