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Gegenwind für den verkaufsoffen Sonntag

Wenig Begeisterung in Göttingen Gegenwind für den verkaufsoffen Sonntag

Mehr verkaufsoffene Sonntage in Göttingen ja oder nein, ist die Frage, die derzeit diskutiert wird. Anlass ist der neue Entwurf zum Ladenöffnungsgesetz.  Dieser sieht vor, dass Städte und Gemeinden in Zukunft vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr im gesamten Stadt- beziehungsweise Gemeindegebiet genehmigen können.

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Eine Befragung in der Göttinger Innenstadt ergab, dass sich die Mehrheit der Geschäfte wohl mehrheitlich an zusätzlichen verkaufsoffenen Sonntagen beteiligen würden, einen Sinn darin erkennen aber nur die wenigsten.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen . Darüber hinaus soll es eine Genehmigung pro Jahr für einzelne Läden sowie eine Öffnungsmöglichkeit pro Jahr je Stadtbezirk geben – also mindestens einen fünften Sonntag – und für manche Läden, die das nutzen können und wollen, einen sechsten. Voraussetzung für die zusätzlichen verkaufsoffenen Sonntage sei, dass diese Öffnung kommunalen Entwicklungszielen dient, heißt es seitens der Landesregierung. Sie müssten also anlassbezogen sein.

Gegen den „fünften Sonntag“ kündigte die Gewerkschaft Verdi bereits Widerstand an. Schließlich sei in der Verfassung das oberste Gebot die Sonntagsruhe. Auch die Kirche positioniert sich klar. „Der Sonntag soll geschützt bleiben“, sagt der Superintendent im Kirchenkreis Göttingen Friedrich Selter. Er habe zwar Verständnis für die Situation der Göttinger Geschäftsinhaber, doch ein Tag in der Woche sollte für Angestellte sowie Verbraucher Ruhe herrschen. „Damit man sich auf Familie und Freunde konzentrieren kann.

Gemischt ist die Stimmung wider Erwarten unter den Geschäftsinhabern. Eine Befragung in der Göttinger Innenstadt ergab, dass sich die Mehrheit der Geschäfte wohl mehrheitlich an zusätzlichen verkaufsoffenen Sonntagen beteiligen würden, einen Sinn darin erkennen aber nur die wenigsten.  Einige Geschäftsinhaber äußern sich sogar ablehnend wie: „Es lohnt sich einfach nicht, bitte nicht noch mehr verkaufsoffene Sonntage.“ Uwe Taubert, Filialleiter bei Runners Point erinnert sich. „Früher liefen die Geschäfte an verkaufsoffenen Sonntagen richtig gut, da haben wir hier mit viel Personal im Laden gestanden und verkauft.

Aber das hat sich heute stark verändert.“ Die Stadt sei zwar in der Regel gut besucht, aber die Umsätze sind 50 Prozent zurückgegangen. „Die Stadt Göttingen ist zu wenig attraktiv“, meint Taubert. Es gebe zu viele Ladenketten und der Leerstand sei in der Innenstadt zu hoch.  Mehr verkaufsoffene Sonntage machen auch für die Filialleiterin der Firma Hunkemöller Melanie Schmidt keinen Sinn. „Oft hat gleichzeitig  auch der Kaufpark geöffnet. Sogar in anderen Städten rund um Göttingen sind die Geschäfte offen, dann verteilt sich die Kundschaft“, sagt sie. Aus diesem Grund sollte man in Göttingen nicht noch mehr offene Sonntage einführen.

Anders denkt Julia Kindermann, Filialleiterin bei Rituals. „Die Umsätze verteilen sich. Am Sonnabend vor dem Sonntag haben wir weniger in der Kasse“, sagt Kindermann. Göttingen habe aber im Vergleich zu anderen Städten wenige verkaufsoffene Sonntage. Da mache es für sie  durchaus Sinn mehr offene Sonntage einzuführen.

