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Steidl-Verlag aus Göttingen legt "Das Dschungelbuch" neu auf

Zum 150. Geburtstag von Rudyard Kipling Steidl-Verlag aus Göttingen legt "Das Dschungelbuch" neu auf

„Probiers mal mit Gemütlichkeit“: Das Lied von Balu dem Bären aus dem Dschungelbuch kann fast jeder mitsingen. Das Buch, das Vorlage für den Film war, ist ein Literaturklassiker. Zum 150. Geburtstag des Autors Rudyard Kipling am 30. Dezember ist im Steidl-Verlag eine neue Übersetzung erschienen.

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Das Dschungelbuch aus dem Steidl-Verlag: Im ersten Teil geht es um Mogli – und seinen Widersacher, den Tiger Shir Kan.

Quelle: Steidl

Göttingen. Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Mogli, dem kleinen Jungen, der im Dschungel von einem Wolfsrudel aufgezogen wird. „Das Dschungelbuch“ von Rudyard Kipling ist ein Literaturklassiker für junge und alt. Im Göttinger Steidl-Verlag ist jetzt ein wunderschönes  neues Dschungelbuch erschienen.

Das Buch, neu übersetzt von Andreas Nohl und liebevoll illustriert von der Grafikerin Sarah Winter enthält auch Erzählungen, die in den bekannten Verfilmungen nicht vorkommen. Das Steidl-Buch ist zwei Bücher unterteilt. Das „Dschungelbuch 1“ umfasst die Abenteuer Moglis und seiner Freunde. Balu der Bär und Baghira der Panter sind nicht zuletzt durch die Disney-Verfilmung weltberühmt geworden. Erstmals, so der Steidl-Verlag, können die deutschen Leser den Abenteuern des „Menschenwelpen“ Mogli im ersten, 291 Seiten starken, Buch bis ins Erwachsenenalter folgen. Das letzte Kapitel, „Im Rukh“, erzählt von Mogli als Wildhüter.

Die andere Hälfte des Buches, das „Dschungelbuch 2“ enthält eine Reihe weiterer Kipling-Erzählungen. Diese Ausgabe folgt  nach Angaben des Steidl-Verlags – anders als bisherige Übersetzungen –  der von Kipling autorisierten Outward Bound Edition,  in der die Mogli-Geschichten vollständig im ersten Band des Dschungelbuchs versammelt sind. Die anderen Erzählungen wie die vom kleinen Mungo „Rikki-Tikki-Tavi“, „Die weiße Robbe“, die nicht in den Tropen sondern in Alaska spielt, oder „Der Leichenbestatter“  finden sich im zweiten Teil. Auch die Geschichte von  „Purun Baghat“, dem hohen Minister, der eines Tages alles stehen und liegen lässt, um in den Himalaya aufzubrechen und sich den letzten Fragen des Lebens zu stellen.

Das hübsche Buch bietet also Lesespaß für alle Generationen. Kipling versteht es schon auf der ersten Seite mit seiner Sprache fesselnde und dichte Bilder entstehen zu lassen. Fast hört man beim Lesen die Tiere des Dschungels raunen. Er zählt zu den bekanntesten Literaten und versteht es gleichermaßen, auch Kinder mit seinen Geschichten zu faszinieren.

Rudyard Kipling, „Das Dschungelbuch 1&2“, Steidl-Verlag Göttingen, 528 Seiten, 17 Abbildungen, 1. Auflage Dezember 2015, 28 Euro.

Von Britta Bielefeld

Balu der Bär: Lieblingsfigur der Göttinger

Göttingen. Ganz klassisch als Buch, oder in Form der Verfilmung: Auch die Göttinger kennen die Geschichte von Mogli, Balu und Co. Dabei hat jeder seinen ganz persönlichen Liebling.

„Den Zeichentrickfilm kennen wir“, sagt Ralf Nesemann. Auch das Buch zur Verfilmung stehe bei ihm und seiner Frau im Regal. Seine Lieblingsfigur sei der Bär Balu. „Allein schon wegen der Philosophie“, begründet Nesemann mit Blick auf die Gemütlichkeit und Leichtigkeit des Bären.

