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Paradiese für Mensch und Tier

Stadtwäldchen Paradiese für Mensch und Tier

Sie sind kleine Paradiese - für Menschen und Tiere. Sie werden von vielen als selbstverständlich hingenommen, dabei sind sie etwas Besonderes. Und sie werden viel genutzt: Elf Stadtwäldchen gibt es in Göttingen, kleine bewaldete Inseln, die keine typischen Wälder sind.

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Abenteuer im Wäldchen am Hagenberg: Frederik und Alexander (8) bauen eine Waldhütte.

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. Wenn Göttingens Oberförster Martin Levin über die Göttinger Stadtwäldchen erzählt, kommt er ins Schwärmen. Als „grüne Lunge“ sorgten sie in manchen Stadtteilen für bessere Luft. Als weitgehend naturbelassene Wälder böten sie Tieren paradiesische Lebensräume. Und sie würden intensiv von den Bürgern genutzt: zum Wandern und Spazierengehen, von Radfahrern, von Schulklassen für Naturforschung und vor allem von Kindern als Abenteuerspielplatz. An manchen Stellen wie am Bismarckstein werden Partys gefeiert, am Ascherberg auch mal wild gecampt. „Und das ist gut so“, sagt Levin.

Das Stadtwäldchen Bismarckstein

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Entstanden seien die meisten Stadtwäldchen eher zufällig und ungeplant: aus dem Park einer großen Villa, auf der Restfläche eines Baugebietes, an Hanglagen, in Randbereichen von Wohnvierteln. Und dann seien sie immer mehr von den Menschen vereinnahmt worden.

Dass sie trotzdem auch Lebensraum vieler Tiere sind, sei besonders bemerkenswert, so Levin. Vögel seien die am häufigsten dort wildlebenden Arten. Nicht ohne Grund sei Göttingen Hochburg der Ornithologen - „die begleiten und beraten uns auch bei der Pflege der Wäldchen.“ Besonders wohl fühlten sich viele Vogelarten in den Lebensraumgrenzen: an den Übergängen von Wald zu Streuobstwiesen, Feldern und Gärten.

„Wir wollen sie als Naherholungsräume erhalten“

Die Stadtwäldchen auf einer Gesamtfläche von 110 Hektar werden vom Stadtforst betreut, aber nicht gezielt bewirtschaftet. „Wir wollen sie als Naherholungsräume erhalten“, sagt der stellvertretende Leiter des Forstbetriebes, Thorsten Gundlach. Holz werde nur dann für den Verkauf herausgeholt, wenn der Erholungsnutzen damit nicht eingeschränkt wird. „Aber wir kommen unserer Sicherheitspflicht nach“, ergänzt er. Bäume und Äste, die brechen und Menschen gefährden können, würden beseitigt. Wo es nötig ist, werde auch gepflanzt, zum Beispiel am Ascherberg oder im Nadelwald am Sportplatz Nikolausberg. Das Ziel: naturnahe, stabile Laubmischwälder.

Forscher-Areal, grüne Lunge 
und Nadelholz

Im Nordosten der Kernstadt um den Klausberg und oberhalb des Ostviertels liegen drei Stadtwäldchen recht nahe beieinander:

Der Wald am Klausberg (9,7 Hektar)ist ein schmaler, der sich unterhalb des gleichnamigen Wohnviertels als langgestreckter Keil bis zum Nikolausberger Weg erstreckt. Er ist beliebte Laufstrecke auch für Studenten aus dem nahen Sportinstitut, vor allem aber wirkt der Mischwald als „grüne Lunge“, die frische Luft in die Innenstadt bringt.

Das Wäldchen an der Trescowallee (15,4 Hektar) ist ein ausgeprägter Mischwald, der im Norden das Wohngebiet Klausberg Richtung Luttertal abschließt. Er wird gerne von Spaziergängern aus einem nahen Altenwohnheim genutzt und integriert auch einen angelegten Barfußpfad. Der Bismarckstein – das sogenannte Elefantenklo – ist außerdem ein beliebter Party-Platz.

Der Weinberg (25,3 Hektar) – sein Name ist irreführend – liegt oberhalb des Georg-Dehio-Weges und unterhalb der Herzberger Landstraße. Angelegt wurde der kleine Wald 1988 vom städtischen Grünflächenamt als stadtnahes Naherholungsgebiet und Übergangswäldchen am Rand des Ostviertels zum Stadtwald. Es gibt angelegte feste Wege und Ruhebänke.

