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Stabiler Wald in der Region

Thema des Tages Stabiler Wald in der Region

Göttinger Wald, Solling und Harz: Südniedersachsens Wälder sind wunderschön. Aber wie geht es dem Wald eigentlich? Das erforschen die Mitarbeiter der nordwestdeutschen forstlichen Versuchsanstalt.

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Quelle: dpa

Göttingen. Die großen Zeiten des sauren Regens sind vorbei,  Schwefel und Stickstoff schaden den Bäumen – auch in Südniedersachsen – allerdings immer noch. Der Buche in Südniedersachsen geht es zwar schlechter als in den 1980er-Jahren. „Die Kronenverlichtung ist etwa doppelt so groß wie in 1984“, sagt Jörg Weymar von der  nordwestdeutschen forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen (NW-FVA). Seit den 90er-Jahren aber  ist die Entwicklung stabil.

„Ende der 70er-Jahre wurde eine massive Vergilbung vieler Bäume festgestellt, seit 1984 dokumentieren wir nun den Zustand des Waldes in Niedersachsen“, sagt Inge Dammann von der NW-FVA. „Besonders bei der Reduzierung des Schwefeleintrags in den Boden haben wir bundesweit durch Umweltschutzauflagen große Erfolge erzielt“, sagt die Fachfrau.  Die Umweltschutzauflagen greifen, aber was einmal im Boden sei, wirke lange. Und: „Es wird immer noch mehr Säure in die Böden eingetragen als abgebaut“, so Weymar. Möglich sei, dass der Stickstoffeintrag der Buche schade. Auch in der Region werden einige Wälder, die nicht auf Kalkboden wachsen, weiterhin gekalkt, um die Säure im Boden zu neutralisieren.

Niedersachsenweit werden auf mehr als 300 Punkten Daten für das forstliche Umweltmonitoring erhoben. Auch in Südniedersachsen werden Wald und Boden untersucht. Messflächen gibt es beispielsweise im Solling, im Göttinger Wald und im Harz. Das Resultat aus den umfangreichen Untersuchungen ist der jährliche Waldzustandsbericht.  „Dem Wald ging es 2015 genauso gut wie im Jahr zuvor“, sagt Dammann.

Wichtiges Kriterium für die Bewertung des Waldzustands ist die  sogenannte  mittlere Kronenverlichtung, also die Dichte des Blätterwerks. „Die Kronenverlichtung, der Anteil starker Schäden und die Absterberate der südniedersächsischen Bäume blieben von 2014 auf 2015 stabil“, sagt sie. Die Absterberate liege bei 0,2 Prozent aller Bäume.

Anders als im übrigen Niedersachsen, wo die Kiefer dominiert, ist in Südniedersachsen die Buche der meist verbreitete Baum. „Der Zustand der Buche in Südniedersachsen verhält sich allerdings genauso wie im Rest des Landes“, erklärt Jörg Weymar von der NW-FVA. Die Mitarbeiter der NW-FVA dokumentieren jedes Jahr im Juli und August – wenn die Bäume volles Blattwerk tragen – wie sich die Kronen der heimischen Bäume verändern. Anhand eines Buches mit Referenzbildern können sie erkennen, ob sich die Krone des Baumes über die Jahre verändert und wie weit sie ausgelichtet ist. Bei älteren Bäumen (älter als 60 Jahre) ist die Verlichtung etwa doppelt so groß wie bei jüngeren Bäumen. Generell liege die heimische Buche mit einer Verlichtung von etwa 15 Prozent im bundesdeutschen Mittel. Alte Bäume (über 60 Jahre) sind oftmals doppelt so stark betroffen wir jüngere.

„Dokumentiert wird, jeweils in Fünf-Prozent-Schritten, wie viel zum Optimum fehlt“, erklärt Weymar. Die Mitarbeiter kontrollieren Jahr für Jahr die gleichen Bäume. „Es gibt Bäume, die sind seit 1984 dabei“, sagt Weymar. Pro Messpunkt werden jeweils 24 Bäume untersucht. Und nicht nur die Kronenverlichtung fließt in den Bericht ein. Insektenschäden, Pilzschäden, die Fruchtbildung, Vergilbungen und andere Kriterien – bis zu 25 Parameter pro Baum – werden dokumentiert. Zudem erstellt die Versuchsanstalt  alle 15 Jahre eine Bodenerhebung.

In den drei Landkreisen Göttingen, Northeim und Osterode ist laut Weymar die Buche der dominierende Baum, gefolgt von der Fichte. Platz drei nehmen die anderen Laubhölzer ein, Platz vier die Eiche. „2015 hatten wir in Südniedersachsen eine sehr frühe Herbstfärbung“, so Weymar. Gerate die Buche unter Trockenheitsstress, werfe sie die Blätter früher ab. Zudem mache die Buchenkomplexkrankheit den Bäumen im Solling seit einiger Zeit massive Probleme.

Minister empfiehlt naturnahe Mischbestände

Göttingen/Hannover. Der Anteil starker Schäden bei den wichtigsten Baumarten sei gering: So hat Niedersachsens  Landwirtschaftsminister Christian Meyer den Waldzustandsbericht 2015 kommentiert: „Die politischen Maßnahmen gegen den Schadstoffausstoß aus industriellen Anlagen wirken. Das Waldsterben konnte vermieden werden.“ Während landesweit rund ein Viertel der älteren Buchen, Eichen und Fichten noch Kronenverlichtungen aufweise, zeige sich die Kiefer sehr robust. „Unsere Wälder haben die Wetterextreme 2015 ohne größere Schäden überstanden“, so der Minister. Dennoch müsse  mehr getan werden, um die hohen Stickstoffeinträge aus der Luft – insbesondere durch die Landwirtschaft –  zu senken. Diese Ablagerungen seien Gift für den Boden und den Wald.

Die Kronen der Hauptbaum-arten seien landesweit zu 15 Prozent verlichtet. Zu den Schadstoffeinträgen sagte der Minister: „Zwar ging der Schwefeleintrag seit den 1980er-Jahren stark zurück, die Böden haben aber noch viel Säure gespeichert. Auch die Stickstoff-Immissionen nehmen jetzt ab.“

Laut dem Minister sei durch den Waldzustandsbericht auch der Klimawandel in Niedersachsen dokumentiert. Die Jahresmitteltemperatur habe sich hier seit Beginn der 1990er- Jahre um knapp ein Grad Celsius erhöht. Mit diesem Ergebnis liege Niedersachsen im globalen Trend. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hatte  das Jahr 2015 als wärmstes je gemessenes Jahr seit Aufzeichnungsbeginn eingestuft. „Wälder sind aber gleichzeitig auch unsere besten Klimaschützer“, so Minister Meyer. „Der niedersächsische Wald speichert rund 230 Millionen Tonnen Kohlenstoff, davon rund 45 Prozent im Waldboden und 55 Prozent im Holz. Naturnahe, kohlenstoffreiche Wälder sind daher gut für das Klima.“

Förster und Waldbesitzer sollten durch angepassten Waldbau auf die Risiken des Klimawandels reagieren. Minister Meyer: „Ich empfehle, mehr standortgerechte, heimische und klimasichere Baumarten anzupflanzen, dort wo es der Standort erlaubt, in strukturreichen und naturnahen Mischbeständen mit Laubholz.“

Um die im Erdreich abgelagerten Altlasten des „sauren Regens“ zu kompensieren, empfehlen die Wissenschaftler der NW-FVA eine dem jeweiligen Standort angepasste Kalkung des Bodens.  dpa/bib

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