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Kleine Helden mit Krone und Umhang

Sternsinger Kleine Helden mit Krone und Umhang

„Segen bringen, Segen sein.“ Sie sind Helden im Alltag. Seit 1959 ziehen Sternsinger im kalten Januar, oft bei Schnee und Eis, von Haus zu Haus, singen, schreiben den Segen an und haben allein 2016 in Deutschland rund 46,2 Millionen Euro gesammelt. Von Anfang an unterstützen Duderstädter die Aktion.

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Karla Diedrich, Mia-Marie Diederich, Joris Kellner und Leonhard Kellner ziehen als Sternsinger durch Duderstadt.

Quelle: Hinzmann

Duderstadt. „Rund 100 Personen sind auch in diesem Jahr in die Aktion involviert“, berichtet Koordinatorin Kerstin Burchard, dass etwa 65 Kinder teilnehmen. Der Rest sind ehrenamtliche Betreuer, Fahrer oder Helfer. Aufgeteilt in 14 Gruppen besuchen sie am Wochenende rund 3000 Haushalte in etwa 2000 Häusern.

Im Durchschnitt schreibt oder klebt jede Gruppe mehr als 200-mal den Segen an. Zuvor singen sie ein Lied wie „Seht ihr unseren Stern dort stehen“ und jeder sagt seinen Spruch auf. Dann halten die Kinder ihre Spendendose hin.
Mit den gesammelten Spenden unterstützen die Sternsinger aus Deutschland mehr als 1500 Projekte für Not leidende Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa. „Seit einigen Jahren gibt es ein Beispielland, um auf Probleme hinzuweisen“, erklärt Kerstin Burchard.

Kenia steht im Fokus

In diesem Jahr soll am Beispiel Kenia auf den Klimawandel hingewiesen werden. „Das ist eines der Länder, in denen sich die Folgen extremst zeigen“, so Burchard. „Wir haben mit den Kindern im Sternsingerfilm gesehen, dass es dort einen Ort gibt, an dem es seit Jahren nicht mehr geregnet hat und einen See, der austrocknet.“ Mit der Aktion solle nicht nur Geld zusammengetragen, sondern sollen die Menschen darauf hingewiesen werden, „dass wir mit der Schöpfung nicht positiv umgehen“.

Das Schicksal der Kinder, die im Film vorgestellt werden, berühre die Sternsinger, sagt Burchard. Und deshalb starten auch in diesem Jahr wieder 65 Kinder auf die Tour durch Duderstadt. Für Besuche sei nicht allein die Konfession entscheidend. „Wir haben zwar zunächst eine Liste mit den katholischen Haushalten“, erläutert Burchard, doch würden die Kinder auf Wunsch mittlerweile rund 150 Haushalte besuchen, die ursprünglich nicht auf der Liste standen. Und es sei auch keine Voraussetzung für die Sternsinger, katholisch zu sein. „Wir sind offen“, sagt Burchard. „Wir haben zum Teil evangelische Kinder dabei.“ Und auch zwei Flüchtlingskinder wollen in diesem Jahr die Aktion unterstützen.
Mit Kronen und Umhängen machen sich die kleinen Sänger auf den Weg, den Kerstin Burchard ausgetüftelt hat. Mindestens zu viert sind sie unterwegs, die drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar sowie der Träger des Sterns, dem die Weisen aus dem Morgenland gefolgt seien. Entgegen vielen anderen Orten, werde in Duderstadt seit fast zehn Jahren kein König mehr mit dunkler Gesichtsfarbe bemalt, erzählt sie.

Dud-TdT-Sternsinger Dud-TdT-SternsingerFreundschaftsbänder mit Segensspruch gibt es jetzt seit vier Jahren.

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Und schon vorher sei die Schminke freiwillig gewesen. „Es ist zum Beispiel auch gar nicht abschließend geklärt, wer der dunkelhäutige König gewesen sein soll“, erklärt Burchard. In manchen Schriften sei Melchior, in anderen Baltahasar genannt. Und außerdem sei das auch nicht wichtig. „Die Kinder haben auch keinen Wunschkönig.“ Lediglich bei den Dingen, die sie mit sich tragen, sei die Spendendose etwas beliebter als Weihrauchfass und Kreidedose.

