Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
„Preise sind bis zu 30 Prozent gestiegen“

Immobilien „Preise sind bis zu 30 Prozent gestiegen“

In den Städten werden Immobilien  immer teurer – auch in Göttingen.  Die Menschen ziehen wieder in die Städte, das gilt auch für Duderstadt und Hann. Münden. Lohnt es sich trotz der hohen Preise noch, ein Haus zu kaufen? Und  wenn ja, wo? Ein paar Tipps.

Voriger Artikel
Lesen hat viele Gesichter
Nächster Artikel
Meisterwerk des Wortschatzes
Quelle: obs/Europace AG

Göttingen. Zinsen gibt es kaum, Sparen lohnt sich nicht. Ist eine Immobilie derzeit eine gute Wertanlage?
Sparen lohnt sich nach wie vor. Aber es reicht heute immer weniger aus, das Geld nur kurzfristig zu parken. Es geht also auch um Themen wie die Fristigkeit der Anlage und um bewusstes Eingehen von Risiken. Eine sinnvolle Anlage kann die Immobilie sein. Sowohl für die eigengenutzte wie auch für die Wertanlage oder als Renditeobjekt sollte aber eine ausgiebige Beratung erfolgen – die Möglichkeiten und Risiken aufzeigt. Ein wichtiger Vorteil bei der eigengenutzten Immobilie ist dabei das mietfreie Wohnen im Alter, daher sollte in Zeiten der Niedrigzinsphase dieser Gedanke auch bei der Altersvorsorge einfließen.

Markus Bludau

Quelle: pr

Wie haben sich die Kaufpreise in den vergangenen Jahren in Südniedersachsen  entwickelt?
Mit den niedrigen Zinsen und der guten Auslastung der Handwerksbetriebe sind auch die Preise in Südniedersachsen angestiegen.  In den vergangenen fünf Jahren sind die Kaufpreise in Göttingen je nach Segment durchschnittlich um 10 bis 30 Prozent angestiegen. Dabei sehen wir sehr unterschiedliche Entwicklungen. Je weiter die Immobilien von der Kernstadt Göttingen entfernt sind, umso weniger stark sind die Preissteigerungen. Die Auswirkungen sind teilweise noch zehn Kilometer außerhalb zu sehen. Im Landkreis Göttingen gibt es aber auch Regionen, bei den es durchschnittlich zu Rückgängen im Preisniveau kommt. 

Gibt es einen Unterschied bei der Entwicklung von Häuser- im Vergleich zu Wohnungspreisen?
Tendenziell ist der Anstieg der Wohnungspreise höher als der Häuserpreise. Wahrscheinlich hängt dies mit den Trends zu Single-Haushalten zusammen. Und wir können auch feststellen, dass einzelne Kunden nach Erreichen des Rentenalters ihr Haus im Landkreis verkauft haben und in eine Wohnung in die Stadt gezogen sind. Der Infrastrukturaspekt spielt dabei wohl die entscheidende Rolle. 

In der Stadt Göttingen ist Eigentum bereits rar und teuer. Lohnt sich der Kauf dennoch?
Hier ist keine pauschale Antwort möglich. Bei Wertanlagen sollte externer Sachverstand hinzugezogen werden. Hier sind etwa der Erhaltungsgrad der technischen Anlagen und ein möglicher Investitionsstau für die Investitionsentscheidung wesentlich.  Bei einem Renditeobjekt liegt der Segen im Einkauf.  Bei einer Entscheidung für eine eigengenutzte Immobilie sollte insbesondere auch die eigene Lebenssituation und das finanzielle Leistungsvermögen bedacht werden. 

Wie sieht es mit Eigentum in den umliegen Dörfern aus?
Die Auswirkungen des demographischen Wandels sind inzwischen bekannt. Die Tendenz zur Landflucht zeigt sich auch im Göttinger und Northeimer Bereich. Man muss sich beim Kauf die Frage stellen, was eine Immobilie in zehn Jahren noch interessant machen könnte. Gibt es im Dorf noch Infrastruktur, Verkehrsanbindung, medizinische Versorgung und ähnliches. Oder ist diese Infrastruktur in zehn Jahren nicht mehr verfügbar? Wir konnten beobachten, dass die Attraktivität der Dörfer auch von der Entfernung von der A7 und der A 38 beeinflusst. 

