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Stichwahl im Landkreis Göttingen

Bernhard Reuter (SPD) gegen Ludwig Theuvsen (CDU) Stichwahl im Landkreis Göttingen

Für die absolute Mehrheit hat es am vergangenen Sonntag für keinen der Landratskandidaten gereicht. Am Ende hieß es: 48,66 Prozent für SPD-Kandidat Bernhard Reuter, 34,12 Prozent für Konkurrent Ludwig Theuvsen von der CDU. Knapp 21 000 Stimmen trennten die beiden. Nun geht es in die Stichwahl.

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Es wird bereits fleißig für die Stichwahl plakatiert.

Quelle: HW

Göttingen. Die Kontrahenten übten sich in Zweckoptimismus: Er sei „außerordentlich zufrieden“ mit seinem Ergebnis, sagte Amtsinhaber Reuter, dessen Genossen insgeheim mit einem direkten Durchmarsch Reuters gerechnet hatten. Auch Herausforderer Theuvsen gab an, „auf jeden Fall zufrieden“ über das „gute Ergebnis“ zu sein. Die Stichwahl hatte er sich als Ziel gesetzt, sein Wahlergebnis aber vorab mit 38 bis 40 Prozent deutlich höher eingeschätzt.

Die Stichwahl steht nun am kommenden Sonntag an. Während die Grünen im Kreis schon frühzeitig für die Unterstützung Reuters ausgesprochen haben und gar auf einen eigenen Kandidaten verzichtet haben, kann Theuvsen nun im zweiten Wahlgang auf Stimmen der Piraten hoffen. Der Kreisverband der Piraten hat am Freitag eine Wahlempfehlung für Theuvsen abgegeben.

Anders der Göttinger FDP-Stadtverband um Theuvsens und Reuters Gegenspieler im ersten Wahlgang, Felicitas Oldenburg: Die Göttinger FDP sehe der Stichwahl gelassen entgegen. Die FDP werde sich, „anders als andere Bewerber, nicht überkleben oder einspannen lassen“, sagte Oldenburg. Der FDP-Kreisverband aus Osterode hatte im Juni reserviert auf Oldenburgs Kandidatur reagiert. Das Osteroder FDP-Ziel lautete: die Abwahl Reuters. Eine vorzeitige Unterstützung Theuvsens war dort sogar im Gespräch.

Am Sonntag sind erneut mehr als 268 000 Bürger in den Altkreisen Göttingen und Osterode zur Wahl aufgerufen. Zwischen 8 und 18 Uhr sind die 426 Wahllokale geöffnet. Eine Briefwahl ist bereits jetzt möglich – entweder persönlich in der zuständigen Gemeindeverwaltung oder auf dem Postweg. Die dafür nötigen Wahlunterlagen können in den Verwaltungen angefordert werden. Die Stimmzettel müssen, um gezählt zu werden, am Sonntag bis 18 Uhr das entsprechende Wahllokal erreicht haben.

Ludwig Theuvsen (CDU)

Ludwig Theuvsen - die Vita

Ludwig Theuvsen stammt vom Niederrhein. Nach dem Abitur studierte er Betriebswirtschaftslehre in Aachen und promovierte in Köln. Nach seiner Habilitation 2001 wurde der heute 52-Jährige 2002 Professor für Betriebswirtschaftslehre an die Uni Göttingen im Bereich Agrarökonomie. Zur Politik kam Theuvsen spät: 2011 wurde er CDU-Mitglied, ein Jahr später Vorsitzender des Ortsverbandes Oststadt und im Jahr darauf Vorsitzender des Stadtverbandes. 2014 rückte er in den Rat der Stadt nach. Theuvsen engagiert sich im Kirchenvorstand der St.-Paulus-Gemeinde. Er ist seit 33 Jahren mit seiner Frau Brigitte zusammen, seit 25 Jahren sind sie verheiratet.