Damit die Kinder gut ausgestattet auf ihre Reise gehen können, sind im Vorfeld viele fleißige Helfer tätig. „Wir versuchen, alles selbst auf die Beine zu stellen“, erzählt Burchard. Regelmäßig würden zum Beispiel neue Umhänge genäht. „Für die Umhänge haben wir uns irgendwann entschieden, weil sie sich gut über der dicken Winterkleidung der Kinder tragen lassen“, erläutert die ehrenamtliche Helferin. Und auch die Kronen seien zum Teil selbstgebastelt. „Manche Kinder bringen aber auch eigene Kronen und Umhänge mit“, weiß sie zu berichten. Eine Spende des Duderstädter Schriftstellers Wolfgang Windhausen ermöglichte vor einigen Jahren den Kauf von richtigen Weihrauchfässern. „Zuvor waren die Kinder mit kleinen hölzernen Fässern unterwegs.“

„Manche wollen nicht, dass wir den Segen anschreiben"

Obwohl die Besuche eigentlich nach einem festen Schema ablaufen, gibt es trotzdem immer wieder Unterschiede. „Manche wollen nicht, dass wir den Segen anschreiben, aber wir dürfen trotzdem kommen“, so Burchard. Es habe auch schon jemanden gegeben, der spendete, aber nicht wollte, dass die Kinder singen. Andere wiederum würden die Gruppe hereinbitten, damit sie neben der Krippe oder dem Weihnachtsbaum singen.

Doch von all dem ließen sich die Sternsinger nicht beirren, denn sie hätten ein Ziel – möglichst viel Geld für Kinder zu sammeln, denen es nicht so gut geht wie ihnen. Sie sind eben kleine Helden, die zur Belohnung am Ende auch die geschenkten Süßigkeiten gerecht untereinander aufteilen.

Sprüche der Sternsinger

Begleitet von einem Sternträger bringen die Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar den Segen in die Häuser. „Wir wechseln die Sprüche in jedem Jahr“, erklärt die Duderstädter Koordinatorin Kerstin Burchard. „Dabei schauen wir immer, dass sie zum Thema der Aktion passen. In diesem Jahr haben wir neue Sprüche vom Sternsingerverlag bekommen.“

Sternträger: Nach sehr beschwerlich langen Reisen stehn hier, ihr Leute, die drei Weisen. Ihr seht den Stern, der uns geführt, damit dies Haus gesegnet wird.

Kaspar: Wir bringen aus der heil‘gen Nacht den Segen, der lebendig macht, der Gottes Schöpfung krönt und ehrt, der ohne Ende ewig währt.

Melchior: Ihr, die ihr zu Hause seid, steht unter seinem Schutz allzeit. Seid Gott und allen Menschen nah, dann bleibt sein Segen immer da.

Balthasar: Zum Zeichen diene euch ihr Lieben, was wir mit dieser Kreide geschrieben.

Alle: Gott schütze euch und euer Haus, und alle, die hier gehen ein und aus. Christus mansionem benedicat. Christus segne dieses Haus und alle, die hier gehen ein und aus im Jahre 2017.

Was bedeutet der Segen?

Zum Abschluss ihres Besuches segnen Sternsinger die Häuser, indem sie folgende Zahlen-Zeichen-und-Buchstaben-Kombination anschreiben: 20*C+M+B+17. Manch einer mag denken, dass die Buchstaben C, M und B für die Namen der Heiligen Drei Könige stehen, doch sie kürzen den lateinischen Satz „Christus mansionem benedicat“ ab, auf  deutsch „Christus segne dieses Haus“. Aus den Zahlen lässt sich das Jahr des Segens ablesen. Der Stern symbolisiert den Stern, dem die Könige gefolgt sind; und die drei Kreuze bedeuten den Segen „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“.

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