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Lesetipps für Weihnachten

Redakteure empfehlen Bücher Lesetipps für Weihnachten

Gute Unterhaltung, interessante Ratschläge, schöne Geschichten, spannende Krimis – das bieten die Bücher, die Mitglieder der Tageblatt-Redaktion vorstellen. Eine Auswahl von überwiegend neuen Büchern, die 2015 erschienen sind, und Lieblingsbüchern.

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. Krimi
Richter Di und das alte China
Ein Gentleman-Ermittler, mehrere verzwickte, geschickt verwobene Verbrechen, eine stimmige Schilderung des Umfelds und natürlich ein gut geführter Spannungsbogen. Diese Zutaten für einen klassisch-guten Krimi hat der niederländische Diplomat und Autor Robert van Gulik in „Die Perle des Kaisers“ in einer raffinierten Geschichte um den legendären chinesischen Ermittler Richter Di zusammengebracht. Richter Di lebte im siebten nachchristlichen Jahrhundert. Das China dieser Zeit erweckt van Gulik in diesem und weiteren Romanen rund um Richter Di aufregend und detailversessen zu neuem Leben. Toll ausgearbeitete Personen bis hin zu Nebenfiguren gehören selbstverständlich dazu. Ein im besten Sinne altmodischer Krimi mit nicht zu unterschätzendem Suchtpotenzial. it
Robert van Gulik: „Die Perle des Kaisers“. Diogenes Verlag, 2006, 192 Seiten, 8,90 Euro

Sachbuch
Entwaffnend ehrlich
Ich mag absurd-tiefgründigen Humor à la Helge Schneider. Daher hat mir diese Autobiografie gefallen: Flake, mit bürgerlichem Namen Christian Lorenz und seines Zeichens Keyboarder – im DDR-Jargon Tastenficker – der Band Rammstein, hat mit „Der Tastenficker. An was ich mich so erinnern kann“ über sein Leben geschrieben. Liebenswert, mit ironischer Distanz und voll kindlichem Staunen lässt Flake sein bisheriges Leben Revue passieren. Egal ob in der Unfreiheit der DDR oder der Unfreiheit des neuen Lebens als Prominenter – Flake schaffte und schafft sich seine gemütlichen, persönlichen Freiräume. Ob all die Dinge, die er schildert, wirklich so passiert sind? Man weiß es nicht. Und es ist auch egal, denn man erahnt den Menschen Christian Lorenz, hat Spaß beim Lesen, und nicht zuletzt: Man bekommt einen sehr unaufgeregten Eindruck vom Leben in der einstigen DDR. Flake ist entwaffnend ehrlich, und auch die Fotoauswahl zeigt: Hier hat endlich mal ein Autobiograf keinen großen Hang zur Hochglanz-Selbstdarstellung. it
Flake: „Der Tastenficker. An was ich mich so erinnern kann“. Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2015, 352 Seiten, 19,99 Euro.

Lieblingsbuch
Moderner Papst
Gerne wird gejammert, heutige Entscheider hätten keinen Plan, kein Konzept, keine langfristigen Perspektiven. Hier ist einer, der sie hat: Papst Franziskus beschreibt in seiner aktuellen Enzyklika „Laudato si´“, wie eine globale Zukunftsperspektive für eine geschützte Welt und ein gelungenes Zusammenleben der Menschen aussehen kann, und was sich dafür ändern muss. Kein belehrendes Buch, sondern eine herzliche Einladung – nicht nur für Christen und schon gar nicht nur für Katholiken. Der Papst findet klare Worte und benennt die Verantwortung auf allen Ebenen – von jedem Einzelnen bis zu den großen Führungspersönlichkeiten und Institutionen. Er beschreibt kleine Schritte und den langen Weg. Die Motivation? Wie bei Franziskus´ Namenspatron ist das die liebevolle Sorge um jedes Lebewesen, jeden Bestandteil der Welt, die auch der aktuelle Papst mit modernen Worten zu vermitteln versteht. „Laudato si´“ ist eine Herausforderung und eine Liebeserklärung gleichzeitig und deswegen mein aktuelles Lieblingsbuch. it
Papst Franziskus: „Laudato si´. Über die Sorge für das gemeinsame Haus“. St. Benno Verlag, 2015, 200 Seiten, 6,95 Euro

Sachbuch
Lug und Trug
Mit Satire kennt sich der Göttinger Autor Peter Köhler aus. Für sein Buch „Fake“ musste er auf dem Gebiet aber gar nicht nicht kreativ werden, weil die Sammlung über Lug und Trug in Kunst, Wissenschaft, Literatur, Geschichte und im Alltag das Zeug zur Realsatire hat. Köhler fängt bei den Römern an, berichtet vom Rockefeller aus Oberbayern, über Plagiate von Schriftstellern und Wissenschaftlern. Was Köhler unterhaltsam auflistet, sorgt für Erstaunen und Misstrauen zugleich. Der Autor meint im Vorwort: „Jede Zeit hat die Fälscher und die Fälschungen, die sie verdient.“ Köhler verschafft mit „Fake“ einen Leistungsüberblick für die Disziplin Lug und Trug. jes
Peter Köhler: „Fake. Die kuriosesten Fälschungen aus Kunst, Wissenschaft, Literatur und Geschichte“. C.H. Beck, 2015, 256 Seiten, 12,95 Euro.

