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Klare Absage an Rechte

GT-Townhall-Gespräch Klare Absage an Rechte

In einer Sache sind sie sich einig: Mit AfD oder NPD wollen sie nach der Wahl nicht im Kreistag zusammenarbeiten. Bei vielen anderen Themen gehen die Meinungen von Landratskandidat Ludwig Theuvsen (CDU) und SPD-Amtsinhaber Bernhard Reuter auseinander. In der Tageblatt-Townhall haben sie sich Fragen der Chefredaktion gestellt.

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Tageblatt-Chefredakteur Uwe Graells, die Landratskandidaten Bernhard Reuter und Ludwig Theuvsen sowie der stellvertretende Chefredakteur Christoph Oppermann beim GT-Townhall-Gespräch.

Quelle: Pförtner

Göttingen. „Schaffen wir das?“, so die Eingangsfrage am Dienstagabend zum Thema Flüchtlinge von Chefredakteur Uwe Graells.  „Die Entscheidung der Kanzlerin war richtig“, sagte CDU-Mann Theuvsen. Aber wie bei allem auf der Welt gebe es auch hier Grenzen, finanzielle und gesellschaftliche. Reuter meinte: „Es war zunächst richtig“. Aber unkontrolliert Flüchtlinge ins Land zu lassen, das habe große Verunsicherung geschaffen, zum Beispiel in Wollershausen, wo 460 Einwohner auf 200 Flüchtlinge stießen. Auch wenn es am Ende beim Abschied Tränen gab, „eine zweite Flüchtlingswelle würde uns überfordern“, so Reuter.

Die rechten Kräfte vom „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ und von der NPD sah Kandidat Reuter nicht als großes Problem. Dabei handele es sich nur um „vereinzelte, versprengte Braune“, die zudem zum Teil von außerhalb importiert seien. In den Orten im Landkreis, beginnend in Duderstadt, habe sich schnell und entschieden Widerstand gegen den „Freundeskreis“ formiert. Der Widerstand dort sei ausschließlich mit friedlichen Mitteln ausgetragen worden – im Gegensatz zur Stadt Göttingen. Die Gewalt gegen rechts dort sei „wenig hilfreich“ gewesen. Reuters Gegenkandidat Theuvsen wunderte die intensive Plakatierung von NPD und „Freundeskreis“: Er ging von einer landes- oder sogar bundesweit gesteuerten Aktion aus. Die Zahl der Rechts-Wähler in der Region sei „überschaubar“.

Im GT-Townhall-Gespräch trafen Landrat Bernhard Reuter (SPD) und Herausforderer Ludwig Theuvsen (CDU) (hier: 2.v.l.) aufeinander.

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Theuvsen vermutete zudem, dass AfD-Wähler „nicht alle Rechtsaußen“ seien. Es gebe im Moment ein hohes Protestpotenzial – unabhängig von Themen. Auf Nachfrage von Christoph Oppermann, stellvertretender Chefredakteur, räumte der CDU-Kandidat der AfD bei den Wahlen im Landkreis Göttingen „ein einstelliges Ergebnis“ ein. Reuter wurde eindeutiger: „Sechs Prozent.“ Ihre eigenen Chancen schätzen die Landratskandidaten deutlich höher ein: Reuter rechnet mit einem Ergebnis von 45 bis 48 Prozent, Theuvsen mit 38 bis 40 Prozent. Also Stichwahl.

Beim Thema Kreisfusion zeigte sich Reuter als „Architekt der Kreisfusion“ zufriedener als Herausforderer Theuvsen. Der sprach von einer „deutlichen Unsicherheit“ der Bürger, vor allem im Harz und anderen Randgemeinden. Es sei nicht gelungen, die bürokratische Entscheidung in die Herzen zu bekommen. Reuter hingegen ist „außerordentlich zufrieden“, durch die Entschuldungshilfe seien beide Landkreise „finanziell stark“.
Oppermann wollte wissen, ob es ein „Landkreisgefühl“ gebe. „Es gibt eine regionale Identifikation“, sagte Theuvsen – Harzer fühlten sich als Harzer, Eichsfelder als Eichsfelder. Reuter konterte: „Es gibt eine Identifikation mit der Region, aber nicht mit der Verwaltungseinheit Landkreis“.

