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Feinplanung mit besonderem Qualitätsbewusstsein

Elisabeth Staehelin hört bei Kammermusikgesellschaft auf Feinplanung mit besonderem Qualitätsbewusstsein

Eine Ära ist zu Ende gegangen: Nach acht Jahren hat Elisabeth Staehelin das Amt der Vorsitzenden der Göttinger Kammermusikgesellschaft an ihre gewählte Nachfolgerin Katharina Troe abgegeben.

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Elisabeth Staehelin

Quelle: r

Göttingen. Dieses Amt ist arbeitsreich. Alles, was mit der Planung, Organisation und Durchführung der von der Kammermusikgesellschaft veranstalteten Aulakonzerte zusammenhängt, obliegt dem Vorstand. Und weil Elisabeth Staehelin immer daran gelegen war, ihre Aufgaben so perfekt wie möglich zu erfüllen, hat sie sich um alle Dinge selbst gekümmert. „Ich musste sehen, dass alles in bester Ordnung ist“, beschreibt sie ihre Einstellung. „Ja, ich habe ein besonderes Qualitätsbewusstsein.“
Die Arbeit beginnt mit der inhaltlichen Planung der Konzertsaison. Sie umfasst sechs reguläre Konzerte, manchmal zusätzlich ein Sonderkonzert. Dabei steht dem Vorstand ein Programmausschuss zur Seite, der Anregungen gibt, auch Werke und Künstler vorschlägt. Für die „Feinplanung“ aber war Staehelin allein zuständig. Sie besuchte Konzerte („Ich muss die Künstler live hören“), gab manchmal sogar ihren Urlaub dran, um sich gründlich genug um die Auswahl zu kümmern. Und sie suchte die aufzuführenden Werke aus, stets um die richtige Mischung aus geschätzten Meisterwerken und unbekannten Stücken bemüht. „Da muss man ganzheitlich denken.“
Wenn das Jahresprogramm steht, ist beileibe noch nicht alle Arbeit getan. Rechtzeitig muss die Finanzierung gesichert sein. Die Kammermusikgesellschaft ist stolz darauf, dass sie ihre Konzerte ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand veranstaltet. Doch die Mitgliedsbeiträge allein fangen die Kosten nicht auf, wenn Spitzenqualität gefragt ist. „Die letzte Saison war ein 60 000-Euro-Unternehmen“, berichtet die scheidende Vorsitzende, „wovon die Mitglieder gut die Hälfte finanziert haben.“ Der Lückenschluss funktioniert nur mit Sponsorenmitteln (Staehelin: „Geld einzuwerben ist wahnsinnig zäh“) und mithilfe einzelner Mitglieder, die zusätzliche Gelder spenden.
Wenn das alles geleistet ist, bleibt noch etliches zu tun: die Mitgliederbetreuung, das Ticketing, die Buchhaltung und die Veranstaltungsleitung am Konzerttag von der Probenorganisation über die Blumensträuße für die Künstler bis zur Ausgestaltung der Nachfeier. Staehelin: „Manchmal liegt man sich in den Armen, nachts um halb eins ist dann alles vorüber.“ Dass sie ehrenamtliche Konzertmanagerin geworden ist, hat sich eher zufällig entwickelt. Kontakt zur Musik hatte Staehelin sehr früh: Aufgewachsen in Luzern, hatte sie durch ihr Elternhaus Kontakte mit Schülern der Meisterkurse des Konservatoriums. Sie erhielt Klavierunterricht, studierte Musikwissenschaft und Schulmusik. Verheiratet ist sie mit dem Musikwissenschaftler Prof. Martin Staehelin, der 1976 die Leitung des Beethovenhauses in Bonn übernahm, bevor er 1983 an die Universität Göttingen wechselte. „In Bonn habe ich alle Beethoven-Quartette mit dem Melos-Quartett gehört“, erinnert sich Elisabeth Staehelin. Das waren prägende Erlebnisse, die ihre Liebe zur Kammermusik stärkten. Ihrer Nachfolgerin hinterlässt die scheidende Vorsitzende 22 digitale Ordner, in denen sie ihre gesamte Vorstandstätigkeit dokumentiert hat, dazu einen dicken analogen Ordner mit Künstler-Verträgen, Rezensionen und Bildern der vergangenen Konzerte. Sehr froh ist sie darüber, dass die 1968 von Göttinger Professoren gegründete Kammermusikgesellschaft weiterhin eine enge, starke Verbindung mit der Universität pflegt. „Die Aulakonzerte sind ein Aushängeschild für die Universität“, hebt sie hervor. Und hofft, dass ihre Nachfolger im Vorstand einen eigenen Stil entwickeln: „Das muss sein.“ Freilich sollte dies auf der Basis der früher geleisteten Arbeit geschehen: „Wenn man einen Garten übernimmt, muss man sehen, was darin blüht.“