Kinderbuch
Krippenspiel mit den Herdmanns
Diesen Weihnachts-Klassiker krame ich auch als „großes Kind“ immer wieder gerne vor. Die liebenswerte Chaoten-Truppe der Herdmann-Kinder in „Hilfe, die Herdmanns kommen“ von Barbara Robinson ist eins der schönsten und lustigsten Lehrstücke in den Fächern „Perspektive wechseln“ und „Vorurteile überwinden“. Von wem könnte man das besser lernen, als von Kindern? Die sechs Herdmanns mischen dabei die Vorbereitungen für ein Krippenspiel gehörig auf. Sie haben keine Ahnung von der Weihnachtsgeschichte und sind am Ende doch diejenigen, die sie vom verklärten Kitsch zurück ins echte Leben und zu einer Bedeutung bringen. Natürlich geht das nicht ohne Zwischenfälle vom Feuerwehreinsatz bis zum geklauten Schinken als Mitbringsel für das Jesuskind. All das ist so lustig, dass man sich auch beim x-ten Mal Lesen noch kringelt – wichtig für alle, die ahnen, dass sie ein Buch mehrfach vorlesen müssen. it
Barbara Robinson: „Hilfe, die Herdmanns kommen“. Oetinger Verlag, 1974, 96 Seiten,  9,90 EUR 

Sachbuch
Hinter den Kulissen des Profifußballs
Lars Mrosko hat das gewisse Etwas – er weiß es nur lange Zeit nicht. Bis er irgendwann entdeckt wird und im Fußballzirkus der millionenschweren Profis und mächtigen Manager landet. Allerdings als Talentscout, nicht als Fußballer. Ronald Reng, einer der profiliertesten deutschen Sportjournalisten und Experte des Tageblatt-Fußballportals Sportbuzzer, hat Mroskos Karriere aufgeschrieben. Dabei ist ihm ein spannender Blick hinter die Kulissen geglückt, verpackt in einem packenden Erlebnisbericht. Der Profifußball und seine Mechanismen - nach der Lektüre von Rengs Buch versteht man sie besser.          war
Ronald Reng: „Mroskos Talente. Das erstaunliche Leben eines Bundesliga-Scouts“, Piper, 416 Seiten, 20 Euro.  

Lieblingsbuch
Wunderschöne Zeichnungen
900 Zeichnungen von 60 Illustratoren mit dem passenden Titel: „Das Beste von Allem“, es könnte aber auch das Beste von allen heißen. Für Kinder ab sechs Jahren ist diese Werkschau empfohlen, die zeichnerisch aufgreift, was die Kleinen mögen: Elfen, wilde Tiere, tolle Papas, Eis oder Bösewichte. Zu diesen und weiteren 49 Themen haben Jutta Bauer und Katja Spitzer etliche Kolleginnen und Kollegen zeichnen lassen. Herrliche Stilkunde, die Kindern und Erwachsenen zeigt, dass ein Vogel zeichnerisch auf vielerlei Weise ein Vogel sein kann. Wunderschönes Bilderbuch, das die „Stiftung Illustration“ unterstützt. Bis zum Jahresende werden für das Buch entstandene Zeichnungen online  versteigert auf http://stiftung-illustration.blogspot.de/   jes
Jutta Bauer und Katja Spitzer (Hg.): „Das Beste von Allem“. Aladin, 112 Seiten, 25 Euro

Sachbuch
Abenteuer auf zwei Rädern
In der Region und darüber hinaus ist er lange Zeit als wortgewandter Journalist und Autor von Fußballbüchern bekannt gewesen. Nun hat er sich bereits zum zweiten Mal selbst einer sportlichen Herausforderung gestellt. Nach seiner „Tour d‘Afrique“ von Ägypten mit dem Fahrrad nach Kapstadt hat Hardy Grüne aus Langenhagen bei Duderstadt die Strecke von Mittelamerika bis zum südlichsten Zipfel Südamerikas auf dem Drahtesel zurückgelegt - und einen eindrucksvollen Erlebnisbericht verfasst. Grüne kämpft mit seinen Kräften, bleibt aber, gesegnet mit einem neugierigen Blick auf den Alltag abseits der Straße, stets auch kritischer Beobachter. Ein fesselndes Abenteuer auf zwei Rädern.    war
Hardy Grüne: „Jenseits der Komfortzone. 11 000 Kilometer Radrennen durch Südamerika“, Verlag Die Werkstatt, 240 Seiten, 19,90 Euro. 

