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Mit 480 PS über den Acker

Erntezeit und Tageblatt-Leser mittendrin Mit 480 PS über den Acker

Landwirtschaft 4.0: Sven Rittersen spielt leidenschaftlich gerne auf seiner Konsole seinen Landwirtschafts-Simulator. „Jetzt wollte ich mal schauen, wie die Realität aussieht, das ist doch wie auf einem Männerspielplatz“. Rittersen ist einer der Gewinner einer Verlosung von Landvolk und Tageblatt.

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Besser als der Landwirtschafts-Simulator: Für Sven Rittersen (rechts) wird ein Männertraum wahr – mit Fahrer Jens Riese auf einem modernen Rübenroder unterwegs.

Quelle: Peter Heller

Göttingen / Rosdorf. . Vier Männer und eine Frau begrüßt Landvolk-Geschäftsführer Achim Hübner auf der Biogasanlage in Rosdorf. Die Frau heißt Tanja Rittersen, sie hat die Tour für ihren Mann gewonnen. Hübner verteilt die Männer auf die Touren, zweimal Mais, zweimal Rübe. Beides wird gerade (noch) geerntet, beim Mais sind es bereits die letzten Felder, die unter den Häcksler kommen.

Rittersen fährt also Rübe. Auf einem Acker bei Ballenhausen dreht der 480 PS starke Holmer Terra Dos T 3 seine Runden. „Schon beeindruckend, das Fahrzeug“, sagt der Gieboldehäuser noch vom Boden aus. Mit dem Roder werden die Rüben aus dem Boden gehoben, das Grün wird zerkleinert und gleich wieder in den Acker eingebracht. Die Staubwolke, die der Roder am Freitag aufwirbelt, ist schon vom Weiten zu sehen, der Boden ist trocken, die Ernte läuft auf vollen Touren. Rübenroder-Fahrer Jens Riese leert den sogenannten Bunker, den Drahtbehälter auf dem Fahrzeug. Tonnenweise Zuckerrüben rollen auf die Miete, den großen Rübenberg am Rande des Ackers. Schön sauber sind die Feldfrüchte. Auch die Straßen rund um die Äcker sind in diesem Jahr dank der trockenen Witterung zur Haupterntezeit kaum mit Ackerboden verschmutzt.

Rittersen klettert die Leiter auf das meterhohe Fahrzeug hinauf und ab geht es. Vom Konsolenspiel-Fan ist ab diesem Moment nur noch ein in der Fahrzeugkanzel in die Höhe gestreckter Daumen zu sehen. Er zieht dort oben weiter begeistert seine Runden. Auch Leser Friedrich Wilhelm Ropeter dreht seine Runden auf einem Rübenroder - auf einem Acker bei Scheden.

In den vergangenen Tagen rollten auf den Straßen der Region unentwegt Trecker: Im Minutentakt fahren sie an der Biogasanlage Rosdorf vor und bringen tonnenweise Mais für die Silage dorthin. Bevor es soweit ist, muss der Mais aber erst einmal geerntet werden. Die kräftigen Pflanzen werden direkt auf dem Acker geschnitten und in einem Arbeitsgang gleich in voller Fahrt gehäckselt. Das erledigt auf dem Feld bei Diemarden ein Jaguar. „Ein Claas Jaguar 940er, ein eher kleiner Maishäcksler“, sagt Hübner. Klein? Das ist wohl Ansichtssache.

Bernd Dalügge klettert aus dem Claas, ein breites Lächeln im Gesicht. Auch der Dransfelder hat beim Tageblatt die Tour gewonnen, er fährt aber Mais statt Rübe. „Das ist gigantisch, Wahnsinn“, sind seine ersten Worte. „Das war optimal, was für ein Erlebnis“. Dalügge ist, wie auch Bernd Wasmus aus Göttingen, auf einem Maishäcksler unterwegs. Das imposante Fahrzeug hinterlässt bei dem Technikfan mächtig Eindruck. „Wie schnell der Anhänger voll ist und wie die Menge an Material dort durchläuft“, erzählt er strahlend. Der Häcksler fährt Seite an Seite mit dem Trecker, der den Anhänger zieht. Mit einem Funkgerät stimmen sich die Fahrer ab, vieles in den modernen Maschinen läuft automatisch.