„Meine Lieblingsfigur ist Mogli“ sagt hingegen Tillmann Stimpel, der die Geschichte als Film kennt. „Er ist mir einfach am sympathischsten“, so Stimpel. Michaela Kraus-Hennemann kennt sowohl den Film, als auch das Buch. Sie hat den Panther Baghira als Lieblingsfigur auserkoren. „Er ist fürsorglich aber auch schlau und weiß um die Konsequenzen seines Handelns“, begründet Kraus-Hennemann ihre Wahl. Der Charakter der Wildkatze sei ihr irgendwie näher, als die Leichtigkeit von Balu. Dominique Wengler und sein Sohn Adrien kennen den Film zum Buch. Wenglers favorisierter Charakter ist ebenfalls der Bär Balu. „Er verbreitet gute Laune und gute Stimmung“, erklärt er.

Aber nicht jeder kennt die Geschichte des Jungen aus dem Dschungel. „Ich kenne es zwar, habe aber das Buch nicht gelesen und auch den Film nicht gesehen“, erzählt Judith Krüger. Trotzdem kenne sie aber die Figur des Bären Balu. Vollständig kann sich also scheinbar niemand der bekannten Geschichte entziehen.

Von Finn Lieske

Vor 150 Jahren geboren: Rudyard Kipling

London. Bis heute begeistern seine exotischen Kurzgeschichten und schonungslosen Einblicke in die britische Kolonialherrschaft. Im Jahr 1865 wurde der Literaturnobelpreisträger und Schöpfer des weltberühmten Kinderbuchklassikers „Das Dschungelbuch“ geboren.

Mit seiner Geschichtensammlung „Die Dschungelbücher“ schrieb sich Rudyard Kipling in die Unsterblichkeit. Im Original ist die moralische Fabel eher düster, wurde aber 1967 schwungvoll von den Disney-Studios in einen Zeichentrickfilm verwandelt und zu einem der erfolgreichsten Filme der Geschichte.

Es ist kein Wunder, dass Rudyard Kipling Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zu den beliebtesten englischsprachigen Schriftstellern gehörte. Sprachmächtig, elegant und exotisch formte er das Bild der Briten von ihren Kolonien. Am 30. Dezember 1865 wurde Rudyard Kipling in Bombay (heute Mumbai) geboren - am diesem Mittwoch, 30. Dezember,  vor 150 Jahren.

In Indien fühlte Kipling sich immer mehr zuhause als in England: Seine Eltern waren Briten, die in die Kronkolonie ausgewandert waren und er wurde von einem portugiesischen Kindermädchen und indischen Bediensteten aufgezogen. Doch mit sechs Jahren wurde er zu Pflegeeltern in England geschickt, um dort eine gute Schulbildung zu erhalten. Er war sehr unglücklich und kehrte 1882, im Alter von 16 Jahren, nach Lahore im heutigen Pakistan zurück.

Sein Vater verschaffte ihm dort eine Stelle als Journalist für seine Lokalzeitung, für die er kreuz und quer durch die indischen Bundesstaaten reiste. Kipling sprach fließend Hindi und Urdu und begann nebenher, Kurzgeschichten und Gedichte zu schreiben. Schon seine ersten Werke begeisterten viele Leser. In ihnen zeichnete Kipling mit Ironie die Schwächen und Konflikte der englischen Bevölkerung in Britisch-Indien nach.

„Der Mann, der König sein wollte“(„The Man Who Would Be King“) wurde mit Sean Connery und Michael Caine in den Hauptrollen verfilmt. 1889 kehrte Kipling nach London zurück, dem literarischen Zentrum des britischen Empires, und wurde einer der bekanntesten und beliebtesten Schriftsteller. 1907 erhielt er als erster Brite den Liternaturnobelpreis.

Das änderte sich nach dem Ersten Weltkrieg, als die britische Kolonialherrschaft Risse bekam. Kipling war überzeugt, dass die angelsächsische Zivilisation anderen Völkern weit überlegen sei und zog damit Kritik auf sich.