Krimi
Kommissar Rothe ermittelt in Seeburg
Das Eichsfeld wird in „Das Kreuz“ von seiner dunklen Seite präsentiert. Eine Frau, die spurlos verschwindet, ist die Grundlage für Frank Rothes Ermittlungen. Der Heiligenstädter Kommissar ist in seinem dritten Fall länderübergreifend sowohl im thüringischen als auch im niedersächsischen Eichsfeld, besonders in Seeburg, unterwegs. Die Autorin Astrid Seehaus führt bei einer Palmsonntagsprozession in Heiligenstadt die Fäden des Falls zusammen. Wer zu Weihnachten spannende Unterhaltung mit Eichsfelder Lokalkolorit verschenken möchte, liegt mit dem neuen Eichsfeld-Krimi „Das Kreuz“ oder auch mit den beiden vorangegangenen Fällen Kommissar Rothes (Tod im Eichsfeld, Loverboy) genau richtig. ny
Astrid Seehaus: „Das Kreuz. Eichsfeld-Krimi“. Undine Verlag, 2015, 378 Seiten, 12 Euro.

Roman
An den Rändern der Welt
Wer einen Einblick sucht in die Gesellschaft in Frankreich, speziell in Paris, in die Widersprüche zwischen der glamourösen Stadt und ihren Vororten, sollte  „ An den Rändern der Welt“ von Olivier Adam lesen. Der 1974 geborene Adam gehört zu den angesehensten Autoren der französischen Gegenwartsliteratur. Hauptfigur seines neuen Romans ist der Schriftsteller Paul, der von seiner Frau verlassen wurde und verzweifelt versucht, damit klarzukommen. Eher widerwillig kehrt er für eine Zeit in den Pariser Vorort zurück, in dem er aufgewachsen ist. Er trifft alte Freunde, wird mit den Veränderungen in diesem einst traditionellen Arbeitermilieu konfrontiert – dem fehlenden sozialen Zusammenhalt, den Problemen der Jugendlichen, der Hinwendung zum Front National. Zustände zu beschreiben, eine Art Bilanz des französischen Lebens am Ende der Präsidentschaft von Sarkozy zu geben, Probleme zu benennen, sei sein Ziel gewesen, so Adam.   chb
Olivier Adam „An den Rändern der Welt“. Klett-Cotta, 2015, 424 Seiten, 24,95 Euro.

Biografie
Adieu
Was für ein Leben. Valentina Freimane, 1922, geboren, wuchs in Berlin und Riga auf. Es war ein großbürgerlicher, kosmopolitischer jüdischer Haushalt. Der Vater arbeitete für die UFA, die Mutter war kunstliebend. Viele Schauspieler gingen ein und aus, ständig pendelte die Familie zwischen Riga, Berlin und Paris. In den 30er Jahren geht die Familie zurück nach Riga. Okkupation, Nazis und Verstecke gehörten dann zum Alltag von Freimane. Ihre Famlilie wurde ermordet, sie überlebte, weil andere Menschen ihr halfen. Ihre Erinnerungen, als Buch bei Wallstein erschienen, liefern den Stoff für die Oper „Valentina“, die im Frühjahr in Berlin Premiere hatte.         chb
Valentina Freimane „Adieu, Atlantis“.  Wallstein, 2015, 341 Seiten, 22,90 Euro.

Comic-Szenen im Dramensatz
Anschläge und Überfälle
Alltägliche Szenen hat Max Goldt dramatisch toupiert und brilliert in der Stilform Dramolette mit seinem geschliffenen Deutsch. „Räusper“ heißt das neue Werk des Sprachkünstlers, der darin die mit Zeichner Stephan Katz entwickelten Comics neu verwertet. Anschläge auf Bärte von Hipstern oder überfallartige Marketingmaßnahmen, Diskussionen mit Kellnern über Kerzen oder von Trendsettern über den Zustand von getunnelten Ohrläppchen im fortgeschrittenen Alter sind auch als Dramolette eine feine fiese Unterhaltung.                  jes
Max Goldt: „Räusper“. Rowohlt, 2015, 176 Seiten, 19,95 Euro.

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Schauspieler-Casting im Göttinger „Kauf Park“