Dennoch es bleibt vor allem eine Frage der persönlichen Neigung. Meine Familie und ich wohnen seit Jahren in Gladebeck, einem 1200 Einwohner-Dorf. Und damit sind wir sehr zufrieden. Wie sich der Wert unserer eigengenutzten Immobilie entwickelt, kann ich nur schätzen. Es ist für unsere Familie aber nicht so wichtig, weil insbesondere meine Frau und ich ja dort wohnen bleiben möchten. 

Und in den Mittelzentren wie Northeim, Duderstadt oder Hann. Münden?
Auch die Preise in den Mittelzentren sind gestiegen, aber nicht so wie im Oberzentrum. Das Preisniveau liegt niedriger als in Göttingen. 

Worauf sollte man bei der Wahl   der Lage achten, wenn die Immobilie möglichst wertstabil bleiben soll?
Der Interessent sollte auf gute Infrastruktur, dass heißt Verkehrsanbindungen  – wie Straßen, Bahn, Bus – Schulen, Kindergärten, Einkaufsmöglichkeiten, Vereine, medizinische Versorgung vor Ort achten.

Welchen Tipp geben Sie kaufwilligen Interessenten, wie und wo findet man noch sein Traumhaus?
Angesichts der derzeitig historisch niedrigen Zinsen sollte man hohe Tilgungsraten vereinbaren  – drei Prozent und mehr. Wer mit den extrem niedrigen Zinsen kalkuliert und nur eine geringe Tilgung einplant, gerät womöglich in Schwierigkeiten, wenn das Darlehen ausläuft, noch nicht besonders viel getilgt ist und die Anschlussfinanzierung nur zu höheren Zinsen möglich ist. Deshalb ist es klug, gleich eine höhere Tilgung zu vereinbaren und so zu kalkulieren, dass man die Raten trotzdem gut stemmt. Hierdurch kann Sicherheit für die Zukunft geschaffen werden. Und wie und wo man das Traumhaus findet? Im Internet und in der Zeitung oder noch besser: man hört davon.

  Interview: Britta Bielefeld

Einige Beispiele für derzeit verfügbare Einfamilienhäuser:

- Göttingen 540 000 Euro (Nikolausberg) bis 690 000 Euro (Geismar)
- Duderstadt 45 000 Euro bis 395 000 Euro (jeweils Nesselröden)
- Hann. Münden 240 000 Euro (Innenstadt)
- Dransfeld
399 000 Euro (Niemetal)
- Nörten-Hardenberg
116 000 Euro bis 129 000 Euro (jeweils Angerstein)

Mittelzentren beliebt

Wer sich in der Region ein Haus oder eine Wohnung kaufen möchte, hat es schwer: Es gibt wenig Leerstände, freie Immobilien sind kaum verfügbar – und wenn, dann meist zu hohen Preisen. Ein paar Beispiele:

- Duderstadt: Auf dem Immobilienmarkt in Duderstadt herrscht Bewegung. Freigewordene Häuser werden aber zumeist sehr schnell wieder bewohnt. Vor allem junge Familien zieht es in die Eichsfeld-Metropole. Von 99 Kaufverträgen, die 2015 geschlossen wurden, waren 28 Käufer jünger als 30. Das Durchschnittsalter betrug 38 Jahre. „Das ist für mich die schönste Statistik und zeigt, dass Duderstadt ein interessanter, spannender Ort mit weltoffenem Klima ist“, sagt Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU).

Da Duderstadt über eine gute Infrastruktur, familienfreundliche Einrichtungen und trotz der Bewahrung des Stadterbes über moderne Wohngebäude verfügt, sei der Häuserkauf im Vergleich zu anderen Orten der Region aber verhältnismäßig teuer. Da laut Nolte „mit Volldampf“ daran gearbeitet wird, die Innenstadt weiterzuentwickeln und neue Baugebiete zu erschließen, steige die preisliche Tendenz zusätzlich.