Bernhard Reuter (SPD)

Bernhard Reuter - die Vita

Bernhard Reuter kommt aus Kassel. Nach dem Abitur 1973 studierte er Jura, Sozialwissenschaften und Lehramt in Göttingen und schloss 1976 mit der ersten, 1978 mit der zweiten Lehramtsprüfung sowie 1986 mit der ersten juristischen Staatsprüfung ab. Reuter arbeitete von 1979 bis 1999 als Lehrer und Schulleiter. 1999 wurde Reuter, der seit 1986 SPD-Mitglied ist, Landrat in Osterode, 2011 Göttinger Landrat. Er ist seit 2002 Vorstandsvorsitzender des Regionalverbandes Südniedersachsen, Vizepräsident des Niedersächsischen Landkreistags, Vizepräsident des Deutschen Landkreistags. Seit 2015 steht er an der Spitze des Stiftungsrates der Südniedersachsen-Stiftung.

Die Themen von Ludwig Theuvsen

Wirtschaftsförderung, eine Ausbildungsinitiative, Tourismusförderung, attraktivere Landgemeinden und eine innovative Verwaltung sind die wichtigsten Themen, die Ludwig Theuvsen anpacken will, wenn er Landrat im Kreis Göttingen werden sollte. Der 52-Jährige tritt bei der Wahl für die CDU an.

Wirtschaftsförderung.Theuvsen will die Wirtschaftsförderung „wieder zur Chefsache machen“, erklärte der Betriebswirt und Agrarökonom zum ersten seiner Kernthemen. Wichtig sei eine aktive Förderung von Firmen, die sich im Kreis Göttingen ansiedeln wollen, bei gleichzeitiger Bestandspflege. Unter dem Dach der Wirtschaftsförderungsgesellschaft WRG sehe er hier noch viel Potenzial.

Ausbildungsinitiative. An zweiter Stelle fordert Theuvsen eine „Ausbildungsinitiative Südniedersachsen“: „Für mich ist wichtig, dass wir im gesamten neuen Landkreis unsere Auszubildenden und damit unseren wirtschaftlichen Mittelstand besser unterstützen.“ Dazu gehörten auch kostenlose Busfahrten für Auszubildende zu ihrer Ausbildungsstelle.

Ländliche Region. Mit einem Familienzuzugsbonus will der CDU-Bewerber mehr junge Familien in die ländlichen Regionen ziehen und so die Attraktivität des Landkreises stärken. Zugleich müsse es auch im ländlichen Raum gute und nahe Schulen, ausreichend Kindergärten, einen günstigen und attraktiven öffentlichen Personennahverkehr, gute Straßen, Internetverbindungen und Einkaufsmöglichkeiten geben.

Tourismus. Unter anderem mit einer Tourismusagentur will Theuvsen die Region Göttingen stärker als Urlaubs- und Ausflugsziel bewerben. Vom Harz bis an die Weser gebe es im gesamten neuen Landkreis viel zu entdecken. Um dies bekannter zu machen, brauche die gesamte Region „zuallererst eine gemeinsame Vermarktung als attraktiver und vor allem innovativer Tourismusstandort in der Mitte Deutschlands“. Theuvsen weiter: „Die Region hat viel Potential – Wir dürfen uns auf keinen Fall unter Wert verkaufen.“

Moderne Verwaltung. Darüber hinaus strebt Theuvsen als Landratskandidat „die Weiterentwicklung der Kreisverwaltung zum kundenfreundlichen und lösungsorientierten Dienstleister für Bürger und Unternehmen an“. Sie müsse mehr Service dort anbieten, wo er gebraucht wird. Dabei setzt der Kandidat auf ehrenamtlich Tätige. Um ihr Engagement zu würdigen und zu stärken plant Theuvsen eine Anlaufstelle, die zu Fragen wie Zuschüsse, Versicherungen und Rechtliches berät. Zu einer modernen Dienstleistungsbehörde gehört laut Theuvsen außerdem eine „Entbürokratisierung“: „Die Verwaltung muss zum ‚Möglich-Macher‘ und nicht zum ‚Verhinderer‘ werden.

