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Beim Start schneller als ein Porsche

Peter Otrzonsek bildet Drohnen-Piloten aus Beim Start schneller als ein Porsche

Mal eben eine Drohne kaufen und losfliegen: So einfach ist das nicht. Die neuen Auflagen beschränken den Einsatz und erfordern nachweislich Know-how.  Der Kopter-Pilot Peter Otrzonsek, der Drohen-Flieger ausbildet, nimmt es gelassen.

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Quelle: r

Göttingen. Otrzonsek ist ein passionierter Drohnen-Pilot. Er besitzt fünf solcher Fluggeräte in unterschiedlichen Gewichtsklassen. Und: Er bildet Drohnenflieger aus. „ Ab 1. Oktober wird es für viele Kopter-Steuerer ernst. Der Kenntnisnachweis wird ab diesem Datum für Fluggeräte mit einem Gewicht mit mehr als zwei Kilo zur Pflicht”, erklärt der Einbecker. Das heißt, dann müssen die Piloten eine Prüfung absolvieren. „Zusammen mit dem Bundesverband Copter Piloten und weiteren Mitgliedern aus dem Verband haben wir ein Prüfungskonzept erstellt und es beim Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig eingereicht“, sagt er. Otrzonsek begrüßt die neuen Regeln für Drohnen-Piloten. „Das macht absolut Sinn“, sagt er.

Auch der professionelle Göttinger Drohnenflieger Michael Mehle, der seit vielen Jahren Hightech-Aufnahmen mit seinen Koptern erstellt, will seine Prüfung bei Otrzonsek ablegen. Für ihn allerdings bedeutet das neue Gesetz „mehr Aufwand, mehr Kosten und weniger Flexibilität“. Bislang konnte er seine Drohnen auch mal spontan für einen Auftrag aufsteigen lassen, wenn das Wetter passte. „Ich habe den Persönlichkeitsschutz immer respektiert, auch ohne Gesetz“, sagt er.

Drohnen-Pilot Michael Mehle

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Eine wesentliche Verschärfung beispielsweise ist bereits seit April, dass Drohnen, die mit Kameras ausgestattet sind, nur noch mit der Genehmigung aller Anwohner über bewohnten Gebieten aufsteigen dürfen. „Wenn ich einen Auftrag habe, hole ich mir die Genehmigung“, sagt Otrzonsek. Der Elektroingenieur arbeitet hauptberuflich bei der Bahn, im Nebenjob fertigt er Videos und Fotos aus der Vogelperspektive - und schult Drohnen-Piloten. Seit drei Jahren fliegt auch er gewerblich. „Es kommt schon vor, dass man dabei argwöhnisch beobachtet wird“, sagt er. „Wenn man den Leuten dann vernünftig erklärt, was und warum man mit dem Kopter unterwegs ist, sind sie meisten sehr interessiert“, sagt er. Auch die Polizei habe schon einmal gestoppt, als er eines seiner Geräte fliegen ließ. „Die Beamten haben freundlich gefragt, was ich da mache und ob ich das darf“, erzählt er. Und weiter: „Ich habe die beiden dann zu meinem Auto eingeladen und ihnen erklärt, was ich dort treibe“, sagt er. Der Flug sei ja wie immer ordnungsgemäß auch bei der Polizei angemeldet gewesen. „Ich persönlich finde so etwas ganz gut und hab mir auch gerne die Zeit genommen, um über das Thema zu sprechen“, so Otrzonsek.

Warum die Auflagen verschärft wurden und werden, könne man nur vermuten. Aber dass der Luftraum in Hinblick auf eine stärke kommerzielle Nutzung - wie für Amazon- und DHL-Auslieferungen - geordnet werden soll, sei durchaus denkbar.

Auf jeden Fall gebe es „viele Punkte zum Anecken für Kopter-Piloten“. Nicht nur das Überfliegen von bewohnten Gebieten schränkt den Flugraum ein. Auch muss ein Abstand von 100 Metern beispielsweise zu Bundesfernstraßen (Autobahn und Bundesstraßen), zu Eisenbahnlinien, zu Menschenansammlungen, zu Feuerwehr- und Polizeieinsätzen eingehalten werden.

Der Einsatz der Technik allerdings sei vielseitig: Otrzonsek fliegt beispielsweise auch für die Feuerwehr. Die Personensuche mit einer Wärmebildkamera ist eine Einsatzmöglichkeit der Drohne. Auch bei der Bekämpfung des Schädlings Maiszünsler werden Drohnen erfolgreich eingesetzt.

