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Wie passt Pulp Fiction ins Zeitmanagement, Ludwig Theuvsen?

Portrait Wie passt Pulp Fiction ins Zeitmanagement, Ludwig Theuvsen?

„Nein“, der Wahlkampf mit den unendlich vielen Terminen und Gesprächen zwischen Walkenried und Staufenberg, und das parallel zur Arbeit als lehrender Wissenschaftler, stressen Ludwig Theuvsen nicht: „‚Viel‘ ist kein Problem, wenn die Termine gut vertaktet sind und man den Plan einhält“, erklärt der 52-jährige Betriebswirt im Fachgebiet Agrarökonomie kurz und bündig.

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Für Ludwig Theuvsen ist Göttingen seine neue Heimat, die er auch politisch mitgestalten will.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Er ist eher der unaufgeregte Typ, ein Mann der leisen, ausgewogenen Töne, der „nicht so schnell auf 180 kommt“. Und einer, der nach eigenen Angaben „keine Angst vor Arbeit hat, gut mit Menschen klar kommt und sich schon immer für vieles interessiert“. Jetzt will der Christdemokrat im neuen Landkreis Göttingen Landrat werden.
Dabei kam der Sohn eines selbständigen Klein-Spediteurs, „der mit seinem einzigen Wagen überwiegend Getreide fuhr, während meine Mutter die Büroarbeit erledigte“ erst relativ spät aktiv in die Politik. Vor vier Jahren bekam er während einer Veranstaltung für Wissenschaftler der Universität und Mittelständler Kontakt mit der CDU und wurde direkt angesprochen, sich in der Partei zu engagieren. „Das passte“, erinnert sich Theuvsen. „Ich war schon immer politisch interessiert, ging auf die 50 zu und wollte noch mal was anderes anfangen“. Dann sei schnell klar gewesen: „Wenn ich schon mitmische, dann will ich nicht nur Fördermitglied der Partei sein, sondern mich aktiv einbringen“. In dieser Zeit hat Theuvsen auch den Göttinger Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler kennengelernt. Eine politische Leitfigur hat Theuvsen nicht, aber „von Fritz Güntzler habe ich in den vergangenen Jahren ein Stückweit Politik erst gelernt“.
Einbringen heißt für Theuvsen „aktiv gestalten“ und dabei die Stadt und Region voran bringen, die sehr schnell seine neue Heimat geworden ist. Er erinnert sich noch genau an den „ersten prägenden Eindruck“ von Göttingen: „ein einziges großes Freiluftcafé.“ In dieser Stadt lebt er seit 2002 mit seiner Frau Brigitte in einer großen Wohnung in einem vergleichsweise neuen Mehrparteienhaus am Rand des Ostviertels – erster Stock, umlaufender Balkon und zugewachsene Gärten drumherum. Auf diesem Balkon will er gerne das Tageblatt-Foto machen - „im Grünen, das passt doch gut“.

Urlaub am liebsten an der Küste

Theuvsens wohnen „ganz bewusst“ so stadtnah und ohne großen Garten, obwohl er täglich beruflich mit der Landwirtschaft zu tun hat, seine Ehefrau von einem Bauernhof stammt und beide im gleichen landwirtschaftlich geprägten Ort aufgewachsen sind. „Wir sind viel unterwegs und wissen genau, dass ein Garten im Frühjahr nichts verzeiht“, erklärt Theuvsen. Und nach mehreren Studien- und Berufsjahren in der Großstadt Köln wollte er am neuen Arbeits- und Lebensort „endlich mal kurze Wege haben und täglich mit dem Rad zur Arbeit fahren“. Das tut der 52-Jährige – nicht nur zur Arbeit. Radtouren in der Region sind für ihn und seine Frau der bevorzugte Ausgleich zum Beruf – und Wandern. Ihre Urlaube verbringen Theuvsens darum am liebsten an den norddeutschen Küsten – Borkum, Juist, Norderney – oder im Alpenraum. „Ich habe keinen Hang zu spektakulären Urlauben wie Tauchen oder so“, räumt der Landratskandidat ein und schmunzelt. Im nächsten Jahr ist eine Elb-Radtour geplant. Wenn überhaupt, schöpft er im Urlaub ein wenig Kraft, aber eigentlich braucht er so eine „Tankstelle“ nicht: „Ich bin eigentlich immer entspannt und selten müde, auch an harten Tagen.“ Wenn er Urlaub macht, packt Theuvsen vor allem Sachbücher ein: die Spätphase des Römischen Reiches („finde ich unheimlich interessant“) und Bücher über die Germanen und Kelten zum Beispiel. „Ich bin beim Lesen vor allem geschichtlich orientiert“, sagt Theuvsen, aber auch Krimis und Belletristik gehören zu seiner Lektüre – meistens vor dem Schlafengehen. Wenn er nicht bei Sportübertragungen im TV hängen bleibt. Und das passiert oft: „Ich liebe Sportübertragungen, und dabei bin ich extrem breit interessiert: von Fußball über Handball bis Tennis, und alles während Olympia.“ Beim Couch-Sport bleibt es allerdings nicht: Der Agrarökonom spielt seit seinem zwölften Lebensjahr aktiv Tischtennis, hat es in Nordrhein-Westfalen bis zur Landesliga geschafft und spielt inzwischen beim ASC in der Kreisklasse. „Ich brauche auch etwas jenseits der Uni und mal andere Kontakte“, erklärt er. „Und da wird ja nicht nur gespielt, sondern auch mal ein Bier getrunken.“ Jetzt, im Wahlkampf hat sich Theuvsen ein wenig zurückgezogen, aber die nächsten Meisterschaftsspiele nach der Wahl sind terminiert.

