Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Lesetipps für Weihnachten

Thema des Tages Lesetipps für Weihnachten

Gute Unterhaltung, interessante Ratschläge, schöne Geschichten, spannende Krimis – das bieten die Bücher, die Mitglieder der Tageblatt-Redaktion vorstellen. Eine Auswahl von überwiegend neuen Büchern, die 2015 erschienen sind, und Lieblingsbüchern.

Voriger Artikel
Arme Katholiken für die Anatomie
Nächster Artikel
Gauner, Gonzo, Grinch und die Griswolds

Göttingen. Angela Brünjes (jes), Isabel Trzeciok (it), Peter Krüger-Lenz (pek), Katrin Westphal (kw), Flora Hallmann (hal) haben gelesen und präsentieren ihre Lese-Hits.

• Sachbuch
Deutschland und die Flüchtlinge
26 Fachleute haben sich in dem von NDR-Redakteurin Anja Reschke herausgegebenen Buch „Und das ist erst der Anfang. Deutschland und die Flüchtlinge“ mit den Fragen befasst, die erklären, warum in diesem Jahr der Flüchtlingsstrom nach Europa so stark zugenommen hat: Es geht um Ursachen von Flucht und Fluchtwege, aber auch darum, wie die Politik, Parteien und Regierungen (unterschiedlich) agieren und welche Veränderungen der Gesellschaft bevorstehen. Nüchterne, notwendige Aufklärung über ein altbekanntes Thema, das seit dem Sommer 2015 eine Herausforderung für die Staatengemeinschaft und Gesellschaften der EU darstellt, weil die Abschottungspolitik gescheitert ist.  jes

Anja Reschke (Hg.): „Und das ist erst der Anfang. Deutschland und die Flüchtlinge“. Rowohlt Polaris, 15. Dezember 2015, 334 Seiten, 12,99 Euro. Seiten, 12,95 Euro.

• Sachbuch
Frieden in Hannover
Simon Benne ist gelernter Historiker und Redakteur bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Beide Bereiche hat er zusammengeworfen und ein Buch geschrieben: „Als der Frieden nach Hannover kam“. In neun Kapitel hat Benne seine Betrachtung unterteilt. Er befasst sich mit dem Einmarsch, mit den Briten, dem Hunger, der Kultur, mit den Vertriebenen, der Wirtschaft, der Schule – und mit dem Weihnachtsfest. Benne lässt Zeitzeugen zu Wort kommen, die die Nachkriegsjahre als Kinder oder Jugendlich erlebten. Und er hat bewegende Schwarz-Weiß-Fotos zu den Texten gestellt. Darauf zu sehen ist das zerstörte Hannover, die Ruinen in der Innenstadt, eine Schulspeisung, das Treiben auf dem Schwarzmarkt und das besinnliche Weihnachtsfest im Familienkreis.  pek

Simon Benne: „Als der Frieden nach Hannover kam“, HAZ, 2015,116 Seiten, 14,90 Euro.

• Roman
Schrill, schräg, schlüpfrig, spannend
Jonathan Franzen ist ein US-amerikanischer Autor mit großem Interesse an Deutschland. Sogar seine Lesung beim Göttinger Literaturherbst bewältigte er alleine und auf Deutsch. Seinen jüngsten Roman „Unschuld“ präsentierte er dort – in der Lokhalle vor ganz großem Publikum. Franzen erzählt die Geschichte von Pip, einer jungen Frau, die alleine mit ihrer Mutter aufgewachsen ist. Wer ihr Vater ist, dass will die Mutter Pip nicht verraten. Das ist der eine Strang. In dem anderen lernen wir Andreas kennen, hochbegabter und vor allem charismatischer Spross einer Familie, die in der DDR zur Elite gehört. Reichhaltig und versponnen ist diese Geschichte zwischen Familiensaga, Milieuschilderung und Kriminalroman. Ein bisschen schrill, leicht schräg, manchmal schlüpfrig und meistens spannend. pek

Jonathan Franzen: „Unschuld“, Rowohlt, 832 Seiten, 26,95 Euro.