Wer die Kreisverwaltung künftig führen soll, darüber hat Reuter konkrete Vorstellungen. Christel Wemheuer (Grüne) und Marcel Riethig (SPD) sollen auch nach seiner Wiederwahl im Amt bleiben. Den neuen, dritten Dezernenten, dürfe die CDU vorschlagen. Theuvsen als „Seiteneinsteiger“ in die Politik will den 11. September abwarten und erst nach der Wahl über Personal diskutieren.

Von Britta Bielefeld und Matthias Heinzel

„Das ist ausbaufähig“

Landratskandidat Ludwig Theuvsen

Landratskandidat Ludwig Theuvsen

Quelle: Pförtner

Ludwig Theuvsen ist 52 Jahre alt, Hochschulprofessor und Landratskandidat der CDU: Befragt zu den Auswirkungen des Südniedersachsenprogramms, aus dem Projekte überwiegend mit Mitteln der EU, von Bund und Land gefördert werden, forderte der Christdemokrat, die regionale Zusammenarbeit müsse intensiviert werden, „wir tendieren dazu, die Dinge zu klein zu sehen“. Mit dem Förderprogramm habe die Landesregierung anerkannt, „dass es Entwicklungsbedarf in der Region gibt, aber wir müssen an unserem Image arbeiten“, etwa durch Stärkung der Wirtschaftsförderung, „das ist ausbaufähig“. Wie seinem Kontrahenten gelten ihm der Breitbandausbau, bessere Verkehrsverbindungen und Entwicklung der Dörfer etwa durch Dorfmoderatoren als probates Mittel im Kampf gegen den demografischen Wandel. Auf den Gesetzgeber müsse eingewirkt werden, die Voraussetzungen für Ansiedlung von Ärzten, Apotheken oder Wirtschaftsbetrieben zu verbessern. Verbesserungspotenzial bestehe beim öffentlichen Personennahverkehr. Er beanstandete zu hohe Preise bei Fahrten durch die Region, „so ist der ÖPNV gegen das Auto nicht wettbewerbsfähig“. Tarifbedingungen und Ticketstrukturen müssten überarbeitet, Verkehrsverbünde verknüpft werden. kk

"Imagekorrektur ist erreicht"

Landrat Bernhard Reuter

Landrat Bernhard Reuter

Quelle: Pförtner

Bernhard Reuter ist Landrat des Landkreises Göttingen, 61 Jahre alt und Landratskandidat der SPD. Das Südniedersachsenprogramm wertete er als vollen Erfolg: „Die Region Niedersachsen hatte keinen guten Ruf.“ Sie werde als zu wenig innovativ und chronisch zerstritten wahrgenommen, und mit dem Programm werde eine Imagekorrektur erreicht. Breitbandausbau, Innovations- und Gesundheitscampus  seien erste Erfolge, die nur durch das Südniedersachsenprogramm umgesetzt werden konnten. Reuter blickt optimistisch in die Zukunft: „Jetzt geht es in die Umsetzung der Projekte.“
Die Erschließung des ländlichen Raums sei ebenfalls auf einem guten Weg. Steigende Mieten in der Stadt stünden Leerständen auf dem Land gegenüber. Mit dem Breitbandausbau für schnelleres Internet bis 2018, die Verbesserung von Mobilität und die Entwicklung von Dörfern, etwa durch Dorfmoderatoren, seien bereits erste Schritte gegen die Landflucht unternommen worden.
Für fünf Euro mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) durch den Landkreis – das hält Reuter für realistisch.  „Wir brauchen einen ersten klaren Aufschlag und dafür stehen die fünf Euro“, sagte Reuter. wes

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