Die Themen von Bernhard Reuter

Einst Landrat in Osterode, heute in Göttingen: Bernhard Reuter (SPD) bringt als Kandidat Erfahrung und Kenntnis über beide vor der Fusion stehenden Landkreise mit. Seine fünf zentralen Ziele für den Fall einer Wiederwahl:
„Stadt und Land zusammen“: Mit diesem Schlagwort fasst Reuter eine Entwicklung zusammen, die sich auf einem „guten Weg“ befinde, die aber zukünftig weiter gepflegt werden müsse.

Nachdem durch die Finanzvereinbarung der jahrzehntelange Streit zwischen Stadt und Landkreis Göttingen beigelegt worden sei, die Querelen um die Berufsschulstandorte ein Ende gefunden hätten, Stadt und Landkreis die Frage um Schulstandorte im Bereich der Sekundarstufe 1 klären konnten und die Zusammenlegung der Volkshochschulen erfolgt seien, müsse nun das Prinzip „Hand in Hand“ weiter ausgebaut werden.

„Schnelles Internet in jedem Dorf“: Das Konzept für die nahezu lückenlose Versorgung mit Breitband-Internet habe der Kreistag beschlossen, nun müssten weitere Förderanträge erarbeitet werden. Ziel sei, noch in diesem Jahr mit der Umsetzung zu beginnen und die Ausschreibungen so weit zu bringen, dass im Frühjahr „die Bagger rollen“ könnten. Abschluss und Abrechnung des Projektes seien für 2018 vorgesehen.

„Fünf-Euro-Ticket“: „Die Preise müssen runter“, fordert Reuter für den Öffentlichen Personennahverkehr im Kreis. Dazu sei eine Tarifreform im Verkehrsverbund Südniedersachsen (VSN) nötig. „Das Einzelticket von jedem Ort im neuen Landkreis in die Kreisstadt Göttingen soll nicht mehr als fünf Euro kosten“, formuliert Reuter sein Ziel. Zudem brauche es zusätzliche Bus- und Bahnverbindungen und – auf lange Frist gesehen – Angebote wie Carsharing, E-Bike-Verleih, Bürgerbusse und Anruf-Sammeltaxis, sowie Apps und digitale Plattformen zur Koordination.

„Sozialer Zusammenhalt in Dorf und Stadt“: Nicht nur die Bundespolitik, auch die Kommunalpolitik könne ihren Beitrag zur Verbesserung des sozialen Zusammenhalts leisten, sagt Reuter. Er wolle mit Bildungsprogrammen, Berufseinstiegsbegleitung, Familienzentren, Hebammensystemen, Integrationslotsen und einer Konzentration auf die Vorsorge durch Jugend- und Sozialamt weiter Vermögensungleichheit, Altersarmut, Langzeitarbeitslosigkeit und sozialer Schwäche in Familien entgegenwirken. Dass dies gelingen könne, zeigten die Arbeitslosenzahlen, die sich seit der Übernahme der Aufgaben des Jobcenters in beiden Landkreisen deutlich verbessert hätten.

„Finanzpolitik mit Augenmaß“: Jede zu viel getätigte Ausgabe gehe zu Lasten der Folgegeneration, dennoch dürfe in der vorsorgenden Bildungs- und Sozialpolitik nicht am falschen Ende gespart werden. Reuter fordert daher Bund und Land auf, eine „auskömmliche Finanzausstattung der Kommunen“ zu gewährleisten. Damit solle die aktuell solide Finanzsituation des Landkreises weiterhin stabil gehalten werden. Zur Wirtschaftlichkeit trage auch die Fusion bei: „Vier Millionen Euro weniger Kosten bei mehr Leistungsfähigkeit“, beschreibt Reuter die „eigentliche Fusionsrendite“.  ne

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