• Sachbuch
Fashion, Spaß und Beauty
Die Leserin sollte unvoreingenommen sein. Dann schwebt sie mit Mode-Expertin Camilla Morton durch eine Welt voller Fashion, Spaß und  Beauty, erfährt witzige Anekdoten und natürlich alles über Schuhe. Als Kalender strukturiert geht es in monatlichen Schwerpunkten um den großen Gatsby, den Umgang mit Haute Couture, Shakespeare oder die Gründung eines eigenen Geschäfts. Die Autorin gibt Film- und Literaturtipps, entschlüsselt Dresscodes, stellt Frauen wie Coco Chanel, Jackie Kennedy oder Frida Kahlo vor, weiß alles über ein traumhaftes Mitternachtspicknick und lässt Dita von Teese über die Kunst der Verführung schreiben. Es kommen zahlreiche Designer wie Diane von Fürstenberg oder natürlich Manolo Blahnik zu Wort und am Ende des Buches weiß die Leserin alles über Stilettos, Keilabsätze und natürlich über High Heels.  kw

Camilla Morton: „Mit High Heels durch das Jahr“. Goldmann-E-Book, 2015, 518 Seiten, 9,99 Euro

• Krimi
Die Sekte auf Öland
Eine Tote in einem Baum und ein Polizeikommissar, der auf schockierende Weise ums Leben kommt, wenig später gefolgt von seinem Sohn. Der widerwillige Carl Mørck und seine Assistenten des Sonderdezernat Q übernehmen den Fall. Die Ermittlungen führen nach Öland zu einer sektenhaften Vereinigung. Ohne es zu ahnen, begibt sich das Team in tödliche Gefahr. Der sechste Fall in der Thriller-Reihe von Jussi Adler-Olsen verspricht einen rasanten Plot, fesselnde Spannung, jede Menge trockenen Humor und ausgeklügelte Charaktere, allen voran das liebgewonnene dänische Ermittlerteam, Carl Mørck und seine Assistenten Assad und Rose.  hal

Jussi Adler-Olsen: „Verheißung“. Dtv, 2015, 592 Seiten, 19,90 Euro.

• Satire
Schwarzes Gold
Eigentlich eine schöne Vorstellung: Die Mauer ist gar nicht gefallen. Doch Politbüro Günter Schabowski gibt dennoch diese berühmte Pressekonferenz. Er verkündet nicht die Öffnung der DDR, er verkündet den Fund riesiger Erdölvorkommen an der Ostseeküste auf dem Hoheitsgebiet der Deutschen Demokratischen Republik. Es sind die größten Vorkommen der Welt, und damit ändert sich alles in diesem kleinen Land zwischen Polen und der bis dahin reichen BRD. Plötzlich sitzt das Geld in Ostberlin, und die Brüder und Schwestern aus dem Westen kommen jetzt als Gastarbeiter über die Grenze, um die niederen Tätigkeiten zu erledigen. Zwei Undercover-Journalisten recherchieren in diesem Milieu: Harald Martenstein (BRD) und Tom Peukert (DDR). Die gibt es wirklich. Sie sind befreundet und haben das wirklich lustige Buch „Schwarzes Gold aus Warnemünde“ geschrieben.  pek

Harald Martenstein, Tom Peukert: „Schwarzes Gold aus Warnemünde“, Aufbau-Verlag, 2015, 256 Seiten, 19,95 Euro.

• Tagebuch
Jugend in Zeiten des Krieges
Polina Scherebzowa hat geschrieben. 1994, als der Krieg in Grosny ausbrach, fing sie als Kind damit an, ein Tagebuch zu führen. Zehn Jahre lang schrieb sie auf, was sie bewegte: Kinder- und Teenagerprobleme. Nicht ungewöhnlich, dass sich junge Menschen schreibend zu begreifen versuchen. In Polinas Tagebuch geht es um mehr, weil sie auch den Krieg, genauer die beiden Tschetschenienkriege, aus der Sicht eines Kindes, später eines jungen Mädchens beschreibt. Das ist einfach, schrecklich, berührend. 20 Jahre nachdem Polina ihr Tagebuch begann, ist es als Buch in Frankreich erschienen, in diesem Jahr in weiteren europäischen Ländern. jes

Polina Scherebzowa: „Polinas Tagebuch“. Rowohlt, 2015, 592 Seiten, 22,95 Euro.

• Roman
1913: Collage eines wichtigen Jahres
Die besten Romane schreibt das Leben selbst. Man muss nur die Dramatik, die Romantik, den Alltag und die Besonderheit der Geschehnisse zu lesen verstehen. Dem Autor Florian Illies gelingt das auf noch dazu sehr unterhaltsame Weise in „1913. Der Sommer des Jahrhunderts“. Er schachtelt dafür Ergebnisse seiner Recherchen in Geschichtsschreibung, Tagebüchern und sonstigem Material zu einer chronologischen Collage. Daraus entwickelt sich die Dramatik einer Zeit tiefer gesellschaftlicher Umbrüche, in der Kunst und Wissenschaft florierten und die Welt am Rand eines Krieges von nie gekanntem Ausmaß stand. Maler, Dichter, Psychologen und angehende Diktatoren kommen einem in diesem Buch unerwartet nah. Illies führt mit dezenten Einordnungen und Erläuterungen durch die Geschehnisse. Erfinden muss er nichts, denn sein Roman-Rohdiamant war schon seit gut 100 Jahren da. Er musste nur noch geschliffen werden.  it

Florian Illies: „1913. Der Sommer des Jahrhunderts“. Fischer Taschenbuch, 2012, 320 Seiten, 10,99 Euro.