Die Wärmebildkamera ist eine von drei Kameras auf seinem großen Kopter. Das zugehörige Display, das Otrzonsek auf eine Fotostativ stellt, zeigt die Bilder, die die Drohnenkamera sendet. Menschen sind als kleine weiße Flecken selbst auf der Straße zu erkennen, „Wenn es kälter ist, ist der Kontrast natürlich deutlicher“, sagt er. Vom Boden aus kann der Pilot zwischen den Kameras wählen.

Otrzonseks große Drohne wird per GPS gesteuert. Sie kann rund eine halbe Stunde in der Luft bleiben“, sagt er. Wenn das Gerät startet, ist nur ein Surren zu hören, und binnen Sekunden ist das Gerät in der Luft. Gegen eine Drohne hat ein Porsche auf der Viertel-Meilen-Distanz  keine Chance, sie ist bis zu 150 Stundenkilometer schnell. sagt er.  „Das ist schon eine Waffe.“

Otrzonsek hat einst mit Modellfliegern begonnen, dann packte ihn das Drohnenfieber. Sein etwa vier Kilo schwerer, achtarmiger Okta-Kopter ist selbstgebaut, bis zu 30 Minuten kann die Drohne in der Luft bleiben, dann ist der Akku am Ende. „Und der Nacken wird vom Aufschauen steif“, so der Einbecker, „Nächste Saison kaufe ich mir einen Liegestuhl“, sagt er und lacht. bib

Hochzeitsaufnahmen kaum mehr möglich

Seit 2015 besitzt Ulli Dornieden aus Westerode Drohnen. Mit diesen hat er bislang zahlreiche Luftaufnahmen, auch bei Veranstaltungen gemacht. Doch durch die neue Verordnung ist er, der den Drohnenflug gewerblich betreibt, allerdings in seinen Möglichkeiten eingeschränkt.

„Ich habe bislang zum Beispiel auch bei Hochzeiten mit der Drohne gefilmt, doch dies ist durch den vorgegebenen Abstand von 100 Metern kaum noch möglich“, berichtet Dornieden. Denn bei diesem Abstand sei es schwierig die Personen auf den Fotos überhaupt noch zu erkennen. „Das Interessante waren die Bilder aus der 45-Grad-Perspektive, mit geringen Abstand zu den Beteiligten“, sagt er. Außer für Hochzeiten gelten diese Regeln auch für alle anderen Veranstaltungen, bei denen zahlreiche Menschen dabei sind, denn Menschenmengen dürfen nicht mehr überflogen werden. „Durch die Neureglungen geht etwas von dem Reiz verloren, der die Drohnen-Aufnahmen bislang ausgemacht hat“, meint Dornieden. Allerdings erkennt er einen Trend, nämlich dass mittlerweile zahlreiche Privatpersonen eine Drohne fliegen und sich nicht immer an die Vorschriften halten. Daurch, so Dornieden, sei die gesamte Branche in Verruf gekommen. „Es gibt wirklich nützliche Sachen, die mit der Drohne gemacht werden können, wie etwa der Einsatz von Wärmebildkameras in der Landwirtschaft“, so Dornieden. Er selbst hat auch gern markante Punkte und Objekte der Region, wie die Oberkirche in Duderstadt, für Aufnahmen aus einer anderen Perspektive überflogen.
Zum Drohnenflug ist er gekommen, weil er bereits seit 2008 Modellhubschrauber fliegt. „Hier muss man den Hubschrauber aktiv steuern, während beim Drohnenflug diese als Kameraträger dient“, sagt er. Denn die Drohne verfüge über ein Drei-Achsen-System, das die Kamera, wenn sie nicht anders gesteuert wird, horizontal hält. Zudem habe er auch zuvor gern fotografiert, sodass er jetzt beide Dinge miteinander verbinden könne. Bereits vor der neuen Verordnung war er als gewerblicher Drohnennutzer verpflichtet ein Flugbuch zu führen und seine Flüge beim Ordnungsamt und der Polizei anzumelden. „Dies hat hier in Duderstadt immer reibungslos funktioniert“, so Dornieden. Im Zusammenhang mit der jetzigen Gesetzeslage hofft er, dass er den Luftfahrbefördern der Länder noch gelingt, diese pragmatischer zu gestalten, weil ansonsten ein Großteil seiner bisherigen Filme nicht mehr möglich wären. ve

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