Neue Vorsitzende: Cellistin Katharina Troe

Katharina Troe

Katharina Troe

Quelle: r

Katharina Troe, neue Vorsitzende der Göttinger Kammermusikgesellschaft, ist Cellistin. 1970 in Göttingen geboren, erhielt sie ihren ersten Cellounerricht mit sieben Jahren und war von 1985 an – neben ihrem Schulbesuch am Max-Planck-Gymnasium –Jungstudentin bei Martin Ostertag an der Musikhochschule in Karlsruhe. Nach dem Abitur 1988 studierte sie weiter in Karlsruhe, später in Florenz und Köln und legte 1997 ihr Konzertexamen ab. Schon während des Studiums wurde sie mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. 2001 erhielt sie als Cellistin des 1999 gegründeten Hyperion-Trios gemeinsam mit Oliver Kipp (Violine) und Hagen Schwarzrock (Klavier) den ersten Preis beim Internationalen Johannes-Brahms-Wettbewerb in Pörtschach/Kärnten.
Als Vorsitzende der Göttinger Kammermusikgesellschaft wird sie für die Konzertplanung und das Marketing zuständig sein. Unterstützt wird sie im Vorstand von der stellvertretenden Vorsitzenden Hannelore Franz, die unter anderem für die Mitgliederkommunikation sorgen wird, und von Elisabeth Staehelin, die sich bereiterklärt hat, weiterhin die Geldgeschäfte an den Konzerttagen zu regeln und den Kontakt zu Stiftungen zu pflegen.

Große Werke für kleine Ensembles

Eröffnet die Saison 2016/17 der Aulakonzerte der Göttinger Kammermusikgesellschaft: Das Kammersextett „Berlin Counterpoint“ gastiert am Sonntag, 25. September, in der Aula der Universität.

Eröffnet die Saison 2016/17 der Aulakonzerte der Göttinger Kammermusikgesellschaft: Das Kammersextett „Berlin Counterpoint“ gastiert am Sonntag, 25. September, in der Aula der Universität.

Quelle: Schmidt

Zauberhafte Arrangements – (un-)vertraute Originalwerke“ heißt das Motto der Saison 2016/17 der Göttinger Aulakonzerte. Bearbeitungen groß besetzter Musikstücke für kleinere Ensembles gehören zur musikgeschichtlichen Praxis, etwa Sinfonien für Klavier zu vier Händen oder Klavierkonzerte für ein Kammermusikensemble. Das haben bisweilen die Komponisten der Originalwerke selbst getan, etwa Brahms in seinen Arrangements von Orchesterwerken für Klavier vierhändig oder Beethoven, der seine zweite Symphonie für Klaviertrio bearbeitete. Im Eröffnungskonzert (25. September) wird das Ensemble „Berlin Counterpoint“ unter anderem berühmte Orchesterwerke von Händel, Wagner und Richard Strauss in eigenen Arrangements präsentieren. Das polnische Meccore Quartet bietet am 23. Oktober neben Szymanowskis erstem Streichquartett zwei Klavierkonzerte von Mozart in der kammermusikalischen Fassung „a quattro“. Dabei gesellen sich zu dem Quartett der Pianist Haiou Zhang und der Göttinger Kontrabassist Holger Michalski. Mozarts Bearbeitung von Fugen Bachs werden vom Schumann-Quartett präsentiert (20. November).

Info

Die Konzerte in der Aula der Universität, Wilhelmsplatz 1, – immer sonntags – beginnen um 19.45 Uhr. Karten gibt es unter anderem beim Ticketservice des Göttinger Tageblatts , Weender Straße 44 in Göttingen, und unter aulakonzerte-goettingen.de.

Das komplette Programm können Sie hier herunterladen:

Programm (PDF) 533,05 kB

Das im ARD-Wettbewerb preisgekrönte Van Baerle Trio aus Amsterdam umrahmt am 19. Februar das selten zu hörende 1. Klaviertrio von Anton Arensky mit zwei spannenden Bearbeitungen: den kanonischen Studien Robert Schumanns in der Triofassung seines Freundes Theodor Kirchner und Ludwig van Beethovens eigener Bearbeitung seiner 2. Symphonie. Das amerikanische Dover Quartet stellt am 19. März mit dem Streichquartett von Samuel Barber das Originalwerk zu der beliebten und bekannten Bearbeitung des Adagios von Barber vor. Dazu sind bedeutende Spätwerke von Mozart (Quartett KV 590) und Beethoven (Quartett op. 130 mit der Großen Fuge) zu hören. Im Abschlusskonzert wird am 23. April das belgische Ensemble „Oxalys“ mit Bruckners 7. Symphonie und Mahlers „Lied von der Erde“ in den originalen Kammerfassungen des von Schönberg gegründeten „Vereins für musikalische Privataufführungen“ einen glanzvollen Schlusspunkt setzen. Katharina Troe ist stolz auf dieses Programm: „Carnegie Hall, Musikverein Wien, Universitätsaula Göttingen – so ähnlich sieht der Tourneeplan der Ensembles aus, die in der kommenden Saison der Aulakonzerte in Göttingen gastieren werden. Wir freuen uns darauf, eindrucksvolle, in dieser Form noch nie gehörte Konzertprogramme von internationalen Spitzenensembles präsentiert zu bekommen.“

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