Lieber Bier statt Wein

Bier ist übrigens seine erste Wahl, wenn Theuvsen sich zwischen Bier, Wein und Milch entscheiden soll - „auch das hilft ja letztendlich der Landwirtschaft“, sagt er verschmitzt und schmunzelt wieder. Dass ihn seine akademische Laufbahn vom klassischen Betriebswirt zum Agrarökonom geführt hat, findet er richtig gut. Denn auch wenn er eher der ruhige und besonnene Typ ist und in Ratssitzungen fast zurückhaltend seine Positionen vertritt, ist er froh, gemeinsam mit Landwirten aus der Region „sehr anwendungsorientiert“ forschen und arbeiten zu können: „Die Forschung im reinen Elfenbeinturm ist nicht so mein Ding.“ Dass Theuvsen dabei gut bei seinen Studenten ankommt, könnte auch ein wenig mit seinem Musikgeschmack zusammenhängen. „Ich habe einen Hang zu elektronischer Musik“, sagt er fast entschuldigend und fügt an: „Darf man das in meinem Alter sagen?“ Heißt konkret: House und Eurodance - und Jan Delay, für eines seiner Konzerte ist Theuvsen bis nach Bremen gefahren. Ähnlich überraschend ist sein „absoluter Lieblingsfilm“: „Pulp Fiction“ von Quentin Tarantino. „Der hat mich schon beim ersten Mal fasziniert.“ Ansonsten hat Theuvsen für „Popcorn-Kino“ wenig übrig. Außer bei Sportübertragungen bleibt er vor dem Fernseher bei Talkrunden auf Phönix hängen. TV-Krimis sind schon gar nicht sein Fall, „ich bin wahrscheinlich der einzige, der seit Ewigkeiten keinen Tatort gesehen hat“. Einen ruhigen Sonntag schließt Theuvsen gerne mit einem gemeinsamen Essen mit seiner Frau ab. Morgens waren sie dann „durch aus mal“ in der Kirche, haben gefrühstückt, dann vielleicht zwei Stunden am Schreibtisch gearbeitet und einen gemütlichen Spaziergang gemacht. Der führt oft in die Innenstadt, die Theuvsen nach langer Gedankenpause als einen seiner Lieblingsorte in Göttingen nennt. Sie dürfte eines seiner ersten Ziele nach dem Wahlkampf sein – in gut drei Wochen. Denn der CDU-Mann rechnet bei der Landratswahl am kommenden Sonntag mit 38 bis 40 Prozent der Stimmen. Dann dürfte es zu einer Stichwahl 14 Tage später kommen.

Vita

Ludwig Theuvsen stammt aus Issum am Niederrhein. Nach dem Abitur studierte er Betriebswirtschaftslehre in Aachen, absolvierte seinen Grundwehrdienst und ging für seine Promotion an die Universität Köln. Hier arbeitete Theuvsen auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter, wurde akademischer Rat und habilitierte 2001. Es folgte eine Gastprofessur in Cottbus. 2002 wurde der heute 52-Jährige Professor für Betriebswirtschaftslehre an die Universität Göttingen im Bereich Agrarökonomie. Seitdem lebt er in der Stadt. Zur Politik kam Theuvsen spät: 2011 wurde er CDU-Mitglied, ein Jahr später Vorsitzender des Ortsverbandes Oststadt und im Jahr darauf Vorsitzender des Stadtverbandes. 2014 rückte er in den Stadtrat nach. Er vertritt seine Fraktion in den Aufsichtsräten des Deutschen Theaters, des Göttinger Symphonieorchesters und der Göttinger Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Zudem engagiert sich der Katholik  im Kirchenvorstand der St.-Paulus-Gemeinde. Theuvsen ist seit 33 Jahren mit seiner Frau Brigitte zusammen, seit 25 Jahren sind sie verheiratet. us

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