Zu den Waldinseln zählen auch drei Bereiche, die eigentlich außerhalb der Innenstadt liegen:

Das Wäldchen Am Faßberg (2,4 Hektar) an der gleichnamigen Straße beherbergt einen alten Forstbestand. Es schließt sich an den Neuen Botanischen Garten und Forstbotanischen Garten der Uni an. Es wird gerne von Studenten als Forschungsobjekt genutzt, die dort ihre Geräte aufstellen.

❱ Unweit davon gibt es an der B27 und am gleichnamigen Bachlauf ein Wäldchen An der Lutter , mit 1,1 Hektar das kleinste Stadtwäldchen in Göttingen. Es gilt als Vogelparadies, in dem auch der Dompfaff lebt.

❱ Er ist vermutlich entstanden als eine Art Lärm- und Windschutzwall auf bisher nicht benötigten aber vorgehaltenen Erweiterungsflächen: ein kleiner Wald unmittelbar am Sportplatz Nikolausberg (3 Hektar). Er besteht ausschließlich aus dicht gewachsenem Nadelholz. Der Stadtforst will ihn „weiter entwickeln“ und schrittweise als abwechslungsreichen Laubwald gestalten.

Schul-Wald 
und 
Pilgerort

Ein besonders typisches Beispiel für ein Stadt- oder Inselwäldchen, das von den Bürgern in seinem Umfeld vielfältig genutzt wird, ist der Wald auf dem Hagenberg (18,8 Hektar) in der Göttinger Weststadt. Er ist bei Spaziergängern ebenso beliebt wie bei Hundehaltern. An seiner Südflanke gibt es eine große Wiese und einen (Wald-)Spielplatz – mit angelegt und gepflegt von einer Bürgerinitiative. Mehrere Kitas und Schulen aus den umliegenden Vierteln kommen regelmäßig in den kleinen Park und Wald. Ein Gedenkstein für die einstige Burg Grona an selber Stelle ist gelegentlich Pilgerstätte für Katholiken. Der Wald umfasst auch die steilen Hänge des Hagenberges zur Grone und Leine. Wasser und Wald locken viele Vögel an – auch die seltene Wasseramsel brütet hier.

Spielplatz, Wasserschutzgebiet und Vogel-Paradies

Ein ganz typischer Restwald ist das Wäldchen am Papenberg (3,1 Hektar) zwischen dem Sportinstitut der Uni und der B27 in Weende. Er ist inzwischen teilweise bebaut, ein wohnortnaher wilder Spielplatz für Kinder und dient als Lärmschutzwall zur Bundesstraße. Er ist so beliebt, dass er zunehmend von den Anwohnern schon mal durch immer größer werdende Gärten vereinnahmt wird.

Auch das Ebertal (26,7 Hektar) hat einen wohnortnahen eigenen kleinen Stadtwald: oberhalb der Tennisplätze und parallel zur Von-Ossietzky-Straße. Er hat sich als Übergangswald zum Stadtwald entwickelt. Durch ihn fließt der Eberbach, er ist Wasserschutzgebiet. Auch hier spielen oft Kinder und bauen Waldhütten.

Unweit davon liegt ein echtes Inselwäldchen am Kirschberg (1,4 Hektar). Es ist ebenfalls als Hochwasserschutzgebiet ausgewiesen. Tatsächlich ist es im Umfeld eines Rückhaltebeckens für Regenwasser entstanden. Es ist ein reiner Naturwald (kein Försterwald), der sich frei entwickelt hat – und ein beliebter Spielplatz.

Typisch für Stadtwäldchen ist der Ascherberg (2,9 Hektar) am Kiessee südlich der Bootshäuser: Der Park-Wald gehörte einst zu einer großen Villenanlage, ist mit verschiedenen Gehölzarten durchmischt. Er ist beliebt bei Spaziergängern und spielenden Kindern während eines Ausfluges an den Kiessee. Und er gilt selbst unter Ornithologen als Vogelparadies: 35 Vogelarten mit etwa 90 Paaren haben sie hier schon gezählt, darunter Mönchsgrasmücke, Zilpzalp, Mäusebussard und Waldohreule.

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