Dennoch: „Der Fahrer muss schon voll konzentriert sein“, sagt Dalügge. Trotzdem habe er ihm alles erklärt. Neun Reihen Mais werden mit dem Schneidwerk erfasst. „Wahnsinn, wie schnell das geht“. In der Tat. Nach nur vier bis fünf Minuten ist ein Hänger voll, zwölf bis 13 Tonnen Mais passen darauf. Beide Fahrzeuge plus Fahrer: Pro Stunde verursacht das Kosten in Höhe von fast 1000 Euro. Da bleibt keine Zeit zum Anhalten. Die Landwirte nutzen das trockene Wetter, gearbeitet wird bis in die Abendstunden.

Rübenkampagne

Die Rübenkampagne rollt, seit etwa zwei Wochen holen die Bauern die Zuckerrüben von den Äckern der Region. Im Landkreis Göttingen werden auf etwa 3000 Hektar Fläche Rüben angebaut. Auf jedem Hektar wachsen in diesem Jahr rund 70 bis 75 Tonnen dieser Frucht. Und: In diesem Jahr ist sie von besonders guter Qualität, denn der Zuckergehalt beträgt 17 bis 18 Prozent. „Dabei handelt es sich um den sogenannten Rosinen-Effekt. Durch die flächendeckende Trockenheit nimmt der Wasseranteil im Rübenkörper ab, im Gegenzug steigt der Zuckergehalt anteilig an“, erklärt Dr. Heinrich-Hubertus Helmke vom Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ). Der von den Bauern ersehnte Regen würde die Erntearbeiten erleichtern, allerdings auch für mehr Boden an den Rüben sorgen. Die Rübenkampagne wird noch bis in den Januar hinein andauern.

Maisernte

Die Maisernte

Die Maisernte

Quelle:

Für die Biogasanlage Rosdorf sind in diesem Jahr 700 Hektar Fläche mit Mais bestellt worden. Der weitaus größte Teil der Ernte ist bereits eingebracht, die Bauern haben das stabile trockene Wetter der vergangenen Septemberwochen genutzt. In der Region werden auf etwa sieben bis acht Prozent der Ackerflächen Maispflanzen kultiviert. In diesem Jahr werden allein für die Biogasanlage Rosdorf 35 000 Tonnen Mais für die Silage angeliefert. „Der größte Teil der Maispflanzen für die Anlage wächst im Zehn-Kilometer-Radius um Rosdorf herum“, sagt Achim Hübner vom Landvolk Göttingen. Der Mais werde in der Silage „konserviert wie Sauerkraut“. Pro Hektar Fläche werden in Südniedersachsen etwa 50 Tonnen Mais geerntet.

Mais für Wärme

Rund 35000 Tonnen Mais werden in diesem Jahr in der Biogasanlage Rosdorf verarbeitet. Die gehäckselten Pflanzen werden fermentiert, durch diesen Prozess entsteht das Gas, das unter anderem die JVA, das Freibad und ein Seniorenheim beheizt. Ein weiterer Teil des Gases wird an die Stadtwerke Göttingen abgegeben. Mais macht den größten Anteil (60 Prozent) der Biomasse aus, die in der Anlage zur Gasproduktion benutzt wird. Etwa 30 Prozent sind Mist (Hühnermist und Gülle) der Rest andere Pflanzen. Die von der „Biogas Göttingen GmbH“ betriebene Anlage wurde im Jahr 2011 in Betrieb genommen. Die Biogasanlage wird von etwa 50 Landwirten aus der Region betrieben. Biogas ist nach Angaben der Göttinger Stadtwerke effizienter als Biodiesel: Für dieselbe Energiemenge wird beim Raps die vierfache Fläche benötigt.bib

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