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Luxusvilla oder Landhaus für Vögel

Thema des Tages Luxusvilla oder Landhaus für Vögel

Eine Meise haben viele Südniedersachsen – im Garten. Als ein häufiger Vogel ist sie, ähnlich wie Amseln, Haussperlinge und Finkenvögel in der Stadt anzutreffen. Besonders gut lassen sich die gefiederten Freunde beobachten, wenn sie sich am Vogelhäuschen treffen. Wie füttert man die Tiere richtig?

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Genau hinschauen lohnt sich bei diesem aufwendig und detailreich gestalteten Golfer-Clubhaus für Vögel, gesehen am Gallus-Park.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Vogelhaus oder Futtersäule, Sonnenblumenkerne oder Streufutter – das Thema Vogelfütterung beschäftigt gerade viele Göttinger. Dabei können Vogelfreunde auf eine große Auswahl zurückgreifen, denn Futterspender und Futter haben gerade Hochkonjunktur.

Bei Thomas Philipps am Gallus-Park gibt es vom einfachen Holzhaus über Futtersäulen bis hin zu bunt bemalten Vogelhäusern einiges zu kaufen. „Holzvogelhäuser mit großem Standfuß sind am beliebtesten, danach kommen die Vogelfutterhäuser zum Aufhängen“, erklärt Marktleiterin Angela Schedung. Sie bekommt jeden zweiten Tag Nachschub. Auch Vogelfutter bleibt nicht lange im Laden und wird bis in den März hinein verkauft.

„Saison ist eigentlich das ganze Jahr“, erklärt Detlev Busch, Geschäftsführer von Zoo Busch. Das Zoofachgeschäft verkauft ebenfalls eine breite Auswahl an Futterhäusern. Häuser aus Naturmaterialien werden stark nachgefragt, ebenso Futterstationen, da diese am hygienischsten seien. Busch weist allerdings auf große Qualitätsunterschiede beim Futter hin: „Der Trend geht eher zu hochwertigen und geschälten Mischungen.“ Die hätten auch den Vorteil, dass sie nicht keimen, wenn etwas auf den Rasen fällt.

Geschältes empfiehlt auch Andrea Froese, Leiterin der Gartenabteilung vom Baumarkt Globus. Fettfutter in Kombination mit Sonnenblumenkernen sei besonders geeignet. Beliebt seien ebenfalls Riesenmeisenknödel. Bei den Vogelhäusern bietet der Baumarkt zwei Luxusvillen mit integrierter Futtersäule für die gefiederten Gäste. Verkaufsschlager bei Globus ist allerdings ein Vogelhaus mit Dachschindeln, ebenso einfache „Einsteigerhäuser“, wie Froese sie nennt, gingen weg wie warme Semmeln. Etwa 200 Vogelhäuser seien seit Saisonbeginn bereits verkauft worden.

Wer handgearbeitete Vogelhäuser sucht, wird beim Göttinger Nabu fündig. Nabu-Vorsitzender Uwe Zinke empfiehlt Futterstationen und Häuser mit angebauter Stange, damit die Vögel das Futter nicht beschmutzen und dadurch Krankheiten übertragen. Papageienkrankheit und Salmonellen seien die häufigsten und können auch auf Menschen übertragen werden, warnt Zinke.

Von Katrin Westphal

Interview mit Ornithologe Hans-Heinrich Dörrie

Viele Menschen freuen sich darüber, wenn sich Vögel in ihren Gärten oder auf den Balkonen tummeln. Was ist gut für die gefiederten Freunde und was nicht? Hans-Heinrich Dörrie, Vorsitzender des Arbeitskreises Göttinger Ornithologen (AGO), gibt Antwort.
Bislang ist der Winter ja eher mild, soll man trotzdem Vögel im Garten füttern?

Natürlich kann man das. Wenn kein Schnee liegt, hält sich der Andrang aber oft in Grenzen und sorgt für Verdruss. Dieser nimmt noch zu, wenn sich am Häuschen des Nachbarn aus unerfindlichen Gründen mehr Vögel versammeln als am eigenen. Wie auch immer: Das bunte Treiben am Futterhaus ist zu jeder Zeit unterhaltsam – auch und gerade für Kinder, denen man ein Stück lebendiger Natur nahebringen möchte. Außerdem lernt man einige Vogelarten aus der Nähe gut zu unterscheiden, was unter anderen Umständen oft nicht so einfach ist.

Welche Vogelarten profitieren besonders von einer Fütterung?

Im urbanen Bereich kommen vor allem Amseln, Haussperlinge, Meisen und Finkenvögel ans Futterhaus, die auch zur Brutzeit häufig zu beobachten sind. In Ortslagen, die an Agrarland grenzen, stellen sich darüber hinaus beispielsweise auch Goldammern, Feldsperlinge und manchmal Stieglitze ein. Steht das Futterhaus in Waldrandnähe, werden Arten wie Kleiber, Tannenmeise und einige Spechtarten häufiger. Allerdings sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass man mit der Fütterung zu einem Bestandsanstieg der Nutznießer oder gar zur Wiederherstellung der früheren Artenvielfalt beitragen kann. Der katastrophale Rückgang einiger Feldvögel lässt sich auch mit der besten Fütterung nicht kompensieren. Dies betrifft auch die von einigen als Allheilmittel propagierte Ganzjahresfütterung.   

Welche Futtersorten sind empfehlenswert?

Das hängt von den Arten ab, die man beglücken will. Sämereien aller Art werden von den oben genannten häufigen Gästen gern genommen. Rotkehlchen, Schwanzmeisen und Zaunkönige sind Insektenfresser und bevorzugen als spärlichere Gäste ein spezielles Weichfutter.

Kann man Futter auch selber herstellen, beispielsweise Meisenringe?

Meisenringe kann man aus geschmolzenem Rindertalg und Sämereien selber herstellen, Tipps dafür gibt es in jeder Fachhandlung und im Internet. Auf keinen Fall sollten Essensreste inklusive Brotkrumen oder Kartoffeln verfüttert werden.  

Wo und wie füttere ich richtig? Im Häuschen oder einfach Futter auf den Boden legen?

Ein Futterhaus ist in jedem Fall vorzuziehen. Wenn große Freiflächen vorhanden sind, kann man auch Äpfel auf dem Boden platzieren und damit jede Menge Amseln anlocken, die ganz verrückt danach sind. Die Vögel müssen aber immer die Chance haben, eine heranschleichende Katze schnell genug zu erkennen.

Es gibt ja viele unterschiedliche Vogelhäuser. Welche sind besonders geeignet?

Das hängt vom Geldbeutel ab. Ein geräumiges Futterhaus, in dem die Vögel nicht all zu sehr aufeinanderhocken müssen, ist immer besser als ein kleines. Es sollte nach allen Seiten offen sein, um schnelle Fluchten vor Beutegreifern oder größeren Nahrungskonkurrenten zu ermöglichen. Zudem sollte es mindestens alle drei Tage gereinigt werden, damit sich keine Krankheitserreger ausbreiten. An unsachgemäß betriebenen Anlagen verenden mehr Vögel als davon profitieren. Ansonsten sind der individuellen Gestaltung keine Grenzen gesetzt. Hätte ich ein Futterhaus, würde ich es mit einer kleinen Fahne von Eintracht Braunschweig schmücken.  

Was ist bei der Platzwahl für das Häuschen zu beachten?

Es sollte nicht in der Nähe zu Glasfronten stehen, ebenso ist ein ausreichender Abstand zu Baum- oder Gebüschstrukturen zu wahren, in denen sich Beutegreifer wie Katzen verstecken können.

 Interview: Britta Bielefeld

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