Schriftstellerkollegen wie der Argentinier Jorge Luis Borges warfen ihm vor, er sei „ein Barde des britischen Empires“, der in Gedichten wie „Die Bürde des Weißen Mannes“ koloniale Ausbeutung besang. George Orwell beschrieb ihn 1942 in einem Essay als „Hurrapatrioten, moralisch unempfindlich und ästhetisch abstoßend“. Andere dagegen lasen Warnungen vor den Gefahren des Imperiums in seinen Gedichten, und Kiplings Meisterwerk „Kim“ (1901) zählte zu den Lieblingsbüchern des ersten indischen Ministerpräsidenten Nehru.

Es gibt einen deutschen Schriftsteller, auf den Rudyard Kiplings gleichmütiger Ton großen Eindruck machte: Bertolt Brecht. Der subtile Einfluss ist in mehreren seiner Gedichte zu spüren, der Kanonensong der Dreigroschenoper (1928) ist eine freie Interpretation von Kiplings Ballade „Screw-Guns“ (1890). Doch Brecht ist nicht der erste, der abgekupfert hat. Vor zwei Jahren wurde ein Brief Kiplings von 1895 gefunden, in dem er zugibt, Teile des Gedichts „Law of the Jungle“ abgeschrieben zu haben: „In der Tat ist es sehr gut möglich, dass ich mich wahllos bedient habe, doch derzeit kann ich mich nicht erinnern, von wessen Geschichten ich gestohlen habe. Mit herzlichen Grüßen, Rudyard Kipling.“

Am 18. Januar 1936 starb Kipling kurz nach seinem 70. Geburtstag. Seine Asche wurde in der Poets‘ Corner („Dichterecke“) der Londoner Kathedrale Westminster Abbey neben den Gräbern von Thomas Hardy und Charles Dickens beigesetzt. dpa

Neue Bücher

"Kim" neu übersetzt

Kiplings Roman „Kim“ handelt  vom Erwachsenwerden des Waisenjungen Kim. Auch dieses Buch ist 2015 von  Andreas Nohl neu übersetzt und herausgegeben worden.  Kim führt im Indien der 1890er Jahre ein Vagabundenleben, er beschließt, einen Lama auf dessen lebenslanger Suche zu begleiten. Auf seinem Weg kommt er mit britischen Agenten in Kontakt. Doch dann soll Kim, „Freund aller Welt“, selbst als Spion eingesetzt werden.

Rudyard Kipling, „Kim“, Hanser Verlag, 512 Seiten,  Februar 2015,  29,90 Euro.

Briefe von Kipling

1907 hat Rudyard Kipling den Literaturnobelpreis erhalten – im Alter von 41 Jahren. Jünger war bis heute keiner der Preisträger. In Deutschland sind vor allem seine Dschungelbücher und weniger der prämierte Roman „Kim“ bekannt. Kipling verstand es wie nur wenige, zu beschreiben, was er in aller Welt gesehen hatte. In seinen Reisebriefen und Reportagen, bisher nur in englischer Sprache veröffentlicht, die jetzt im Verlag Mare erschienen sind, ist das nachzulesen: witzig und ironisch beschreibt er Handelszentren und Naturwunder, Ferne Länder, Sehenswürdigkeiten stellt er mit feiner Beobachtungsgabe dar und macht sich ebenso darüber wie über die eigenen Vorurteile lustig. Schöne Lektüre für Reiselustige und Fans des kurzen Lesestücks. Dass Kiplings Stil in „Von Ozean zu Ozean“ an Mark Twain erinnert, ist erklärbar: Twain war sein Vorbild und gab ihm den Tipp: „Sammeln Sie Ihre Fakten, um sie dann nach Lust und Laune zu verdrehen.“

Rudyard Kipling: „Von Ozean zu Ozean. Unterwegs in Indien, Asien und Amerika.“ Marebuchverlag, 2015, 797 Seiten, 48 Euro.

Von Angela Brünjes

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