- Hann. Münden: In einer weiteren Stadt des Fachwerk-Fünfecks ist es keineswegs einfacher, eine Immobilie zu erwerben – höchstens etwas günstiger. „Die Nachfrage ist gut, wir haben sogar Probleme, Leerstände für das Denkmalkunst-Festival zu finden“, berichtet Bürgermeister Harald Wegener (BFMü). Für viele Interessenten sei die Innenstadt auch aufgrund der Barrierefreiheit interessant, schätzt Wegener. Mit dem Programm „Jung kauf Alt“ will die Stadtverwaltung zusätzliche Einwohner in die Stadt locken.

Dabei werden hauptsächlich junge Familien angesprochen, in alte Immobilien zu investieren. Im Gegensatz zu anderen Kommunen gebe es in Hann. Münden wegen der Haushaltslage keine finanzielle Unterstützung als Anreiz.  „Wir stehen aber mit Rat und Tat zur Seite“, erklärt Nicole Prediger, Bereichsleiterin Stadtentwicklung.

- Gleichen: „22 Leerstände in 16 Dörfern – wir können uns nicht beklagen“,  so Manfred Kuhlmann (SPD), Bürgermeister der Gemeinde Gleichen. Zudem bestehe sehr wohl Interesse an einigen der freistehenden Immobilien, deren Eigentümer ihre Häuser aber nicht veräußern möchten. Je weiter ein bewohnbares Objekt vom Oberzentrum Göttingen entfernt sei, umso schwieriger gestalte es sich jedoch, Käufer zu finden, weiß Kuhlmann. Das schlägt sich auch in den Preisen nieder. Während Immobilien nahe Göttingens beinahe Preise wie in Duderstadt und Hann. Münden erzielen, sind sie in kleineren Dörfern ohne ausgeprägte Strukturen zum Teil billiger als eine Limousine der oberen Mittelklasse zu haben. „Daher wünsche ich mir schon mehr Aufmerksamkeit durch Förderprogramme“, sagt Kuhlmann. fab

Das sagen die Makler

„Göttingen verhält sich wie eine Großstadt“:  Aber, so analysiert Axel Armbrecht von der Maklerfirma Engel & Völkers: „Göttingen kann im Gegensatz zu anderen Städten, die sich spinnenförmig ausdehnen, nur in die Länge wachsen. Besonders nach Norden werde sich die Stadt verdichten, da dort die meisten Arbeitgeber angesiedelt sind. Gründe hierfür seien die topografischen und geologischen Gegebenheiten. So wird die Stadt beispielsweise im Osten vom unbebaubaren Hainberg begrenzt. Zudem befinde sich zwischen Leine und Autobahn ein großer Teil des Gewerbegebiets.

Weende und Bovenden dürften daher eines Tages zusammengewachsen sein. 2500 Wohneinheiten fehlen in Göttingen laut einer Erhebung der Stadtverwaltung. Armbrecht glaubt, dass die Zahl sogar noch höher ist. Da gleichzeitig die Nachfrage nach innenstadtnahem Wohnen und der Drang in die Städte zunehmen, „geht der Trend für die Immobilienkaufpreise eindeutig nach oben“, so Armbrecht. Wenngleich der Anstieg vielleicht nicht ganz so stark ausfalle wie in den vergangenen Jahren.

Angesichts dieser Entwicklung rät der Göttinger Immobilienmakler Rainer Dellemann seinen Klienten, vor einem Kauf gut zu überlegen, ob die Eckdaten stimmen. „Aufgrund der Zinspolitik kommt man momentan leichter an Finanzmittel und es ist verlockend, sich ein Haus zu kaufen. Der Schuss kann jedoch nach hinten losgehen, wenn sich Zinslage und Lebensumstände ändern“, sagt Dellemann. Über Wartezeiten lasse sich nur schwerlich eine Prognose erstellen.

„Wer ins Tageblatt annonciert, dass er ein Haus auf den Zietenterrassen zu jedem Preis sucht, wird schnell fündig.“ Ansonsten erhalte marktüblich der Höchstbietende zumeist den Zuschlag. Günstigere Alternativen finden sich in der Göttinger Peripherie und den ländlichen Regionen. „Nikolausberg, Herberhausen und Elliehausen werden gut frequentiert“, weiß Dellemann. Weniger gut seien Immobilien in Dörfern weit außerhalb ohne Struktur zu vermitteln. fab

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Tanzende Schneeflocken im "Kauf Park"