Bei der Interessenvertretung der Göttinger Innenstadt Pro City sieht man hingegen die Vorteile von mehr verkaufsoffenen Sonntagen. „Göttingen hat viel zu bieten, wir sollten uns nicht verstecken“, sagt dazu Michael Rappe, Aufsichtsratmitglied bei Pro City. Immerhin stehe der stationäre Handel und der Onlinehandel in einem intensiven Wettbewerb. Während der Onlinehandel an sieben Tagen der Woche rund um die Uhr geöffnet hat, gibt es für den stationären Handel Einschränkungen bei den Ladenöffnungszeiten. Das meint auch Frederike Breyer, Geschäftsleiterin von Pro City. „Wir leben gut mit den zwei verkaufsoffenen Sonntagen, die wir haben. Die Leute haben ja nicht mehr Geld in der Tasche“ so Breyer.  Doch Göttingens Images als Begegnungsort sollte ihrer Meinung nach gestärkt werden. „Wir müssen das Einkaufserlebnis in Göttingen bekannter machen“, sagt Breyer. „Vielleicht entdecken die Besucher ein Geschäft für sich neu, lassen sich inspirieren und kommen dann im Laufe der Woche noch einmal zurück“, sagt sie.

Breyer weiß jedoch auch, dass die Meinungen innerhalb der Geschäftsinhaber unterschiedlich ist. „Alle unter einen Hut zu bringen ist schwierig“, sagt Breyer. Zwei drittel aller Geschäfte in Göttingen werden zwar von Inhabern geführt.  Es müsse aber auch bekannte Ladenketten geben. „Wir dürfen uns insgesamt nicht einschränken, die verkaufsoffenen Sonntage sehr gut geeignet, um Göttingen in ein besseres Licht zu stellen, sagt Breyer.  Doch so ganz einverstanden ist man mit dem Gesetzentwurf auch bei Pro City noch nicht. Die Anlassbezogenheit ist ihrer Meinung nach kritisch. „Das halten wir für nicht umsetzbar“, so Breyer.

Von Bernard Marks

Sonderregeln für Erholungs- und Ausflugsorte

Duderstadt und Hann. Münden haben als staatlich anerkannter Ausflugs- beziehungsweise Erholungsort einen Sonderstatus bei den Ladenöffnungszeiten an Sonntagen: Ausflugsorte dürfen bis zu acht verkaufsoffene Sonntage genehmigen. In Kur- und Erholungsorten dürfen Geschäfte mit „Waren des täglichen Kleinbedarfs“ und Touristikartikeln an jedem Sonntag bis zu acht Stunden öffnen. Das gilt grundsätzlich auch für Wallfahrtsorte wie Germershausen und Höherberg im Eichsfeld.

In der Stadt Hann. Münden nutzen nach Angaben der Verwaltungssprecherin Julia Bytom Händler mit Waren des täglichen Kleinbedarfs die Möglichkeit, Sonntags mehrere Stunden zu öffnen - „aber nicht, bevor die Kirche zu Ende ist“, betonte Verwaltungssprecherin Julia Bytom. Darüber hat die Gilde bei der Stadt für dieses Jahr vier verkaufsoffene Sonntage beantragt, die vom Rat noch per Allgemeinverfügung genehmigt werden müssen: am 9. April zu Ostern, am 13. August zum Kindertag, am 24. September zum Bauernmarkt und am 29. Oktober zur Zeitumstellung.   
Im Ausflugsort Duderstadt haben einige Lebensmittelmärkte an jedem Sonntag geöffnet, bestätigt die Ordnungsamtsleiterin Sabine Holste-Hoffmann - „außer an den Adventssonntagen“. Darüber hinaus dürften alle Geschäfte „schon traditionell“ und in Absprache mit den Gewerbeverein „Treffpunkt Stadtmarketing“ an vier Themensonntagen sonntags öffnen. Das sind in diesem Jahr die Sonntage 2. April (Frühlingsmarkt), 7. Mai (Gartenmarkt), 8. Oktober (Apfel- und Birnenmarkt) und 12. November (Wurstmarkt).

Osterode erfülle nicht die Voraussetzungen für die Einstufung als Ausflugsort, sagt Stadtverwaltungssprecher Karl-Heinz Löwe. Daher könne die Stadt nur vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr bieten. Allerdings: „Mit den vier Sonntagen sind wir gut bedient“, meint Löwe. „Aus der Geschäftswelt kommen keine weiteren Wünsche.“ Für dieses Jahr sind die verkaufsoffenen Sonntage bereits verplant: am 9. April zum Osteroder Ostermarkt, am 21. Mai zum Altstadtfest, am 10. September zum Oldtimertag und am 29. Oktober zum Oktoberfest.
Zu Waren des täglichen Kleinbedarfs gehören laut niedersächsischer Verordnung klassische Kioskwaren, Bäckerwaren, Blumen, Hygieneartikel sowie Lebens- und Genussmittel in kleinen Mengen. us/hein

Aktualisiert am 12.1.17, 10 Uhr

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