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„Ehrenamt ist Gold wert“

272 Ehrenamtskarten im Kreis Göttingen „Ehrenamt ist Gold wert“

Landrat Bernhard Reuter (SPD) hat 15 Ehrenamtskarten an freiwillige Helfer der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Bovenden überreicht. In der Awo-Begegnungsstätte würdigte der Landrat damit langjähriges ehrenamtliches Engagement.

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Für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt: Christa Braun (von links), Ernst Zech und Inge Kettler.

Quelle: Harald Wenzel

Bovenden. In der Begegnungsstätte der Awo in Bovenden leisten rund 40 Männer und Frauen ehrenamtliche Arbeit für das gemeinschaftliche Wohl. Seit 40 Jahren dabei: Inge Kettler. Die Vorsitzende des Awo-Ortsvereins hatte damals die Idee für das betreute Wohnkonzept „Am Korbhofe“. „Am Anfang haben wir alles ehrenamtlich gemacht“, erzählt sie. So sei beispielsweise aus einer Hausaufgabenhilfe innerhalb von 20 Jahren das Schulkinder-Haus entstanden. „Es war auch oft nicht einfach“, meint Kettler. „Man muss um alles kämpfen.“ So erwuchs aus dem kleinteiligen Ehrenamt ein vielfältiges Programm: ob Bastelkurse, Doppelkopf-Runden, Smartphone-Lernkurse oder das seit dreieinhalb Jahren betriebene Café „Komm“ (Korbhof-Miteinander-Mitgestalten) – alles wird auf ehrenamtlicher Basis angeboten.

Es sei 2011 eine seiner allerersten Amtshandlungen gewesen, die Ehrenamtskarte einzuführen, sagt Landrat Reuter. Seither wurden 272 Karten vergeben, das sind rund 50 pro Jahr. Aber: „Fünfzehn auf einen Streich, das gibt es selten“, stellt Reuter fest. Sein Besuch sei Ausdruck eines „herzlichen Dankeschöns für den Willen, die Energie und die Zeit, die anderen Menschen durch das Ehrenamt geschenkt wird“.

„Es ist wichtig, dass man die ehrenamtliche Tätigkeit auch als Bereicherung für sich selbst begreift“, sagt Landrat Reuter. Sie bringe Sinn in das eigene und Freude in das Leben anderer.

Mit der verliehenen Ehrenamtskarte können die freiwilligen Helfer zwar unter anderem vergünstigt kulturelle Einrichtungen besuchen, das Angebot, gerade in der Stadt Göttingen, ist aber überschaubar. „Da kann man immer nur appellieren an die Einrichtungen“, sich zu beteiligen, meint Reuter. Vielen der 15 ausgezeichneten Ehrenamtlern geht es ohnehin weniger um die Karte und die Vergünstigungen. „Es geht mir um die Geste“, sagt beispielsweise Christa Braun.

Karte vom Landkreis

Um eine Ehrenamtskarte zu bekommen, ist dem Landkreis zufolge unentgeltliche Arbeit, die in einem organisatorischen Rahmen kontinuierlich geleistet wird, erforderlich. Die Tätigkeit muss mindestens fünf Stunden die Woche oder 250 Stunden im Jahr betragen. Wer sich über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren ehrenamtlich engagiert hat, kann bei den Gemeindeverwaltungen und beim Landkreis das Antragsformular einreichen.

Die 69-Jährige bietet seit 35 Jahren jeden Mittwoch einen Seniorenkreis in der Begegnungsstätte an. „Mir ging es immer gut“, erzählt sie: „Ich hatte immer das Gefühl, der Allgemeinheit auch etwas zurückgeben zu müssen.“ Für Ernst Zech entsprang das freiwillige Engagement zunächst aus egoistischer Natur, um Anschluss zu finden, wie er zugibt. Mittlerweile aber „möchten meine Frau und ich es nicht mehr missen“. Er kümmere sich um das Café „Komm“ und die Grünanlagen. „Manchmal fühle ich mich wie ein Hausmeister“, sagt der 79-Jährige. Zugleich wünscht sich der ehemalige Buchbindermeister noch mehr bürgerliche Teilnahme: „Wir möchten eigentlich liebend gern, dass noch mehr zu uns kommen, damit wir das auf mehr Schultern verteilen können.“

Wer sich dazu entscheidet, sich ehrenamtlich zu engagieren, kann jedoch nicht umgehend mit einer Honorierung in Form der Ehrenamtskarte rechnen. „Die Karte gibt es nicht für lau“, erklärt Reuter. Erst bei fünf Stunden ehrenamtlicher Arbeit pro Woche über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren könne ein Antrag auf die Karte gestellt werden. Auf dem Umschlag der Karte steht: „Ehrenamt ist Gold wert“.

Wie kann ich tätig werden?

