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Spiele mit Anspruch sind gefragt

Thema des Tages Spiele mit Anspruch sind gefragt

Spiele müssen nicht immer digital sein. Die guten alten Brett- und Kartenspiele haben auch in Zeiten von ultra-realistischen Computerspielen noch lange nicht ausgedient. Der Trend dabei: Das gemeinschaftliche Lösen von Aufgaben steht im Vordergrund, nicht der Sieg.

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Beraten in der Spieleburg: Markus Ritter und Sabrina Hoffmeister.

Quelle: Lieske

Kooperation ist Trend

Göttingen. In Zeiten von ultra-realistischen Computerspielen stehen sie oft an zweiter Stelle, wenn es ums Thema Spielen geht: Klassische Gesellschaftsspiele.  Doch sie können heute mehr als Mühle, Monopoly oder Mensch-Ärger-dich-nicht. Unterschiedliche Konzepte und Themen führen zu einem Angebot, das häufig mehr beinhaltet als ein bloßes Gegeneinander, aus dem ein Spieler als Sieger hervorgeht. Arne Soltendieck, Inhaber der Spieleburg in Göttingen, gibt einen Überblick über Trends und Neuheiten des Jahres.

Zunächst müssen Spiele nicht immer ein „jeder-gegen-jeden-Konzept“ beinhalten. „Kooperative Spiele sind ein großer Trend der vergangenen Jahre“, so Soltendieck. Ein Renner innerhalb dieser Kategorie seien „Zombie-Spiele“, die an TV-Serien wie „The Walking Dead“ angelehnt sind. „Das Spiel als Hindernis“, beschreibt Soltendieck die wesentliche Idee hinter diesem Konzept. Die Spieler müssen dabei gemeinsam Strategien entwickeln, um in der Gruppe zu überleben und das Spiel zu gewinnen. Hier wird also tatsächlich in der Gemeinschaft gespielt, quasi eine Lan-Party in analog. Beispiele für kooperative Spiele sind etwa Andor (ausgezeichnet als Kennerspiel des Jahres 2013) und Pandemie.

Ein weiterer Trend der vergangenen Jahre sind  laut Soltendieck  „anspruchsvolle Spiele mit sehr einfachen Regeln“. Dieser Trend halte auch 2016 an. Kennzeichnend sei, das solche Spiele mit einem überschaubaren Regelwerk auskommen, dabei aber viel Spielspaß bieten. Dauerläufer seien zudem Spiele mit historischem Hintergrund. Durch Autoren wie J.R. Tolkien und seine „Herr der Ringe“-Trilogie  seien auch Fantasy-Spiele inzwischen deutlich akzeptierter als noch in der Vergangenheit.

Hinsichtlich der Kunden unterscheidet Soltendieck im Wesentlichen drei Gruppen: Eltern mit kleinen Kindern, die Spiele vor allem ihrer Kinder wegen kaufen. Junge Erwachsene bis Anfang/Mitte 30, die Spielen als Hobby betreiben und die dritte Gruppe stellen Personen ab etwa Ende 50.

Einen persönlichen Tipp hat der Spieleburg-Inhaber auch: Kartenspiele. „Was das Preis-Leistungsverhältnis angeht, sind sie das Non-Plus-Ultra.“ Teils bieten die laut Soltendieck für kleine Preise jahrelangen Spielspaß und durch Erweiterungspacks immer neue Abläufe und Aufgaben. Beispiel: Magic oder Dominion.

Reinhold Wittig mag „reduzierte“ Spiele

Göttingen. Reinhold Wittig aus Göttingen entwickelt selbst Spiele. Und: Seit vielen Jahren ist er Mitorganisator des jährlich in der Stadthalle ausgetragenen Spieleautorentreffens.

Dabei interessiert er sich vor allem für skurrile Spiele und solche, die sich kritisch mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen. „Das sind Themen, die eigentlich gar nicht für Gesellschaftsspiele gedacht sind“, so Wittig.  „Brisanzspiele“ nennt er solche Entwicklungen. So habe er schon Spiele zu den Themen Klimawandel und Gewaltprävention entwickelt.

Besonders angetan haben es ihm außerdem die reduzierten Spiele mit wenigen Regeln und kurzen Spieldurchgängen. Vorlage dafür seien japanische Spiele: „Die Spiele in Japan sind sehr elementar und reduziert“, erklärt Wittig. Auch in Deutschland sei dieser Trend immer stärker vertreten. Als Beispiel nennt er das Spiel „Neunzig Grad“ des Göttingers Gunnar Kohlencord. Mit einfachen Regeln und wertigen Materialien wie Glas und Holz gefalle es ihm besonders gut. Herausgekommen ist es in diesem Jahr.

Das nächste Spieleentwicklertreffen plant Wittig am 4. Und 5. Juni. „Göttingen ist eine Spielestadt, sie unterstützt das Spielen“, begründet Wittig die Wahl des Veranstaltungsortes in der Universitätsstadt.

Colt Express (Spiel des Jahres 2015)
! Spieler sind Banditen, die möglichst viel Geld, Gold etc.
    erbeuten wollen
! Ein Sheriff behindert die Banditen
! Kommt ohne Spielplan aus, dafür gibt es einen Zug, in
   dem das Spiel stattfindet
! Mit Karten werden die Spielzüge geplant
! Jede Figur hat „Sonderfähigkeiten“
! Fazit von Markus Ritter, Mitarbeiter der Spieleburg:
   „Lustig, dynamisch und ein bisschen gemein“

Werwölfe (Neuerscheinung):
! Für drei bis zehn Spieler
! Reduziertes Kartenspiel (nur eine Runde wird gespielt)
! Werwölfe verstecken sich in einer Dorfgemeinschaft
    und müssen mit Hilfe von Logik herausgefunden werden
! Jeder Spieler erhält eine Rolle (Werwolf,
    Dorfbewohner etc.)
! Jeder hat spezielle Fähigkeiten
! Werwölfe versuchen zu sabotieren und von
    sich abzulenken

! Zusätzlich kann eine App als „digitaler Spielleiter“
    eingesetzt werden

! Fazit von Sabrina Hoffmeister, Mitarbeiterin
    der Spieleburg: „Macht sehr viel Spaß“

Sheriff of Nottingham (Neuerscheinung):
! die Spieler erhalten unterschiedliche Rollen
    (Sheriff, Händler)
! Händler müssen versuchen, ihre
    Waren durch das Stadttor zu bekommen,
    das der Sheriff kontrolliert
! Spieler können den Sheriff bestechen oder
   versuchen, die Waren an ihm vorbei zu
   bekommen, riskieren dabei aber, sie
   zu verlieren
! Sheriff will selbst profitieren
! Ist sehr situationsabhängig, weil die
    Spieler aufeinander und die Möglichkeiten
    der Anderen reagieren

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