• Lieblingsbuch
Wassermann mit schlechter Laune
Alle Möwen heißen Emma. Bis auf eine. Die heißt Alexandra. Diese Möwe und ihr bester Freund, der Leuchtturmwärter Johann, erzählen für ihr Leben gern Geschichten. Und sie erzählen ihre Geschichten so gut, dass die kleine Wolke Kumulus an sich hält und nicht über Tante Julie‘s Ruderboot abregnet und der übellaunige Wassermann seinen gemeinen Plan vergisst. James Krüss erzählt mit unglaublich viel Wortwitz, Wärme, leidenschaftlichem Erfindungsreichtum und einem ausgeprägten Gespür für die fantastischen Bedürfnisse von Kindern. Der Leuchtturm auf den Hummerklippen eignet sich für jedermann ab acht Jahren – zum Vorlesen und Selberlesen.  hal

James Krüss: „Der Leuchtturm auf den Hummerklippen“. Carlsen Verlag, 208 Seiten, 11,90 Euro.

• Roman
Fang nie was mit Verwandtschaft an
Ab nach Hause, das gilt an Weihnachten auch für erwachsene Kinder. In ihrem Haus trommelt  Rosaleen ihre vier Kinder zusammen zum letzten Weihnachtsfest. Das Haus soll verkauft werden. Wer den Dudelsong „Driving home for Christmas“ nicht mehr hören mag, kann ihm in diesem Roman etwas abgewinnen - und feiert gerne ohne Familie. Booker-Preisträgerin Anne Enright hat ein böses Szenario vom Fest der Liebe im Familienkreis entworfen. Ihr emotionaler Familienroman ist der richtige Lesestoff für alle, die entweder auf familiäre Zwistigkeiten verzichten müssen oder nicht darauf verzichten können, zu erfahren, dass es noch schlimmer kommen kann. Flott bis zum zweiten Weihnachtstag zu lesen.  jes

Anne Enright: „Rosaleens Fest“. dva, 2015, 384 Seiten, 19,99 Euro

• Sachbuch
Spannender Blick auf 1946
1946, im Jahr nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, sagte der britische Premier Winston Churchill: „Unter den Siegern herrscht ein babylonisches Stimmengewirr; unter den Besiegten das trotzige Schweigen der Verzweiflung.“ Und so war es nicht nur in Europa, sondern auch in Asien. Das Jahr 1946 läutete eine Zeitenwende ein, aber die handelnden Personen waren darauf nicht vorbereitet. Der britische Historiker und Journalist Victor Sebestyen, 1956 in Budapest geboren, analysiert das Jahr in 32 Kapiteln. Dass die Menschen damals einen weiteren Krieg fürchteten, arbeitet er heraus und damit auch, wie es zum Kalten Krieg kam. Sebstyen gibt Einblicke in ein wichtiges Jahr und beschreibt die Weltgeschichte prägende Ereignisse, die es nicht in die Geschichtsbücher geschafft haben. Spannender Blick zurück.  jes

Victor Sebestyen: „1946. Das Jahr, in dem die Welt neu entstand“. Rowohlt, 2015, 26,95 Euro.

• Kinderbuch
Unwiderstehlich: Peanuts in Bewegung
„Es gibt Dinge, denen man einfach nicht widerstehen kann“, sagt Snoopy. Der Hund aus der Comic-Serie Peanuts muss es ja wissen. Der Spruch stammt aus dem Scanimation-Buch von Rufus Butler Seder. Es ist ein Hingucker, der nicht nur für Peanuts-Fans unwiderstehlich ist. Man muss die dicken Seiten durchblättern, um die Kultfiguren in Bewegung zu versetzen: Lucy springt Seil, Snoopy wandert oder Charlie Brown lässt den Drachen steigen. Herrliche Spielerei in Form eines Kinderbuches (für Kinder ab drei Jahren empfohlen).  jes

Rufus Butler Seder: „Peanuts by Schulz – Ein Scanimation-Buch“. Boje, 2015, 18 Seiten mit zehn bewegten Bildern und neun Peanutssprüchen, 12,99 Euro.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Tanzende Schneeflocken im "Kauf Park"