In der Region Göttingen gibt es vielschichtige Möglichkeiten zum ehrenamtlichen Engagement. Durch die Flüchtlingskrise sei „ein richtiger Aufschwung des Ehrenamts“ entstanden, sagt Landrat Bernhard Reuter (SPD).
Das Reuter zufolge „tolle ehrenamtliche Engagement“ kann sich nach Ansicht des Landkreises durchaus noch steigern. „Es wäre schön, wenn sich mehr engagieren würden, um diejenigen zu unterstützen, die jetzt schon freiwillig tätig sind“, meint Nadine Neukirchner von der Stabstelle Zentrale Steuerung des Landkreises Göttingen. Für alle, die Lust haben, ehrenamtlich aktiv zu werden, hier eine Auswahl an Angeboten in der Region:

  • Ehrenamt in Sportvereinen : Beinahe jeder Sportverein ist auf das Ehrenamt angewiesen. Ob Trainer, Betreuer, Greenkeeper oder Zeugwart – die örtlichen Sportverein informieren über die Möglichkeiten, sich zu engagieren.
  • Deutsches Rotes Kreuz : Beim Kreisverband Göttingen-Northeim des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind rund 750 Menschen ehrenamtlich aktiv. Die Freiwilligenarbeit gliedert sich unter anderem in Jugendarbeit, Betreuung und das Kreisauskunftsbüro. Kontakt zum DRK kann telefonisch unter 05 51 / 38 312 50 oder per E-Mail an service@drk-nom.de aufgenommen werden.
  • Caritas : Der Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Göttingen beschäftigt zurzeit 120 aktive Ehrenamtliche, die im „Fair-Kauf“-Second-Hand-Laden und in der Seniorenbegegnungsstätte in Duderstadt, in der Flüchtlingshilfe und bei weiteren Projekten tätig sind. Potenzielle Ehrenamtler können die Caritas unter Telefon 05 527 / 981 30 oder per E-Mail an info@caritas-goettingen.de erreichen.
  • Freiwilligenagentur Sport : Die Freiwilligenagentur sagt von sich selbst, dass sie ein „Rundum-Dienstleister“ für bürgerschaftliches Engagement in Göttingen ist. Die Agentur arbeitet dahingehend sowohl als Partner, wie auch als Vermittler von Freiwilligen und Organisationen. Interessierte können telefonisch unter 05 51 / 70 701 50 oder per E-Mail an info@freiwilligenagentur-sport.de einen Termin für ein persönliches Beratungsgespräch vereinbaren.
  • Stadtjugendring Göttingen : Der gemeinnützige Verein ist ein Zusammenschluss Göttinger Jugendverbände, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Interessen der Göttinger Jugendlichen politisch und gesellschaftlich eine Stimme zu geben. Wer die Arbeit des Vereins ehrenamtlich unterstützen möchte, meldet sich telefonisch unter 05  51 / 82 077 65 oder per E-Mail an info@sjrg.de.
  • CVJM : Der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) versucht mit seiner Arbeit Kinder und Jugendliche auf dem Weg in ein selbstständiges Leben zu unterstützen. Der Verein ist als Träger der Kinder- und Jugendhilfe anerkannt und veranstaltet unter anderem Kinder- und Jugendfreizeiten. Kontakt ist möglich unter Telefon 05 51 / 595 82 oder per E-Mail an buero@cvjm-goettingen.de. yah

Landkreis berät Bürger

Der Landkreis Göttingen berät und unterstützt freiwillig engagierte Bürger. In den vergangenen Jahren wurden Strukturen aufgebaut, die den direkten Kontakt zwischen freiwillig und hauptamtlich tätigen Personen erleichtern und verbessern, sagt Regina Meyer, Demografiebeauftragte des Landkreises Göttingen.

Der neu geschaffene Bereich der Demografiebeauftragten koordiniert und vernetzt demnach die verschiedenen Sparten des Freiwilligenengagements. Innerhalb der Kreisverwaltung und auch bei den Freien Trägern der Wohlfahrtspflege, Kirchen und Vereinen seien etliche Mitarbeiter hauptberuflich für die Beratung und Begleitung der sich engagierenden Menschen tätig.

Traditionell mit starken Strukturen in der Fläche engagieren sich Meyer zufolge Vereine und Verbände (z.B. Landfrauen, Sportvereine, Feuerwehren, Kirchen, Wohlfahrtsverbände). Seit vielen Jahren seien zum Beispiel die Gleichstellungsbeauftragte, Ortsheimatpfleger, Seniorenbeiräte und Seniorenobleute, Ortsjugendbeauftragte aktiv.

In den vergangenen Jahren wurden mit Unterstützung des Landkreises Meyer zufolge Nachbarschaftshilfen ins Leben gerufen. Wohnberater besuchen Bürger vor Ort und Dorfmoderatoren engagieren sich in ihren Dörfern.

"Ganz 'jung' und zahlreich sind die für Flüchtlinge aktive Menschen, die sich größtenteils zu Integrations- und Flüchtlingslotsen ausbilden lassen", sagt Meyer. Sicherlich gebe es noch viele andere Initiativen, die sich gerne mit ihr  in Verbindung setzen könnten. Frei nach dem Motto des Demografieberichtes: „Zusammen geht mehr.“
Meyer lädt zusammen mit dem Senioren- und Pflegestützpunkt Niedersachsen des Landkreises zudem zweimal im Jahr zu Freiwilligentreffen ein. Hier sind spartenübergreifend engagierte Bürger des Landkreises Göttingen eingeladen, zu bestimmten Themen ihre Anliegen und Ideen beizutragen.

 

Das nächste kreisweite Freiwilligentreffen findet am 12. September um 15.30 Uhr statt:
Ort: Kreishaus Göttingen, Reinhäuser Landstr. 4, Rau, 018
Thema: „Wir spielen uns die Bälle zu!? – Sportvereine, Feuerwehr und Ortsheimatpflege als zentrale Akteure im demografischen Wandel“

 

Kontakt und weitere Informationen bei Regina Meyer, Demografiebeauftragte des Landkreises Göttingen, Telefon 0551/ 5252-805 oder per Mail an Meyer.R@landkreisgoettingen.de

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